Ein Jahr und drei Monate ist es her, dass ich in der wunderschönen Stadt Berlin, der Hauptstadt von Deutschland angekommen bin. Mein erster Eindruck von Berlin war toll, mit vielen Vorstellungen, was mich wohl erwarten wird. In dieser Zeit habe ich viel erlebt. Einige Momente waren nicht so gut und andere waren so schön, dass ich nicht wollte, dass sie enden. Ich hatte Zeit, Freunde zu verabschieden, neue Freunde zu finden, zu lachen aber auch zu weinen und Zeit, um zu lernen und um neue Orte zu entdecken oder auch einfach, um Zuhause zu entspannen.

Eindrücke aus der Hauptstadt

In der Hauptstadt von Deutschland zu leben, war eine große Bereicherung mit vielen spirituellen, emotionalen und menschlichen Herausforderungen. Ich habe viele Situationen erlebt, für die ich mich noch nicht bereit gefühlt habe, aber das ist hier für viele nicht interessant. Um das zu begreifen, habe ich sehr lange gebraucht und obwohl wir in einem Industrieland leben, fehlt es vielen Leuten an der Deckung ihrer Grundbedürfnisse. An diesen Tagen endet eine Jahreszeit, die Tage werden kürzer, der Herbst kommt. Die Blätter der Bäume wechseln ihre Farbe und man kann Schritt für Schritt sehen, wie der Herbst die Stadt übernimmt und sich die Menschen für den Winter vorbereiten.

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Es war eine Zeit in meinem Leben, in der ich dem nachgehen konnte, was mir am meisten Spaß macht. Zudem war es aufregend, Teil einer anderen Art von Leben in einer jungen Generation zu sein. Etwas, was sich so einfach anhört und jeder machen kann, aber in einer Stadt wie Berlin und allgemein auf der Welt Stück für Stück verloren geht, ist das Konzept von Gemeinschaft. Daraus folgt, dass viele Menschen die Hilfsbereitschaft anderer nicht zu schätzen wissen und die hilfsbereiten Menschen nicht wahrnehmen. Anstatt mich über diese Umstände aufzuregen, gelingt es mir mittlerweile die meisten davon positiv zu sehen.

Viele Personen fragen mich nach meiner Zeit in Deutschland, einige sagen mir, dass es hier (in Deutschland) allen Menschen gut geht und niemand Hilfe braucht, vor allem nicht von einem Costa-Ricaner, der das „Pura Vida“ verbreiten möchte. Andere Deutsche sagen mir, dass ich lieber die Natur in Costa Rica genießen sollte, anstatt mich dem Stress einer Großstadt auszusetzen. Aber all die Zweifel und Kritik nehme ich nicht ernst und ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sowie auf die angenehme Zeit, die ich in München verbringen durfte. Ich war voller Adrenalin; ich konnte endlich auf der berühmten Welle mitten in der Stadt surfen. Eine wunderschönen Stadt, voller Magie, sehr netten Bewohnern und einer interessanten Kultur. Das alles (und das leckere essen) macht München zu einer Stadt, die man gesehen haben muss.

Andererseits weist mich das Großstadtleben in Berlin jeden Tag aufs Neue auf die Gefahr der Pauschalisierung hin. Jeder Mensch hat etwas Besonderes, das ihn ausmacht. Wir dürfen nicht denken, dass jeder Mensch gleich ist und so handelt wie wir es aufgrund unseres kulturellen Hintergrunds erwarten. Nur weil du andere Bedürfnisse oder Probleme hast, macht es dich nicht schlechter oder besser als andere Menschen.

Wir sollten mehr Empathie und Barmherzigkeit für jedes Individuum entwickeln, welches unseren Weg kreuzt. Denn niemand von uns weiß was uns in Zukunft erwartet. Wir müssen uns über die existenziellen Bedürfnisse dieses Jahrhunderts bewusst werden, um so unseren Mitmenschen zu helfen und Hoffnung zu schenken.

