Zweites Quartal in Deutschland

13. Februar 2020

Es sind schon 8 Monate vergangen, seitdem ich angekommen bin und inzwischen hat sich alles so sehr verändert und ist viel einfacher und angenehmer geworden.

Meine Fortschritte in der deutschen Sprache haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass ich mich jetzt hier in Deutschland besser wohlfühlen kann. Die Kommunikation ist jetzt um einiges leichter. Ich kann an einfachen und etwas komplexeren Konversationen teilhaben und auch das Zuhören und Verstehen ist viel besser geworden.

Sprachlicher Lernprozes

Nach vier Monaten habe ich mich mehr aufgemuntert, deutsch zu sprechen. Zuerst nur mit meiner Gastfamilie, die ein sehr wichtiger Teil dieses Prozesses war, und danach Schritt für Schritt auch bei der Arbeit. Manchmal aber ist Druck nicht gut und geht nicht Hand in Hand mit der Lernpädagogik. Das verstehe ich auch sehr gut und deswegen habe ich jetzt aufgehört, mir Sorgen darum zu machen, den Erwartungen anderer nicht gerecht zu werden; Auch, damit ich meine eigenen Erwartungen besser erfüllen kann. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt, die ich Schritt für Schritt erfüllen kann. Manchmal sorgt das stille Arbeiten für mehr Lärm. Das bedeutet, wenn ich etwas im Stillen erlerne und niemandem davon erzähle, dass die Reaktionen anderer viel besser und beeindruckender sind. Kommentare wie: ,,Seit wann lernst du das?“ und ,,Du sprichst schon viel besser!“ höre ich immer wieder in dieser Zeit. Aber nur mit Durchhaltevermögen und Ausdauer kann man diese Ergebnisse bekommen. Ich bin natürlich immer noch im Lernprozess und mache Fehler, durch die ich mich aber nur verbessern kann, aber ich bin glücklich meine eigenen Fortschritte zu sehen, dich bis jetzt gemacht habe.

Zwei Leben in Costa Rica und Deutschland

Klar, es ist auch schwierig ein deutsches Leben und gleichzeitig auch ein costa-ricanisches Leben zu haben, auch weil in den zurückliegenden Monaten einiges in Costa Rica passiert ist, was mich sehr getroffen hat. Zum Beispiel ist meine Urgroßmutter mütterlicherseits im Dezember erkrankt und gestorben. Das war sehr schwer für mich wahrzuhaben. Außerdem war es sehr hart in dieser Zeit der Trauer, nicht bei meiner Familie sein zu können. Natürlich war die Unterstützung meiner Gastfamilie und Freunde hier trotzdem sehr wichtig und hat mir geholfen, alles gut zu überstehen.

Während das alles in Costa Rica passiert ist, war meine Zeit in Deutschland vom Gegenteil geprägt. Alles lief gut und ich hatte eine gute Zeit auf der Arbeit, mit der Familie und mit Freunden. Es war ehrlich gesagt eine sehr komische zeit, aber ich sollte an dieser Stelle meiner deutschen Mutter danken. Dafür, dass sie immer in allen Momenten für mich da war und mich unterstützt hat. Sie ist für mich zu einem Engel auf meinem Weg geworden, sie ist immer liebenswürdig und hat mir die besten Ratschläge gegeben.

Das Wetter in Deutschland

Wie jeder, werde auch ich über das kalte Klima reden, welches schon zu einem Klischee geworden ist. Ich glaube, wenn man es nicht tun würde, würde man nicht alles über Deutschland erzählen. Ich muss aber sagen, dass meine Erwartungen in Bezug auf die Kälte viel schlimmer waren, auch wenn man bedenkt, dass sich das Klima hier ändert. Aber auch wenn es nicht allzu kalt ist, ist es trotzdem nicht so, dass ich den ganzen Tag draußen sein will. In dieser Jahreszeit ist warme Kleidung sehr wichtig, auch weil man sich so vor Krankheiten schützen muss. Trotzdem ist das Tragen von Mütze und Schal nicht mein Wille, sondern ein Muss.

