Hallo an alle! Ich melde mich mal wieder mit einem kurzen Bericht über meine Arbeit hier im Projekt.

Nach den Weihnachtsferien waren wir vor allem mit der Jahresplanung und organisatorischen Dingen beschäftigt, doch seit Februar sind wir auch wieder in den Comunidades unterwegs, und der Regen hat auch schon deutlich abgenommen.

Erste Fahrt ins Regenwaldgebiet

Ich bin das erste Mal in das „Mein Regenwaldgebiet“ gefahren, das ca. 20.000 ha große Naturschutzgebiet, welches von der Organisation hier verwaltet wird. Dieses Gebiet versorgt drei umliegende Städte mit sauberem Trinkwasser und ist ein Rückzugsort für viele Tiere. Kamerafallen haben bereits Jaguare, Tapire und Affen aufgezeichnet. Doch der Weg dorthin macht mich immer traurig. Dort, wo früher Regenwald war, sind heute nur noch Ananasplantagen, soweit das Auge reicht.

Zusammenarbeit mit den Dörfern

Wir arbeiten hier mit den Dörfern, die um das Naturschutzgebiet liegen, zusammen und unterstützen sie dabei, nachhaltige Formen der Landwirtschaft zu etablieren. Der Anbau von Kaffee in Kombination mit einheimischen Baumarten und die Imkerei sind Alternativen, welche das großflächige Abholzen des Regenwaldes verhindern.

Besuch einer abgelegenen Comunidad

Außerdem wurde ich von einem Freund eingeladen, ein Wochenende eine Comunidad zu besuchen, die fünf Stunden Fußmarsch von der Straße entfernt ist. Trotz der Abgelegenheit sind die Menschen dort super offen und herzlich, und wir hatten eine schöne Zeit. Einige dort besitzen Maultiere, doch die meisten legen den Weg zur Straße zu Fuß zurück. Die Kinder, die in die weiterführende Schule gehen, haben einen Schulweg von drei Stunden. Sie können allerdings unter der Woche in der Comunidad, in welcher sich die Schule befindet, wohnen.

Mein Name ist Clara und ich mache meinen Freiwilligendienst in Peru

Weihnachten habe ich hier in Peru ganz anders verbracht als sonst – und zwar mit der Großfamilie meiner Chefin, in Lima. Silvester verbrachte ich in Arequipa und war in der Winterarbeitspause insgesamt einen Monat mit zwei Mitfreiwilligen Reisen.

Eindrücke meiner Reise

Da werde ich jetzt nicht zu weit ausschweifen, weil es sich ja hier eigentlich nicht um einen Reisebericht handelt. Von Lima aus sind wir nach Paracas, einer kleinen Küstenstadt gefahren. Dort hat es mir sehr gut gefallen, einfach weil es ein so ruhiger schöner Ort am Meer ist. Dort haben wir unter anderem das kostbare Guano auf einer Insel gesichtet.

Danach ging’s nach Ica, einer Wüstenstadt. Die dort nahegelegene Oase und die Sanddünen waren zwar schön, aber der Tourismus hat mich dort schon sehr gestört. Eine Tour von dort aus durch die Wüste bis zu einem Canyon war da deutlich beeindruckender. Anschließend waren wir einen Tag in Nazca, haben zwei der berühmten Nazcalinien gesehen, auf einem Friedhof Mumien aus einer Zeit, lange vor uns, bestaunt und sind dann mit dem Nachtbus bis nach Arequipa.

Arequipa hat mir sehr gut gefallen. Dort haben wir Silvester gefeiert und von dort aus zwei Touren gemacht. Die Wanderung im Colca Canyon hat mir sehr gut gefallen. Wir haben sogar mehrere Kondore gesehen! Danach haben wir es dann auf den Chachani gewagt, einen 6000 Meter hohen Vulkan. Das war auf jeden Fall unglaublich anstrengend und eine Herausforderung, vor allem wegen der Höhe, aber ich bin superglücklich oben angekommen zu sein und konnte den Ausblick genießen.

 

 

Hola con todos!

Im September bin ich in Villa Rica angekommen. Die Stadt liegt auf fast 1500 m über dem Meeresspiegel und hat ca. 7000 Einwohner, jedoch sind diese Zahlen recht alt (1993). Ich wohne hier mit anderen Freiwilligen aus Deutschland und einigen peruanischen Mitarbeiter*innen in der Casa Atiycuy, in der sich auch die Büros befinden. In dem kleinen Garten leben eine Schildkröte, Kolibris und weitere Vögel und Schmetterlinge.

