Unser Projekt “Sport im Park”

31. August 2021

Ich habe unseren Streetworker Giresse getroffen, der sich seit einiger Zeit regelmäßig mit Jugendlichen im Rahmen des Projektes “Sport im Park” trifft und sie einlädt, mit ihm gemeinsam, draußen im Park, zusammen Sport zu machen und durch Bewegung in den Austausch zu kommen. Zu diesem Projekt habe ich ihm einige Fragen gestellt – die spannenden Antworten könnt ihr nun hier lesen:

Kannst du mir erzählen, was sich hinter dem Projekt “Sport im Park” verbirgt?

Sport im Park ist entstanden, weil wir in der Corona-Zeit bemerkt haben, dass die Jugendlichen von Zuhause über Zoom Unterricht machen und die ganze Zeit am Handy und Computer sind. Es ist natürlich ein bisschen anstrengend für sie, die ganze Zeit online zu sein und sie haben dadurch auch den Kontakt zu anderen Jugendlichen verloren. Deswegen haben wir uns entschieden, dass wir nach dem Lockdown ein Projekt machen, bei dem wir die Jugendlichen dazu einladen, draußen im Park einfach ein bisschen Sport zu machen und dadurch Beziehungen wieder aufzubauen. Durch den Sport können sich die Jugendlichen wieder bewegen und wir können dadurch eben auch Beziehungen zu ihnen aufbauen. Genauso wie sie auch untereinander Beziehungen knüpfen können. Genau so ist das Projekt entstanden.

Wie läuft ein Treffen von “Sport im Park” ab?

Also ein Treffen dauert insgesamt 2-3 Stunden. Wenn die Jugendlichen kommen, haben wir erstmal ein bisschen Zeit ins Gespräch zu kommen und zu fragen, wie es ihnen geht, wie es in der Schule war und wie ihr Alltag läuft und so weiter. Danach haben wir eine Zeit, in der wir gemeinsam spielen, entweder Basketball, Tischtennis oder Fußball, einfach um ein bisschen locker zu werden und uns aufzuwärmen. Wenn wir mit dem Aufwärmen fertig sind, dann fangen wir richtig an mit dem Sport. Am meisten machen wir Boxen, also Boxen kombiniert mit Fitness und es gibt immer einen bestimmten Aspekt im Training, den ich herausarbeite. Die Jugendlichen sind zum Beispiel frustriert und auch sauer auf irgendwas, weil sie die ganze Zeit Zu Hause bleiben müssen und nur online Unterricht haben. Beim Boxen zeige ich ihnen, wie sie diese Frustration rauslassen können. Ich möchte ihnen zeigen, wie sie mit dieser Aggression umgehen können. Im Boxen nennt man es Sparring, wenn man eins gegen eins kämpft. Die andere Person versucht natürlich einem weh zu tun und wenn du zum Beispiel einen Schlag abbekommst – wie reagierst du dann darauf? Ich möchte den Jugendlichen beibringen, dass sie dann nicht wütend auf die Person losgehen und sie verprügeln, sondern lernen zu kassieren und ruhig zu bleiben. Im Leben wird man immer mal kassieren, aber man kann trotzdem nicht auf alle, Lehrer:innen, Familie oder Mitschüler:innen losgehen und alle verprügeln. Dadurch lernt man damit umzugehen, auch mal etwas einzustecken und das will ich den Jugendlichen mitgeben. In jedem Training sprechen wir über etwas wichtiges, entweder über Respekt oder Strategien, mit denen man mit seinen Aggressionen oder seinem Frust umgehen kann – beziehungsweise darüber, wie die Jugendlichen momentan damit umgehen. Ich nehme jedes Mal einen Aspekt, den ich hervorhebe und frage nach dem Training nochmal, wie es für die Jugendlichen war, wie sie diesen Aspekt wahrgenommen haben, ob sich etwas in ihrem Denken verändert hat und wie sie das finden. Am Ende des Trainings haben wir dann noch eine Zeit, in der wir gemeinsam essen. Das Training an sich dauert also immer ca. 2 Stunden und bis wir dann gegessen haben, dauert es meistens 3 Stunden oder manchmal auch 4 Stunden.

