Allen, die noch nie in Costa Rica waren, würde ich sagen: Packt eure Taschen und kommt her! Denn hier ist es einfach nur großartig! Und grün!!

Nach unserem Einführungsseminar kam ich hier an diesem tollen Ort an. Es sind nicht nur die Menschen hier die einen derartig beeindrucken, sondern die Stimmung, die Liebe, der Elan, der einem entgegenschwingt. Die Personen die hier arbeiten, arbeiten aus dem Herzen heraus.

Mit jeweils 10-14 Kindern pro eines der drei Casas (Häuser) besteht das Waisenhaus aus einem riesigen Grundstück. Die Ältesten, also 4 bis 10-Jährigen sind in Casa 1 zu finden. Die meisten gehen hier zur Schule. In Casa 2 wohnen, genauso wie in Casa 3, die Jüngeren, also 1 bis 5-jährige. Ich selbst arbeite in Casa 3.

Habe ich eigentlich schon das gigantische Grundstück erwähnt? Neben den Casas von den Kindern befindet sich hier noch ein Büro, eine Vorschule, kleinere Häuser zum Wohnen für Freiwillige wie mich, 6, wenn nicht sogar mehr, Spielplätze, ein Spielschloss mit Sandkasten, viele kleinere Sitzmöglichkeiten, ein zentraler überdachter Pavillon, zwei Schwimmbecken und neben all diesem Zeug auch noch super viel Platz in der Natur. Es ist wie ein einziger, riesiger Park! Die bereits angesprochenen Spielplätze sind entweder groß mit Rutschen, Schaukeln und insgesamt 2 Trampolinen, oder bestehen aus selbstgebauten Schaukeln aus Reifen, Kisten und Quergelegten Tonnen. Mich inspirieren gerade diese selbstgebauten Orte sehr viel mehr als die gekauften Superspielplätze. Denn das ist es, was meiner Meinung nach die Kreativität bei den Kindern weckt, was ihnen Inspiration gibt. Das ist es, was sie in ihrem Leben sehr viel glücklicher machen wird. Was denkt ihr?

Es mag die Liebe sein, die Freude oder die Spielplätze, aber diese Kinder hier sind einfach unglaublich. Klar. Sie sind teilweise durch Situationen gegangen, die man sich nicht träumen mag. Sie haben Dinge erlebt, die die meisten nie in ihrem

Leben erfahren. Sie mussten sich mit so vielen unschönen Dingen herumschlagen, dass man meinen könnte, dass sie das auf ihren kleinen, unschuldigen Schultern nicht tragen können. Und ja, diese Kinder haben mit Gedanken zu kämpfen, diese Kinder haben mit Verhaltensmustern zu kämpfen, aber dennoch, trotz alledem, haben sie die Freude am Leben nicht verloren. Trotz alledem sind sie offen, rennen auf dich zu, obwohl sie dich noch gar nicht kennen, umarmen dich, lachen bis sie am Boden liegen und sind einfach… Kinder.

Einen geregelten Tagesablauf zu haben hilft dabei dennoch extrem. Der sieht hier in Casa 2 und 3 wie folgt aus:

Nach dem Aufstehen wird gebadet, man zieht sich an, es gibt Frühstück. Im Anschluss wird einem nach dem anderen die Zähne geputzt, während sich die anderen entweder vor dem Fernseher oder draußen in der Spieleecke aufhalten.

Um 8.30 Uhr verlassen alle das Haus. Im Pavillon beginnt jetzt der Bibelkreis. Früher waren hier anscheinend immer alle Kinder aus allen Häusern zusammen, wegen Corona teilen sich die Häuser aber die Tage auf. Ein Haus ist also nur alle 3 Tage für diese Zusammenkunft vorgesehen. Hier wird gebetet, gesungen, getanzt, Spiele gespielt und Gottes Liebe für jeden Einzelnen verdeutlicht.

Die Kinder teilen sich danach oder, sollte der Bibelkreis für das Haus an dem Tag nicht stattgefunden haben, direkt in zwei gleichmäßigen Gruppen auf die 2 Tías auf, meistens sind die Jüngeren in einer und die Älteren in der anderen Gruppe. Natürlich darf auch der Vormittagssnack (Merienda) nicht fehlen!! Der wird auf dem Weg selbstverständlich bei der Küche abgeholt und sofort in Form eines Picknicks verschmaust.

Seit meiner zweiten Woche habe ich immer mit 2 Kindern eine eigene Gruppe aufgemacht und konnte allein mit ihnen arbeiten. Ab jetzt wird gespielt, gebastelt, gemalt, gesungen, getanzt. Je nachdem was sich die Tía für den Tag ausgedacht hat.

Mittagsessenszeit ist gegen 11/11.30 Uhr. Es finden sich also alle Gruppen wieder in ihrem Haus zusammen. Hände werden gewaschen, Die Kleinen werden mit Lätzchen in die Hochstühle gesetzt, die anderen an den Tisch. Das Essen wird aufgefahren. Wer fertig ist bekommt sein „Refresco“, ein Erfrischungsgetränk, wer leer gegessen hat, bekommt einen Nachtisch.

Nach dem Essen sollst du ruhen, oder tausend Schritte tun.

Hier wird sich natürlich fürs Ruhen entschieden! Der Fernseher wird wieder angemacht, egal, ob Paw Patrol, PJMasks, oder irgendwas anderes, YouTube und Netflix gibt es her. Während dieser Fernsehrunde werden hier auch wieder alle Zähnchen geputzt.

Nun werden die Decken auf dem Boden ausgebreitet, und auf Sofa und Boden schlafen einer nach dem anderen fast alle ein (Jep, auch die Tías müssen hin und wieder mal ein Nickerchen machen :))

Habt ihr auch gerade gedacht, dass schon lange nicht mehr gegessen wurde??? Das ist nämlich der nächste Step des Tages. Gegen 13/13.30 Uhr gibt es den Nachmittagssnack (ebenfalls Merienda genannt), der am Tisch draußen hinter

dem Haus eingenommen wird. Der Zucker weckt auch noch das letzte Kind auf, sodass alle mit vollem Magen und happy zum nächsten Spielplatz über dem Haus rennen, sollte es nicht schon wieder angefangen haben zu regnen. Wenn das noch nicht der Fall ist, wird es das aber in den nächst 10 Minuten sein. Der Regen fängt an und meine bisherige Arbeitsschicht endet um 15.00 Uhr.