Aber nun zum Thema, was tue ich hier überhaupt? Ich arbeite als weltwärts-Freiwillige bei der NGO „Atiycuy Perú“, welche mit der deutschen Partnerorganisation „Chance e.V.“ zusammenarbeitet. Atiycuy Perú ist in mehrere Projekte aufgeteilt: COBIO mit dem Unterprojekt Reforestación, ANNA, EDA, Comunicación und CCNN mit den Unterprogrammen REYA und Zonificación.

COBIO steht für Conservación y Biodiversidad und arbeitet zusammen mit dem Wiederaufforstungsprogramm in den Konservationsgebieten „MeinRegenwald“ von Chance e.V.. Dabei handelt es sich um ca. 20.000 ha Primärregenwald im Besitz der Organisation, also fast komplett unerschlossenes Gebiet mit einer großen Artenvielfalt. Hier arbeiten die Programme mit der umliegenden Bevölkerung zusammen, um dieses Gebiet nachhaltig zu schützen.

ANNA ist das Patenkinderprogramm, welches sich für die Bedürfnisse der Kinder in den indigenen Gemeinschaften einsetzt und vor Ort psychologische und emotionale Betreuung sowie Bildung gewährleistet. Mit der Dokumentation und Förderung der kulturellen Identität der Yanesha (hier lebende indigene Gemeinschaften) setzt sich REYA auseinander, während EDA das Umweltbildungsprojekt ist. Dieses vermittelt über verschiedenste Veranstaltungen unterschiedlichen Zielgruppen in Villa Rica und den indigenen Gemeinschaften Wissen über die Natur, ihren Schutz und einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt.

Die Regenzeit hat angefangen…

 

Hola an alle, ich melde mich mit meinem zweiten Beitrag aus Peru

Mittlerweile ist Dezember und seit einigen Wochen hat hier die Regenzeit begonnen. In der Regenwaldregion Perus dauert der Sommer ungefähr von April bis Oktober mit wenig Regen, und ab November nehmen die Niederschläge stetig zu. Laut dem Modell des peruanischen Ministeriums für Meteorologie und Hydrologie (SENAMHI) können in einem Monat bis zu 800 mm Regen fallen, was ungefähr dem entspricht, was in Bochum innerhalb eines Jahres fällt. Ich arbeite hier unter anderem daran, die klimatische Situation in den Gemeinden, mit denen wir im Rahmen der Zonierung (was ich im ersten Beitrag ein wenig erklärt habe) zusammenarbeiten, zu analysieren. Direkte Wetterdaten von Stationen sind hier kaum verfügbar und oft nur eingeschränkt zugänglich, daher bin ich auf Modelle angewiesen, die unter anderem auf Satellitendaten basieren.

Der viele Regen hat natürlich auch Folgen, nicht nur für die Menschen in den Gemeinden, die diese teilweise kaum verlassen können, wenn die Flüsse zu hoch und die Strömung zu stark ist, um sie zu Fuß zu überqueren. Auch unser Arbeitsweg zu den Gemeinden wird schwieriger, je mehr Regen fällt. Die Straßen sind häufig nicht asphaltiert, sodass der Schlamm zur Herausforderung wird. Außerdem kommt es zu Erdrutschen und Bergstürzen, die die Straßen versperren können, sodass sie mehrere Stunden nicht befahrbar sind.

Die Flüsse steigen meist rasant an und führen nach starken Niederschlägen viel Sediment mit sich. Leider ist für viele Menschen in den Gemeinden häufig der einzige Zugang zu Wasser ein Fluss oder Bach, da es keine Frischwasserleitungen gibt. Im Rahmen unserer Arbeit haben wir daher auch eine Wasseranalyse eines Flusses in einer Gemeinde durchgeführt. Neben der qualitativen Analyse haben wir die Flüsse auch vermessen, um den Abfluss zu berechnen.

Abgesehen von den vielleicht etwas technischen Problemen steigt in der Regenzeit auch das Risiko für Erkrankungen, die vor allem von Mücken übertragen werden, wie z.B. das Denguefieber.

