Der Start in mein weltwärts-Abenteuer

Jetzt geht es endlich los

Der langersehnte Abreisetag, der 26. August, kam dann doch schneller als gedacht. Schon saß ich mit meiner ganzen Familie und gepackten Koffern im Auto auf dem Weg zum Flughafen. Jetzt startete mein Abenteuer also wirklich, dachte ich, mein weltwärts-Freiwilligendienst. Das Jahr, auf das ich mich während des ganzen letzten Jahres vorbereitet hatte, das aber doch immer noch so weit weg gewesen war. Plötzlich war doch die Zeit gekommen, um Abschied zu nehmen. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass man sich für so eine lange Zeit nicht mehr sehen wird. Die Vorfreude war plötzlich verschwunden und ich spürte nur noch die Nervosität und Angst vor dem, was kommen wird. Es gab so viel Ungewissheit darüber, wie das nächste Jahr aussehen wird.

Ich komme in meinem neuen Zuhause an

Nachdem ich die ersten zwei Wochen in Costa Rica noch mit einigen anderen Freiwilligen gemeinsam beim Sprachkurs verbracht hatte, ging es für uns alle zu unseren Projektstandorten. Es war schön, die ersten Tage in einer großen Gruppe zu verbringen, um die ersten Erfahrungen hier gemeinsam zu machen. Schließlich ging es danach so richtig los mit unserem Freiwilligendienst.
Samstagabends machten wir, meine Mitfreiwillige Alisa und ich, uns auf den Weg nach Bandera, einem kleinen Dorf an der Pazifikküste, wo wir das Jahr über wohnen und unseren Dienst leisten. Gespannt saß ich im Auto und dachte während spannender Gespräche mit einem „VISIONEERS“ – Mitarbeiter darüber nach, wie wohl mein Leben im nächsten Jahr aussehen würde.
Wie schnell werden wir Anschluss finden und neue Leute kennenlernen? Werde ich mich bei der Arbeit mit den Kindern wohlfühlen? Habe ich dafür wirklich genug Selbstvertrauen? Wie wird meine Freizeit aussehen? Werde ich Surfen lernen? Habe ich die Chance dazu, ab und zu Tennis zu spielen, den Sport, den ich sicherlich sehr vermissen werde?
Fragen über Fragen, deren Antworten ich wohl erst im Verlauf der nächsten Monate finden werde.
Auch wenn ich noch nicht genau wusste, was mich erwarten wird, freute ich mich wirklich darauf, jetzt so richtig ankommen zu können. Ich war schon ganz gespannt auf das kleine Häuschen, in dem Alisa und ich für das nächste Jahr zusammen in einer WG wohnen werden.
Als wir im Dunkeln über den Schotterweg gebrettert sind, wo ein Schlagloch dem nächsten folgte, konnte ich mir schon mehr darunter vorstellen, was es bedeutet, in einem kleinen Dorf ohne Busanbindung zu wohnen. Als wir endlich angekommen waren, hievten wir unsere Koffer und Rücksäcke aus dem Auto und wurden herzlich von unserer Nachbarin empfangen.
Man sieht hier sehr viele einfache Wellblechhütten, die ein Zuhause für viele Familien hier sind. Deswegen wollten wir beide nicht zu viel erwarten und waren wirklich positiv von unserem kleinen Häuschen hier überrascht. Ich habe hier zwar kein eigenes Zimmer und das Haus ist sehr einfach, trotzdem fühle ich mich hier sehr wohl.
Wir wohnen direkt hinter der Pulpería – dem Dorfladen Banderas. Die Familie, welche die Pulpería betreibt, ist für uns wie eine Gastfamilie geworden. Gleich an unseren ersten Tagen wurden wir zum Essen eingeladen und von allen herzlich begrüßt. Hier, am großen Tisch und in der offenen Küche der Nachbarsfamilie, wo wir auch sehr viel Zeit verbringen, kommt das ganze Dorf zusammen. Sogar jetzt gerade, während ich diesen Blogartikel schreibe, sitze ich hier am Tisch und höre dem Regen zu, wie er auf das Wellblechdach prasselt.

Das ist das Projekt UNO+

UNO+ ist ein Bildungsprojekt mit dem Ziel einer ganzheitlichen Förderung der Kinder, um ihnen eine gute Schullaufbahn und somit einen guten Start in ihr späteres Leben zu ermöglichen. An insgesamt fünf verschiedenen Standorten werden benachteiligte Kinder zwischen 7 und 12 Jahren betreut. Ich arbeite zusammen mit meiner Mitfreiwilligen in den Orten Bandera, La Loma und Parrita. Hier betreuen wir am Nachmittag die Kinder, nachdem sie aus der Schule kommen.
Unser erster Arbeitstag bei UNO+ startete in einem kleinen Chaos. Da die Absprache etwas schiefgelaufen war, sollten wir gleich an unserem ersten Tag ca. 20 herumtobende Kinder beschäftigen, ohne etwas mitgebracht oder vorbereitet zu haben. Mit etwas Improvisation und Kreativität ist uns dies aber auch ganz gut gelungen.

Für Bildung und Persönlichkeitsentwicklung – Mein Engagement als Freiwillige in Costa Rica

Flughafen San José, Freitag, 26. August, 16 Uhr

Draußen regnet es. Die Luft ist schwül. Überall herrscht reges Treiben – Erschöpfung, Aufregung, Freude. Was erwartet uns? Wie wird das kommende Jahr wohl werden? Werden wir uns gut verständigen können? – Das waren meine ersten Wahrnehmungen und Fragen bei meiner Ankunft in Costa Rica, nachdem ich 13 Stunden hierher geflogen bin.

Mittlerweile sind bereits über acht Wochen vergangen und ich habe schon so einiges erlebt:

Umgeben von Gastfreundlichkeit, Palmen und Schildkröten

Vollgepackt rannten wir alle unter Zeitdruck die steinige Straße entlang und huschten in das Busbahnhofsgebäude. Einige von uns stiegen in einen Bus, der kurz darauf schon abfuhr. Da saßen wir Übrigen nun. In etwa einer Stunde sollten wir abgeholt werden.

Zwei Wochen zuvor

Wir Freiwilligen fuhren zu unserem Sprachkurs auf die VISIONEERS-Finca, die in den Bergen liegt. Damals schon hatte sich unsere ursprüngliche Gruppe an Freiwilligen, in der wir angereist waren, verkleinert gehabt. Nun war sie ein weiteres Mal geschrumpft. Wir saßen nur noch zu viert im Auto und bewegten uns immer weiter in Richtung Pazifikküste. Diese Fahrt zu unserem neuen Zuhause fühlte sich anders an. Als wir zum Abendessen einen kleinen Zwischenstopp einlegten und aus dem Auto stiegen, wurde plötzlich alles so greifbar und nah. Ich erinnere mich daran, dass es, trotz der späten Abendstunde noch warm und schwül war.
Jetzt geht es so richtig los, dachte ich. Ich spürte das ganz deutlich.

Ankunft

Als wir etwas später auf einem Schotterweg den Schildern mit der Aufschrift „Playa Bandera“ folgten und vor einem Gittertor in der Dunkelheit zum Stehen kamen, waren meine WG-Mitbewohnerin und ich beide ziemlich gespannt und auch etwas nervös. Eine lächelnde Frau schob zwei bellende Hunde zur Seite und wir wurden freudig hineingelassen.

Unsere WG befindet sich bei der Pulpería, die eine Mischung aus einem Hofladen und einem Kiosk ist, welche mehr oder weniger auch als Dorftreffpunkt fungiert. Unsere neue Familie ist unglaublich herzlich und liebenswert.

Gleich am nächsten Morgen wurden wir mit einem Willkommens-Frühstück als Teil der Familie begrüßt und auch in den Tagen darauf immer wieder zum Essen eingeladen. So durften wir uns mit klassischen und auch traditionellen Gerichten verwöhnen lassen und lernten uns gegenseitig, trotz kleiner Sprachbarrieren, bei tollen Gesprächen etwas besser kennen.