Ahora es el tiempo para brindar esperanza no te quedes con ese miedo de compartir optimismo. De salir y levantar la bandera de la esperanza aun cuando muchos han fallado siempre debemos llevar un nuevo

Kapstadt, Südafrika, Samstag, 05.10.2019

Zweiter Monat hier.

Es ist Samstag Abend, die Sonne ist gerade hinter dem Tafelberg verschwunden. Ich liege auf meinem Bett und beobachte die tausend flackernden Lichter, die vom Fuß des Berges bis zu mir leuchten. Ein paar Sterne sind schon zu sehen, und der Mond, der, von hier aus betrachtet, ganz anders aussieht, als von Deutschland aus. Irgendwie umgedreht.

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Seit einem Monat lebe ich nun in Kapstadt, Südafrika. Was sich in den ersten zwei Wochen angefühlt hat wie ein längerer Urlaub, ist nun mein Leben geworden. Es ist unglaublich, wie schnell man sich an etwas gewöhnen kann! Was am Anfang so fremd und ungewohnt war, ist jetzt mein Alltag.

Ich lebe in Tijgerhof, Milnerton, was so ungefähr 20 Minuten Autofahrt vom Kapstadt- Zentrum entfernt liegt. Man kann sich Kapstadt ein bisschen vorstellen wie ein riesiges Hamburg. Naja, nur ein bisschen. Das wäre der einzige Vergleich, den ich bis jetzt ziehen konnte. Kapstadt ist so vielfältig, dass mir keine andere Stadt einfällt, die so atmet wie Kapstadt.

Aufregende Eingewöhnung

Manche Reiseführer sagen, erst hinter dem Tafelberg, erst hinter Kapstadt beginne das „richtige Afrika“. Ich kann sagen, ja Kapstadt ist schon sehr europäisch. Der bekannte Kulturschock am Anfang blieb bei mir erst mal aus. Als ich aus dem Flugzeug stieg, war es regnerisch und kalt, Winter eben. Das war komisch, weil, als ich in Berlin ins Flugzeug einstieg, Sommer war. Somit waren meine ersten Tage hier ziemlich kalt für mich, ich habe nämlich keine Wintersachen eingepackt, weil ich dachte, es wird ja eh bald Sommer. Und so kalt kann der Winter in Südafrika ja nicht sein. Falsch gedacht. Zum Glück habe ich eine sehr liebe Gastfamilie, die mir tatsächlich eine Heizung ins Zimmer gestellt hat!

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, in dem ich mein neues Zuhause betreten habe und dachte Wow, hier wohne ich jetzt ein halbes Jahr. Das war ein positives Wow, denn mein Zimmer ist wirklich gemütlich. Wie gesagt, man kann den Tafelberg vom Bett aus sehen!

Ich bin sehr dankbar, dass meine Gastmutter Liz mich gleich unter ihre Fittiche genommen hat und mir alles gezeigt hat, was ich brauche! Den Weg zum Meer, die Busroute zum Hafen und wo ich überhaupt risikofrei hingehen kann. Das Wetter ist nämlich nicht das Einzige, was ich unterschätzt habe. Kapstadt zählt zu den gefährlichsten Städten der Welt. Das habe ich mittlerweile auch schon zu sehen bekommen.

