Homeschooling ist das Schlüsselwort in der aktuellen Debatte um die Schulschließungen. Während seit Monaten viel diskutiert wird, wie Homeschooling in Familien gestaltet werden kann und welche Notbetreuung Eltern zur Verfügung steht, werden Wohngruppen in der öffentlichen Debatte größtenteils außen vor gelassen – obwohl hier der Bedarf besonders hoch ist. Kinder und Jugendliche, die aus schwierigen Lebensverhältnissen kommen und bereits einen schweren Start ins Leben hatten, droht eine zunehmende Bildungslücke. VISIONEERS e. V. beteiligt sich am Projekt „Mobile Jugendlernhilfe- jetzt!“ , im Zuge dessen Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin von der DKJS eine Förderung erhalten, um Unterstützungsteam in Wohngruppen zu schicken. Gefördert wird das Programm durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Abteilung Jugend und Kinderschutz.

In 10 Wohngruppen sind bei VISIONEERS Lernunterstützer:innen im Einsatz im gesamten Berliner Stadtgebiet.

Hier arbeiten Erzieher:innen an der Belastungsgrenze. Die Gruppen sind oft altersgemischt, in den Morgen- und Vormittagsstunden müssen parallel mehrere Kinder bei der Erledigung ihrer Schulaufgaben betreut werden während der normale Alltag in den Wohngruppen weitergeht. Häufig stehen nur wenige Laptops und Tablets für den Online-Unterricht zur Verfügung. Da die klare Struktur des Unterrichts aufgelöst ist und die Bewegung eingeschränkt ist, staut sich viel Frustration an, die sich entlädt beim Erledigen ungeliebter Aufgaben, was wiederum durch das pädagogische Fachpersonal aufgefangen werden muss.

Die Herausforderung beim Anleiten für das Homeschooling liegt vor allem dabei, Wege zu finden, wie sich Kinder und Jugendliche motivieren lassen, sich konzentriert ihren Schulaufgaben zu widmen. VISIONEERS Nachhilfelehrer:innen berichten von ihrem Einsatz:

Lisa:

„Die Anleitung mehrerer Kinder aus unterschiedlichen Klassenniveaus parallel ist herausfordernd. Ich sitze mit 1-3 Kindern im Aufenthaltsraum mit großem Tisch und unterstütze bei dem Erledigen von Schulaufgaben. Da ist ziemlich viel Bewegung und Ablenkung mit im Spiel, da nicht jeder den gleichen Rhythmus hat, Kinder und Jugendliche teils wieder in die Schule gehen. Wir lernen also zusammen, während sich ein Jugendlicher aus der Gruppe sein Schulbrot schmiert und ein anderer gerade aus der Online-Konferenz kommt und uns lautstark davon erzählt. Bei vielen Kindern merkt man, dass der Rhythmus fehlt und die Motivation auf „Schule“ abnimmt. Gut klappt es, wenn ich ermuntere, Deals aushandle, sprich „eine ungeliebte Aufgabe“ gegen etwas, was der/demjenigen mehr Spaß macht und versuche den Bezug der Aufgaben zum Alltag der Kinder/Jugendlichen herzustellen, das klappt mal mehr mal weniger gut, tagesformabhängig. Gespräche mit den Erzieher:innen helfen, um zu verstehen, was bei den einzelnen Kindern los ist.“

Anna:

Ich bin immer am Anfang der Woche in einer Wohngruppe, zu dieser Zeit haben die Schüler:innen immer noch etwas mehr Freiraum, um sich die Aufgaben ihrer Lieblingsfächer auszusuchen, mit denen sie die Woche beginnen wollen. Unliebsame Fächer werden da eher nach hinten verschoben. Vor allem das selbst strukturieren fällt vielen schwer. Wenn mehrere Jugendliche in einem Raum zusammen ihre Aufgaben erledigen sollen, lenken sie sich oft gegenseitig ab, weil gemeinsames Quatschen und sich gegenseitig Ärgern meistens mehr Spaß macht als Schule. Es geht auch viel darum die Motivation, die mit jeder Woche Homeschooling bei den Jugendlichen ein bisschen mehr abnimmt, wieder anzukurbeln. Da hilft es, sich neben die Schüler:innen zu setzen und aktiv mit ihnen die Aufgaben zu besprechen, sodass sie merken, dass ich sie und ihre Aufgaben ernst nehme und mitüberlege.

Die Auswirkungen der weltweiten Pandemie zogen nicht spurlos an unserem weltwärts-Projekt vorbei. Unsere Freiwilligen mussten ihr Volunteering abbrechen und traten frühzeitig die Heimkehr an. Die Frage „Was passiert mit unseren sozialen Projekten?“ schwebte monatelang unbeantwortet im Raum. Endlich haben uns gute Nachrichten

erreicht: Ab Anfang 2021 dürfen unsere Süd-Nord Freiwilligen wieder nach Berlin einreisen und lernen, wie Sie mit ihren individuellen Fähigkeiten das Leben anderer positiv beeinflussen können!

Und einer freut sich ganz besonders! Jordy Fonseca aus Costa Rica hat 10 Monate lang gespannt auf den Antritt seines Freiwilligendienstes in Berlin gewartet. Nun wird der 24-jährige uns nächstes Jahr im Visioneers-Büro helfend zur Seite stehen. Er wird in eine andere Kultur eintauchen und mit wertvollen Erfahrungen heimkehren. Als Süd-Nord Freiwilliger wird Jordy uns zusammen mit unserem Jugendleiter Giresse bei den Sportaktivitäten und Vorbereitungsseminaren für unsere zukünftigen weltwärts-Teilnehmenden unterstützen. Da wir bei unserer Arbeit auf Ehrenamtliche angewiesen sind, wird er VISIONEERS eine tatkräftige Unterstützung sein.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) trägt mit einem Zuschuss den Großteil der anfallenden Kosten für das Freiwilligenjahr. Den Rest muss Jordy gemeinsam mit VISIONEERS selber tragen! Zu seinem Eigenanteil fehlen noch 2.000€. Für die meisten Familien in Costa Rica eine undenkbare

Investition! So steht Jordys Familie vor der einmaligen Gelegenheit ihrem Sohn einen Einblick in eine fremde Kultur zu ermöglichen – sich für seine Zukunft abseits eines Entwicklungslandes sozial und beruflich weiterzubilden.