Außerdem haben wir ein paar Aufnahmen mit der Drohne gemacht und weitere Daten in der Gemeinde erfasst. Um die Bilder der Drohne später korrekt zu verarbeiten, haben wir Referenzpunkte markiert. Auf dem Bild sieht man den roten Punkt und den Kreis aus Kreide; ich speichere gerade die Koordinaten. Das andere Bild zeigt die Drohne und zwei Feuerwerkskörper. Wofür die sind? Anscheinend haben die Adler hier die Angewohnheit, Drohnen aus der Luft zu fangen, was weder für die Drohne noch für das Tier ein gutes Ende bedeutet. Daher haben wir, sobald wir einen Adler kreisen gesehen haben, den Feuerwerkskörper gezündet, um ihn zu verjagen.

HEIMKOMMEN

Und dann steht die Sonne plötzlich wieder im Süden und der Mond nimmt wieder von der richtigen Seite zu und ab. Wo ich vor einigen Tagen noch umgeben war von Regenwald, singenden Vögeln, fiependen Insekten und den bellenden Hunden auf den Straßen, dieser unglaublichen Biodiversität und all den Menschen, welche mich in den letzten Monaten begleitet haben, finde ich mich nun zwischen all dem fremden Bekannten wieder. Denn ich bin wieder in Deutschland, bin wieder „daheim“, bin wieder umgeben von all dem, was ich vor Monaten zurückgelassen habe, um meinen eigenen Weg zu gehen, fernab von meiner Familie, von meinen Freunden, von all dem Bekannten, um ein Abenteuer zu erleben, um neues zu sehen, um über mich selbst hinauszuwachsen, um zu leben. Und jetzt stehe ich an demselben Ort, wie vor einem halben Jahr als alles begann und erinnere mich an den Anfang zurück.

Ich stehe am Flughafen mit meinen Koffern, kurz vor dem Sicherheitsbereich und verabschiede mich von meiner Familie, das Herz so schwer, die Tränen laufen, und doch setze ich einen Schritt vor den anderen und mache mich schweren Herzens auf den Weg in das ferne, noch so unbekannte Peru. Ich habe nicht viel dabei, ein paar vereinzelte Worte Spanisch und ein kleines Päckchen Mut, welches mir in den kommenden Monaten so einige Male weiterhelfen wird.
Ich komme in Lima an, fühle mich sofort unwohl in dieser riesigen Stadt, der Verkehr ist so unübersichtlich, alles so groß und laut und erdrückend, so unfassbar fremd und weit weg von all dem Bekannten, von allem, an dem ich mich normalerweise festhalten würde. Doch hier bin ich zunächst allein. Ich verstehe die Sprache nicht, versuche mich mit Google-Übersetzter vom Flughafen zum Hostel durchzuschlagen, wo ich auf die anderen Freiwilligen treffe. Schon in den ersten Tagen in Lima verstehen wir uns blendend und wachsen schon bald nicht nur zu einem guten Team, sondern zu einer Familie zusammen, die sich gegenseitig Halt gibt und sich anspornt und immer ein offenes Ohr für den anderen hat.

Nach einigen ungewissen Tagen in Lima, vielen Telefonaten nach Hause, vielen Zweifeln, ob es die richtige Entscheidung gewesen ist, mich von meinen Füßen durch die Sicherheitskontrolle tragen zu lassen und nicht vorher kehrtzumachen und mich nicht auf all das hier, das Fremde und Ungewisse einzulassen, geht die Reise endlich weiter, ins ruhige Villa Rica, wo ich mich ab der ersten Sekunde so unfassbar wohl und aufgehoben fühle. Die Ankunft lässt viele meiner Zweifel, meiner Sorgen und Ängste verfliegen und weckt die Neugierde, die Aufregung, die Abenteuerlust in mir. Mit offenen Armen werden wir herzlichst empfangen, treffen auf eine weitere Freiwillige, auf unsere Chefin und Programleiterin und viele weitere Mitarbeitende und lernen das ganze Team ATIYCUY kennen. Natürlich ist es zu Beginn ein wenig überfordernd auf so viele fremde Gesichter zu treffen, die mich kennenlernen wollen, die mir Fragen stellen, zu meiner Familie, meinen Hobbies, meinen Lieblingsessen, doch mein Spanisch gibt zu diesem Zeitpunkt leider nicht viel mehr her als „Hola, me llamo Tamara y tengo 19 anos“.
Aus diesem Grund können wir in den ersten Wochen leider nicht sofort mit der Arbeit im Projekt starten, sondern machen uns erst einmal daran, unser Spanisch zu verbessern und die Sprachbarriere zu überwinden. Stück für Stück werden wir immer mehr ein Teil vom Team und der Familie ATIYCUY. Nach den ersten Wochen der Eingewöhnungsphase wurden wir unseren Projekten zugeteilt. Josua und Lara, zwei meiner Mitfreiwilligen, werden dem Kinderpatenprogramm ANNA und dem Kulturerhaltungsprogramm REYA zugeteilt, während ich neues Mitglied im Umwelterziehungsprogramm EDA werde.