Erste Erlebnisse

Gleich an unserem zweiten Abend bekamen wir die Chance dazu, etwas wirklich Beeindruckendes mitzuerleben. Während des gemeinsamen Abendessens wurden wir über die Sichtung einer Meeresschildkröte informiert. Sofort machten wir uns auf den Weg zum Strand und konnten diese bei der Eiablage beobachten. Der Schutz der Meeresschildkröten stellt in Costa Rica ein großes Thema dar, da die Zahl dieser weltweit stark zurückgeht. Um die Eier vor Wilderern zu schützen, werden diese eingesammelt und in eine Art „Brutstation“ gebracht. Genau dabei durften wir in dieser Nacht behilflich sein. Wir sammelten die 130 tischtennisballgroßen, weichschaligen Eier der Schildkröte ein und brachten sie in Sicherheit. Schon am nächsten Tag leisteten wir Unterstützung dabei, kleine, frisch geschlüpfte Baby-Schildkröten eines anderen Muttertieres ins Meer zu entlassen – eine unvergessliche Erfahrung!
Die ersten Tage in Bandera nutzten wir nicht nur um uns einzurichten und erste Kontakte zu knüpfen, sondern auch um den Strand und die Umgebung zu erkunden. Zwischen Palmen und Sand genossen wir die Wellen, schlenderten durchs warme Wasser und fuhren mit dem Fahrrad in die Kleinstadt um einzukaufen, da wir hier grundsätzlich selbst fürs Kochen zuständig sind. Zusätzlich wurde es zu unserer festen Gewohnheit, immer wieder die Wolken am Himmel zu beobachten, damit wir nicht plötzlich vom Regen überrascht werden, was ganz typisch für die Regenzeit in Costa Rica ist, die etwa von Mai bis Oktober andauert.

Ein zweites Zuhause

Vor ungefähr zwei Wochen bin ich noch in Costa Rica mit einem Surfbrett unterm Arm zum Strand geradelt, habe den Leuten aus dem Dorf zugewunken und später einen riesigen Berg Ananas, Mamones und Mango gefrühstückt. Ich habe mich ein letztes Mal von unserem Lieblingsnachbarn verabschiedet und bin dann mit dem Bus, der sich um zwei Stunden verspätet hatte, in Richtung Flughafen gefahren.

Jetzt, etwa 30 Stunden später, stehe ich vor unserer Haustür in Deutschland. Das Erste, das ich frage als ich die Wohnung betrete ist, ob es hier schon immer so groß und sauber gewesen ist und ob die Wände auch früher so weiß gewesen sind. Denn in dem Dorf, in dem ich das letzte Jahr gelebt habe, gab es vor allem Wände in dunklen oder kräftig bunten Farben, dunkle Fliesen und sehr viel Sand und Staub, der direkt nach dem Putzen wieder seinen Weg ins Haus zurückfand. Ich freue mich darüber, meine Eltern wiederzusehen und über die weiche dicke Bettdecke, dank welcher ich bald nach meiner Ankunft einschlafen kann und dank meines Jetlags auch erst am nächsten Nachmittag wieder aufwache.

Ein erster Blick aus dem Fenster sagt mir, dass ich wieder in Deutschland bin. Die nahe beieinanderstehenden Häuser mit mindestens zwei Stockwerken, die hohen Hecken, die die Gärten abschirmen und nur die Fahrräder und eine Klingel von dem Haus preisgeben, sagen mir, dass ich Costa Rica hinter mir gelassen habe. Unser Häuschen dort hätte in manch eines dieser Häuser vielleicht vier- oder fünfmal hineingepasst. Kein Wunder, dass bei dieser Anonymität nicht jeder aus dem Haus heraus grüßt, wenn man durch die Nachbarschaft läuft. Das Nächste, das mich beschäftigt, sind die Knöpfe und Einstellungen der Kaffeemaschine. Warum ist es hier nur so kompliziert, wenn in Costa Rica der Beweis dafür steht, dass es auch einfacher geht? Aber für den guten Espresso lohnt es sich dann doch.
Das nächste Unverständnis wartet dann bei dm auf mich. Die Auswahl an Shampoos, die sich über ein ganzes Regal erstrecken, ist einfach zu viel für mich. Ein Phänomen, das mir einen Tag später in der Stadt nochmal begegnet. Hunderte Marktstände mit dem gleichen Gemüse zu ähnlichen Preisen. Hunderte Läden mit wiederum tausenden von Kleidern derselben Marken und in fünfzigfacher Ausführung. Dabei gibt es nicht einmal so viele Menschen für all diese Produkte. Manchmal dachte ich in Costa Rica, es wäre leichter, bestimmte Dinge in Deutschland in der Innenstadt zu finden. Denn das große Angebot ermöglicht es einem, nahezu alles zu kaufen, was man gerade braucht. Aber zurück in Deutschland vermisse ich die kleinen Läden, in denen ich alles finden konnte, was ich brauchte. Oder den einen Gemüsestand, bei dem wir immer alles Notwendige bekommen haben. Warum also setzen wir nicht auf weniger Läden und Produkte, die aber eine bessere Qualität haben und nachhaltiger sind?

Wenn ich früher an Meeresschildkröten gedacht habe, habe ich automatisch auch an bunte Korallenriffe, Fische und türkies-blaues Wasser gedacht. In den letzten Jahren wurde meine Vorstellung davon jedoch leider getrübt. Durch das Plastik in den Meeren, die Jagd auf das Fleisch, die Panzer oder die Eier der Schildkröten und die riesigen Fischernetzte in die die Tiere als Beifang geraten, hat sich der Bestand der Meeresschildkröten drastisch verkleinert. Sodass nun alle sieben Arten vom Aussterben bedroht sind.

In Playa Bandera, unserem kleinen costa-ricanischen Dorf, haben sich einige Freiwillige gefunden, die helfen möchten, den Bestand der Schildkröten wieder zu vergrößern. Dabei geht es hier vor allem um die heimische „Tortuga Lora“, die auf Deutsch leider den unschönen Namen „Bastardschildkröte“ trägt. Auch wir beide, Julina und ich, durften schon einige Male bei verschiedenen Aktionen, wie Eier einsammeln oder Babys aussetzen dabei sein.

Zum Eierlegen kommen die Schildkröten Weibchen in der Dunkelheit an den Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind. Sie buddeln mit ihren flossenförmigen Beinen ein Loch in den Sand und legen dann zwischen 40 und 130 Eier ab, die sie im Normalfall danach wieder mit Sand bedecken. Die Aufgabe der Freiwilligen ist es, entweder die golfball-großen Eiern direkt beim Legen zu sammeln und sie sozusagen unter der Schildkröte aus dem Sand zu nehmen oder im Nachhinein anhand der Spuren im Sand zu erkennen, wo sich ein Nest befindet und die Eier dann auszugraben. Die Eier werden dann, geschützt vor Mensch und Tier, in einem Käfig wieder vergraben und nach ca. 60 Tagen schlüpfen die ersten Babys. Diese werden dann am Strand wieder ausgesetzt. Die letzten Meter ins Meer müssen sie allerdings selbst laufen, damit sie später „ihren“ Strand wiederfinden können. Das Aussetzten der jungen Schildkröten wird oft zu einer großen Aktion mit vielen Zuschauern, einerseits um das Bewusstsein der Bevölkerung für den Schutz der Meere und Tiere zu schärfen und andererseits natürlich, weil es sehr süß anzusehen ist, wie die Babys auf mehr oder weniger direktem Weg ins Wasser laufen. Wenn sie dort angekommen sind, ist die Arbeit der Freiwilligen erstmal abgeschlossen, wie viele der Schildkröten allerdings überleben werden und vielleicht sogar zum Eierlegen zurückkehren bleibt ungewiss.

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„weltwärts“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt das Interesse von Jugendlichen an freiwilligem Engagement in Entwicklungsländern. Der Großteil der Kosten für das Freiwilligenjahr wird durch den Zuschuss vom BMZ übernommen. Es bleibt jedoch ein Viertel der Gesamtkosten übrig: 3.000 € müssen über VISIONEERS und jedem Freiwilligen selbst gesammelt werden. VISIONEERS ist als unabhängiger und gemeinnütziger Verein auf private Spenden angewiesen, um ein umfangreiches und zukunftsfähiges weltwärts-Programm zu ermöglichen.

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Regenbogen, Herzen, Melonen, Wellen und viele weitere kleine Zeichnungen verzieren die kleine Bibliothek von Bandera. In den letzten Wochen haben wir mit den Kindern aus unserem Projekt UNO+ einen alten Kühlschrank bemalt, der nun zu einem Bücherregal umfunktioniert wird. Die Idee kam uns im Dezember. Bei der Arbeit und im Alltag ist uns immer wieder aufgefallen, dass die Kinder nicht lesen. Viele Kinder aus dem Projekt kennen kein einziges Buch. Die Kinder verbringen hier lieber viel Zeit beim Spielen draußen am Strand, oder vor dem Fernseher und Handy. Unser Gedanke jedoch war, dass man durch Bücher so viel lernt. Lesen entfaltet die Kreativität und Fantasie, und man kann durch lesen sein Wissen über die Welt und die Wissenschaft erweitern. Also kam uns die Idee eine kleine Bibliothek zu basteln – konkret einen Bücherschrank mit neuen Büchern zum ausleihen und austauschen. Mithilfe von Spenden konnten wir bereits 30 Kinder- und Jugendbücher kaufen.