DANKE FÜR IHR ENGAGEMENT

Mit Ihrer Spende haben Sie bereits vielen Jugendlichen kulturelles

Verständnis nahegebracht!

Daher wollen wir uns heute herzlich für Ihre bisherige Unterstützung

bedanken und uns mit Jordys Anliegen an Sie wenden.

Ihre Spende ermöglicht Jordys einjährigen Freiwilligendienst in Berlin

und das Weiterbestehen des Freiwilligenprogramms weltwärts.

VISIONEERS e. V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE29 1005 0000 0190 6097 70

BIC: BELADEBEXXX

Ich bedanke mich schon heute im Namen von VISIONEERS für Ihr

Interesse und Engagement!

Zögern Sie nicht, mich zu anzusprechen, sollten Sie Fragen haben.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Natascha Tepass

Gründerin und Vorstand

Dieses Jahr brachte viele Veränderungen in unser Leben, aber das war mir nicht genug. Ich wollte mehr. Ich wollte reisen, neue Kulturen kennenlernen, nachdem ich dieses Jahr mein Abitur gemacht habe. Ursprünglich wollte ich ein soziales Freiwilligenjahr im Ausland in Peru machen, aber dann kam Corona und ich habe mich deshalb nach ESC-Projekten in Europa umgesehen.

Anfang September fand ich ein Kurzzeitprojekt in Zagreb, Kroatien. Dort arbeitete ich mit 12 anderen Freiwilligen in einer NGO namens OAZA. Nach diesen zwei Monaten war ich angestachelt und ich wollte noch mehr Austausch erleben, neue Leute treffen und eine andere Kultur kennenlernen. Als ich also Anfang Dezember wieder in Deutschland war, habe ich den ganzen Monat damit verbracht, nach anderen ESC-Semesterprojekten zu suchen und bin auf die Active Bulgarian Society gestoßen. Hier bin ich also in Bulgarien, in einer Zeit, in der alle sagen, dass es unmöglich ist, zu reisen.

Aber manchmal muss man einfach das Unmögliche tun, um seinen Träumen zu folgen, meiner ist es, zu reisen und neue Kulturen kennen zu lernen.

Bis jetzt habe ich in nur 12 Tagen eine Menge gelernt. Ich habe gelernt, wie man das georgische Alphabet schreibt, ich habe verschiedene traditionelle Tänze gelernt, von einem spanischen Sevilla bis zu einem ukrainischen Hochzeitstanz. Aber ich habe auch die bulgarische Kultur kennengelernt, die für mich neu war. Und genau darum geht es bei einem ESC, nicht nur etwas über die bulgarische Kultur zu lernen, sondern auch über die Kultur der anderen Freiwilligen. Und ich hatte Glück mit Freiwilligen aus Georgien, der Ukraine, Spanien und Frankreich zusammenzuarbeiten, so dass ich eine Menge neuer Dinge lernen konnte.

Ich bin am Montag angekommen und bin nach dem Mittagessen zu den anderen ins Büro gegangen. Dort traf ich die Leute, mit denen ich die nächsten zwei Monate verbringen würde, zum ersten Mal. Alle waren so freundlich und ich freute mich wirklich darauf, die nächsten zwei Monate mit ihnen zu verbringen.

Außerdem sind die Aufgaben im Büro sehr flexibel und es liegt an uns, welche Art von Veranstaltungen wir planen wollen. Daher haben wir viel Freiheit, unsere Visionen und Ideen zu verfolgen, was ich sehr liebe.

Das Tolle an ABS ist, dass sie viele Projekte mit Einheimischen machen, wie z.B. einen Chat-Club, Reinigungsaktionen usw. So kann man Einheimische kennenlernen und mehr darüber erfahren, wie die Menschen hier leben. Das ist etwas, was man nicht hat, wenn man nur für zwei Wochen in ein Land reist. Das ist einer der vielen Gründe, warum ich das Programm des Europäischen Solidaritätskorps nur jedem empfehlen kann.

Am ersten Wochenende waren wir in Kartala, was unglaublich war. Ich glaube, so viel Schnee habe ich seit 10 Jahren nicht mehr gesehen. Es war magisch.

Letztes Wochenende waren wir in Sofia und wir hatten eine lustige Zeit. Die Stadt hat ihren eigenen Charme. Ich glaube, was mir am meisten gefällt, ist, dass all die verschiedenen Religionen friedlich nebeneinander leben. Es gibt einen Platz, auf dem eine Moschee, eine Synagoge und eine Kirche nebeneinander stehen, was zeigt, wie vielfältig und kulturreich die Stadt und das Land sind.

Dieser Artikel wurde von Elisabeth Röbisch als Teil ihres persönlichen Projekts in der Active Bulgarian Society erstellt. Sie ist Teilnehmerin am Projekt „ESC: European Skills and Competencies“-Projekt, das von der bulgarischen Nationalagentur des Erasmus+ Programms Human Resource Development Center mitfinanziert wird.

Junge Menschen, die interessiert daran sind, für die Active Bulgarian Society für 2-3 Monate zu volunteeren, können sich gerne bewerben: ntepass@visioneers.io.