Das Programm EDA

EDA kümmert sich vor allem darum, Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Villa Rica, den Centros Poblados und den Comunidades einiges zu verschiedenen Themen, welche die Umwelt betreffen, beizubringen. Beispielsweise werden verschiedene Workshops zu Themen wie Nachhaltigkeit, Kohlenstoffkreislauf, Rechte bei Verkauf von Holz und anderen Ressourcen, Ökosystemdienstleistungen, der Weg des Wassers und vieles mehr durchgenommen.
Alle Abläufe und Aufgaben des Programms auf Spanisch erklärt zu bekommen ist zu diesem Zeitpunkt zwar immer noch nicht ganz einfach, aber mit Nachfragen und selbstständigem Kombinieren kann ich doch einiges verstehen und von Anfang an viele Aufgaben und Verantwortung übernehmen. Ich versuche mich im Team einzubringen und meinen Koordinator Beder und Julio, seine Assistenten, bei ihrer Arbeit bestmöglich zu unterstützen. Von der Vorbereitung des Materials für die Workshops, über administrative Aufgaben im Büro, der Planung von Kostenvoranschlägen bis zur Dokumentation von Workshops bin ich für jede Arbeit, die anfällt, zur Stelle und darf meine eigenen Ideen und Vorstellungen stets in unsere Arbeit einfließen lassen.
Die ersten Ausflüge in die Comunidades stehen auch schon früh an. Tief im Regenwald darf ich auf Yanesha Dörfer treffen, mit welchen wir zusammenarbeiten, darf ihre Kultur näher kennenlernen, erfahren, wie sie vom Wald leben und wie der Wald sie mit allem versorgt, was sie für ihr Leben benötigen. Ich fühle mich ein weiteres Mal mit offenen Armen in Empfang genommen, bin fasziniert von der Lebensweise der Yanesha und denke viel über mein eigenes Leben nach.
Die Tage und Wochen und Monate streichen ins Land und ziehen nur so an mir vorbei. Ich finde mich wieder, wie ich durch die befahrenen Straßen Villa Ricas spaziere und den Trubel um mich herum genieße. Der Verkehr, ein einziges Chaos, lautes Hupen übertönt die Motorgeräusche. Ich treffe auf bekannte Gesichter, grüße im Vorbeigehen und fühle mich wohl in den mittlerweile so bekannten Straßen und Gassen. Ich lerne, mir durch einen Spaziergang oder eine Laufeinheit einen Ausgleich zu dem sonst so stressigen Arbeitsalltag zu schaffen, etwas abzuschalten und mich von den Geräuschen, vom Trubel um mich herum und von dem, was ich ganz tief in mir fühle und empfinde, tragen zu lassen.

7 Monate Peru – ein Fazit

Da sich mein Freiwilligendienst in Peru langsam dem Ende zuneigt, möchte ich heute meine Erfahrungen, Herausforderungen und mein Fazit mit euch teilen.
Die sieben Monate sind schneller verstrichen, als ich es zu Beginn erwartet hatte. Obwohl ich mir im Vorhinein sehr viele Gedanken zu meinen Plänen und Erwartungen gemacht habe, war hier doch vieles anders. Manche Ziele haben an Relevanz verloren, andere kamen dafür hinzu und wiederum andere habe ich eher nebenbei erreicht, als sie aktiv zu verfolgen.

Meine Herausforderungen

Während der ersten drei Monate war die Sprache meine größte Herausforderung. Die Erwartung, nach den sieben Monaten eine neue Sprache fehlerfrei zu beherrschen, habe ich recht bald aufgegeben. Am Anfang konnte ich mich kaum ausdrücken und verstand vieles auch nicht. Auch jetzt mache ich wohl noch des Öfteren grammatikalische Fehler oder verstehe bestimmte Wörter nicht, aber mit der Zeit habe ich vor allem in Gesprächen gelernt, mich immer besser zu verständigen und konnte große Fortschritte machen.
Eine weitere persönliche Herausforderung war für mich das Essen hier. Zugegebenermaßen habe ich weniger „exotische“ Speisen probiert als ich erwartet hatte, aber dennoch war es eine Umstellung, da ich es hier als Vegetarierin nicht leicht gehabt habe. So habe ich es nach ein paar Monaten aufgegeben, meine Ernährungsweise ohne Fleisch beizubehalten.
Zu Beginn fand ich es auch schwierig, mich den Bedingungen anzupassen, die in den indigenen Dörfern dem normalen Lebensstandard entsprechen, wie beispielsweise dem Fehlen von fließendem Wasser oder von Toiletten. Nach den ersten Monaten konnte ich mich jedoch auch daran gewöhnen und so wurden die Fahrten in die Dörfer auch zunehmend entspannter für mich.