Damit die Bücher vor Regen geschützt sind, war unser erster Gedanke ein Kühlschrank zu einem Regal umzubauen. Wir haben also einen Zettel mit einer Suchanzeige ausgehangen, und schon am gleichen Tag meldete sich jemand, der einen alten Kühlschrank zu verschenken hat. Mit unserer ganzen Nachbarsfamilie holten wir den alten Kühlschrank gemeinsam ab. Zusammen mit den Kindern von UNO+ bemalten und verschönerten wir den alten Kühlschrank. Als nächstes unternahmen wir einen Ausflug zur Flussmündung, „La boca“, um ein paar Bretter als Regalbretter für den Kühlschrank zu sammeln. Diese werden wir noch zurrechtsägen und fertig ist das neue Bücherregal, das wir am Sportplatz von Bandera aufstellen werden. Außerdem werden wir uns noch ein Konzept überlegen, damit die ausgeliehenen Bücher ihren Weg wieder zurück in den Bücherschrank finden. Unser Wunsch ist es, dass die Kindern und Erwachsenen in Bandera an den Büchern lange Freude haben werden.

Gerade noch rechtzeitig haben wir an der Reißleine gezogen. Fast hätten wir die Feuerwehr Parrita, bei der wir aus dem Bus aussteigen sollten, übersehen. Um zu unserem neuen Zuhause zu gelangen, ist schon fast ein Auto oder Fahrrad nötig. 4 Kilometer geht es über Schotterwege durch die Palmenplantagen bis zu einer von ein paar Häusern gesäumten Straße die Richtung Meer führt. Dort steht das kleine rosarote Häuschen versteckt hinter der Pulperia von Bandera. Das war für Johanna und mich erstmal ein Schock raus aus der 10er WG beim Sprachkurs in Jaco und dem Trubel aus Turrialba, mitten auf´s Land in ein Dorf, das aus vielleicht höchstens 20 Häusern besteht, von denen bestimmt die Hälfte zum Verkauf steht. Glücklicherweise wohnen wir direkt am Hotspot des Dorfes. Hier in der Pulpería wird der ganze Dorfklatsch ausgetauscht und wir konnten schon die ersten Kontakte knüpfen. Unsere Nachbarsfamilie, die den Dorf Kiosk betreibt, ist für uns schon so etwas wie eine Gastfamilie geworden.

Beim Aufräumen am Strand mit der Dorfgemeinschaft

Die ersten Tage hatten wir frei, um uns etwas einzuleben. Am Anfang waren wir hauptsächlich damit beschäftigt unsere Wohnung mit Strandgut, Pflänzchen und einem selbstkonstruierten Sofa etwas aufzuhübschen, erstmal gründlich zu reinigen und nach Fahrrädern Ausschau zu halten, die den 40 minutigen Weg bis zur Bushaltestelle und zum Supermarkt etwas erleichtern sollten. Zwischendurch haben wir natürlich auch viel Zeit am Strand verbracht, der von unserer Wohnung aus in 10 Minuten zu erreichen ist. Ein ewig langer menschenleerer schwarzer Sandstrand gesäumt von Palmen und verschiedenen Sitzmöglichkeiten unter den Palmblättern. Die ersten Tage waren wir schon damit beschäftigt, dass Volleyballnetzt zu flicken mit der Hoffnung ein paar Kontakte zu Gleichaltrigen durchs Beachen zu bekommen. Sonntags wirkt der Strand wie verwandelt, mit all den Menschen, die aus der Umgebung fürs Familienpicknick an die Strände kommen. Außer der Pulpería gibt es dann noch die Strandbar, die aber abgesehen von uns beiden, auch nur am Wochenende Besuch bekommt.

So einsam, wie es klingt, ist das Dorfleben aber eigentlich gar nicht, im Gegensatz zu größeren und touristischen Städten wie Jacó oder San José kommt man hier sehr schnell mit den Einheimischen in Kontakt und ist innerhalb von ein, zwei Tagen schon im ganzen Dorf bekannt. Unsere Nachbarsfamilie hat uns auch schon öfters mit dem Auto abgeholt oder in die Stadt gefahren. Wir durften Schildkrötenbabys am Strand aussetzten und nachts die Eier der großen Schildkröten einsammeln. Schon in der zweiten Woche wurden wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Durch die Gespräche am Tisch vor der Pulpería lernen wir immer mehr der Bewohner von Bandera kennen, können gut unser Spanisch üben und das Pura Vida leben.

Pura Vida war in den ersten Tagen auch das Motto bei unserer Arbeit. Am Montag sollten wir eigentlich bei UNO+ beginnen, letzten Endes war aber der Donnerstag erst unser erster richtiger Arbeitstag. Beim Kaffeetrinken hat Doña Gaby, unsere Chefin, erst einmal unseren Arbeitsplan entworfen. Wir arbeiten an drei verschiedenen Standorten. Montags und Dienstag sind wir mit den Kindern alleine in Bandera, mittwochs arbeiten wir in Reformadores, Parrita und donnerstags in La Loma. Unsere Aufgabe ist es, den Kindern etwas Englisch Nachhilfe zu geben und uns Bastelaufgaben, Spiele und andere Projekte für die 3-stündige Nachmittagsbetreuung zu überlegen. Die Kinder sind zwischen 5- 12 Jahre alt. Zu Beginn ist es noch etwas schwierig, da ein paar noch nicht schreiben können und unser Spanisch auch noch nicht gerade das Beste ist.

Die Gruppen in den verschiedenen Orten sind unterschiedlich groß: In Bandera kamen bisher immer nur 5-7 Kinder, die nach und nach eingetrudelt sind, was die Planung am Anfang etwas erschwert hat, in La Loma und Reformadores dagegen betreuen wir eine Gruppe von ca. 20 Kindern. Die Arbeitszeit im Projekt ist recht kurz. Dadurch, dass wir aber z. B. in Bandera ganz auf uns alleine gestellt sind und auch in La Loma das ganze Programm planen und vorbereiten, sind wir doch sehr gut beschäftigt und haben bei der Gestaltung vom Projekt viele Freiheiten. Freitags und an ein paar Vormittagen unter der Woche räumen wir den Strand auf und bemalen die Palmen. Samstags werden wir immer wieder Aktivitäten mit den Kindern aus Reformadores mitgestalten. In Bandera arbeiten wir direkt am Strand, nach la Loma kommt man gut mit dem Bus, bisher wurden wir aber meistens sogar von Gabby hingefahren und Reformadores versuchen wir jetzt mit unseren neugekauften gebrauchten Fahrrädern zu erreichen.

An den Wochenenden haben wir bisher schon ein bisschen die Umgebung erkundet. Parrita, der nächstgelegene Ort an der Hauptstraße hat nichts besonders Schönes zu bieten, aber dafür einige Geschäfte und ein paar Obst- und Gemüsestände. Für kleine Tagesausflüge ist man aber in einer Stunde mit dem Bus in den touristischeren Städten Jacó oder Quepos. Von Quepos gelangt man in 40 Minuten zum National Park Manuel Antonio, wo man Faultiere, Affen, Agutis und wunderschöne Strände besichtigen kann. Man zahlt trotz Visa Dokumenten den gleichen Eintritt wie die Touristen, für die Tierwelt und den Regenwald lohnt es sich aber auf jeden Fall. Weitere schöne Ziele in der Umgebung, die man mit dem Bus erreichen kann, sind z.B. Dominical und die Cataratas Nauyaca. Letztes Wochenende haben wir uns ein Zelt im Maxi Pali gekauft und sind spontan für einen Wochenendtrip in das kleine Hippie-Dörfchen Dominical gefahren. Das Strandcampen und der Ausflug zu den Nauyaca Wasserfällen ist definitiv ein Muss.

Stell dir vor du befindest dich an einen Ort abseits der Zivilisation. Die Natur um dich herum ist unberührt, Berge und Täler sind von Bäumen überwachsen. Durch die tiefen Täler schlängeln sich Flüsse welche unendlich erscheinen. Die Hügel werden von der heißen Sonne angestrahlt. Hühner Schweine und sogar Pferde laufen frei herum und scheinen keinen Besitzer zu haben. Im Umfeld kannst du vereinzelt stehende Holz- und Blechhütten erkennen. Auch Menschen gibt es hier, wenige, und sie scheinen dich gar nicht wahrzunehmen. Außerdem sind die Worte, die sie wechseln unverständlich. Sie scheinen ihre Alltagsroutine in und auswendig zu können und dieser zu folgen. Ein Stückchen weiter – auf einem kleinen Hügel – spielen ein paar Kinder mit einem kaputten Ball. Sie lachen und toben doch als du auf sie zugehst, verstummen sie und betrachten dich mit einer Mischung aus Neugierde und Angst. Du versuchst ihnen zu erklären, dass sie sich nicht fürchten müssen aber sie verstehen deine Sprache nicht. So beginnst du, den Ball durch die Luft zu kicken und schon bald trauen sich die ersten Kinder mitzuspielen, Worte sind gar nicht nötig.