Wenn man aus dem familienfreundlichen Schöneberg – Kiez in Berlin kommt, kann man sich das einfach nicht vorstellen. Ich darf hier nachts die Fenster nicht aufmachen, weil jemand von außen an der Fassade hochklettern könnte und durchs Fenster direkt in mein Zimmer gelangen würde. Ist hier alles schon passiert. Und Tijgerhof, Milnerton gehört schon zu den sicheren Gegenden hier! Trotzdem haben alle Zäune Stacheldraht, die Fenster im Erdgeschoss sind vergittert, und die Türen haben ein extra Schiebegitter. Es wird auch rund um die Uhr alles abgeschlossen. Gärten gibt es wenig hier. Das hat mich ziemlich schockiert am Anfang, dass ich jetzt so in meiner Freiheit eingeschränkt bin. Raus gehen wann man will? In Berlin kein Problem. In Kapstadt geht man sobald es dunkel wird niemals allein vor die Tür. Hingehen wo man will? In Berlin möglich, auch wenn man im Grunewald vielleicht mal kritisch gemustert wird oder in Prenzlauer Berg in der Masse verschwindet. In Kapstadt könnte man niemals überall hingehen. Es gibt sogenannte Townships hier, die damals von der Regierung errichtet wurden, um die Bevölkerung zu unterteilen. So gibt es jetzt noch immer „Black“ und „coloured“ Townships. Die Menschen wurden hier in white, coloured und black unterteilt und diese Unterteilung spürt man immer noch.

Ich kriege das beides mit, meine Gastfamilie ist nämlich „coloured„ und spricht neben Englisch auch Afrikaans, was ein bisschen wie eine Mischung aus Niederländisch und Deutsch klingt. Ich arbeite im Township Langa, wo „Black People“ leben, die neben Englisch auch Xhosa sprechen. Das ist eine Art Klick- Sprache, und man muss viel mit der Zunge schnalzen, um das zu sprechen. Ich kann bis jetzt nur ein paar Wörter. Es ist unglaublich schwer, Xhosa zu verstehen, weil man es irgendwie mit keiner anderen Sprache vergleichen kann. Da ist Afrikaans leichter zu verstehen!

Meine Arbeit:

Wie gesagt arbeite ich in Langa, bei der Organisation ,,Just Grace“, die den Schülern in Langa hilft, gute Abschlüsse zu machen und sich zu engagieren. Wir sitzen auf dem Gelände der Langa Highschool, es gibt aber noch andere Schulen in Langa. Alle Schüler die in Langa leben oder dort zur Schule gehen, können sich bei ,,Just Grace“ bewerben und dann das Programm nutzen. Wir arbeiten im Büro und wenn die Schüler Schulschluss haben, kommen sie zu unseren verschiedenen Sessions. Da gibt es den Buchclub, das Computertraining, die Hilfe beim Bewerbungen schreiben und Hilfe beim Lernen und Hausaufgaben machen. Außerdem finden viele verschiedene Workshops und Projekttage statt und zweimal die Woche wird für alle gekocht. Wir haben Schüler von der 9. bis zur 12. Klasse bei uns im Programm. Ich leite momentan den Buchclub und helfe bei verschiedenen Sessions und habe schon einen Kunst-Workshop gegeben! Man kann eigentlich alles anbieten, was einen interessiert oder worin man gut ist, und dann gemeinsam mit den Schülern ausprobieren.

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Ich arbeite Montag bis Freitag und habe einen Fahrer, der mich jeden Tag zu ,,Just Grace“ bringt und wieder abholt. Mit dem Bus nach Langa zu fahren wäre für mich leider zu gefährlich.

An den Wochenenden habe ich bis jetzt immer viel mit meiner Gastfamilie unternommen. Ich habe schon viel gesehen aber noch lange nicht alles! Kapstadt ist so vielseitig, die Natur, die Menschen und auch das Wetter. Manchmal sind an einem Tag alle vier Jahreszeiten!

Ich lerne und erlebe jeden Tag etwas Neues und das liebe ich so! Mein zweiter Monat hier hat gerade angefangen und der Frühling ebenfalls! Es wird immer wärmer und bald wird hier alles anfangen zu blühen. Es gibt hier sogar wilde Feigen, die einfach so am Straßenrand wachsen. Und Palmen natürlich auch! Ich bin wirklich gespannt wie es hier weitergeht. Ich möchte unbedingt einen weißen Hai sehen, es gibt hier Gebiete wo das möglich ist. Robben sieht man hier im Atlantik öfter und ich habe tatsächlich auch schon einen Wal gesehen, ganz am Anfang meiner Reise.