Die Covid-19-Pandemie hält uns seit über einem Jahr auf Trab. Gemäß den Kontakteinschränkungen während des 2. Lockdowns arbeitet das VISIONEERS Team größtenteils momentan von zu Hause aus. Was für einige hauptsächlich Vorteile mit sich bringt (Stichwort “ungestörtes Arbeiten”), bedeutet für andere eine zusätzliche Einschränkung über das Privatleben hinaus. Der Austausch in Chatprogrammen, per Telefon und Videokonferenz ersetzt nicht den persönlichen Kontakt zu Kolleg*innen. Doch ein gesunder Optimismus und gute Selbstorganisation helfen uns in diesen besonderen Zeiten motiviert zu bleiben:

Ich habe gemerkt, wie wichtig eine Routine und das Erkennen der eigenen Energielevel je nach Tageszeit ist.

Sabeth: „Ich bin frisch nach Berlin gekommen, um bei VISIONEERS als Projektreferentin anzufangen und freue mich gerade sehr über die mittlerweile ungewohnte Abwechslung, die mein neuer Job bei VISIONEERS und all die Dinge drum herum mit sich bringen. Auch wenn meine Aufgaben momentan größtenteils mit PC-Arbeit, Abstand und Maske einhergehen, so sind sie dennoch sehr abwechslungsreich und spannend, da VISIONEERS auch in diesen unbeständigen Zeiten viele Projekte am Laufen oder in der Planung hat. Ich habe in den vergangenen Monaten meine Masterarbeit von zu Hause geschrieben und festgestellt, wie enorm wichtig ein strukturierter Tagesablauf und die Setzung von auch noch so kleinen Tageszielen ist, um seine Energie effizient nutzen und einteilen zu können. Dies fällt in krisenfreien Zeiten einfacher und passiert oftmals ganz von alleine. Erst durch die Krise ist vielen von uns klar geworden, welch ein Gewicht die zuvor als selbstverständlich wahrgenommenen, täglichen Kontakte, die gemeinsame Mittagspause und eine ausgiebige Feierabendrunde mit Freund*innen für uns alle haben. So viele Kleinigkeiten wurden bedeutender und Zwischenmenschliches bewusster. Ich finde darin liegt auch die Chance. In den vergangenen Monaten habe ich vieles bewusster wahrgenommen und schätzen gelernt. Ich habe gemerkt, wie wichtig eine Routine und das Erkennen der eigenen Energielevel je nach Tageszeit ist. Zu welcher Uhrzeit könnt ihr euch am besten konzentrieren; zu welcher erledigt ihr lieber Krimskrams? Was könnt ihr euch gönnen, um euch für Erledigtes zu belohnen und wieder motiviert einen Schritt weiter zu gehen? Diese Fragen und noch viele mehr habe ich mir gestellt, um herauszufinden, wann und wie ich mich am besten für meine Aufgaben motivieren kann. Feste Arbeitszeiten und ein Team bei VISIONEERS machen es mir jedoch definitiv einfacher als die Abschlussarbeit in meinen eigenen vier Wänden.

Wenn ich merke, dass ich die Motivation und Konzentration verliere, mache ich eine kurze Pause, stehe auf, hole mir etwas zu trinken, laufe ein paar Schritte und lasse frische Luft rein.

Anna: Ich bin froh, dass durch das Projekt Mobile Jugend-Lern-Hilfe. Jetzt! etwas Abwechslung in den Arbeitsalltag kommt und zumindest ein Projekt stattfinden kann.

Ansonsten arbeite ich gerade viel am Computer. Wenn ich dabei merke, dass ich die Motivation und Konzentration verliere, mache ich eine kurze Pause, stehe auf, hole mir etwas zu trinken, laufe ein paar Schritte und lasse frische Luft rein. Das hilft meistens schon, sodass ich mich danach wieder mehr konzentrieren kann.

Was mir auch sehr fehlt ist der direkte Austausch mit dem Team und Teammeetings in Präsenz. Aber es ist trotzdem schön alle einmal in der Woche im Video-Teammeeting zu sehen. Auch der Austausch wird zwar erschwert, Telefonate und Sprachnachrichten vereinfachen die Kommunikation über das Handy und den Computer jedoch enorm.

Und sonst freue ich mich einfach auf die Zeit, in der die Projekte, die gerade geplant werden und in den Startlöchern stehen, stattfinden können. Hoffentlich ist es nicht mehr allzu lang bis dahin!

Wichtig ist es, sich jeden Tag aufs Neue an seine Ziele zu erinnern sowie Neue zu setzen und sich auch über die kleinen Erfolge zu freuen.

Lia: Ich bin Studentin und befinde mich aktuell im Praxistrimester, weshalb ich mitten im zweiten Lockdown ins Praktikum hier bei VISIONEERS gestartet bin. Deshalb bin ich sehr froh darüber, gerade einen anderen und vor allem abwechslungsreicheren Alltag zu haben. Wenn ich an die letzten Trimester zurückdenke, erinnere ich mich nur an meine eigenen vier Wände und meinen Laptop, der quasi mein gesamtes Studentenleben abgelöst hat.

Umso mehr genieße ich jetzt hier bei VISIONEERS den neuen Alltag, die Abwechslung und die feste Struktur unter der Woche. Vor allem bin ich sehr dankbar darüber, Teil des Projektes Mobile Jugend Lern-Hilfe.Jetzt! zu sein. Somit verbringe ich derzeit jeden Vormittag unter der Woche in einer Wohngruppe, wo ich Jugendlichen beim Homeschooling und Deutschlernen helfe. In diesem Projekt werde ich sehr viel mit dem Thema Motivation konfrontiert, sei es den ein oder anderen Jugendlichen zu motivieren oder aber auch quasi selbst von der Energie zu profitieren, die von vielen auch mitgebracht wird.