Himmel morgens, wenn ich mit Regenschirm zur Arbeit laufe, weil ich weiß, dass es nachher schüttet…

Für mich geht es so weiter, dass ich mit Regenschirm zu meinem Häuschen laufe, und mir denke, wie gerne ich doch da raus gehen würde, einkaufen, shoppen, die Stadt erkunden… aber der Regen vermiest mir diese Ideen komischerweise ein bisschen.

Auch mit telefonieren ist aufgrund der 8h Zeitverschiebung ein wenig problematisch.

Seit meine Mitbewohnerinnen da sind, habe ich jedoch sehr viel mehr zu tun, wir kochen, gehen auch im Regen mal raus und leben uns hier sehr gut ein!

Vor allem die Wochenenden geben sehr viel her. Ob Putzen und Waschen oder neue Leute treffen und Kontakte knüpfen oder mit in die Kirche gehen und spontan zu Mittagessen eingeladen werden, so viele Verabredungen für die Zukunft habe ich schon lange nicht mehr gehabt!

Falls ihr mehr über mein Jahr erfahren wollt, schaut gerne mal auf meinem Blog vorbei: https://neuhauspaula.wixsite.com/paulasneueshauscr

Viele Grüße nach Deutschland!!!

!PURA VIDA!

Wir, ich und ein paar Freunde, saßen in der Nacht vor meiner Abreise auf der Bottmühle, einer ehemaligen Wind- und Getreidemühle in der Kölner Altstadt-Süd, die seit einigen Jahrzehnten den Falken gehört und als politische Jugendeinrichtung verwendet wird. Die Höhe und geographische Lage des Turms bietet einen wunderbaren Ausblick und ein schönes Ausklingen meines letzten Tages in Köln. Durch die kühle Nachtluft und leeren Straßen Kölns, an einem sehr frühen Dienstag Morgen, ging es ausnahmsweise mit dem E-Roller nach Hause, um die letzten Stunden Schlaf noch zu bekommen. Woraus dann im Endeffekt, durch ein komisches Gespräch um 3 Uhr morgens mit einem Bankmitarbeiter der Comdirect, zweiundhalb Stunden wurden.Trotz übermüdeter Laune und zweimal Umsteigen in Amsterdam und Panama City, war die Reise von Düsseldorfer Flughafen, vermutlich durch die Aufregung und Spannung, gut auszuhalten.


Atlantischer Ozean-Nord, 14/09/21

Es gab ein paar Komplikationen an der Migration mit dem Gesundheitspass, da wir etwas falsch ausgefüllt hatten, uns die Mitarbeiter aber auch nicht so recht sagen konnten was. Überwältigt von einer Feuchtigkeitswelle, galt es erstmal die Ankunft zu verarbeiten. Abgeholt wurden wir mit dem Auto von Don Carlos, einem Mentor und Koordinator von unserer Organisation Visioneers in Costa Rica. Also Koffer auf den Schoß und ab ging es zum Hostel nach Heredia, das nördlich der Hauptstadt San José liegt.

Dort konnten wir fünf schonmal für die ersten zwei/drei Tage die Gegend unsicher machen, bevor die nächsten Freiwilligen Donnerstag und Freitag aus Berlin, München und Frankfurt kamen. Uns schonmal ein bisschen einleben, den Bus in die Stadt, zum Basketballplatz und zum Nationalpark fahren.


Heredia, 17/09/21

Einige Sachen praktisch ausprobieren, die wir in den Seminaren zuvor in Deutschland besprochen hatten. Kommunikation und Austausch ist enorm wichtig, wenn man keinen Plan hat, Hilfe und am besten direkt eine Antwort braucht. Da es also kein visualisiertes Busnetz mit Abfahrtsplänen gibt und Bushaltestellen im Durcheinander der Stadt so gut wie nicht zu sehen sind, fragt man am besten direkt die Busfahrer. Nun ist es so, dass jeder Busfahrer in irgendeine Richtung zeigt, dich sofort abwingt und bittet aus dem Bus zu steigen. Das unsympathische Abwinken bekommt man tatsächlich, weil jeder Bus eine Schranke enthält, die die Personen zählt und das Geld mit den Passagieren am Ende des Tages vom Arbeitgeber abgeglichen wird.Unsere Gruppe, als zweiter, kleinerer Teil, hatte vier Tagen Seminar mit Krissia, die für Visioneers und die Freiwilligen mit Don Carlos quasi alles organisiert, was die Freiwilligeneinsätze angeht. Es ging um Stereotypen der costa ricanischen und deutschen Kultur, Do´s und Don´ts im Land und unsere Erwartungen an das Jahr. Woran mir gefallen hat, dass wir unsere Erwartungen jeweils leise schriftlich, als auch visuell zu Blatt gebracht haben und dadurch unsere Gedanken und Launen einfach laufen lassen konnten.

Ich habe öfter beim Schreiben meinen Aufenthalt in 2016 als Urlaub mit meinem jetzigen Aufenthalt für ein Jahr verglichen. Damit kann man sich ganz gut visualisieren, was anders sein wird und wie man sich das Jahr vorstellt. Natürlich ist es was ganz anderes, trotzdem spielt der Besuch meiner Familie eine Rolle und das Erkunden dieses sc

hönen Stücks Erde. Unzählige Tierarten behausen die costa ricanischen Wälder, die 5% der weltweiten Vegetation ausmachen, wobei Costa Rica mit seiner Fläche insgesamt nur 0,03% der Erde bedeckt. Also ganz schön viel zu sehen und zu erleben. Wozu aber vor allem dieses mal die Menschen und die Kultur beitragen, von der ich mir erhoffe zu lernen und zu erfahren. Es gibt so viele Leute, Kinder mit dem Interesse andere Menschen zu sehen, sie kennenzulernen, sich auszutauschen, zu erzählen. Mal schauen, vielleicht verguckt man sich in einen beruflichen Zweig, den man nachgehen kann.


San José, 23/09/21

Nach einer Woche trennten sich die Freiwilligen in zwei Sprachkurse nach Turrialba und nach Jacó. Einige sind sofort in die Projekte. Ein Freiwilliger und ich hatten die Möglichkeit, meine Großeltern in San José zu besuchen. Es hat meine Großeltern und mich sehr gefreut, uns wieder zu sehen. Was uns dann alles um einiges erleichtert hat war, dass sie uns 4 Stunden zu unserer Wohnung nach Santa Cruz in der Provinz Guanacaste gefahren haben. Noch einmal mit dem Auto fett eingekauft, das erste mal eine dreiviertel Stunde zum nächsten Strand getuckert und dann waren wir auf uns allein gestellt.