Ein Tag in meinem peruanischen Zuhause

5.30 Uhr, der laufende Motor eines Autos reißt mich aus dem Schlaf. Kurz darauf höre ich die Haustürklingel. Ich ignoriere sie gekonnt und hoffe noch im Halbschlaf, dass sich schon jemand erbarmen wird aus dem Bett zu kriechen, um die Tür zu öffnen.  Bevor mein schlechtes Gewissen beginnt mich noch im Schlaf zu plagen, höre ich, wie die Haustür mit einem lauten Klickgeräusch aufspringt. „Gracias Fenja, Gracias!“ bedanken sich die Stimmen. Kurz lausche ich dem Gewusel und den Stimmen im Büro unter mir, höre wie noch in letzter Eile der Drucker betätigt und Materialien zusammengesucht werden, bevor das Haustürschloss noch einmal laut klickt und die Stimmen, gemeinsam mit dem lauten Motorengeräusch, in der Ferne verschwinden.
Eines der Programme hat sich wohl gerade in aller Früh, auf den Weg zu einem der Yanesha Dörfer gemacht, um dort einen Workshop oder ähnliches mit den Comuneros, also den Dorfbewohner:innen durchzuführen. Ich genieße in diesem Moment aber die Gewissheit, noch ein paar Stunden schlafen zu können, bevor mein Wecker mich unermüdlich aus dem Schlaf klingeln wird.

7.30 Uhr, mein Handy vibriert und versucht, mich mit diesen unangenehmen Geräuschen zu wecken. Verschlafen strecke ich meinen Arm danach aus und drücke ohne weiter darüber nachzudenken die Schlummertaste. Weitere 10 Minuten später versucht es mein Handy nochmals. Diesmal mit mehr Erfolg. Immer noch verschlafen und benebelt vom Traum, steige ich vorsichtig meine Hochbettleiter hinunter. Mein Fuß rutscht ab und ich kann mich im letzten Moment noch fangen, bevor mir der Boden immer näherkommt. Dieser kleine Schock am Morgen reißt mich vollends aus meiner Traumwelt und bringt mich in die Realität dieses heutigen Tages.

Ich richte mich kurz im Bad und dann folgt auch schon der morgendliche Besuch in der Küche bei Lindy, die schon fleißig damit beschäftigt ist, das Frühstück herzurichten. „Buenas Días, Tamara“, begrüßt mich ihre freudige Stimme. „¿Podrías ir a comprar el pan?“, frägt sie mich. Keine 2 Minuten später mache ich mich auch schon auf den Weg zur nächsten Bäckerei, um Semmeln für das Frühstück zu holen. Von der ruhigen Nebenstraße, in welcher sich das Casa ATIYCUY befindet, wechsele ich auf die am nächsten gelegene Hauptstraße. Der Lärm und das Chaos, die vielen Autos und Mototaxis treiben den letzten Rest Müdigkeit aus mir heraus. Nach dem Besuch bei der Bäckerei schaue ich auf dem Rückweg noch bei einem Gemüsestand vorbei, um zwei Avocados zu kaufen, wie Lindy es mir aufgetragen hat. Die Verkäuferin erkennt mich schon von Weitem und bringt mir ihr strahlendes Lächeln entgegen, als ich mich ihrem Stand nähere. „¿Cuántos paltas quieres?“, fragt sie mich, wohlwissend, dass ich für die Avocados hier bin. Ich unterhalte mich kurz mit ihr und setze kurz darauf, mit Avocados im Gepäck, meinen Rückweg fort. Wie schön es doch ist, immer mehr ein Teil von diesem fremden Ort zu werden, einst so fremde Gesichter auf der Straße wiederzuerkennen und selbst erkannt zu werden, denke ich mir. Wieder zurück sitzen die anderen Freiwilligen sowie ein paar der Mitarbeiter:innen schon am Tisch und haben bereits mit dem Frühstücken begonnen.