Gerade das Thema Motivation in der Corona Krise finde ich sehr wichtig, da es vielen Menschen derzeit schwer fällt, sich zu motivieren und die Lust nicht zu verlieren. Wichtig ist es, sich jeden Tag aufs Neue an seine Ziele zu erinnern sowie Neue zu setzen und sich auch über die kleinen Erfolge zu freuen. Durch meinen neuen Alltag im Praktikum bin ich sehr motiviert und bin dankbar, trotz des Lockdowns gerade einen richtigen Arbeitsalltag genießen zu dürfen.

Mir hilft es, Zettel und Stift in die Hand zu nehmen und mir eine To-do-Liste aufzuschreiben – eine willkommene Abwechslung zu digitalen Tools.

Lisa: Eine „Krise“ wird immer dann kontrollierbarer, wenn abzusehen ist, wann diese endet. Das macht die Covid-19-Pandemie für viele so schwer aushaltbar, da der Ausgang ungewiss ist und selbst unter Wissenschaftler*innen kein Konsens herrscht. Ich habe in den letzten Monaten gelernt, mehr im Moment zu leben. Was gegen den gefühlten Kontrollverlust hilft? Den Alltag kontrollierbarer machen durch Routinen und klare Ziele. Den Morgen starte ich mit Yoga, zwar nicht jeden Tag, aber 2-3-mal die Woche. Danach frage ich mich: Was will ich heute erreichen? Mir hilft es dabei, tatsächlich dann Zettel und Stift in die Hand zu nehmen und mir eine To-do-Liste aufzuschreiben, das ist für mich eine willkommene Abwechslung zu digitalen Tools.

Und ich versuch mir immer wieder vor Augen zu führen, was wir mit unserer Projektarbeit erreichen wollen. Es gibt Gruppen, die momentan noch viel mehr zu leiden haben unter den Auswirkungen der Pandemie. Man denke da mal an die Länder, die die wirtschaftlichen Folgen noch viel mehr spüren als wir in Europa (Link zu Post über Jugendarbeitslosigkeit in Costa Rica) oder auch die vulnerablen Gruppen in unserer Gesellschaft wie die Wohnungs- bzw. Obdachlosen hier in Berlin (Link zu PM über Pallaskiez). Die eigene Situation relativiert sich schnell wieder, wenn wir uns die eigenen Privilegien vor Augen führen.

Ich wollte diesen Eintrag nicht mit Corona beginnen. Weil die Pandemie aber leider doch der Grund dafür ist, dass ich gerade nicht in Costa Rica am Strand sitze und schreibe was ich in den letzten Wochen erlebt habe, sondern in meinem Zimmer in München, muss ich den Virus wohl doch kurz erwähnen. Während des ganzen ersten Lockdowns habe ich gehofft, dass unsere Ausreise im August stattfinden kann. Nachdem jedoch klar war, dass das nicht klappt und uns als Überbrückungstätigkeit ein SDG-Dienst vorgeschlagen wurde, wusste ich ziemlich schnell, dass ich gerne etwas in der Richtung des 11. Zieles „Nachhaltige Stadtentwicklung“ machen möchte. Einen Betrieb zu finden, der mich für sechs Monate einstellt, hat sich jedoch als etwas komplizierter herausgestellt. Nachdem ich mich bei vielen verschiedenen Architektur- und Stadtplanungsbüros, leider ohne Erfolg, vorgestellt habe, hat die Stattbau München GmbH meine Bewerbung an die GeQo eG weitergeleitet. Bei dieser noch sehr jungen Genossenschaft konnte ich dann schon eine Woche später anfangen zu arbeiten.

Anfangs musste ich mich erstmal ein paar Tage zurechtfinden und herausfinden, was die GeQo eG überhaupt macht. Mittlerweile habe ich mich jedoch sehr gut eingefunden und die meisten der vielen Themengebiete überblickt. Die Abkürzung GeQo eG (sprich Gecko) steht für eingetragene Genossenschaft für Quartiersorganisation und ist im Prinz Eugen Park, einem Neubaugebiet im Münchner Nordosten tätig. Das Hauptanliegen ist dabei sich für alle Wohnbedürfnisse, vernetzte Nachbarschaften, vielfältige Angebote und autoreduziertes Wohnen inmitten alten Baumbestandes einzusetzen. Die Stichworte Vernetzung, Verwaltung und Vermittlung/Verleih fassen die vielen verschiedenen Aufgaben eigentlich ganz gut zusammen.

Unter den Punkt Vernetzung fällt dann zum Beispiel das regelmäßige Verfassen eines Newsletters, das Organisieren von Festen und Veranstaltungen, aber auch die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Arbeitskreisen der Bewohner:innen u.a. zum Thema Kinder, Ökologie oder Kunst und Kultur. Bei einem Wohngebiet mit knapp 4000 Einwohner:innen fallen natürlich auch eine Menge Verwaltungsarbeiten an. So muss beispielsweise organisiert werden, wie die Gemeinschaftsräume der einzelnen Häuser genutzt werden können oder wann und für wen die Gästeapartments zur Verfügung stehen. Damit auch der Aspekt der Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommt, gibt es u.a. die Mobilitätsstation, die Lastenräder und E-Bikes verleiht, um den Alltag ohne Auto attraktiver zu machen. Um Ressourcen wie Platz und Geld zu sparen wird es in Zukunft außerdem einen Verleihpool geben, bei dem sich die Bewohner:innen des Prinz Eugen Parks selten gebrauchte Gegenstände, wie Werkzeug oder Partyzubehör, ausleihen können. Außerdem gibt es seit November das Café GeQo, ein Quartierscafé, das Treffpunkt für die Bewohner:innen und Besucher:innen von außerhalb werden soll. Durch den derzeitigen Lockdown ist der Start des Cafés jedoch leider etwas schwierig und die Umstellung auf den reinen To-go-Betrieb nimmt gerade viel Zeit in Anspruch.