Santa Cruz, 01/10/21

Ich bin ehrlich, die Wohnung kam und kommt mir schon sehr einfach und eng vor, auch wenn wir anfangs nur zu zweit waren. Dadurch, dass ich immer unterbewusste und automatisch leichte Erwartungen habe, wurden sie tatsächlich auch etwas gebrochen. An sich ist unsere Unterkunft aber ganz schön und süß und ich bin glücklich, dass wir hier unsere Residenz haben.

Ich mag das Alleinsein, aber ich fühle auch sehr oft, dass Gesellschaft für mehr Geborgenheit und Sicherheit sorgt. Wenn man nicht in einer Gastfamilie lebt, was auch ok ist, brauche ich zumindest für ein paar Stunden am Tag jemanden, mit dem man sich unterhalten und die Gegend unsicher machen kann. Apropos, die Fahrräder, die wir von unseren Vermietern zu Verfügung gestellt bekommen haben, sind bei jedem Ausritt in Gebrauch. Vor allem für die gute 3 km in die Stadt zum Projekt, ins Fitnessstudio, zur Busstation, in den Supermarkt oder wenn dir einfach mal bellende Hunde 30 Meter hinterher rennen und dein Herz dir kurz in die Hose rutscht, macht es sich sehr gut.

Dadurch das mein compañero, mit dem ich wohne, und ich beide mit Spanisch zweisprachig aufgewachsen sind, haben wir es wirklich sehr viel einfacher uns zu integrieren und anzukommen. Wenn man mal, abseits von einfach mit Einheimischen Spanisch zu reden, darüber nachdenkt, wie wichtig und hilfreich in vielen Weisen die Sprache ist, wertschätzt man es wirklich. Abgesehen von der Sprache merkt man aber wirklich wie offen, hilfsbereit und spontan viele Leute hier sind. Da ich hier neu bin, alles neu ist und die ganzen Veränderungen genieße, gefällt mir das sehr, mit vielen Leuten zu sprechen. Zu fragen, wo es Töpfe oder Kühlpacks gibt. Gesprächsfreudige Kinder in einem Vorgarten zu fragen, ob ihre Eltern ein Taxi rufen können. Oder in ein Fitnessstudio zu spazieren, in dem die Geräte noch vom letzten Jahrhundert da stehen und der Besitzer in einer Ecke des Studio auf einem Röhrenfernseher Fußball guckt und zu einem hingeht und erzählt, wie viel er mal bei dieser Übung gedrückt hätte. Herrlich.


Centro Cívico Por la Paz Santa Cruz, 06/10/21

Mein Projekt, das Centro Cívico Por la Paz Santa Cruz, das Bürgerzentrum für den Frieden in Santa Cruz also, steht für Diversität, Inklusion, Multikulturalität, Gleichheit, Transformation und Co-Creation. Es ist ein sehr großes Grundstück, mit einem Hauptgebäude, das mit mehreren Räumen und Sälen unter anderem Platz für Kunst, Theater, Musik, Literatur bietet. Es finden Workshops statt, es wird unterrichtet. Es wird darauf Wert gelegt, dass jeder mithilft und mit eigenen Workshops seine Talente und sein Wissen anderen übermittelt.Am ersten Tag meines Projektes, nach dem mir meine Leiterin die Einrichtung gezeigt hat, habe ich zum Beispiel einen Einblick erhalten, wie man traditionelle costa ricanische Masken macht und habe dort für eine Woche mitgemacht. Die sogenannte mascarada tradicional costarricense hat ihren Ursprung in der Kolonialzeit und wird in verschiedenen Größen (auch in mehreren Metern hoch) auf Festumzügen benutzt und repräsentieren karikaturisch bekannte Urbilder oder historische Figuren. Heutzutage in Costa Rica sind das eher humoristische, fiktive Gesichter.Richtig loslegen und mithelfen konnte ich aber zuerst nicht. Wir haben direkt geschaut, was ich denn anbieten könnte und haben schonmal einen Deutsch- und Skatekurs anvisiert. Die ersten zwei Wochen bestanden also, bis ich nach vier Tagen umgeknickt bin, aus Skaten und Vorbereiten meines Arbeitsplans und Deutschkurses. Zumal meine Chefin auch vier Tage von den ersten anderthalb Wochen nicht da war, war ich auf mich alleine gestellt und da schien mir die Vorbereitung noch etwas leerer. Ich nahm mir die Zeit, um diesen Text zu schreiben. Erwartet hatte ich aktivere erste zwei Wochen, mit mehr Kontakt zu den Kindern und ein familiäreres Zusammenkommen. Der erste Eindruck war tatsächlich eher, dass die Kinder und teilweise auch Erwachsene zu vorangemeldeten Kursen gehen und auch ausschließlich für diesen einen Kurs am Tag in die Einrichtung kommen. Was nicht die Freundlichkeit von den Leuten abschreibt. Zu Gesprächen und Austausch kam es aber anfangs nur mit Mitarbeitern, mehr als mit Kindern und Jugendlichen.


Playa Carillo, 14/10/21

Nach Ankunft von zwei weiteren Freiwilligen bei uns in der WG, von denen einer mit mir im Projekt ist, haben wir uns zusammen etwas intensiver mit unserem Arbeitsplan und den Vorbereitungen unseres Deutschkurses auseinandergesetzt. Zu zweit hat man mehr Ideen, man kommt schneller voran und beide Beteiligte sind up to date was die Vorbereitungen angehen. Viel los war in der Einrichtung, neben Security und Putzkräften, vor allem vormittags nicht. Uns war klar, dass wir unsere Arbeit selbst organisieren und vorbereiten mussten. Im Centro Cívico, als eine Einrichtung mit freiwilliger Teilnahme, gilt es, Teilnehmende anzuwerben und sie zu überzeugen, mit dabei zu sein.Deutlich mehr Sicherheit und Vorstellung unserer Arbeit gab uns nochmal ein Gespräch mit unserer „Chefin“. Sie ist Koordinatorin für das ganze Programm der Jugendeinrichtung und eine aufgeweckte und lustige Frau, die wie oft – wie in Lateinamerika üblich – Späße über andere macht. Dieses Gespräch klärte jedenfalls die Zeiten für unseren Deutsch- und Englischkurs und die Unwissenheit über weitere mögliche Aktivitäten für uns. Die Tage zuvor, an denen unserer Leiterin nicht vor Ort war, schienen wir ein wenig bedenklich, ob das Projekt doch etwas sein wird. Das Centro Cívico Por la Paz, was immer noch als Projekt gilt, von dem ich was anderes erwartet hatte, scheint nun aber etwas vertrauter. Der häufige Kontakt mit den Kindern, den ich mir erhofft habe, wird wahrscheinlich nicht zustande kommen. Aber mit Sicherheit viel Erfahrung, was vor allem Selbstinitiative, Eigenengagement und Lehren anbelangt.Im Allgemeinen bin ich natürlich unglaublich dankbar und glücklich, dass die ganze Reise und das Sammeln von so viel Erfahrung möglich ist und freue mich sehr auf die kommende Zeit.