Was ich außerdem noch erzählen will, ist, dass im Winter hier die Weihnachtszeit war. Ich war auf den typischen Weihnachtsmärkten, habe Glühwein getrunken, bin durch die beleuchteten Straßen gelaufen und habe viele Menschen gesehen, wie sie Freude und Glück verbreitet haben. Das hat mich gerührt.

Nachhaltigkeitskonferenz in Köln

Ich habe außerdem an einer Konferenz in Köln teilgenommen, welche sehr angenehm war. Wir konnten über Themen wie Recycling, Nachhaltigkeit und nachhaltiges Essen diskutieren. Es gab die Möglichkeit die Agenda 2030/60 mit Fokus auf Afrika kennenzulernen. Das war sehr interessant und ich glaube, dass man einen ähnlichen Plan auch für Amerika bzw. speziell Lateinamerika machen könnte, da es in letzter Zeit ziemlich betroffen von Katastrophen war. Zumindest hatten wir das in einer kleinen Gruppe überlegt, mit uns Latinos, die wir da vor Ort waren. Dieser kulturelle Austausch, der dort stattgefunden hat, war erstaunlich! Wir waren viele Menschen und jeden Tag hat man neue Menschen kennengelernt, Freundschafts-beziehungen wurden stärker und dabei war die Kultur, Sprache oder Nation nicht wichtig, wir haben uns alle gut verstanden und uns gegenseitig respektiert.

Weihnachtstraditionen

Ich nahm an verschiedenen Weihnachtstraditionen teil wie z.B. die Adventssonntage. Davon gibt es 4 und jedes Mal wird sonntags eine Kerze angezündet. Am 6. Dezember wird Nikolaus gefeiert und die Kinder bekommen Schokolade und Geschenke. Ich fühlte mich erneut wie ein kleines Mädchen, weil meine Gasteltern mir am Nikolaus ein Geschenk gegeben hatten, was sehr aufmerksam und liebevoll war. Außerdem schenkte mir meine Freundin Karla meinen ersten Adventskalender, der für 24 Tage je ein kleines Türchen hatte. Jeden Tag im Dezember durfte ich ein Türchen öffnen, um ein leckeres Schokoladenstückchen zu essen. Dies ist eine sehr deutsche Tradition.

Weihnachten an der Seite meiner deutschen Familie in Berlin war sehr angenehm und unterhaltsam. Wir hatten ein kleines Abendessen und öffneten gemeinsam Geschenke. Es war eine schöne Erfahrung, diese Zeit in mit lieb gewonnenen Personen zu teilen. Am 25. Dezember hatten wir ein sehr elegantes Abendessen. Nach dem Essen hatten wir viel Spaß beim gemeinsamen Spiele spielen und Tanzen – einer der besten Tage, die ich in Deutschland erlebt habe. Das neue Jahr rückte immer näher. Ich machte mich auf die Reise nach Dresden, um Zeit mit meinen costa-ricanischen Freunden zu verbringen. Könnt ihr es glauben – ich habe Tamales gegessen (ein typisches costa-ricanisches Gericht) mit Kaffee! Ich setzte mich zufrieden zu Hause hin; die Zeit mit meinen Freunden in Dresden hatte mich sehr glücklich gemacht. Die Wahrheit ist, dass mir diese Zeit half, mich weniger weit weg meines geliebten Costa Ricas zu fühlen. Durch die Videonachrichten und Fotos meiner Familie hatte ich das Gefühl, als wäre ich dort bei ihnen. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass ich viel weinen werde und ich mich schlecht und traurig fühlen würde. Aber ich habe verstanden, dass jeder dort ist wo er sein muss und sein will. Was mich betrifft, ich will hier in Deutschland sein und möchte jede Sekunde genießen.

So beendete ich das Jahr mit meiner Familie hinter dem Bildschirm und mit einer Familie, die mich aufgenommen als wäre ich Teil der Familie. Ich fühlte mich glücklich und glaube, dass ich mich nicht besser hätte fühlen können in diesem Zeitraum. Und hier sind wir, neues Jahr, neue Ziele, neue Herausforderungen, aber immer standhaft und positiv.