Anfang März machte ich mich mit einer kleinen Gruppe aus Deutschen, Amerikanern und Costa Ricanern auf den Weg in den Dschungel, dorthin wo die Cabeckas leben, eine kleine Gruppe Indigener. Roland (ein Amerikaner, den ich in Costa Rica kennen gelernt habe) hatte mich und vier weitere Jugendliche eingeladen ihn zu begleiten. Er war schon mehrmals in diesem abgelegenen Teil Costa Ricas unterwegs gewesen. Denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, mitten im Dschungel ein kleines medizinisches Versorgungszentrum für die indigene Bevölkerung aufzubauen, da das nächste Krankenhaus 2,5 Stunden Fußmarsch und eine anschließende 3 stündige Busfahrt entfernt ist. Schon mehrmals durften Gruppen von Freiwilligen Roland zu den Cabeckas begleitet, meistens aber mehrere Tage oder Wochen um ihm beim Hausbau zu helfen. Dieses mal ging es nur darum, die Lage zu checken und die nächsten Schritte zu planen.

Die Reise begann also mit einer etwa 2,5 stündigen Autofahrt, genug Zeit um den kleinen Trupp – mit dem ich das Wochenende verbringen würde – etwas besser kennen zu lernen. Anschließend stand uns eine genauso lange Wanderung bevor und zwar pausenlos bergab bei praller Sonne. Die Natur um uns herum war atemberaubend doch als uns das erste Wildpferd auf dem schmalen Pfad entgegengerannt kam, versetzte mir das doch einen kleinen Schrecken. Schon fast an unserem Zielort angekommen, mussten wir noch einen Fluss überqueren über welchen die Cabeckas (die indigene Bevölkerung) einen Seilzug gebaut hatten. Uns kam sogar jemand zur Hilfe und brachte uns sicher ans andere Flussufer. Auf dem restlichen Weg tauchten schon vereinzelt Hütten auf, welche zum Großteil aus Holz bestanden, aus manchen qualmte Rauch. Ebenso passierten wir eine kleine Schule welche Roland und weitere Freiwillige im vergangenen Jahr frisch gestrichen hatten. Soweit ich es erkennen konnte, war das bisher das einzige Haus, das überhaupt gestrichen war. Kurze Zeit später kamen wir dann auch in der Hütte an in welcher wir die Nacht verbringen sollten. Unsere Schlafsäcke hatten wir selbst mitgebracht und im inneren (einzigen) Raum befanden sich Schaumstoffmatten, die sich als gemütlicher entpuppten als sie aussahen. Nachdem wir unsere Rucksäcke abgelegt hatten, wollten wir natürlich erst einmal die Umgebung erkunden. Neben unserer gab es noch zwei weitere Häuschen und sogar eine kleine Kirche, womit dieser Platz vermutlich das Zentrum darstellte. Nun dürft ihr euch aber auf keinen Fall eine Kirche vorstellen wie wir sie kennen: groß, steinern mit einem Kirchturm und einer riesigen Uhr. Diese Kirche bestand aus Wellblech und im Inneren befanden sich Bänke und ein Altar aus Holz.

Nachdem wir etwas mit den jüngeren Kindern gespielt hatten, kamen auch ein paar Jugendliche dazu, welche zu unserem Erstaunen auch Spanisch sprachen. Ihre Muttersprache ist Cabecka und erst in der Schule lernen sie Spanisch. Einer der Jugendlichen erzählte uns, dass er in der nächstliegenden Stadt zur Universität geht.

Es war sehr schön etwas über ihre Kultur zu erfahren und ein paar Wörter Cabecka zu lernen. Nach dem Abendessen, das wir mitgebracht hatten und einer kurzen Dusche mit eiskaltem Gebirgswasser fand ein Gottesdienst in der Kirche statt. Obwohl ich wenig verstand von dem was gesprochen wurde war die Atmosphäre sehr schön, da unter anderem gesungen und getanzt wurde. Nach dem Gottesdienst verließen die Erwachsenen die Kirche und auch wir wollten schon gehe, doch mehrere Jugendliche begannen zu Rappen, was sich schnell zu einem Rapbattle entwickelte und uns natürlich zum Bleiben einlud. Nachdem der Abend dann mit etwas Gitarren-Geklimper ausklang, zog es auch uns in die Schlafsäcke.

Am folgenden Tag brachen wir schon früh auf um nicht der Mittagshitze ausgesetzt zu sein. Denn die Strecke, die am Vortag bergab ging, galt es heute steil bergauf zu wandern. Und ja es war wirklich steil. Oben angekommen belohnten wir uns mit einem Eis und gingen anschließend mit unserem kleinen Trupp noch etwas essen. Sowohl unser Trupp von Freiwilligen als auch die indigenen Kinder sind mir in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen und ich hoffe sie bald alle wieder sehen zu können.

Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, frühstücke, ziehe mich an und putze mir die Zähne. Ich schlüpfe in meine Birkis und mache mich auf den Weg zur Schule. An der Schule angekommen, stehe ich vor verschlossener Tür. Ich schreibe meiner Chefin. Schnell bekomme ich eine Antwort: „Heute findet eine Lehrerkonferenz statt, weshalb die Schule den ganzen Tag geschlossen bleibt.“ Also laufe ich die 2 Minuten Fußweg zurück und erinnere mich an Deutschland zurück. Waren die Schulkonferenzen nicht immer nach der Schule? Na klar, damit auch ja keine Unterrichtsminute verschwendet wird. Doch hier in Costa Rica ticken die Uhren einfach anders. Dass die Schule aufgrund verschiedener, interessanter Gründe ausfällt, ist keine Seltenheit. Das ist Teil des Pura Vidas. Gewöhnt habe ich mich daran schnell – schwer fiel es mir nicht. Abstrus finde ich es allerdings, dass die Kinder nie Bescheid wissen, wieso die Schule ausfällt und erst recht nicht wann die Ferien beginnen.

Zuhause angekommen überlege ich, wie ich meine freie Zeit nun nutzen kann. Arbeit gibt es immer. Wer mich kennt, weiß dass ich schlecht mit Langeweile und Nichtstun umgehen kann. Ja, ich weiß, dass die Ruhe der Langweile und des Nichtstun wichtig ist, aber ich befinde mich noch im Lernprozess. Glaubt mir, Costa Rica ist der perfekte Ort, um das zu lernen. Dennoch bin ich hier zum Arbeiten. Schließlich will ich meine Zeit als Freiwillige nutzen. Ich freue mich über die gewonnene Zeit und schalte meinen Laptop an. Im Internet suche ich angestrengt nach Basteleien und potenziellem Content für Englischunterricht und Konzentrationsübungen. Ich will vorbereitet sein und durchdachte Aufgaben finden, die den Kindern Spaß machen. Vorbereitung ist gut, Spontaneität ist manchmal besser. Aufgrund der Sprachbarriere muss ich gestehen, dass ich momentan noch die Vorbereitung der Spontanität vorziehe. Anschließend kann ich an meinen Aufgaben für VISIONEERS arbeiten – oder doch lieber einen Blog schreiben und meine Betterplace-Kampagne auf den neusten Stand bringen? Wie zuvor gesagt, Arbeit gibt es immer!

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Nach einem kurzen Einblick in mein Arbeitsleben folgt ein etwas informativerer Einblick:

Morgens arbeiten Lina und ich abwechselnd im Kindergarten der Schule oder im Cen-Cinai. Im Kindergarten in der Schule sind die Kinder meist zwischen 4 und 6 Jahre alt. Fokussiert wird sich auf die schulische Vorbereitung der Kinder. Das bedeutet, dass fleißig gebastelt wird, das Alphabet und Zahlen gelernt sowie bereits vereinzelte Englischvokabeln beigebracht werden. Eine Pause, in der sich die Kinder austoben dürfen, gibt es auch. Ich unterstütze die Lehrerin und helfe den Kindern bei ihren Aufgaben. Ebenfalls darf ich Eigeninitiative beweisen, in dem ich beispielsweise eine Englischklasse leite, Bastelideen und verschiedene Aufgaben mitbringe.

