Stell die Möbel nicht um!

10. September 2021

Hallo Freunde, mein Name ist Katherine Morales, ich komme aus Pérez Zeledón in Costa Rica und ich bin eine Freiwillige im Süd-Nord-Programm von Visioneers und weltwärts. Ich arbeite derzeit in einem Kindergarten und wohne bereits seit einem Monat in Berlin. Die Zeit vergeht schnell.

Wenn ich ein Wort auswählen müsste, um meine bisherigen Erfahrungen zu beschreiben, wäre es „überwältigend“. Ich denke, egal wie viel Vorbereitung wir vor Beginn unseres Freiwilligenjahres bekommen, nichts ist vergleichbar mit dem, was man erlebt. Wenn man erst einmal in Deutschland angekommen ist, hat man das Gefühl, dass der Lebensrhythmus, die Bürokratie, die Sprache usw. einen überrennen und man „einfach loslegen“ muss.

Ich erinnere mich, dass ich viel über das Worst-Case-Szenario nachgedacht habe, wenn ich in Deutschland sein würde. Aber ich habe gemerkt, dass die kleinen Details, die alltäglichen Dinge, von denen ich dachte, dass sie nicht so wichtig sind, die sind, die einige Konflikte aber vor allem Neugier erzeugt haben. Ich möchte dir einige davon erzählen…

Eines Tages war ich in dem Zimmer, das mein Zimmer sein würde, aber es fühlte sich nicht wie meins an, also habe ich angefangen, das Bett und den Schreibtisch umzustellen und das Zimmer so einzurichten, dass es sich mehr nach mir anfühlt. Es stellte sich heraus, dass dies die Wohnungseigentümerin sehr verärgert hat. Ich entschuldigte mich also und als ich am nächsten Tag ankam, hatte die Dame schon wieder alles umgeräumt, hahahaha.

In meinen ersten Tagen im Seminar lernte ich eine deutsche Frau kennen und wir wurden Zimmergenossen. An dem Tag, an dem sie das Seminar verließ, hatte sie ihre Menstruation, und ich sagte zu ihr: „Hey, ich habe Frauenhygieneprodukte, Pillen, eine Wärmflasche,… wenn du etwas brauchst, sag mir einfach Bescheid“. Ihre Antwort war: „Ich habe alles“ und ich sagte: „Na dann, tschüss“. So sind sie hier, sehr direkt, man darf das nicht persönlich nehmen.

Was ich aber überhaupt nicht erwartet hatte, war, wie freundlich sie sein können. Ich glaube, wir alle haben das Klischee, dass die Deutschen kalt und gefühllos sind, aber ich hatte das Glück, unglaubliche Menschen mit einem großen Herzen zu treffen. Bei Visioneers, bei der Frau, bei der ich wohne, im Kindergarten, alle waren bereit, mir zu helfen und diesen Anfang nicht so kompliziert zu machen, dafür bin ich sehr dankbar. Und ich freue mich noch mehr auf alles, was noch kommt.

Danke fürs Lesen, ich hoffe, ihr fandet diesen Beitrag unterhaltsam, ich werde euch über alle meine Abenteuer auf dem Laufenden halten.

Und denk daran: Wenn du nach Deutschland kommst, stell die Möbel nicht um.

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Fördergeber der erwähnten Projekte