Meine Aufgaben bei der GeQo erstrecken sich eigentlich so ziemlich über alle Bereiche. Ich habe schon Flyer für die verschiedenen AKs erstellt, bei der Verwaltung und Buchung der Gemeinschaftsräume mitgeholfen oder auch nach Ausflugszielen in der Umgebung recherchiert, die man gut mit dem Fahrrad erreichen kann. Viele meiner Aufgaben mache ich in Büroarbeit, ab und zu jedoch gibt es aber auch eine schöne Abwechslung vom Schreibtisch. Zum Beispiel bei einem Crêpe-Verkauf in den Innenhöfen der Häuser mit einem hohen Sozialwohnungsanteil, viele der Bewohner:innen dort sind abhängig von staatlichen Hilfen, manche sind Geflüchtete. Auch diese Gruppen sollen in das Leben und die Gemeinschaft des Prinz Eugen Parks miteingebunden werden und von den Angeboten der GeQo profitieren. Teilweise gehen meine Aufgaben jedoch auch in eine ganz andere Richtung, erst vor kurzem habe ich beispielsweise ein großes Architektur-Modell des Viertels repariert und geputzt, damit wir es bald in der Quartierszentrale ausstellen können.

Die letzten Monate sind ganz anders gelaufen als ich es eigentlich geplant und erwartet hatte. Und natürlich hoffe ich immer noch, dass unsere Ausreise nach Costa Rica bald möglich sein wird, trotzdem bin ich sehr froh, dass ich mit meiner SDG-Stelle so ein Glück hatte.

Wir bedanken uns für die Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Bis zu meiner SDG–Tätigkeit war es ein weiter Weg, der sich aber definitiv gelohnt hat. Ganz am Anfang meiner Suche war ich lange Zeit ziemlich ratlos in welche Richtung ich überhaupt gehen wollte, und als ich mich schließlich für die soziale Richtung entschlossen hatte, hat sich die Bewerbung bei meinem jetzigen Träger (Inneren Mission e.V.) noch lange gezogen. Vor ca. einem Monat bekam ich dann endlich die Nachricht, dass die Organisation eine Stelle gefunden hatte, bei der ich gleich anfangen könnte. Nach der langen Wartezeit war ich super glücklich, endlich anfangen zu können – allerdings bekam ich gleich am nächsten Tag einen Anruf, dass meine Arbeitsstelle wegen Corona für 2 Wochen in Quarantäne muss.

Jetzt arbeite ich zwar erst seit 2 ½ Wochen, aber es gibt trotz der kurzen Zeit schon viel zu erzählen. Meine Stelle ist beim Unterstützungsangebot für geflüchtete Kinder und Jugendliche in einer Erstaufnahmeunterkunft. In diesen Unterkünften verbringen die geflüchteten Familien im Schnitt zwischen 2 Wochen und höchstens 2 Monaten (manchmal noch länger), bevor sie in eine dauerhaftere Unterkunft vermittelt werden. Die Kinder gehen deshalb noch nicht in den Kindergarten oder in die Schule und können auch meistens noch kaum Deutsch sprechen. Dadurch fällt in den Erstaufnahmeunterkünften kaum Papierkram für meine Abteilung an und ich kann die meiste Zeit mit den Kindern verbringen. Natürlich ist wegen Corona der Alltag wie fast überall erheblich eingeschränkt. In meiner Unterkunft gibt es ein Spielezimmer, in dem normalerweise die Kinder und Jugendlichen zweimal pro Tag Zeit verbringen können. Es werden auch regelmäßig Ausflüge, z.B. in Museen oder Parks, gemacht. Zudem gibt es in der Nähe noch zwei Freizeitstätten für geflüchtete Kinder und Jugendliche, die auch sehr vielseitige Angebote haben. Im Moment darf allerdings immer nur eine Familie mit entsprechenden Hygienemaßnahmen (das Tragen von Masken, regelmäßiges Lüften und gründliches Desinfizieren aller Oberflächen) in das Zimmer und auch bei einem Ausflug dürfen wir nur eine Familie einladen. Der Vorteil dabei ist, dass man sich auf die Kinder individuell konzentrieren kann, aber meine Kollegen sind sich einig, dass sie den alten Trubel vermissen.

Bei meinem ersten richtigen Arbeitstag habe ich gleich bei der Fortbildung „Lesen bringt uns weiter“ von der Stiftung Lesen teilgenommen. Diese drehte sich um das Thema, wie wir mit Hilfe von Büchern geflüchtete Kinder beim Deutschlernen unterstützen können. Besonders für mich (ohne pädagogisches Vorwissen im Bereich der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen) waren viele neue Methoden und Ideen dabei, die ich davor noch gar nicht kannte.

Durch die Corona-Maßnahmen haben die Kinder und Jugendlichen kaum Möglichkeiten aus ihrem Zimmer rauszukommen, und besonders bei der einsetzenden Kälte wird auch kaum mehr Zeit draußen verbracht. Ein aktuelles großes Projekt von mir ist daher, kleine „Spielepakete“ für Familien zusammenzustellen, mit denen sie sich auch in ihren Zimmern beschäftigen können. Dafür habe ich zum einen eine Spendenaktion für Farbstifte organisiert, um diese zusammen mit Ausmalbildern zu kleinen Päckchen zu packen und plane Spiele wie Memory oder Mensch-ärgere-dich-nicht selbst zu basteln, um auch diese verteilen zu können.