Der Cen-Cinai ist eher vergleichbar mit einer Krabbelgruppe, als einem Kindergarten. Die meisten Kinder sind 2-4 Jahre alt. Hier bekommen die Kinder Frühstück und Mittagessen und sollen dabei lernen, wie richtig mit Messer und Gabel gegessen wird. Wobei, eigentlich gibt es nur einen Löffel für die Kinder. Nicht alle Mahlzeiten lassen sich leicht mit einem Löffel essen…. Nach der Mahlzeit wird natürlich das Zähneputzen nicht vergessen. Im Vordergrund stehen Spiel und Spaß. Es wird gesungen, getanzt und die Kinder können sich mit Spielzeugen beschäftigen. Im Innenbereich stehen den Kindern vor allem lernerische Spielzeuge zur Verfügung. Im Außenbereich gibt es Spielzeugfahrzeuge, Bälle, Schaukeln ein Trampolin und noch vieles mehr. Ich bin begeistert von der riesigen Ausstattung, die der Cen-Cinai besitzt.

Ebenfalls finde ich es toll, dass das Thema Nachhaltig im Cen-Cinai eine Rolle spielt. Dazu muss man wissen, dass ausgenommen vom Ökostrom die Costa-Ricaner kaum ein Gefühl für Nachhaltigkeit haben. Ein Meer an Plastiktüten sehe ich jedes Mal beim Einkaufen, und das, obwohl Plastiktüten in Costa Rica eigentlich verboten sind. Trotzdem kommt es nicht selten vor, dass die Menschen mit 20 Plastiktüten aus dem Supermarkt laufen. Produkte im Glas gibt es hier kaum. Alles ist in Plastik verpackt und gefühlt alle Produkte im Regal gehören zu Nestlé. Definitiv gewöhnungsbedürftig für mich. Im Cen-Cinai gehen wir jeden Freitag mit den Kindern an den Strand und sammeln den Müll der Touristen ein. Eine tolle Aktion. Ebenfalls basteln Lina und ich fleißig mit recycelten Materialien. Diese dienen meist als Dekoration. So haben wir beispielsweise aus Klopapierrollen und Flaschenenden Weihnachtsdekoration gebastelt. Generell unterstützen wir die Kindergärtnerin beim Aufpassen und Bespaßen der Kinder sowie beim Aufräumen. Der Küchenmitarbeiterin helfen wir bei der Essensausgabe und beim Abwaschen.

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Nach einer Mittagspause geht es mit der Arbeit weiter. Unser eigentliches Projekt „Uno+“ ruft. Es findet vorwiegend nachmittags an 3 Tagen in der Woche und Mittwoch morgens statt. An den übrigen 2 Tagen erledigen wir nachmittags Aufgaben für unsere Organisation VISIONEERS. Meine Aufgabe ist es, einen Newsletter zu verfassen. Mit Uno+ arbeiten wir an drei Standorten. Die Kinder kommen nach der Schule oder zwischen ihren Pausen, um gemeinsam Zeit zu verbringen, Spaß zu haben, zu basteln und zu lernen. Mit dem Projekt wollen wir es den Kindern ermöglichen, eine Beschäftigung abseits von Drogen und Kriminalität, außerhalb der Schulzeit zu haben. Ebenfalls wollen wir Familien entlasten, die aufgrund ihrer Arbeit oder anderweitigen Gründen nur wenig Zeit für ihre Kinder aufbringen sowie nur geringe Unterstützung leisten können.

Da Uno+ mit Hilfe der Kirche in das Leben gerufen wurde, spielt diese eine wesentliche Rolle. Es wird gemeinsam gebetet und durch Bastelaufgaben über die Bibel und Gott gelehrt. Ich bin dankbar, dass die Mitarbeiter für solche Aufgaben verantwortlich sind. Ich würde mich nicht in der Lage fühlen, die Kinder über die Kirche aufzuklären und über die Bibel zu lehren – nicht auf Spanisch, nicht auf Deutsch. Die Beziehung der Menschen in Costa Rica zur Kirche und zu Gott ist anders, als ich es kenne bzw. gewohnt bin. Sie ist stärker, intensiver und abhängiger. Ich habe das Gefühl, dass wir in Deutschland schlicht und einfach lockerer sind. Vielleicht durch die zahlreichen Möglichkeiten und den starken westlichen Einfluss, sowie die freieren Denkweisen, die uns zur Verfügung stehen. Wir hinterfragen mehr und schwören nicht auf alles Gedruckte. Die Traditionen schwinden; wir verändern uns mit der Welt, die sich ständig weiterentwickelt. Hier fühlt es sich manchmal an, als würde die Welt stehen bleiben.

Nichtsdestotrotz können wir die Mitarbeiter tatkräftig unterstützen. Da der Altersunterschied recht groß ist (6-14 Jahre), können wir vor allem den jüngeren Kindern unter die Arme greifen; sei es beim Ausschneiden, Auffädeln oder Aufkleben. Auch unsere eigenen (Bastel-)Ideen können wir einbeziehen und durchführen. Mir fällt auf, dass umso geringer die Sprachbarriere ist, desto wohler ich mich fühle, meine eignen Ideen wahrzunehmen und einzubringen. Gelegentlich geben wir Englischunterricht – diesen leiten wir selbst, da die Mitarbeiter kein Englisch sprechen können. Basteln steht eigentlich immer auf dem Plan. Ob Traumfänger, etliche Weihnachtsbäume, Weihnachtskarten, Weihnachtssterne, Basteln bereitet den Kindern immer eine Freude. Obwohl viele Materialien fehlen (manchmal sogar nur einfache, bunte Blätter), versuchen wir kreativ zu werden und so viele Ideen wie möglich umzusetzen. Bewegungsspiele, die sogenannten „dinámicas“, zaubern den Kindern immer ein Lächeln in das Gesicht. Zudem gehen wir mit den Kindern in den Park und spielen Fußball. Die Costa-Ricaner sind Fußballfanatiker! Auch bieten wir den Kindern an, dass sie ihre Hausaufgaben mitbringen und wir sie dabei unterstützen. Themen wie Liebe, Freundschaft, Familie und Mobbing beziehen wir ebenfalls in das Uno+-Programm ein. Ein paar Kekse oder Bananen und ein Getränk gibt es für die Kinder meistens am Ende. Noch wichtig zu wissen ist, dass wir Freiwilligen als Unterstützung zur Verfügung stehen und keine Arbeitsplätze ersetzen dürfen. Kurz vor Beginn der Weihnachtsferien organisieren wir ein großes Weihnachtsfest für alle Kinder aus den verschiedenen Standorten. Wir hoffen, dass wir den Kindern damit eine große Freude bereiten können.

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Nach dem eher informativeren Überblick folgt nun die etwas emotionalere Ebene:

Ich fühle mich sehr wohl mit meiner Arbeit. Ich bin dankbar, dass meine Arbeit durch die verschiedenen Standorte und Einrichtungen abwechslungsreich gestaltet ist. Selbstverständlich gibt es langweilige und spannende Tage. Mein Wunsch war es, dass ich eigene Ideen mit einbringen und verwirklichen kann – dieser Wunsch wurde erfüllt. Ich selbst bin dafür verantwortlich, wie interessant und spaßig meine Arbeit gestaltet ist. Um so mehr Ideen und Eigeninitiative ich einbringe, desto mehr Spaß habe ich an meiner Arbeit und lerne gleichzeitig besser Spanisch. Davon profitieren gleich drei Parteien – die Kinder, meine Kollegen und ich.

Ich hatte bereits viele positive Erfahrungen, aber auch einige schlechte. Ich beginne mit den Schlechten und ende mit den Guten. Ich musste bereits in meiner ersten Woche 2 Stunden lang alleine eine Englischklasse unterrichten. 20 Kinder und eine noch fremde Person vor ihnen. Da war es selbstverständlich, dass sie mir kaum Respekt zeigten. Zudem die zu Beginn noch riesige Sprachbarriere. Erlaubt ist es ebenfalls nicht, dass die Freiwilligen alleine gelassen werden. Lauter schreiende Kinder auf einem Haufen, echt nervig – aber eine Erfahrung wert, aus der man nur lernen kann. Ein Schock für mich war ein Erlebnis im Kindergarten. Auf einem Blatt Papier ein Mädchen und ein Junge. Das Mädchen, ganz klischeehaft, lange Haare, am Fuß die Stöckelschühchen und trägt ein Kleid. Der Junge, ganz klischeehaft, kurze Haare, trägt ein T-Shirt und eine Hose. Die Lehrerin fragt, was der Junge und das Mädchen auf dem Bild tragen und wie sie aussehen. Die Kinder antworten. Danach wird gefragt, ob die Kinder Mädchen oder Jungs seien. Die Kinder antworten. Ein Junge traut sich nicht zu antworten. Daraufhin fragt die Lehrerin, ob er ein Mädchen sei. Es kommt keine Antwort. Das Kind völlig eingeschüchtert. Die Lehrerin fragt schließlich mich, ob ich eine Frau sei. Ich bekomme nur ein leises „sí“ heraus. Dann dreht die Lehrerin sich erneut zum Jungen und fragt, ob er ein Mädchen sei. Die anderen Kinder beginnen zu lachen. Daraufhin antwortet der Junge, dass er ein Junge sei. Mir fehlen die Worte. Wow, da hat die Lehrerin wohl ihr Ziel erreicht. Anschließend wurden die 4-6 Jährigen Kinder über die Geschlechtsorgane aufgeklärt. Jeder Junge und jedes Mädchen haben ein bestimmtes Geschlechtsorgan, so hieß es.