Auf bald und hasta luego, mae!

¡Buenos días, niñas! Mit dieser Begrüßung werden wir morgens, wenn wir in das Red de Cuido kommen, direkt von den Kindern empfangen. Unser Arbeitstag beginnt dann meistens damit, dass wir gemeinsam mit den Kindern etwas frühstücken und anschließend das Geschirr abspülen. Danach geht es auch schon nach oben in den Salon, in dem die Kinder tagsüber betreut werden und wir starten den Tag gemeinsam mit einer Morgenrunde. Dort können die Kinder darüber sprechen, wie sich heute fühlen, wir besprechen, welches Datum heute ist, wie das Wetter ist oder lernen etwas über verschiedene Themen, wie über unsere Natur, unsere Körper oder andere Dinge. Außerdem wird hier auch gesungen und gelesen. Hierauf haben die Kinder meistens Freizeit und können selbst etwas spielen. Manchmal basteln wir auch gemeinsam oder haben kurze Lerneinheiten. Nach der „Merienda“ (eine kleine Zwischenmahlzeit mit Obst) helfen wir außerdem ab und zu der Köchin dabei, das Mittagessen vorzubereiten. So lernen wir beispielsweise, wie man Empanadas zubereitet, auf welche (gefühlt hundert verschiedene) Weisen man Reis kochen kann oder wie man Patacones formt. Nach dem Mittagessen ist dann Zeit für den Mittagsschlaf und während wir bei der entspannenden Musik die Kinder in den Schlaf streicheln, müssen wir uns auch selbst anstrengen, dass wir nicht gleich einschlafen. Nachmittags werden die Schulkinder dann bei ihren Hausaufgaben unterstützt und auch die Kleineren haben ihrem Alter entsprechend verschiedene Aufgaben in ihren Büchern zu erledigen, wobei wir ihnen helfen. Außerdem geben wir nachmittags zweimal pro Woche in zwei verschiedenen Altersgruppen Englischunterricht, da die Kinder zwar in der Schule etwas Englisch lernen, aber ihnen dennoch viel Unterstützung fehlt. Um 16 Uhr gehen wir dann nach unten und wir spielen zum Schluss noch gemeinsam im Eingangsbereich, während wir auf die Eltern der Kinder warten. Sobald die Kinder dann auch alle abgeholt worden sind, ist für uns der Tag zu Ende und wir spazieren nach Hause.

Durch die verschiedenen Altersklassen der Kinder (denn normalerweise können Kinder zwischen drei Monaten und zwölf Jahren das Red de Cuido besuchen) ergeben sich verschiedene Aufgaben und auch durch die Größe des modernen Gebäudes bieten sich verschiedene Aktivitäten an. Leider gibt es aber derzeitig aufgrund von Corona nicht wie normalerweise mehrere Gruppen nach Altersklassen, sondern es kommen nur vierzehn Kinder, die alle gemeinsam betreut werden. Daher können keine spezifischen Aktivitäten angeboten werden und auch draußen etwas spielen oder Sport machen ist nicht möglich, weswegen die Kinder sich oft selbst beschäftigen, indem sie drinnen spielen. Das heißt aber nicht, dass man sich als Freiwillige*r gar nicht einbringen kann, sondern man kann dennoch überlegen, welche Aktivitäten möglich sind und so beispielsweise eben mit den Kindern Englisch üben oder etwas zum Basteln vorschlagen. Hierbei ist es ein wichtiger Ratschlag, dass man von sich selbst aus engagiert ist und auf die Projektleitung mit seinen Vorschlägen zugeht, um aktiv zu zeigen, dass man gerne etwas mitgestalten möchte. Hier sind die Mitarbeiterinnen im Projekt auch sehr offen gegenüber und nehmen die Ideen ernst.

Auch wenn der Betrieb im Red de Cuido aufgrund der derzeitigen Situation relativ stark eingeschränkt ist, macht die Arbeit mit den Kindern dennoch Spaß und die Mitarbeiterinnen sind sehr nett. Wir hoffen außerdem, dass wir uns in Zukunft noch mehr durch verschiedene Aktivitäten einbringen können, um aktiv den Alltag der Kinder mitzugestalten.

Blogeintrag Penelope

17.September 2021 – Endlich in Costa Rica angekommen! Immer wenn ich in fremde Länder reise bin ich beeindruckt von den anderen Lichtverhältnissen. Nach 12 langen Stunden im Flugzeug blickte ich aus dem Fenster und fand‘ einen wunderschönen Himmel auf mit warmen orange-pinken Farbtönen und prachtvollen Wolken.

Nachdem uns Don Carlos vom Flughafen abholte, fuhren wir zu unserem Hotel in Heredia, wo bereits die anderen Freiwilligen auf uns warteten. Ich war sehr froh, dass wir alle wieder vereint waren und nun gemeinsam in ein neues Abenteuer aufbrechen.

Das Ankommensseminar hat mich auf mein Jahr in CR vorbereitet. Wir haben gelernt, wie man mit dem costaricanischen Geld umgeht, wie man hier nach der Richtung fragt oder wo gefährliche Tiere lauern. In unserer Freizeit machten wir Freiwillige viele Ausflüge in die Stadt. Nach 4 Tagen endete unsere gemeinsame Zeit und unsere Gruppe wurde für die Sprachkurse getrennt. Obwohl ich mich für keinen angemeldet habe, wohnte ich zusammen mit dem Anfängerkurs in Jacó, weil dieser von Krissia geführt wurde und ich ihre Assistent bin.

In Jacó angekommen, war ich für die ersten Tage niedergeschlagen. Die Stadt ist nämlich sehr touristisch geprägt, sodass ich die costaricanische Kultur nicht auf der Straße erkennen kann. Doch nach ein paar Tagen mit den anderen Freiwilligen und dem Strand vor der Haustür, wurde meine Laune besser.