Die Arbeit mit den Kindern macht mir persönlich sehr viel Spaß, allerdings bekomme ich natürlich auch die negativen Seiten des Lebens in einer Flüchtlingsunterkunft mit. Mir fällt es noch ziemlich schwer, nach der Arbeit abzuschalten, wenn ich z.B. mitbekomme, was manche Kinder in so jungen Jahren schon alles erlebt haben, aber ich denke das ist normal.

Mein Auslandsjahr ist zwar jetzt ganz anders, als ich es mir ursprünglich vorgestellt habe, aber ich bin trotzdem ziemlich glücklich im Moment und hoffe, dass ich noch nächsten Sommer in einen Flieger in Richtung Sonne und Dschungel steigen kann!

Wir bedanken uns für die Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Covid-19 stellt die weltweite Bevölkerung vor Herausforderungen.

Wie in fast jeder Krise, trifft es auch hier wieder ganz besonders hart Menschen in finanziell schwierigen Situationen. Deshalb wir in Costa Rica das „Kükenprojekt“ ins Leben gerufen, zu dem wir Interessierte an der ein, oder anderen Stelle bereits informiert haben, und das jetzt nach 5 Monaten mit einer sehr positiven Bilanz zu Ende geht.

Mit überwältigender Bilanz kann man in diesem Falle fast schon und ohne Übertreibung sagen. Dafür lassen wir am besten ein paar Zahlen sprechen: Ursprünglich wollten wir 80 Familien erreichen, die ihre Arbeit aufgrund der durch die Coronakrise ausgelöste Wirtschaftskrise innerhalb der Orte La Loma, Bandera und Playón in Costa Rica verloren haben und diese mit einem jeweils sechs männlichen Küken und falls nicht vorhanden einem Hühnerstall aus Holz und Maschendrahtzaun ausstatten.

Halt, warum gerade Küken?

Die Idee war, den betroffenen Familien mit der Hühnerzucht eine nachhaltige Möglichkeit zur Selbstversorgung zu bieten: Nach ungefähr zwei Monaten können die Hähne geschlachtet, gegessen, verkauft oder gegen andere Produkte bzw. Tiere (z.B. Hennen) getauscht werden. Das Projekt diente auch dazu, den Menschen weiterhin eine Tätigkeit und Beschäftigung zu bieten. Dies sollte sie motivieren, während der Quarantäne und sozialen Isolation aktiv zu bleiben und nicht nur von Spenden zu leben.

Zurück zur Bilanz: 566 Haushalte, 5010 Küken, 10 Hühnerställe

Wie wir schnell gemerkt haben, entwickelte sich das ursprünglich geplante Projekt in eine sehr positive Richtung. Zwar wurden weniger Hühnerställe als geplant verteilt – die Projektleitung stellte schnell fest, dass viele Familien bereits nicht genutzte Hühnerställe besitzen – dafür aber umso mehr Küken, je nach Anzahl der Familienmitglieder zwischen sechs und zehn Küken. Die Aktion wurde so gut angenommen von den Menschen, dass unseren Projektpartner Anfragen aus anliegenden Dörfern erreichten. Hier konnten wir daraufhin ebenso mit der Verteilung von Küken Hilfe leisten und schlussendlich mit 5010 Küken viel mehr Familien erreichen als geplant.

Mit Hilfe der Kirche, aber für jeden

Der Staat ist in dieser Region nur sehr schwach mit sozialen Hilfsprojekten vertreten. Besonders ländliche Gebiete, die weit von der Hauptstadt entfernt sind, werden von Regierungsprogrammen oft nicht erreicht, sodass die lokale Kirche viele der diakonischen Aufgaben übernimmt. Das Projekt wurde nicht für missionarische Zwecke genutzt, die Haushalte erhielten die Küken und Schulungen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit. So war eine treibende Kraft hinter dem Projekt Mitinitiator und Pastor Dennis Leon aus dem kleinen Dorf Esterillos Oeste.

Ein großer Dank an alle Kükenpaten, Helfer und Sponsoren

Projektgelder kamen aus dem EZ-Kleinprojektfond der Süd-Nord-Brücken Stiftung. Dank der großen Reichweite haben sich auch viele Freiwillige aktiv beteiligt. Auch zusätzliche Spendengelder von Organisationen haben dazu beigetragen. Falls der ein oder andere Kükenpate mitliest, vielen Dank, Sie haben dazu beigetragen, dass so viele Menschen in diesen herausfordernden Zeiten, einen hoffnungsvolleren Blick mit Perspektive auf die Zukunft haben.

Vom 12.10 bis 23.10 habe ich bei Visioneers mein Praktikum gemacht.

Ich war bei der Ferienschule und habe für die Teilnehmenden sowohl arabisches als auch deutsches Essen gekocht. Mir war es wichtig Essen aus beiden Kulturen zu kochen. Außerdem war ich nachmittags bei den Aktivitäten dabei. Wir haben viele verschiedene Aktivitäten gemacht und viele neue Informationen gesammelt. Wir haben Volleyball und Bowling gespielt, waren beim Boxen, Lasertag und haben uns eine Führung im Futurium angehört. Außerdem waren wir auch in einem Musikstudio und im Kino. Am Ende haben wir dann eine Abschlussfeier gemacht mit Zeugnisvergabe bei der jeder seine Erfahrungen mitteilen durfte – Alle waren sehr dankbar gegenüber Visioneers. Auch ich bin dankbar und als Dankeschön habe ich einen Kuchen gebacken auf den ich “Visioneers” geschrieben habe.