Das alles anzusehen war schrecklich für mich. Noch schlimmer war es, dass ich mich dem nicht entgegensetzten konnte. Alles was ich machen konnte war, in meinem Stuhl zu versinken. Ich fühlte mich angespannt, frustriert. In mir ein riesen Kloß. Ich fühlte mich machtlos, musste das Geschehene geschehen lassen. Ich hätte so gerne Einwand erhoben, Beispiele aus der europäischen Kultur genannt. Leider musste ich mich zurückhalten, denn ich bin Gast in einer fremden Kultur. Trotz alledem, wie schrecklich ich mich in der Situation gefühlt habe, war diese ein wichtiger Teil meiner Erfahrungen, mich auf eine neue Kultur und eine andere Gesellschaft einzulassen. Die Kultur in Costa Rica beruht eben auf traditionellen und meiner Meinung nach veralteten Denkweisen – so schwer es mir auch fällt, muss ich das akzeptieren. Es ist schwer, eine Balance aus Akzeptanz und Intervention zu finden.

Trotz einiger negativer Erfahrungen, gab es zahlreiche wunderschöne und positive Momente. Sei es die Aufgeschlossenheit und Redebegeisterung der Kinder. Es scheint als würden sie interessierter und wissbegieriger an meiner Kultur und meiner Person sein, als jeder Erwachsener. Oder die Energie der Kinder, die an mir abfärbt – von Müdigkeit und Erschöpfung zu Motivation und Freude. Allein das Lächeln der Kinder wenn man sie lobt, ist unbezahlbar. Ein unbeschreiblich schöner Tag war ein Ausflug in den Park. Wir spielten zahlreiche Spiele. Die Kinder lachten ausgelassen. Sie schienen glücklich, fernab von Problemen zu Hause oder in der Schule. Ein Mädchen umklammerte mich gefühlt den ganzen Nachmittag. Ständig fragte sie mich, ob ich sie auf den Arm nehmen könne. Dann gab sie mir eine feste Umarmung und ließ mich nicht mehr los. Ein unbeschreiblich schöner Moment, in dem ich so viel Liebe und Wärme von so einem kleinen Mädchen spürte. Ebenfalls ist es toll zu sehen, wenn die Kinder nach langem Erklären und vereinzelten Tiefphasen, die Matheaufgaben verstehen und sich verbessern. Nicht nur sie sind dann stolz, auch ich bin unheimlich stolz auf sie. Dieser Moment, indem man das Gefühl hat, dass man etwas bewirken kann, ist unbeschreiblich schön. Irgendwie kann ich dann nie aufhören zu lächeln.

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Der etwas andere Arbeitstag ist vorüber. Geschafft und erschöpft von der Hitze hole ich mir ein Erdnusseis bei meiner Abuela. Ich werfe mich auf das Sofa, streichle unsere Katze und lese ein wenig in einem Kinderbuch auf Spanisch. Es handelt von einem Hund – eine herzzerreißende Geschichte. Einige Augenblicke später kochen Lina und ich uns etwas Leckeres zum Abendessen und gucken eine Folge „The Hundreds“ – auf Englisch mit spanischem Untertitel. Nach dem Abwaschen und, wie immer, einer kalten Dusche lege ich mich zufrieden in mein Bett. Ich denke darüber nach wie froh ich bin, dass ich die Kinder auf ihren Wegen unterstützen kann und bin gespannt auf die nächsten Monate. Von Tag zu Tag schließe ich sie immer mehr in mein Herz. Eine Sache geht mir leider ständig durch den Kopf und hindert mich am Schlafen: Leider ist bald die Weihnachtszeit vorbei und ich muss mir neue Themen für Bastelideen ausdenken…. Hoffentlich fällt mir da etwas ein!

Blinkende Lichterketten, Plastik-Tannenbäume und ständig läuft Mi Burrito Sabanero – Hier in Costa Rica laufen die Weihnachtsvorbereitungen schon seit Oktober. Für uns, Leah und Michelle, geht das sehr aufregende Jahr 2018 langsam zu Ende. Mittlerweile leben wir seit fast vier Monaten in unserer Strand-WG an der Pazifikküste und bestreiten unseren weltwärts-Freiwilligendienst. Für alle Interessierten und vielleicht sogar zukünftigen Freiwilligen hier ein kleiner Bericht über unsere Tätigkeiten am anderen Ende der Welt.

Das Projekt, in dem wir uns engagieren heißt UNO+.

Der Name bedeutet „Ein weiteres” und bezieht sich auf das Ziel, auf die richtigen Wege zu führen und so die Welt positiv zu verändern. UNO+ wurde 2013 in unserer augenblicklichen Heimat Esterillos Oeste gegründet und steht der hier ansässigen christlichen Gemeinde Pura Vida Church nahe. Im Rahmen des Projekts werden hier und an drei weiteren Orten jeweils bis zu 30 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 13 Jahren betreut.

Der Ablauf innerhalb der UNO+ Projekte sieht oft ähnlich aus. Zuerst gibt es für alle Kinder eine Mahlzeit. Dann beginnen kleine Tutorien, bei denen Rechnen, Lesen, Englisch oder Ähnliches geübt wird. Auch kleine Bastelarbeiten sind Teil des Programms, ebenso die Vermittlung von biblischen Geschichten.

Inzwischen können wir uns immer stärker in die inhaltliche Gestaltung von UNO+ einbringen. Zum Beispiel stand der Oktober unter dem Motto „Kulturen“. Eine Woche lang brachten wir deshalb den Ticos die deutsche Kultur näher. Außerdem bereiten wir jede Woche die Tutorien zum Englisch-Lernen vor.

Da UNO+ nur am Nachmittag stattfindet, arbeiten wir zusätzlich jeden Vormittag im hier ansässigen Kindergarten und helfen bei der Betreuung von 3-5-Jährigen. Unsere Freizeit verbringen wir unter der Woche damit Tutorien, Basteleien und Spiele vorzubereiten. Darüber hinaus leisten wir zusätzliche Arbeit für VISIONEERS: Wir erstellen den monatlichen Newsletter und verwalten den Blog. Unser Arbeitsalltag ist somit ziemlich abwechslungsreich und entspricht auf keinen Fall einer typischen 40h-Woche.

Nun zum Wohnort: Esterillos Oeste ist ein kleines, an der Pazifikküste gelegenes Dorf. Charakteristisch für den Ort sind der nahgelegene Strand (2 Minuten Fußweg von der Wohnung aus), viele Kirchengemeinden, mit gackernden Hühnern gefüllte Straßen und ein kleiner Supermarkt.

Ziemlich dörflich eben, aber aufgrund des Urlaubsfeelings am Strand, lässt es sich hier gut leben. Der Hof auf dem wir leben steckt voller Kontraste: Großeltern, Tante, Vermieterin mit Ehemann und Tochter ergeben das Sinnbild der lebhaften, temperamentvollen Ticos. Pünktlich um sechs Uhr morgens kräht der Hahn. Die Familie geht nicht allzu spät zu Bett – um 18 Uhr ist es bereits stockdunkel. Dementsprechend sind am nächsten Morgen alle sehr früh auf den Beinen. Zu unseren Mitbewohnern auf dem Hof gehören aber auch Hühner, Katzen, Hunde, Kakerlaken, Ameisen, Papaya-, Bananen- und Orangenbäume. Außerdem finden wir es super, dass der Großvater frische Kokosnüsse und verschiedene Eissorten verkauft.

Im Dorf gibt es mehrere Hotels, die insbesondere während der Trockenzeit viele Touristen anlocken. Viele Auswanderer aus den USA oder Kanada leben sogar für mehrere Jahre hier am paradiesischen Strand.

Da Costa Rica in den Tropen liegt, ist es durch zwei Jahreszeiten gekennzeichnet: Die Regenzeit erstreckt sich von Mai bis November bei rund 25-30° Celsius; die Trockenzeit herrscht von Dezember bis April und bringt 30 bis 40° Celsius. Aufgrund der geographischen Lage sind die Temperaturen also sehr hoch.

