Integrative Mobile Jugend-Lern-Hilfe

4. November 2022   |   Christina

Integrative Mobile Jugend-Lern-Hilfe

Seit Januar 2022 arbeite ich nachmittags für fünf Tage in der Woche in der „Integrativen Mobilen Jugend-Lern-Hilfe“ in der Gemeinschaftsunterkunft am Kirchhainerdamm. Ich selbst lebe inzwischen seit zwei Jahren in der Unterkunft. Ziel des Projekts ist es, geflüchtete Kinder beim Lernen zu unterstützen und die in der Zeit von Corona entstandenen Lernrückstände zu verringern. Durch die zusätzliche Gestaltung von Freizeitangeboten, an denen alle Schüler:innen teilnehmen können, sollen die Kinder auch sozial und emotional begleitet werden.

Meine Aufgaben
An den Schultagen bin ich meistens damit beschäftigt, den Kindern bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Wir haben inzwischen einen sehr schönen Raum dafür. Er ist mit ausgemalten Bildern und Lernpostern bunt geschmückt. Es gibt stressigere Tage, an denen beispielsweise elf Kinder zwischen sieben und 18 Jahren, Hilfe beanspruchen. Sie alle haben ein anderes Sprachniveau und gehen in unterschiedliche Klassen, was eine individuelle Betreuung notwendig macht. Somit lernen manche der Schüler:innen die deutschen Buchstaben zu schreiben, während andere bereits eine Präsentation vorbereiten müssen. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es mir aber auch mitzubekommen, in welchen Bereichen (Rechnen, Lesen oder Schreiben) ein Kind Defizite hat. An ruhigeren Tagen nehme ich mir dann die Zeit, mit einzelnen Schüler:innen zu üben, am besten geht das spielerisch oder mit kleinem Ansporn. Zurzeit sammeln die Kinder beispielsweise Punkte beim Lesen. Jeder liest auf seinem Niveau. Wer viele Punkte sammelt, bekommt am Ende eine Überraschung. Ein bisschen Motivation tut manchmal Wunder! Außerdem dürfen die, die mit ihrer Arbeit fertig sind, auch eine Runde spielen oder Malen.

Meine Arbeit zahlt sich aus
Manchmal geht es bei uns recht lustig zu. Zum Beispiel waren alle mal ganz hibbelig, also entschied ich, dass wir einfach einige Minuten tanzen sollten. Einmal ist auch ein Karton im Zimmer herumgelaufen. Zwei schelmische Augen schauten aus dem Loch im Griff heraus. An manchen Tagen haben wir auch etwas zu feiern: nach langem Üben flutscht endlich das Lesen, der Test, für den wir gelernt haben, wird mit Erfolg bestanden oder jemand geht von der Willkommensklasse in die Regelklasse. In den Ferien ist Spaß das höchste Gebot, denn Spaß verbindet und legt die Basis für eine gute Zusammenarbeit. So haben wir im letzten Jahr zusammen Pizza gebacken und Sirup hergestellt. Wir haben Eier gefilzt und Holz mit Brandmalerei geschmückt. Wir haben zusammen gefrühstückt, haben eine Waldwanderung mit einer Schatzsuche gemacht, den Britzer Garten erkundigt und uns gegenseitig in Wasserschlachten total nass gemacht.

Schwierigkeiten, mit denen ich umgehe
Manchmal ist die Stimmung aber auch eher bedrückt. Kinder berichten über Streit oder wie schwer es für sie ist, in der Schule Freunde zu finden. Zusätzlich zu ihren eigenen Lasten, unterstützen viele Kinder ihre Eltern, weil diese nicht so schnell Deutsch lernen, wie ihre Kinder. Aber das Lernen ist auch keine Einbahnstraße. Auch ich lerne dazu. So kann ich jetzt einen Fanta-Kuchen backen, ich weiß, wie man mit einem Filzstift pfeift, und dass Rosinen nach oben schweben, wenn man sie in Sprudelwasser legt. Die Kinder bringen mir aber auch Lernstrategien, Streitschlichten und Toleranz bei, eben auf ihre Art.

Es war ein sehr unruhiges Jahr in der Unterkunft. Wir hatten einen Trägerwechsel und viel Wechsel im Personal. Ich habe oft die Übergänge überbrückt, das Ferienprogramm gestaltet und dafür gesorgt, dass die Kinder mindestens einen ständigen Ansprechpartner hatten. Es war nicht immer leicht, aber ich bin froh, dass ich für die Kinder da sein konnte. Das Team von VISIONEERS gGmbH hat mir dabei immer wieder den Rücken gestärkt und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, mit dieser tollen Kinderschar arbeiten zu können.

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