Ich finde Visioneers ist etwas sehr wichtiges, weil hier alle Kulturen zusammen kommen und jeder seine Schwächen überwinden kann.

Dieses Projekt ist im Rahmen der LernBrücken-Ferienschule entstanden. Wir bedanken uns daher für die Förderung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Esterillos Oeste ist eine kleine Gemeinde an der Küste Costa Ricas. Sie liegt im Kanton Parrita in der Provinz Puntarenas. Wie die meisten Küstendörfer ist Esterillos Oeste abhängig von der Landwirtschaft, der Fischerei und insbesondere dem Tourismus. Leider ist der Tourismus sehr stark von der Wirtschaftskrise betroffen, welche durch die Covid-19 Pandemie ausgelöst wurde.

Vielleicht stimmt es, dass in den schwierigsten Momenten die besten und oftmals selbstlosesten Ideen entstehen. In Esteriollos Oeste passierte genau das. Geleitet durch Pastor Dennis León, der außerdem ein ausgezeichneter Surfer und Besitzer eines Kleinbauernhofes ist, entstand dieses wundervolle Projekt, von welchem nicht nur Esterillos profitiert, sondern auch andere Gemeinden wie Bandera, Playón, La Loma, Jacó und Quepos.

Was also ist das Küken Projekt? Im Rahmen des Projektes soll Familien geholfen werden, die am meisten von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen sind. Natürlich stellt sich die Frage: Wie können Küken in einer solchen Situation helfen? Eigentlich ist es ganz einfach: jeder Familie, welche durch das Projekt unterstützt wird, werden einige Küken und eine Henne zur Verfügung gestellt, damit sie sich in einigen Wochen zu gewissem Maße selbst versorgen können und die Möglichkeit ihre Hühner auch für andere Produkte zu tauschen.

Pastor Dennis erklärt, dass noch mehr dahintersteckt. Eines der Ziele des Projektes ist es, den Menschen die stark unter der aktuellen Krise und der damit einhergehenden Perspektivlosigkeit leiden, neue Motivation zu schenken. Was haben die Küken damit zu tun? Das ist gar nicht so abstrakt wie es klingt. Für eine Person, die keine Arbeit hat, der es an grundlegenden Ressourcen fehlt, die viele Sorgen und Stress hat, ist die Fähigkeit eigene Lebensmittel produzieren zu können, ein Faktor, der die schwere Zeit ertragbarer macht. Sie haben eine Aufgabe, der sie sich widmen können.

Wie wird das Projekt finanziert, von dem mehr als 300 Familien profitieren? Möglich gemacht wurde das Projekt durch Geld- und Materialspenden. So konnten die Hühner, die benötigten Materialien für die Gehege sowie das Futter für die ersten Wochen gekauft werden. Die größten Spender waren die Stiftung Nord-Süd-Brücken und das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) welches in Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein Visioneers e.V., 5330€ gespendet hat.

Ana Isabel ist Gemeindevorsitzende einer marginalisierten Gegend der Region und konnte von unserem Projekt profitieren. Sie beschreibt, wie sie die Teilnahme am Küken Projekt erlebt. Ana Isabel ist erleichtert zu wissen, dass sie in einigen Wochen, auch wenn sich die Situation nicht verbessert, etwas zu Essen haben wird. Außerdem berichtet sie von der tollen Erfahrung, die Küken aufwachsen zu sehen, was ihr Tag für Tag Motivation schenkt.

Ganz besonders erfreuten sich Kinder an unserem Projekt, die aufgrund der Pandemie zu Hause bleiben mussten. Miguel und Luis (fiktiv gewählte Namen) berichten wie viel Spaß sie mit den Küken hatten und wie viel sie daraus lernen konnten sich um sie zu kümmern.

Schlussendlich sind es Projekte wie dieses, die uns inmitten einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, ein bisschen Hoffnung gibt.

Sie möchten eine Kükenpatenschaft übernehmen?

VISIONEERS e. V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE11 1005 0000 0190 4435 45

BIC: BELADEBEXXX

Betrag: 60,00 Euro

Betreff: Kükenprojekt, Name + Adresse des Spenders

Das Projekt wird zum Großteil von dem EZ-Kleinprojektfond der Süd-Nord-Brücken Stiftung finanziert.

Das Coronavirus erreichte Peru wesentlich später als Deutschland. Während in Deutschland die Pandemie Ende Januar anfing, wurde der erste Fall von COVID-19 in Peru erst am 6. März bestätigt. Bereits neun Tage danach verhängte Präsident Martín Vizcarra den landesweiten Lockdown, früher und strikter, als die meisten anderen lateinamerikanischen Staaten reagierten. Die Maßnahmen kamen plötzlich und trafen die Bevölkerung Perus hart: Quarantäne, nur noch die Ausführung von Arbeit, die essentiell für die Versorgung der Bevölkerung war, nur noch für Einkäufe und Bankgeschäfte aus dem Haus gehen, nächtliche Ausgangssperre. Überall patrouillierten Polizei und Militär, um zu garantieren, dass die Bevölkerung die Maßnahmen befolgt. Viele, die sich nicht an die Ausgangssperre hielten, wurden festgenommen.

Quarantäne, das hieß für viele Peruaner für mehr als drei Monate nur mit dem Nötigsten in einem anderen Teil des Landes festzusitzen oder Tag und Nacht mit Familie und Verwandten auf engstem Raum zu verbringen. Nach draußen zu gehen, um zu spazieren o.ä. war in Peru, anders als in Deutschland, nicht möglich.