Zuletzt noch ein Wort zu unserem WG-Leben: Natürlich ist es eine Umstellung, wenn man auf einmal den Haushalt (Putzen, Kochen, Wäsche waschen) ohne Eltern schmeißen muss.

Da Privatsphäre kaum vorhanden ist, bieten Strandspaziergänge eine klasse Möglichkeit, um Zeit für sich selbst zu haben und um sich Freiräume zu schaffen. Es dauert eben einige Zeit bis man sich an alles Neue gewöhnt hat und Routine eingekehrt ist. Doch es lohnt sich und man hat immer jemanden, mit dem man sich austauschen kann und der einem unterstützend zur Seite steht. Man steht trotz so manchem Kulturschock oder fehlgeschlagener Kochversuche nie alleine da und kann ganz schön viel dazulernen.

Solltet Ihr Fragen zu unserer Arbeit haben, schreibt uns jederzeit gerne eine E-Mail an

leah-marie-kleb@gmx.de.

#UNO+

Warum Fundraising?

Du überlegst einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen oder bald geht es vielleicht auch schon bei dir los? Im Rahmen deines Projektes hast du dich dazu bereit erklärt, deine Entsendeorganisation durch das Sammeln von Spenden zu unterstützen. In ein paar Sätzen erklären wir dir zunächst einmal kurz, warum das Engagement der Freiwilligen so wichtig ist.

Allgemeine Tipps zum Thema Fundraising

Bevor du dich ins Abenteuer Fundraising stürzt, empfiehlt es sich, zuallererst einen groben Plan zu erstellen. Dieser sollte dir eine Übersicht über die Fundraising-Aktionen geben, die du durchführen willst. Zudem sollte der Plan die Zielgruppen festhalten, die du mit den verschiedenen Aktionen erreichen möchtest. Danach kannst du deine Aktionen je nach Standort und Zielgruppe individuell gestalten. Generell gilt beim Fundraising: Je früher du anfängst, desto besser. Denn bereits zu Beginn deiner Fundraising-Kampagne werden dir wahrscheinlich Punkte auffallen, die du noch optimieren könntest.

Aktionsideen

Vielleicht ist das Thema Fundraising Neuland für dich und du hast auf Anhieb noch keine konkrete Idee, wie du dich dem Thema nähern sollst. In diesem Dokument haben wir deshalb ein paar Aktionsideen für dich zusammengestellt, die einfach umzusetzen sind und von denen du dich inspirieren lassen kannst.

Fundraising im Verwandten- und Bekanntenkreis: Du könntest in deinem Verwandten- und Bekanntenkreis anfragen, wer dich bei deinem Projekt durch eine Spende unterstützen möchte. Wichtig ist, dass du dich gut über dein Projekt informierst, um deine potenziellen UnterstützerInnen für dein Vorhaben zu begeistern. Anmerkung: Bei Spendenanfragen innerhalb des Bekanntenkreises sollte der/die potenzielle SpenderIn immer direkt und individuell angesprochen werden. Ein Spendenaufruf gerichtet an alle deine FreundInnen in einer deiner WhatsApp-Gruppen geht in der Regel sehr schnell unter.

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Spendenbox: Eine der einfachsten Arten, Spenden zu generieren, ist durch eine Spendenbox oder ein Spendenglas. Die kannst du zum Beispiel ganzjährig in deiner Stammkneipe, im Clubheim deines Sportvereins oder in deinem Lieblingscafé aufstellen. Damit die Leute wissen, wofür sie spenden, solltest du ein kleines Plakat oder Infoblatt erstellen. Unser Freiwilliger Henrik hat Spendengläser in den Kneipen seiner Eltern aufgestellt und war mit dieser Aktion sehr erfolgreich. Um seinen UnterstützerInnen etwas zurückzugeben und sie für weitere Spenden zu motivieren, hat er einmal im Monat einen kleinen Bericht über seine Erlebnisse geschrieben, der mitsamt Fotos neben das Spendenglas gehängt wurde.

Anmerkung: Von Vorteil ist es, wenn du in Deutschland jemanden vor Ort hast, der/die ein Auge auf die Spenden hat und das Geld monatlich auf das Projektkonto überweist.

Online-Fundraising: Per Online-Fundraising kannst du ohne

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großen Aufwand eine Vielzahl von Leuten erreichen. Es gibt verschiedene Plattformen, bei denen du ein Spendenprofil anlegen kannst. Durch Plattformen wie Betterplace kannst du deine UnterstützerInnen während deines Auslandsaufenthaltes sehr einfach mit Informationen und Neuigkeiten zu deinem Projekt versorgen. Auch Blogs, soziale Netzwerke oder E-Mails können für Spendenaufrufe genutzt werden.

Anmerkung: Einige Spenden-Plattformen, wie zum Beispiel Betterplace, nehmen Gebühren.

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Essensverkauf: Eine weitere Möglichkeit, Spenden zu generieren, ist der Verkauf von Kuchen, Waffeln, Hotdogs oder ähnlichem. Feste (z. B. von der Kirchengemeinde, der Stadt oder deiner Straße) oder Sportveranstaltungen bieten für eine solche Aktion immer einen guten Rahmen. Henrik hat in seinem Projektbüro etwa deutsche Kuchen verkauft, Francie und Laura haben beim örtlichen Surfwettbewerb einen kleinen Verkaufsstand aufgestellt. Auf feste Preise haben die Freiwilligen verzichtet; jeder konnte so viel bezahlen, wie er/sie wollte. Da solche Aktionen einem guten Zweck dienen, sind die Leute häufig etwas großzügiger und zahlen in der Regel sogar mehr als du wahrscheinlich als Festpreis angeben würdest. Wichtig ist, dass die potenziellen Kunden auf das Projekt hingewiesen werden, für das die Spenden gesammelt werden. Hier bieten sich Plakate, Infoblätter und das Tragen von Projekt-T-Shirts an.

Anmerkung: Nicht überall kann man mit Essensverkäufen erfolgreich Spenden generieren. Hierbei handelt es sich um eine Aktion, die sich leichter in Deutschland (also vor der Abreise ins Projektland) durchführen lässt. In ärmeren Gebieten innerhalb des Einsatzlandes wird die Kaufkraft erheblich geringer sein.

Flohmarkt: Wenn du einen Schrank voller Klamotten hast, der mal wieder ausgemistet werden müsste, könntest du mit einem Stand auf dem Flohmarkt Spendengelder generieren. Wer zeitlich zu sehr eingespannt ist, kann Kleidung auch online über eine Verkaufsplattform anbieten. Neben Kleidung kannst du natürlich auch andere Dinge für den guten Zweck verkaufen, für die du keine Verwendung mehr hast. Werbung für das Projekt durch Plakate oder Infoblätter kann das Kaufinteresse der potenziellen KundInnen zusätzlich erhöhen.

Nachbarschaftshilfe: Du kannst dir Spendenbeiträge durch kleinere Dienste für deine NachbarInnen oder Bekannten verdienen. Gegen eine kleine Spende könntest du zum Beispiel Brötchen holen, den Hund ausführen, im Garten helfen oder auf Kinder aufpassen.

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Spendentour mit dem Fahrrad: Eine besonders coole Idee hatte unser Freiwilliger Patrick. Er ist vor seiner Abreise nach Costa Rica durch Norddeutschland geradelt und hat dabei Spenden gesammelt. Bei einer Spendentour ist es möglich, einen direkten Kontakt zu potenziellen UnterstützerInnen herzustellen. Mit ein bisschen Redegeschick (und der nötigen Fitness) lassen sich so, wie in Patricks Fall, sehr gute Resultate erzielen. Wenn man den SpenderInnen die Möglichkeit gibt, sich auf einem Blog oder ähnlichem weiter über dein Freiwilligenjahr zu informieren, kann man EinmalspenderInnen eventuell sogar dazu motivieren, zu WiederholungspenderInnen zu werden. Wichtig ist, dass du schon im Voraus gut über dein Projekt informiert bist, um die Leute auf der Straße von deinem Vorhaben zu überzeugen. Auch hier ist das Gestalten von Infoblättern und Plakaten zu empfehlen.

Anmerkung: Du solltest die Tour rechtzeitig planen und dir vorher eine Genehmigung ausstellen lassen.

Spenden- bzw. Projektvorträge: Um so viele Personen wie möglich auf dein Projekt aufmerksam zu machen, eignen sich auch Vorträge. Diese könnest du an deiner Uni, deiner alten Schule oder in deinem Sportverein halten. Sowohl Institutionen oder Vereine als auch einzelne Mitglieder können so als SpenderInnen gewonnen werden. Patrick war mit einem Vortrag an seiner ehemaligen Schule sehr erfolgreich, die ihn anschließend mit einem Geldbeitrag unterstützt hat.

