Ankommen – mein Erfahrungsbericht

8. Februar 2024

Ankommen

Um Euch eine grobe Idee zu geben, wo ich hier eigentlich bin, möchte ich Euch als erstes
meine etwas besondere Wohnsituation erklären. Meine Cabina (kleine Wohnung mit eigener
Küche und Bad) befindet sich zwischen den Häusern meiner Gastfamilie und deren Pulpería
(Dorfkiosk) im Dorf Playa Bandera. Dieses liegt direkt an der Pazifikküste Costa Ricas,
gesäumt von Palmenplantagen und nur fünf Minuten vom Meer entfernt.

Es ist ein sehr
ruhiger Ort mit einer tollen Dorfgemeinschaft. Jede*r kennt jede*n und dadurch, dass die
Pulpería wie ein Dorfmittelpunkt genutzt wird, konnte ich schnell viele neue Menschen
kennenlernen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man von Leuten auf der Straße erkannt und
gegrüßt wird, oftmals mit den typischen costa-ricanischen Worten “Pura Vida”.

Nun aber zu dem wohl wichtigsten Part meines Alltags hier: die Projektarbeit. Ich habe eine
buntgemischte Woche mit vielen verschiedenen Aufgaben. Vormittags arbeite ich in der
lokalen Grundschule, die praktischerweise nur zwei Häuser von meinem Zuhause entfernt
ist. Ich unterstütze dort die Lehrerin der ersten und zweiten Klasse (diese werden
zusammen unterrichtet, weil das Dorf so klein ist), das heißt ich assistiere den Kindern beim
Ausschneiden, Einkleben und anderen Dingen, um die Lehrerin zu entlasten. Außerdem
helfe ich einem Jungen mit Autismus bei seinen Matheaufgaben. Zum Mittagessen bin ich
dann wieder zurück in der Pulpería.

„Vortrag über Deutschland zum Día de las Culturas in der Grundschule“

Nachmittags arbeite ich zweimal die Woche in einem Nachmittagsprojekt (UNO+ La Loma), das so ziemlich genau das Gegenteil von der
Grundschule darstellt. Ich muss sehr viel Selbstinitiative zeigen, in Form von Bastel- und
Spielideen, sowie der Auswahl der Themen, werde jedoch von einer Mutter der Kinder
unterstützt. Die Kinder dort sind eine wilde Truppe, weil sie direkt aus der Schule zum
Projekt kommen und dementsprechend viel Energie haben. Es wird nie langweilig mit ihnen;)

„Basteln mit den Kids in La Loma – Planta de Metas“

Die zwei anderen Nachmittage gebe ich Englischunterricht für Erwachsene hier im Dorf.
Zuerst war ich etwas überfordert mit der Idee und unsicher, ob ich damit nicht genau die
Kritik bestätige, bei der unqualifizierte junge Menschen aus dem Globalen Norden einen Job
im Globalen Süden übernehmen und damit mehr Schaden als Gutes anrichten. Jedoch
konnte ich für mich persönlich, in meinem spezifischen Szenario entscheiden, dass ich zwar
definitiv unqualifiziert bin, aber ich auf große Bestätigung und Motivation der
Dorfbewohner*innen gestoßen bin, als meine Chefin die Idee vorgeschlagen hat. Die
meisten Erwachsenen hier wollen unbedingt Englisch lernen, weil hier sehr viele Gringos
(Menschen aus den USA) leben, die selbst kein Spanisch können und die Ticos/Ticas
(Costa-Ricaner*innen) davon genervt sind, dass sie sich nicht mit ihnen verständigen
können. Ich werde definitiv mein Bestes geben, um ihnen so viel Englisch wie möglich
beizubringen und damit einen positiven Beitrag zu leisten. Natürlich muss ich mich aber
auch noch selbst in die Rolle als “Lehrerin” reinfinden (und es ist übrigens gar nicht so leicht
Englisch mit einer dritten, nicht Muttersprache, zu verbinden 😉

Costa Rica ist ein unglaublich tolles Land mit atemberaubender Natur. Viel wichtiger ist mir
aber zu betonen, was für offene und einladende Menschen hier Zuhause sind, die einem
ihre Kultur zeigen wollen, mit all ihren bunten Facetten. Wie in jedem anderen Land, gibt es
auch hier Probleme wie Kriminalität, Drogenhandel, Schwierigkeiten in der Politik etc.
Jedoch habe ich nicht das Wissen und Verständnis, diese Themen zu beurteilen und zu bewerten.
Ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen. Bitte behaltet dies
im Hinterkopf.

Sonnige Grüße aus dem sehr warmen Costa Rica!

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