Mehr als 70% der Peruaner arbeiten selbstständig oder im informellen Sektor, beispielsweise als Straßen- oder Marktverkäufer. Die informellen Arbeiter leben von der Hand in den Mund, d.h. sie ernähren sich von dem Geld, das sie tagsüber verdienen. Während der Quarantäne konnten sie nicht mehr arbeiten gehen, weshalb sich ihre Lebenssituation dramatisch verschlechterte. Für manche Arbeiter wurde die Lage in Lima so prekär, dass sie beschlossen, sich zu Fuß auf den Weg in ihre mehr als 400 Kilometer entfernten Heimatstädte zu machen. Zwar gab es Hilfszahlungen für die Bedürftigsten der Bevölkerung, jedoch waren diese nicht ausreichend und kamen nicht bei jedem an, der sie brauchte.

Auch für indigene Gemeinschaften stellt der Coronavirus eine große Gefahr da. Viele dieser schotteten sich freiwillig ab, um sich vor der Ansteckung mit dem Virus zu schützen. So machten es auch die Dorfgemeinschaften der lokalen Yánesha, die unsere NGO Atiycuy Peru im Zentralregenwald begleitet. Aufgrund der Quarantäne und des fehlenden Telefonnetzes in den indigenen Dörfern konnten diese unsere Organisation am Anfang der Quarantäne nicht oder nur sehr beschränkt kontaktieren. Umso stolzer war unser Team, als wir später ein Video auf Facebook fanden, das einige Dorfmitglieder der indigenen Dörfer zeigte, wie sie mit ihren traditionellen Gewändern und Pfeil und Bogen auf dem Weg vor ihren Dörfern patrouillierten und aufpassten, dass niemand in ihre Dörfern kam. Somit standen sie nun alleine für sich selbst auf, verteidigten ihre Rechte und beschützten ihre Gemeinschaften.

COVID-19 traf Peru hart

Doch trotz des frühen und strikten Lockdowns bekommt Peru das Virus bis jetzt nicht unter Kontrolle. Aktuell (Stand: 24.07.20, 10:00) gibt es insgesamt 371.096 bestätigte Infektionen, 255.945 genesene Patienten und 17.654 Tote aufgrund des Coronavirus. Momentan sind 97.497 Menschen infiziert. Peru liegt auf Platz 6 der Länder mit den meisten Infektionen. Aber woran liegt das? Eine mögliche Ursache ist, dass die Regierung viele europäische Maßnahmen kopiert hat. Das erwies sich aber in der Praxis als untauglich. Peru unterscheidet sich stark von Europa. In der Folge passten die Maßnahmen nicht zur peruanischen Lebensrealität. Nur ein Drittel der Bevölkerung hat einen Internetzugang. Millionen Menschen haben keinen Zugang zu fließendem Wasser, um sich die Hände zu waschen. Und nur ungefähr die Hälfte aller Peruaner besitzt einen Kühlschrank; wer keinen Kühlschrank hat, muss regelmäßig aus dem Haus, um frische Lebensmittel einzukaufen. Dabei kommt es vor allem auf Märkten zu vielen Neuinfektionen.

Für viele Menschen, vor allem für die arme Bevölkerung, ist es unmöglich, die Corona-Regeln zu befolgen. Sie haben keine Wahl und müssen ständig für den Einkauf oder die Arbeit aus dem Haus, um zu überleben. Für Straßenhändler, Schuhputzer, Müllsammler und Tagelöhner gibt es eben kein Homeoffice.

Außerdem stellt auch das öffentliche Gesundheitssystem in Peru ein großes Problem da. Dieses war auch schon vor der Pandemie überlastet und unterfinanziert und durch das Coronavirus gab es Medienberichten zufolge schon vor vielen Wochen nicht mehr genügend Intensivbetten und Beatmungsplätze in Peru. Die Peruaner können also nur hoffen, dass das Virus sie und ihre Familie nicht oder zumindest nicht schlimm erwischt.

Wie geht es jetzt weiter?

Am 1. Juli wurde die nationale Quarantäne beendet. Am Abend zuvor bat der Präsident noch jeden Einzelnen um verantwortungsvolles Verhalten: Mundschutz, Abstand, Hygiene. Nur in einzelnen Regionen, bspw. in Arequipa, die jetzt die neuen Hotspots des Virus sind, wird die Quarantäne weiter aufrechterhalten.

Die Phase 3 der Reaktivierung der Wirtschaft beginnt. Seit Mitte Juli läuft der Bus- und Flugverkehr im ganzen Land wieder an. Seit kurzem öffnen auch Restaurants wieder, mit eingeschränkter Gästezahl. Das Leben normalisiert sich langsam, vor allem in der Hauptstadt Lima und ein Gefühl des Optimismus macht sich breit. Seit Mitte Juni stabilisiert sich die tägliche Zahl der Neuinfizierten auf hohem Niveau. Die Zahl der aktuell Infizierten ist relativ gleich bleibend. Jedoch ist zu bedenken, dass es zu den offiziellen Zahlen noch eine unklare Dunkelziffer an infizierten Personen gibt. Momentan verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus in Peru also noch nicht.

Auch der Blick in den Zentralregenwald zeigt: mit dem Ende der Quarantäne kommen wieder mehr Menschen aus der Hauptstadt und aus anderen Provinzen, womit auch die Zahl der Infizierten dort dramatisch ansteigt. Teilweise kollabieren die Provinzkrankenhäuser unter dem Druck der Neuinfektionen. Und auch für die besonders gefährdeten indigenen Gemeinschaften fängt die Pandemie jetzt erst an.

Quellen:

https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-in-peru-lockdown-und-trotzdem-keine-kontrolle-a-578c733a-d850-41bd-9c60-4baf21104a6e https://peruconsult.de/coronavirus/https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Peru#Statistik https://www.tagesschau.de/ausland/coronavirus-karte-101.html