8.30 Uhr (oder eher 9.00 Uhr) Vom Frühstückstisch mache ich mich auf den Weg ins Büro, starte den Computer, checke E-Mails und übernehme schon mal ein paar morgendliche Aufgaben, während ich auf meinen Projektkoordinator Beder warte. Nach seinem Eintreffen informiere ich mich darüber, was denn heute alles so ansteht und welche Aufgaben mir zu Teil werden. Beder nimmt sich ein Blatt zur Hand und schreibt, oder wohl eher skizziert auf, was heute alles zu erledigen ist. Ob ich das alles später noch entziffern kann, steht aktuell noch in den Sternen, aber mit diesem Problem kann sich mein Zukunfts–Ich in zwei Stunden befassen. Mein aktuelles Ich macht sich erst einmal daran, alle Belege und Kassenzettel der letzten Woche zu sammeln, zu überarbeiten und die Ausgaben mit Bildern zu belegen. Daraufhin wechsele ich vom Computer auf meinen Laptop und beginne, die Präsentation für den Club Ecológico, der sich am Samstag wie jede Woche im Casa ATIYCUY treffen wird, vorzubereiten. Diese Woche sprechen wir über „Pérdida del bosque y el calentamiento global“, das heißt, wir bringen den Jugendlichen aus Villa Rica und dem nahe gelegenen Dorf Ñagazu etwas über den Zusammenhang zwischen Waldverlust und Klimawandel bei. Die Zeit fliegt nur so dahin, die vormittägliche Müdigkeit, welche vor kurzem noch in der Luft hing, wird von dem Duft des Mittagessens vertrieben. Was hat Lindy wohl heute leckeres gezaubert? Salsa de Maní vielleicht? Ein Blick in die Küche verrät mir, dass ich falsch liege, aber zu Falafel mit Reis und den verschiedensten Soßen sage ich auch nicht nein.

„Come, come!“ fordert mich unsere Chefin Eli auf, mir einen Nachschlag von dem Essen zu nehmen. „No gracias, tengo buchisappa“, gebe ich wohlgesättigt zurück, bevor ich mich kurz darauf auf die Suche nach etwas Ruhe mache. Eine Tasse Kaffee, ein bequemer Sessel und die Aussicht auf verschiedenste Vogelarten, welche munter zwitschernd von Ast zu Ast hüpfen. Für einen kurzen Moment des Tages halte ich den Atem an und genieße die Stille. Kein Gewusel um mich herum, keine Unterhaltungen, kein Druck erreichbar und einsatzfähig sein zu müssen. In dieser Minute muss ich nicht für jede Situation gewappnet sein. Es gibt kein Chaos, nur mich und die Ruhe um mich herum, die hin und wieder von dem Bellen der Hunde durchbrochen wird.
Ich atme durch, nehme einen Schluck meines Kaffees und vergesse für einen Augenblick den Stress und die Arbeit. Eine Nachricht nach Hause oder ein kurzer Anruf helfen mir in diesem Moment abzuschalten und neue Kraft zu tanken, die ich für den Nachmittag vermutlich noch brauchen werde.

Als Freiwillige bei Atiycuy Perú

Hi,
mein Name ist Lara. Ich verbringe gerade meinen weltwärts-Freiwilligendienst bei der NGO Atiycuy Perú im peruanischen Regenwald und möchte euch heute mal ein bisschen von der Arbeit hier erzählen.

Vor meiner Ausreise haben mir viele Menschen in meinem Umfeld die Frage gestellt: „Was genau wirst du nochmal in Perú machen?“ und mir ist es immer sehr schwer gefallen, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Auch die ehemaligen Freiwilligen hatten Probleme damit, mir genau zu sagen, was mich hier erwarten wird. Wie ich festgestellt habe, liegt das nicht nur daran, dass Atiycuy viele verschiedene Arbeitsbereiche hat, sondern auch daran, dass die täglich anfallenden Aufgaben sehr unterschiedlich sein können.
Allgemein lässt sich sagen, dass sich Atiycuy für eine gesamtheitliche, nachhaltige Entwicklung im Regenwald einsetzt. Zusätzlich gibt es insgesamt sieben Programme.