Während die anderen Spanisch lernten arbeitete ich. Danach verbrachten wir viel Zeit zusammen und machten einen Tanz- und Surfkurs. Nun sind aber die 2 Wochen Sprachkurs vorbei und während die Spanischanfänger gehen, kommen nun meine richtigen WG Bewohner. Ich bin schon sehr gespannt auf die kommende Zeit und welche Menschen ich noch begegnen werde.

Das Projekt “Mobile-Jugend-Lernhilfe.Jetzt” führt uns an unterschiedliche Orte Berlins und ich nehme euch mit zu einem Nachmittag in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung “Luisenstift”.

Um 14:15 laufe ich mit meiner Kollegin vom Büro in Schöneberg los, um ca. 40 Minuten später vor der Tür des Luisenstiftes in Berlin-Zehlendorf zu stehen. Es ist noch relativ wenig los in der Einrichtung, weil die meisten der etwa 12- bis 16-jährigen Kinder und Jugendlichen erst später von der teilweise weit entfernten Schule kommen. Ein paar Kinder sind aber schon da.

Eine von uns beiden bleibt in der unteren Gruppe mit 6 Jugendlichen, während sich die andere in die obere Gruppe, in der 10 Jugendliche wohnen, begibt. Dort oben im Gemeinschaftsraum wartet sie nun auf Schüler:innen mit Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben oder anstehenden Klassenarbeiten und bietet entsprechende Nachhilfe an. Meistens sind es einzelne Schüler:innen oder Kleingruppen, die gleichzeitig betreut werden. Während zu Beginn des Schuljahres noch nicht sonderlich viele Hausaufgaben aufgegeben wurden, so beginnt nun die Phase von Klassenarbeiten und Tests, für die wir gemeinsam lernen. 

Auch wurden in der letzten Zeit einige Bewerbungen für Schülerpraktika geschrieben, Bewerbungsgespräche simuliert, sowie auch der Umgang mit einem Computer, Dokumenten, Recherche und Powerpoint geübt. Hierbei konnten sich die Jugendlichen wunderbar austauschen und voneinander lernen!

Mir persönlich macht es sehr viel Spaß für die “Mobile-Jugend-Lernhilfe.Jetzt” ins Luisenstift zu fahren und zu sehen, wie die Betreuung der schulischen Aufgaben auf Entlastung und Dankbarkeit, sowohl von Seiten der Leiter:innen, als auch der Schüler:innen selbst, stößt. Die Lernhilfe ist in der Routine der Einrichtung schon fest etabliert und die Jugendlichen kommen mittlerweile auch eigenständig mit Fragen und Problemen auf mich zu. Ich freu mich darauf die Jugendlichen noch besser kennenzulernen und finde es toll, dass Projekte wie dieses möglich gemacht werden. Ein großes Dankeschön an die “Deutschen Kinder- und Jugenstiftung” und das Luisenstift!

Seit Mitte April diesen Jahres durfte ich im Rahmen meines Praxissemester für 22 Wochen ein Teil des Visioneers-Teams sein und dabei viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Doch erst Mal ganz kurz zu mir, ich bin Judith, 22 Jahre alt und ich studiere Soziale Arbeit in Regensburg, doch wie es der Zufall so will hat es mich für mein Praxissemester für ein halbes Jahr vom beschaulichen Bayern ins bunte Berlin verschlagen und – so viel sei schon gesagt – ich habe es definitiv nicht bereut das Leben in der Großstadt einmal auszuprobieren.

Gleich zu Beginn meines Praktikums durfte ich voll in das Projekt „Mobile Jugend-Lern-Hilfe.Jetzt“ einsteigen, bei dem ich jeden Vormittag in einer stationären Wohngruppe für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren war und sie beim Homeschooling unterstützt habe sowie eine Zeit lang auch jeweils zwei Nachmittage pro Woche in einer Unterkunft für Geflüchtete und 2 Nachmittage in einer Jugendwohngemeinschaft, wo ich ebenfalls beim Deutsch lernen und Homeschooling helfen durfte, unterwegs war. So habe ich einen guten Einblick in verschiedene stationäre Einblicke erhalten, was super spannend und aufschlussreich für mich war, da diese ja auch ein Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit darstellen. Nachdem sich die Kinder und Jugendlichen nach kurzer Zeit an mich gewöhnt haben und ich mich an sie, habe ich mich jeden Tag auf meine Arbeit in den verschiedenen Einrichtungen gefreut. Wenn alle Schulsachen schnell erledigt waren, war manchmal auch noch Zeit gemeinsam etwas zu spielen oder Zeit um mir das neue Fahrrad eines Kindes anzusehen, welches mir stolz präsentiert wurde. Bis zum Beginn der Sommerferien war ich also relativ wenig im Büro und ganz viel unterwegs wodurch ich auch Berlin besser kennen lernen konnte – was natürlich ein ziemlich cooler Nebeneffekt für mich war 🙂

Mit den Sommerferien startete dann auch die heiße Phase der Vorbereitung für die Sommerferienschule, bei der ich auch viel mitorganisieren durfte. Ich war besonders in die Planung des Nachmittagsprogramms involviert, welches von Volleyball über Bouldern und Museumsbesuche so einiges für die Jugendlichen zu bieten hatte. Doch auch für den Deutschunterricht konnte ich ein Paar Grammatik-Themen mit vorbereiten und dadurch auch mein eigenes Wissen in diesem Bereich ein bisschen auffrischen. Nach ausführlicher Planung und Vorbereitung kam dann der lang ersehnte Tag: der Beginn der Sommerferienschule. Endlich war es trotz Corona möglich, dass eine größere Gruppe an Jugendlichen ganz ohne Bildschirm sondern live und in Farbe zusammen lernen, sich austauschen und Berlin zusammen entdecken konnte. Die zwei Wochen sind wie im Flug vergangen und es war so schön zu beobachten, was für Fortschritte die Jugendlichen im Deutschunterricht machten und besonders auch wie sie als Gruppe zusammengewachsen sind und was für Freundschaften sich entwickelt haben. Umso trauriger war es dann natürlich, dass der letzte Tag der Ferienschule so schnell kam und es schon wieder Zeit zum Abschiednehmen war. Doch einige der Jugendlichen kamen auch so noch zu uns ins Büro für Beratung oder Nachhilfe, sodass ich sie trotzdem noch ab und an sah.