Wir werden sehen wie es weitergeht, ich schreibe alles in mein Notizbuch und berichte so oft es geht auf diesem Blog! Ich weiß, das war ein ziemlich langer Eintrag, aber es ist schwer, einen Monat zusammenzufassen. Einen Monat, an dem man jeden Tag, jede Sekunde etwas Neues sieht und erlebt.

Wer auch immer das alles gelesen hat, jetzt hast du einen kleinen Einblick in mein Leben hier und was dieser eine Monat schon mit mir gemacht hat.

Auf bald, und Küsschen aus Kapstadt,

Leonie Rehnus

Es war nicht nur die Spur eines vergangenen Traums, dieser Idee, die ich schon immer hatte, nach Deutschland zu gehen und sehen wie das Leben in dem anderen Teil der Welt ist. Ich hatte mir schon seit ich klein war gedacht, irgendwann muss ich unbedingt nach Deutschland gehen. Aber falls eines Tages dein Traum in Erfüllung gehen sollte, gibt es etwas, dass du besonders beachten muss.Schon als ich in Berlin ankam waren meine Emotionen vielfältig, wie ein unendlicher Regenbogen in meinem inneren. Einerseits die gefühlten Gedanken flossen wie aus einer Wasserbrunnen, ungeachtet ob ich tausenden Kilometern entfernt von meiner Heimat, meine liebe Familie und alle meine Freunde war. Es habe gefürchtet, dass ich neue Freunde, eine neue Kultur und eine neue Sprache lernen sollte. Allerdings war ich neugierig für die Ereignisse, die auf mich während der Bundesfreiwilligenjahr zukommen wurden.Obwohl alles erstaunenswert war, der Kulturschock fing verschiedenen Ebenen von meinem Leben. Ich habe Momente erlebt in dem ich einfach zurückgekehrt habe. Alle Menschen, die jemals lange gereist sind, wissen wovon ich rede. Ein Punkt wo einem nur nach Hause gehen will. Zu mein Glück war nur ein kurzer Zeitraum. Langsam lerne ich schweigsam gegenüber Umständen zu werden sowie meine Gefühle positiv zu lenken. Unbeachtet von wie schwer es seien kann, versuchte ich es. Es ist schwer hier in Deutschland Menschen zu finden die mich gut verstehen, schwer, aber nicht unmöglich. Und es ist ein Sieg für mich diejenigen gefunden zu haben, die es auch können und wollen. Trotzdem fühle ich mich wie die Kulturelle Kälte sich auf die Straße spüren lässt.Langsam verbessere ich mich und fühle mich angenehmer auf der Arbeit, nach Hause und auf die Berliner Straßen. Ich lerne neue Leute kennen. Heutzutage kann ich die öffentlichen Verkehrsmittel genießen ohne die Sorge ob ich mich verlauft habe oder schon aussteigen soll. Einer der Sachen die mich am meisten wundern ist die Anpassungsfähigkeit der Menschheit. Außerdem lernte ich viele neue Orte kennen, Orte, die ich schon immer aus dem Bildschirm konnte. Beispielsweise wollte ich schon immer den Potsdamer Schloss Sanssouci besuchen, oder der Alexanderplatz.Besonders was mich gefreut hat, ist der Tag an dem ich ein Folklorischer Costa-Ricanischer Tanz Art vor vielen Leuten machen. Das hat mir viel Freude bereitet und ich war Stolz meine Heimat repräsentieren zu dürfen. Ich fühle wie mein Herz vor Glück fast geplatzt ist.