Acompañamiento de Niños, Niñas y Adolescentes (ANNA) ist das Kinder- und Patenschaftsprogramm von Atiycuy, welches Kinder und Jugendliche aus hilfsbedürftigen Familien begleitet und Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung und Stärkung des Selbstbewusstseins veranstaltet. Auch unterstützen sie in Notfällen zum Beispiel durch Spenden.

Educación Ambiental (EDA) veranstaltet Workshops und Vorträge für unterschiedliche Zielgruppen, darunter Jugendliche und die Bewohner:innen der nativen Dörfer, um über Umweltschutz und Nachhaltigkeit aufzuklären.

Conservación y Biodiversidad (COBIO) ist für das „Mein Regenwald“- Naturschutzgebiet zuständig. Unter anderem sammeln sie Daten über die Biodiversität und dokumentieren die Tiere in dem Gebiet mit Wildkameras.

Reforestación (REFOR) ist ein Unterprogramm von COBIO und für die Wiederaufforstung in verschiedenen Walgebieten zuständig.

Das Programm Communicación ist vor allem für die Erstellung von Posts für die sozialen Medien und die Bearbeitung von Foto- und Videomaterial zuständig.

Comunidades Nativas (CCNN) hat zum Ziel, die Dorfgemeinschaften der Yanesha, einer indigenen Bevölkerungsgruppe im peruanischen Regenwald, in ihrer Entwicklung zur Selbständigkeit und dem Erarbeiten einer Dorfverfassung zu unterstützen, die ihnen hilft, ihre Autonomierechte durchzusetzen.

Rescate Yanesha (REYA) ist das Programm, in dem ich mithelfe. Unsere Arbeit hat zum Ziel, die Yanesha wieder in der Auslebung ihrer Kultur zu stärken, da diese in großen Teilen durch die Kolonialisierung und die spätere Vertreibung in den 70er Jahren verloren gegangen ist. Darum veranstalten wir regelmäßig Workshops in den Comunidades, wo wir mit den Comuneros Stoffe mit natürlichen Materialien färben, Holz schnitzen, weben oder Cushmas, die traditionelle Stammeskleidung, herstellen. Auch der Sprachunterricht ist ein wichtiger Teil unserer Aufgaben.

Die Möglichkeiten bei Atiycuy

Liebe Leser,

dies ist mein Bericht über den ersten Monat, den ich hier in Peru verbracht habe.

Nach einem schweren Abschied am Münchner Flughafen und einem entspannten Tag im Flugzeug sind wir spät am Abend in Lima angekommen. Dort wurden wir abgeholt und in unser Hostel in dem touristischen Stadtteil „Miraflores“ begleitet. Am nächsten Morgen, der Morgen des 01.02.2023, hat uns die Nichte der Chefin des Programms durch Miraflores begleitet, wir haben peruanische SIM-Karten gekauft und die Tempelruine „Huaca Pucllana“ mitten in Miraflores besucht. Auch habe ich meine ersten peruanischen Gerichte wie „Causa de Pollo“ oder die süßen „Bombitas“, also sogar auch dem Namen nach echte Kalorien“bömbchen“, probiert. Am Freitag hatten wir einen Termin in der deutschen Botschaft in Lima und haben ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit Martina Driess führen können. Sie ist zuständig für die deutschen Freiwilligen in Peru.

Die Weiterfahrt nach Villa Rica

Unsere ersehnte Weiterreise nach Villa Rica hat sich leider ein wenig hinausgezögert, weil die Busgesellschaft, mit der wir reisen wollten, ihre Fahrten wegen der Proteste vorübergehend eingestellt hat. Deswegen hat uns ein Fahrer aus Villa Rica abgeholt. Dieser ist aber bei der Andenüberquerung auf über 4.500 Metern im Schnee steckengeblieben und somit mit 12 Stunden Verspätung erst in Lima eingetroffen. Also sind wir erst am Montag, den 06.02.2023 um 4:30 Uhr losgefahren, insgesamt drei Tage später als geplant. Die Strecke war wunderschön und führte aus Lima hinaus, direkt in die Berglandschaft der Anden. Nach vier Stunden Fahrt haben wir den höchsten Punkt des Passes mit circa 4.650 Metern erreicht. Ab diesem Punkt konnten wir von der Straße aus immer wieder Alpakas, Lamas und Vikunjas beobachten. Als die Höhenmeter wieder abgenommen hatten, bin ich für eine halbe Stunde eingenickt und habe mich, als ich wieder aufgewacht bin, mitten in der Selva Alta, den Bergregenwäldern, wiedergefunden. Und nach insgesamt zehn Stunden Fahrt haben wir das Projekthaus Casa Atiycuy in der kleinen Stadt Villa Rica erreicht.