Ein weiterer Bereich meiner Arbeit, der mir mit am meisten Spaß machte, waren auch eben diese Beratungsgespräche, bei denen ich Jugendliche bei den unterschiedlichsten Aufgaben unterstützen durfte. Besonders im Bewerbungsprozess für Praktika oder Ausbildung habe ich die jungen Menschen begleitet aber auch bei der Wohnungssuche oder bei sämtlichen Angelegenheiten mit verschiedenen Ämtern. Die Dankbarkeit der Jugendlichen und dass sie sich mir anvertraut haben hat mich sehr motiviert und natürlich auch, dass wir das ein oder andere Erfolgserlebnis gemeinsam feiern durften. Das alles hat mein Praktikum bei Visioneers unfassbar abwechslungsreich und lehrreich gemacht und ich bin super dankbar, dass ich mit einem so tollen Team arbeiten durfte und einen so vielseitigen Einblick in die Arbeit eines sozialen Vereins bekommen konnte!

Für uns in Deutschland ist Kaffee selbstverständlich – er macht uns wach und schmeckt gut. In Costa Rica hat Kaffee eine wichtige ökonomische Rolle und dient nicht nur als Wachmacher.

Für Costa Rica ist Kaffee ein wertvolles Exportprodukt und generiert hohes Einkommen.

Kaffeeanbau hat daher auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung, das Zusammenleben und den Frieden des zentralamerikanischen Landes. Seit Beginn des Exports und dem Zufluss von Fremdwährungen wurden viele Innovationen innerhalb des Landes möglich, wie zum Beispiel die Entwicklung des Bankwesens.

In der Produktion aber sehen sich die Kaffeebäuer:innen verschiedenen Problemen ausgesetzt, die sie immer mehr einschränken: Folgen von Klimawandel, aber auch Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten beeinflussen den internationalen Kaffeepreis und die Produktion. Diese Unsicherheiten wirken sich auf die Sozial- und Arbeitsbedingungen aus.

Die Arbeitsbedingungen auf den Kaffeeplantagen sind hart: viele Stunden, kaum Pausen, keine Betreuung für die Kinder der Arbeiter:innen, schlechte Unterbringung und unzureichende Versorgung mit Trinkwasser und Mahlzeiten. Zudem führt die lokale konservative Kultur gegen Ausländer:innen sowie institutionelle Abwesenheit zu Diskriminierung und Ausgrenzung einiger Arbeiter:innen, die aus angrenzenden Ländern zur Kaffeeernte kommen. Manche Familien sind gezwungen, ihre Kinder mit zur Arbeit zu nehmen und für unverhältnismäßige Löhne zu arbeiten.

Die Kaffeeaktivität des Landes kommt derzeit ca. 40.000 produzierenden Familien in acht Regionen des Landes zugute. Eines der wichtigsten Kaffeeanbaugebiete ist die Zona de los Santos, welche aus den Kantonen León Cortés, Dota und Tarrazú besteht. León Cortés ist in sechs Bezirke unterteilt, darunter der Bezirk San Andrés mit ca. 1600 Einwohner:innen.

San Andrés ist ein Stadtteil mit wenigen Ausbildungs- und Bildungschancen für junge Menschen, was zu sozialen Problemen, Armut und Kriminalität sowie steigender Landflucht führt. In der Region Los Santos werden ca. 30 % des Exportkaffees produziert. Die ansässigen Kleinbäuer:innen sind hierbei meistens von großen Unternehmen/Cooperativas abhängig und fühlen sich von diesen oft unterdrückt.

Schaffung eines Bildungszentrums

Durch die Schaffung eines Bildungszentrums in der Region León Cortés wollen wir den örtlichen Problemen in der Kaffeeproduktion entgegentreten und Zukunftsperspektiven für junge Menschen schaffen, Kleinbäuer:innen mehr Unabhängigkeit von Kaffeegroßproduzenten bieten, aber auch Bewusstsein für die Thematik schaffen und nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung vor Ort fördern.

Zudem sollen die jungen Menschen in San Andrés de León Cortés in der Bildungsstätte nachhaltige Förderung erhalten. Gleichzeitig werden wir auch insbesondere die Frauen der Plantagen, alleinerziehende Mütter und die Familien der Kleinbäuer:innen unterstützen.

Die geplante Bildungsstätte wird ein sicherer und integrativer Ort für alle Menschen vor Ort werden. Unabhängig von Herkunft, Nationalität, Bildung und sozialem Niveau wird der Zugang möglich sein. Je nach Interesse können die jungen Menschen auch auf einen Süd-Nord Freiwilligenaustausch vorbereitet werden.

Das Programm der Weiterbildungen und Angebote ist vielfältig geplant. Neben Workshops zu Kaffeeanbau wird es auch Projekte zu Landwirtschaft und Effizienz geben. Kaffeebäuer:innen, Landwirt:innen und junge Menschen/ Tagelöhnende erhalten Weiterbildungen und Trainings zu ökologischem und umweltschonendem Kreislaufanbau.

Außerdem soll es Sprach- und Computerkurse, Workshops zu Verwaltung, Unternehmertum sowie technischen Berufen geben. In dem Bildungszentrum können bis zu 40 Personen Trainings erhalten. Um dem Bedarf an Kinderbetreuung entgegen zu kommen wird es ein Familienzimmer und zwei Multifunktionsräume geben.

Das Projekt wird von unserem Partner Asociacion VISIONEERS Costa Rica koordiniert und überwacht. Es wird mitfinanziert durch Spenden. Wer will, kann die Finka bald sogar besuchen! Wenn du dich gerne miteinbringen möchtest oder sogar beim Bau mitanpacken möchtest, melde dich bei uns. Du möchtest unsere Arbeit finanziell unterstützen?

Wir freuen uns jederzeit über Spenden.

Unsere Kontodaten:

VISIONEERS e. V.

Evangelische Bank

IBAN: DE68 5206 0410 0005 0296 86

BIC: GENODEF1EK1

Betreff: Name + Adresse für Spendenquittung

Covid-19 stellt die weltweite Bevölkerung vor Herausforderungen.

Wie in fast jeder Krise, trifft es auch hier wieder ganz besonders hart Menschen in finanziell schwierigen Situationen. Deshalb wir in Costa Rica das „Kükenprojekt“ ins Leben gerufen, zu dem wir Interessierte an der ein, oder anderen Stelle bereits informiert haben, und das jetzt nach 5 Monaten mit einer sehr positiven Bilanz zu Ende geht.

Mit überwältigender Bilanz kann man in diesem Falle fast schon und ohne Übertreibung sagen. Dafür lassen wir am besten ein paar Zahlen sprechen: Ursprünglich wollten wir 80 Familien erreichen, die ihre Arbeit aufgrund der durch die Coronakrise ausgelöste Wirtschaftskrise innerhalb der Orte La Loma, Bandera und Playón in Costa Rica verloren haben und diese mit einem jeweils sechs männlichen Küken und falls nicht vorhanden einem Hühnerstall aus Holz und Maschendrahtzaun ausstatten.