Artikel in Schülerzeitungen, Vereinsblättern, lokalen Zeitungen: Weitere Aufmerksamkeit für dein Projekt könntest du durch Artikel in der lokalen Zeitung oder mit anderen Veröffentlichungen gewinnen. Du könntest regelmäßig von deinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten und am Ende dezent auf deine Spendenaktion hinweisen.

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Veröffentlichung eines Magazins: Wer gerne schreibt und ein paar schöne Fotos von seiner Arbeit und dem Einsatz hat, kann mit einem Magazin zu seinem Freiwilligendienst einen bestehenden Spenderkreis dazu anregen, Wiederholungsspenden zu tätigen. Zusätzlich kann ein Magazin als Aushängeschild dienen, um kleine Familienunternehmen aus dem persönlichen Umfeld oder als SpenderInnen infrage kommende Institutionen anzusprechen und deren Interesse zu wecken.

Anmerkung: Bei einem professionell gestalteten Magazin ist der Arbeitsaufwand entsprechend hoch.

Fundraising-Party: Deine Party muss nicht gleich den Namen „Fundraising-Party“ tragen. Es reicht, wenn du im Rahmen deiner Geburtstags- oder Abschiedsparty auf deine Spendenkampagne hinweist und eine kleine Spendenbox aufstellst. Als Alternative zu Geschenken könntest du um Spenden für dein Projekt bitten.

Sponsorenlauf: Vielleicht schaffst du es, deine alte Schule oder deinen Sportverein für einen Sponsorenlauf zu begeistern, bei dem die UnterstützerInnen für jeden gelaufenen, gefahrenen oder geschwommenen Kilometer einen kleinen Beitrag spenden.

Anfragen bei Unternehmen und Institutionen: Meistens lohnen sich Spendenanfragen bei kleinen bis mittelständischen Unternehmen. Gerade Unternehmen, die eine Tochterfirma in deinem Einsatzland haben oder sogar aus diesem stammen, können als potenzielle SpenderInnen gewonnen werden. Ortsansässige Sparkassen und Volksbanken sind ebenso lokal engagiert und fördern Projekte in ihrer Region. Wenn du Verwandte oder Bekannte hast, die Mitglied im Lions Club oder bei den RotarierInnen sind, kann sich auch hier eine Anfrage lohnen.

Anmerkung: Wichtig ist, Unternehmen und Institutionen stets daran zu erinnern, dass die Spenden steuerlich absetzbar sind.

Tombola: Im Rahmen eines Straßen-, Kirchen- oder Schulfestes könntest du eine Tombola veranstalten. Um Verlosungspreise könnte man im Bekanntenkreis, bei lokalen Firmen oder Geschäften bitten. Losblöcke kann man günstig im Schreibwarenhandel erwerben.

Anmerkung: Die Organisation einer Tombola ist sehr arbeits- und zeitaufwendig. Neben den Preisen müsstest du dich auch um eine Genehmigung beim Ordnungsamt kümmern. Eventuell musst du deine Tombola auch beim Finanzamt anmelden.

Mitbringsel aus dem Einsatzland: Zum Ende des Freiwilligenjahres könntest du Produkte und Souvenirs aus dem Einsatzland mitbringen. Der Verkaufspreis könnte sich zum Beispiel zu 50 % aus der Spende und zu 50 % aus der Kostendeckung zusammensetzen. Je nachdem, wie groß der Spenderkreis ist und wie abwechslungsreich und interessant man die Produkte anbietet, kann man mittlere bis hohe Einnahmen erzielen.

Anmerkung: Bei der Einführung von Produkten aus deinem Projektland nach Deutschland solltest du unbedingt auf die Aus- und Einfuhrbeschränkungen der Reiseländer achten. Außerdem solltest du dir im Vorhinein sicher sein, dass du wirklich genügend Platz in deinem Koffer hast und die von der Airline vorgeschriebene Gepäck-Gewichtsgrenze nicht überschreitest.

Natürlich kostet es am Anfang ein bisschen Mut und Überwindung, aktiv auf die Menschen zuzugehen und sie für Spenden zu motivieren. Hast du aber die ersten Schritte für deine Spenden-Kampagne eingeleitet, wirst du schnell merken, dass Fundraising gar nicht so schwer ist und durch die vielen interessanten Gespräche mit deinen UnterstützerInnen sogar Spaß machen kann. Im folgenden Text berichtet unser Freiwilliger Patrick von den ersten Schritten seiner Fundraising-Kampagne.

Wie sammle ich Spenden für meinen Freiwilligendienst und warum mache ich das?

Ein Bericht von Patrick Brennecke

Mein Name ist Patrick, ich bin 20 Jahre alt und nehme an dem weltwärts-Angebot des VISIONEERS e. V. teil. Im März 2017 bin ich für ein Jahr in die Region Limón nach Costa Rica gereist, um an dem Schulbauprojekt in Limón2000 teilzunehmen.

Für das Zustandekommen meines Projektes ist es wichtig, dass ich bereits vor der Abreise Engagement zeige, denn für einen Teil der Finanzierung muss ich selbst die Verantwortung übernehmen. Dafür sammle ich Spenden. Ich habe die ersten Schwierigkeiten überwunden und dabei schnell erkannt, dass es wichtig ist, sich einen skizzenhaften Plan zu erstellen. Diesen Plan stelle ich euch als einen Ablauf von vier Schritten vor:

Im ersten Schritt machte ich mein Vorhaben einem Kreis an möglichen UnterstützerInnen in meiner unmittelbaren privaten Umgebung bekannt.

Die Zusage für meine Teilnahme an diesem Projekt fiel bei mir in die Vorweihnachtszeit. Die Festlichkeiten boten mir die Möglichkeit, mit der Familie über das Projekt zu reden, und ich beschloss, mir Spenden als Weihnachtsgeschenke zu wünschen. So war ein einfacher Anfang gemacht. Ähnlich bin ich mit meinem Freundeskreis am Silvesterabend verfahren. Hier ging es mir nicht um Spenden als Geschenke, aber darum, mein Vorhaben bekannt zu machen.

Das geweckte Interesse bündelte ich im zweiten Schritt an einem Ort, an dem ich alle Interessierten auf einmal erreichen kann.

Im neuen Jahr habe ich auf der Website betterplace.org eine Online-Kampagne gestartet, die ich den bereits informierten FreundInnen und Familienmitgliedern gezeigt habe. Auf betterplace.org ist es möglich, übersichtlich Neuigkeiten unter allen Interessierten zu verteilen. Ebenso haben diese dort die Möglichkeit, direkt zu spenden.

Im dritten Schritt suchte ich mir eine Partnerinstitution, die mir die Möglichkeit gibt, auch über meine unmittelbare Umgebung hinaus Interesse zu wecken.

Dies ist der Schritt, bei dem ich die meisten Hürden zu überwinden hatte. Meine ersten Versuche richteten sich an größere Unternehmen, die einen Bezug zu Costa Rica haben. Bei jenen prallte ich aber leider ab. Erfolg hatte ich dann, als ich das Interesse mehr auf meine Person lenkte als auf das Land Costa Rica und auf Vereine oder Einrichtungen zuging, die einen persönlichen Bezug zu mir haben.

Ich wendete mich an meine ehemalige Schule und gewann diese als Partnerin. Ich werde dort Informationsveranstaltungen organisieren, und während meines Aufenthaltes in Costa Rica schreibe ich für die SchülerInnen einen Blog. Auf diese Weise kann ich meine SponsorInnen und UnterstützerInnen erwähnen sowie Interesse bei weiteren möglichen UnterstützerInnen wecken. Auch verschaffte mir die Schule den Kontakt zu einem örtlichen Verein, der mein Projekt ebenfalls unterstützen möchte. Schulen, Universitäten, Lions Clubs oder andere Initiativen können vielversprechende PartnerInnen sein und Kontakte vermitteln. Zeitungen geben außerdem die Möglichkeit, über das Vorhaben und dessen SponsorInnen zu berichten.

Nun bemühe ich mich, das Interesse mithilfe der Plattformen und individuellen Maßnahmen stets aufrecht zu erhalten.

Privatpersonen und einige Unternehmen, die mich nun neu unterstützen, informiere ich über meine Kampagne bei Betterplace. Dort mache ich Neuigkeiten bekannt, damit ein Prozess für die UnterstützerInnen zu erkennen ist und mein Projekt lebendig vermittelt wird. Für die Schule verfasse ich zurzeit einen ersten Blogeintrag und organisiere eine Informationsveranstaltung.