Das Einleben

Hier in Villa Rica wohnen wir zusammen mit anderen Mitarbeitenden von Atiycuy in dem Projekthaus. Hier haben wir unsere Zimmer und bekommen Frühstück, Mittagessen und Abendessen von der Köchin Lindy aufgetischt. Es gibt auch einen sehr schönen Garten, in dem einheimische Pflanzen wachsen. Da das Spanisch von mir und meinen Kameradinnen noch nicht ausreichend ist, damit wir uns effektiv im Projekt einbringen können, hat die Chefin, Elizabeth, Spanischunterricht für uns organisiert. So waren die ersten Wochen von intensivem Lernen geprägt. Am 22.02.2023 hat uns dann endlich jeder der Koordinatoren der verschiedenen Programme Atiycuys eine Einführung in seinen Bereich gegeben, sodass wir uns entscheiden konnten, wo wir uns nützlich machen wollen.

Gringa in Cushma

5:27 Uhr am Morgen, mein Handy klingelt, während ich bereits meine Tasche packe. Noch recht verschlafen gehe ich dran und die Stimme meines Chefs begrüßt mich mit einem: „Hola Fenix, buen día. Vamos!?“. Ich öffne ihm die Tür, frage standardmäßig, ob ich heute wohl Gummistiefel brauche oder nicht, wir packen im Büro alle Materialien zusammen und machen uns auf den Weg.
Heute ist ein wichtiger Tag, denn es steht eine Vollversammlung in der indigenen Gemeinschaft (Comunidad) ‚San Gerónimo‘ an. Die letzte Versammlung für die Erarbeitung der dorfeigenen Verfassung, dem Estatuto.

Nach einer einstündigen Wanderung kommen wir mit nassen Füßen in der Comunidad an und werden bereits von einigen Comuneros erwartet und herzlich begrüßt. Wir sind früh dran, sodass wir uns bei einer Tasse frischem Ananas-Wasser kurz ausruhen können. Da kommt Dina, die Dorfälteste, und reicht mir eine ihrer Cushmas, die traditionellen Gewänder der Yanesha. Sie möchte gerne ein Bild mit ‚der Gringa in Cushma‘ machen. Ich freue mich darüber, noch nie habe ich eine Cushma getragen und dass ich eines ihrer Gewänder tragen darf, die sie mit viel Arbeit selbstanfertigt, ist nicht selbstverständlich. Die Kleidung und der dazugehörige Schmuck haben eine große Bedeutung für die Yanesha und sind Ausdruck ihrer kulturellen Zugehörigkeit.

Nach und nach kommen noch mehr Mitglieder der Gemeinschaft und der Amchatareth, der Dorf Chef, beginnt mit seiner Begrüßung. Er betont, wie wichtig das Estatuto für die Comunidad sei und zeigt sich dankbar für die Begleitung von Atiycuy. Es ist üblich, dass auch jede:r aus unserem Team einige begrüßende Worte an alle Teilnehmenden richtet, bevor unsere Anwältin mit dem Workshop beginnt. Es werden noch einmal einige Artikel verlesen, letzte Änderungen besprochen und diskutiert. Ein Vater-Sohn-Duo fällt dabei besonders positiv auf: Der Vater kann nicht lesen, sodass der Sohn ihm zu Hause jeden einzelnen Absatz des Verfassungsentwurfes vorgelesen hat, um gemeinsam zu überlegen, was noch unklar ist und wo etwas geändert werden könnte. Das zeigt, wie viel ihnen ihre Kultur und deren Erhaltung bedeuten. Das Ergebnis ihrer Bemühungen tragen sie also dem Rest des Dorfes vor und am Ende des Tages sind alle Sorgen und Zweifel aus dem Weg geräumt. 15 Kapitel, 58 Artikel und mehr als zwei Jahre Arbeit stecken in der Dorfverfassung – für die Comunidad ein großer Schritt in Richtung Autonomie und Selbstverwaltung. Der Prozess des Estatutos ist nun in fast allen Yanesha-Gemeinschaften, mit denen Atiycuy zusammenarbeitet, abgeschlossen. Auf dieser Grundlage kann die Dorfentwicklung, unter anderem im Hinblick auf eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen, weitergehen, sodass die Yanesha auch in Zukunft in ihren Gemeinschaften leben können.