Halt, warum gerade Küken?

Die Idee war, den betroffenen Familien mit der Hühnerzucht eine nachhaltige Möglichkeit zur Selbstversorgung zu bieten: Nach ungefähr zwei Monaten können die Hähne geschlachtet, gegessen, verkauft oder gegen andere Produkte bzw. Tiere (z.B. Hennen) getauscht werden. Das Projekt diente auch dazu, den Menschen weiterhin eine Tätigkeit und Beschäftigung zu bieten. Dies sollte sie motivieren, während der Quarantäne und sozialen Isolation aktiv zu bleiben und nicht nur von Spenden zu leben.

Zurück zur Bilanz: 566 Haushalte, 5010 Küken, 10 Hühnerställe

Wie wir schnell gemerkt haben, entwickelte sich das ursprünglich geplante Projekt in eine sehr positive Richtung. Zwar wurden weniger Hühnerställe als geplant verteilt – die Projektleitung stellte schnell fest, dass viele Familien bereits nicht genutzte Hühnerställe besitzen – dafür aber umso mehr Küken, je nach Anzahl der Familienmitglieder zwischen sechs und zehn Küken. Die Aktion wurde so gut angenommen von den Menschen, dass unseren Projektpartner Anfragen aus anliegenden Dörfern erreichten. Hier konnten wir daraufhin ebenso mit der Verteilung von Küken Hilfe leisten und schlussendlich mit 5010 Küken viel mehr Familien erreichen als geplant.

Mit Hilfe der Kirche, aber für jeden

Der Staat ist in dieser Region nur sehr schwach mit sozialen Hilfsprojekten vertreten. Besonders ländliche Gebiete, die weit von der Hauptstadt entfernt sind, werden von Regierungsprogrammen oft nicht erreicht, sodass die lokale Kirche viele der diakonischen Aufgaben übernimmt. Das Projekt wurde nicht für missionarische Zwecke genutzt, die Haushalte erhielten die Küken und Schulungen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit. So war eine treibende Kraft hinter dem Projekt Mitinitiator und Pastor Dennis Leon aus dem kleinen Dorf Esterillos Oeste.

Ein großer Dank an alle Kükenpaten, Helfer und Sponsoren

Projektgelder kamen aus dem EZ-Kleinprojektfond der Süd-Nord-Brücken Stiftung. Dank der großen Reichweite haben sich auch viele Freiwillige aktiv beteiligt. Auch zusätzliche Spendengelder von Organisationen haben dazu beigetragen. Falls der ein oder andere Kükenpate mitliest, vielen Dank, Sie haben dazu beigetragen, dass so viele Menschen in diesen herausfordernden Zeiten, einen hoffnungsvolleren Blick mit Perspektive auf die Zukunft haben.

Esterillos Oeste ist eine kleine Gemeinde an der Küste Costa Ricas. Sie liegt im Kanton Parrita in der Provinz Puntarenas. Wie die meisten Küstendörfer ist Esterillos Oeste abhängig von der Landwirtschaft, der Fischerei und insbesondere dem Tourismus. Leider ist der Tourismus sehr stark von der Wirtschaftskrise betroffen, welche durch die Covid-19 Pandemie ausgelöst wurde.

Vielleicht stimmt es, dass in den schwierigsten Momenten die besten und oftmals selbstlosesten Ideen entstehen. In Esteriollos Oeste passierte genau das. Geleitet durch Pastor Dennis León, der außerdem ein ausgezeichneter Surfer und Besitzer eines Kleinbauernhofes ist, entstand dieses wundervolle Projekt, von welchem nicht nur Esterillos profitiert, sondern auch andere Gemeinden wie Bandera, Playón, La Loma, Jacó und Quepos.

Was also ist das Küken Projekt? Im Rahmen des Projektes soll Familien geholfen werden, die am meisten von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen sind. Natürlich stellt sich die Frage: Wie können Küken in einer solchen Situation helfen? Eigentlich ist es ganz einfach: jeder Familie, welche durch das Projekt unterstützt wird, werden einige Küken und eine Henne zur Verfügung gestellt, damit sie sich in einigen Wochen zu gewissem Maße selbst versorgen können und die Möglichkeit ihre Hühner auch für andere Produkte zu tauschen.

Pastor Dennis erklärt, dass noch mehr dahintersteckt. Eines der Ziele des Projektes ist es, den Menschen die stark unter der aktuellen Krise und der damit einhergehenden Perspektivlosigkeit leiden, neue Motivation zu schenken. Was haben die Küken damit zu tun? Das ist gar nicht so abstrakt wie es klingt. Für eine Person, die keine Arbeit hat, der es an grundlegenden Ressourcen fehlt, die viele Sorgen und Stress hat, ist die Fähigkeit eigene Lebensmittel produzieren zu können, ein Faktor, der die schwere Zeit ertragbarer macht. Sie haben eine Aufgabe, der sie sich widmen können.

Wie wird das Projekt finanziert, von dem mehr als 300 Familien profitieren? Möglich gemacht wurde das Projekt durch Geld- und Materialspenden. So konnten die Hühner, die benötigten Materialien für die Gehege sowie das Futter für die ersten Wochen gekauft werden. Die größten Spender waren die Stiftung Nord-Süd-Brücken und das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) welches in Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein Visioneers e.V., 5330€ gespendet hat.

Ana Isabel ist Gemeindevorsitzende einer marginalisierten Gegend der Region und konnte von unserem Projekt profitieren. Sie beschreibt, wie sie die Teilnahme am Küken Projekt erlebt. Ana Isabel ist erleichtert zu wissen, dass sie in einigen Wochen, auch wenn sich die Situation nicht verbessert, etwas zu Essen haben wird. Außerdem berichtet sie von der tollen Erfahrung, die Küken aufwachsen zu sehen, was ihr Tag für Tag Motivation schenkt.

Ganz besonders erfreuten sich Kinder an unserem Projekt, die aufgrund der Pandemie zu Hause bleiben mussten. Miguel und Luis (fiktiv gewählte Namen) berichten wie viel Spaß sie mit den Küken hatten und wie viel sie daraus lernen konnten sich um sie zu kümmern.

Schlussendlich sind es Projekte wie dieses, die uns inmitten einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, ein bisschen Hoffnung gibt.