Was motiviert dich das Projekt durchzuführen?

Ich bin leidenschaftlicher Sportler, Fitnesstrainer und Boxer und Sport ist für mich ein Mittel, das viele Jugendliche verbindet. Viele wollen Sport machen, egal ob Fußball, Boxen oder Fitness und ich habe einfach bemerkt, dass ich das nutzen kann um Beziehungen zu den Jugendlichen aufzubauen. Bevor Jugendliche etwas von einem lernen wollen, muss man zuerst eine Beziehung zu ihnen haben, sonst kann man ihnen nichts beibringen und nichts sagen. Genau das ist das Problem, das die Schulen haben. Die Lehrer:innen haben keine Beziehung zu den Jugendlichen und wenn sie etwas erzählen, hören die Jugendlichen ihnen nicht zu.

Was ist für dich die größte Herausforderung bei dem Projekt?

Große Herausforderungen gibt es an sich nicht. Die einzige Herausforderung sind die Stundenpläne der Jugendlichen. Manche haben relativ lange Schule und wenn ich einen Termin festlege, muss ich immer ein bisschen Pingpong spielen, sodass möglichst viele Zeit haben. Wenn nur zwei Jugendliche kommen, muss ich das Training auch mal in so einer kleinen Gruppe durchführen. Die Challenge ist also eine feste Zeit zu finden, zu der alle können. Das ist ein bisschen schwierig.

Wie viele Jugendliche sind normalerweise bei einem Training dabei?

Durchschnittlich sind es immer ca. vier Jugendliche und ich, dann sind wir also zu fünft. Das Ziel ist es, immer so fünf Leute zu haben, die regelmäßig am Training teilnehmen.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis bei “Sport im Park”?

Ich glaube es ist einfach diese Begeisterung, die von den Jugendlichen kommt. Wenn sie mir schreiben, auch wenn ich mal ein Training absage und ihnen Bescheid gebe, dass diesmal leider kein Sport im Park stattfinden kann. Wenn sie mir dann von sich aus schreiben und fragen, wann wieder Sport im Park ist und einfach Interesse zeigen, dann ist das ein sehr schönes Erlebnis für mich, weil es mir zeigt, dass das Projekt den Jugendlichen auch etwas bringt.

Was ist deine Vision für “Sport im Park”?

Meine Vision ist es, mit der Gruppe, mit der ich Sport mache, zusammen etwas aufzubauen, mit ihnen zu wachsen und mit ihnen weiter zu gehen. Wir haben zum Beispiel letztes Mal an einem Fußballturnier teilgenommen. Mein Ziel ist es, egal ob es Fußball ist oder Boxen, dass wir auch an Wettbewerben teilnehmen und dass sich die Gruppe wirklich gegenseitig aufbaut, sich gestärkt fühlt und gemeinsam etwas erreicht. Genau das ist meine Vision, dass wir nicht nur dort zusammen Sport machen sondern, dass wir auch als Gruppe etwas zusammen erreichen.

Vielen Dank Giresse, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast und dafür, dass du so eine wertvolle Arbeit mit den Jugendlichen leistest! Außerdem möchten wir uns auch ganz herzlich bei den Fördergebern des Projektes “outreach GmbH” und “Bezirksfonds Integration 2021 – integrative “Projekte mit jungen Geflüchteten”” bedanken, die dieses Projekt erst möglich machen!

VISIONEERS gGmbH Evangelische Bank IBAN: DE68 5206 0410 0005 0296 86 Betreff: Namen und Adresse für Ihre Spendenbescheinigung

Fördergeber der erwähnten Projekte