Sie möchten eine Kükenpatenschaft übernehmen?

VISIONEERS e. V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE11 1005 0000 0190 4435 45

BIC: BELADEBEXXX

Betrag: 60,00 Euro

Betreff: Kükenprojekt, Name + Adresse des Spenders

Das Projekt wird zum Großteil von dem EZ-Kleinprojektfond der Süd-Nord-Brücken Stiftung finanziert.

Stell dir vor du befindest dich an einen Ort abseits der Zivilisation. Die Natur um dich herum ist unberührt, Berge und Täler sind von Bäumen überwachsen. Durch die tiefen Täler schlängeln sich Flüsse welche unendlich erscheinen. Die Hügel werden von der heißen Sonne angestrahlt. Hühner Schweine und sogar Pferde laufen frei herum und scheinen keinen Besitzer zu haben. Im Umfeld kannst du vereinzelt stehende Holz- und Blechhütten erkennen. Auch Menschen gibt es hier, wenige, und sie scheinen dich gar nicht wahrzunehmen. Außerdem sind die Worte, die sie wechseln unverständlich. Sie scheinen ihre Alltagsroutine in und auswendig zu können und dieser zu folgen. Ein Stückchen weiter – auf einem kleinen Hügel – spielen ein paar Kinder mit einem kaputten Ball. Sie lachen und toben doch als du auf sie zugehst, verstummen sie und betrachten dich mit einer Mischung aus Neugierde und Angst. Du versuchst ihnen zu erklären, dass sie sich nicht fürchten müssen aber sie verstehen deine Sprache nicht. So beginnst du, den Ball durch die Luft zu kicken und schon bald trauen sich die ersten Kinder mitzuspielen, Worte sind gar nicht nötig.

Anfang März machte ich mich mit einer kleinen Gruppe aus Deutschen, Amerikanern und Costa Ricanern auf den Weg in den Dschungel, dorthin wo die Cabeckas leben, eine kleine Gruppe Indigener. Roland (ein Amerikaner, den ich in Costa Rica kennen gelernt habe) hatte mich und vier weitere Jugendliche eingeladen ihn zu begleiten. Er war schon mehrmals in diesem abgelegenen Teil Costa Ricas unterwegs gewesen. Denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, mitten im Dschungel ein kleines medizinisches Versorgungszentrum für die indigene Bevölkerung aufzubauen, da das nächste Krankenhaus 2,5 Stunden Fußmarsch und eine anschließende 3 stündige Busfahrt entfernt ist. Schon mehrmals durften Gruppen von Freiwilligen Roland zu den Cabeckas begleitet, meistens aber mehrere Tage oder Wochen um ihm beim Hausbau zu helfen. Dieses mal ging es nur darum, die Lage zu checken und die nächsten Schritte zu planen.

Die Reise begann also mit einer etwa 2,5 stündigen Autofahrt, genug Zeit um den kleinen Trupp – mit dem ich das Wochenende verbringen würde – etwas besser kennen zu lernen. Anschließend stand uns eine genauso lange Wanderung bevor und zwar pausenlos bergab bei praller Sonne. Die Natur um uns herum war atemberaubend doch als uns das erste Wildpferd auf dem schmalen Pfad entgegengerannt kam, versetzte mir das doch einen kleinen Schrecken. Schon fast an unserem Zielort angekommen, mussten wir noch einen Fluss überqueren über welchen die Cabeckas (die indigene Bevölkerung) einen Seilzug gebaut hatten. Uns kam sogar jemand zur Hilfe und brachte uns sicher ans andere Flussufer. Auf dem restlichen Weg tauchten schon vereinzelt Hütten auf, welche zum Großteil aus Holz bestanden, aus manchen qualmte Rauch. Ebenso passierten wir eine kleine Schule welche Roland und weitere Freiwillige im vergangenen Jahr frisch gestrichen hatten. Soweit ich es erkennen konnte, war das bisher das einzige Haus, das überhaupt gestrichen war. Kurze Zeit später kamen wir dann auch in der Hütte an in welcher wir die Nacht verbringen sollten. Unsere Schlafsäcke hatten wir selbst mitgebracht und im inneren (einzigen) Raum befanden sich Schaumstoffmatten, die sich als gemütlicher entpuppten als sie aussahen. Nachdem wir unsere Rucksäcke abgelegt hatten, wollten wir natürlich erst einmal die Umgebung erkunden. Neben unserer gab es noch zwei weitere Häuschen und sogar eine kleine Kirche, womit dieser Platz vermutlich das Zentrum darstellte. Nun dürft ihr euch aber auf keinen Fall eine Kirche vorstellen wie wir sie kennen: groß, steinern mit einem Kirchturm und einer riesigen Uhr. Diese Kirche bestand aus Wellblech und im Inneren befanden sich Bänke und ein Altar aus Holz.

Nachdem wir etwas mit den jüngeren Kindern gespielt hatten, kamen auch ein paar Jugendliche dazu, welche zu unserem Erstaunen auch Spanisch sprachen. Ihre Muttersprache ist Cabecka und erst in der Schule lernen sie Spanisch. Einer der Jugendlichen erzählte uns, dass er in der nächstliegenden Stadt zur Universität geht.

Es war sehr schön etwas über ihre Kultur zu erfahren und ein paar Wörter Cabecka zu lernen. Nach dem Abendessen, das wir mitgebracht hatten und einer kurzen Dusche mit eiskaltem Gebirgswasser fand ein Gottesdienst in der Kirche statt. Obwohl ich wenig verstand von dem was gesprochen wurde war die Atmosphäre sehr schön, da unter anderem gesungen und getanzt wurde. Nach dem Gottesdienst verließen die Erwachsenen die Kirche und auch wir wollten schon gehe, doch mehrere Jugendliche begannen zu Rappen, was sich schnell zu einem Rapbattle entwickelte und uns natürlich zum Bleiben einlud. Nachdem der Abend dann mit etwas Gitarren-Geklimper ausklang, zog es auch uns in die Schlafsäcke.

Am folgenden Tag brachen wir schon früh auf um nicht der Mittagshitze ausgesetzt zu sein. Denn die Strecke, die am Vortag bergab ging, galt es heute steil bergauf zu wandern. Und ja es war wirklich steil. Oben angekommen belohnten wir uns mit einem Eis und gingen anschließend mit unserem kleinen Trupp noch etwas essen. Sowohl unser Trupp von Freiwilligen als auch die indigenen Kinder sind mir in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen und ich hoffe sie bald alle wieder sehen zu können.