Die Jugendarbeit erinnert mich täglich warum ich hier bei Visioneers bin. Ich liebe es sehr für sie zu kochen, helfen und allgemein für denen dort sein. Es ist auch sehr schön zu sehen wie hilfsbereit die Jugendliche sind und mir sogar bei Deutsch lernen helfen. Obwohl ich die deutsche Sprache schon in Costa Rica lerne, fehlt mir noch etwas einiges, um mich gut kommunizieren zu können. Dafür ist die Jugendliche sehr nett und hilfsbereit. Zurzeit arbeite ich in ein Projekt der versucht die englische Sprache verschiedener Menschen beizubringen, wo die verschiedener individueller lerntypen angesprochen werden. Diese Sonderachtung der verschiedenen Lerntypen finde ich Fundamental für die verschieden Altersgruppen, die hier in Weltwärts behandelt werden. Die Jugendarbeit ist eine meiner größten Motivationen, um hier zu sein. Es bestätigt sich, dass ich zu Erzieherin geboren bin, und möchte es auf jeden Fall für die Jugendliche betrieben.Für dieses Jahr werden sowohl meine Fähigkeiten als auch meine Anpassungsfähigkeit getestet. Mir geht es an manche tagen sehr schlecht und plötzlich scheint die Sonne wieder. Ich habe auch die Bedürfnisse verschiedener Menschen erkannt, die unentdeckt blieben und versucht ihnen zu helfen. Zum Schluss kann ich noch sagen, dass Gott mir nicht nach Deutschland geschickt hat, nicht um meine eigenen Träume zu realisieren, sondern um andere Menschen zu helfen. Anders gesagt hat Gott durch mich versucht zwei Fliege mit einer Klappe zu schießen. Ich bedanke mich sehr für diese Gelegenheit, und ich merke wie nötig die Krisen sind, um zu erkennen wann Wunder entstehen. Dieses Verfahren bringen einem zu den Blüten und wachsen, und machen mir zu einem besseren Menschen, und erweitern meinen Horizonten.

Über elf Monate in Costa Rica sind vergangen. Ich kann es noch gar nicht glauben. Mir bleiben nur noch drei Wochen und ein ganzes Jahr ist rum.

Ich höre die Uhr schon ticken…Tick Tack..Tick Tack..

Ich glaube, was dieses Jahr alles mit mir gemacht hat, werde ich erst begreifen, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Auch wenn ich versuche im Hier und Jetzt zu sein, bin ich in Gedanken schon oft in Deutschland. Ich glaube, es ist also ein guter Zeitpunkt zurückzublicken, Erlebnisse und Eindrücke Revue passieren zu lassen, zu reflektieren und sich zu fragen, ob Erwartungen erfüllt, übertroffen oder enttäuscht wurden.

Vor meiner Abreise habe ich es mir zum Ziel gemacht, in Costa Rica ein zweites zu Hause zu finden. Einen Ort, an dem mir die Türen offenstehen und an den ich immer wieder zurückkehren kann. Etwas, das ich in diesem Jahr geschafft habe und etwas, das den Abschied besonders schwierig macht.

Ich muss sagen, dass die letzten Tage und Wochen ein Wechselbad der Gefühle für mich waren:

Einerseits freue ich mich so sehr darauf meine Familie und Freunde wieder in die Arme schließen zu können, dass es Momente gibt, in denen ich vor Vorfreude explodieren könnte. Endlich wieder Currywurst Pommes im Bochumer Bermudadreieck essen oder einen der langen Sommerabende bei einem kühlen frisch gezapften Bierchen am See genießen.

Andererseits liegt auch immer ein bisschen Traurigkeit in der Luft. Der Abschied von den anderen Freiwilligen, den Mentoren und eigentlich allen, die einen das Jahr über in Costa Rica begleitet haben wird nicht leicht.

Sich verabschieden von Reis und Bohnen, Kochbananen, tropischen Früchten und den daraus gemachten Batidos… Adiós Tropen, Adiós tropische Regenfälle und Hitze, Adiós Strand, Adiós Pipa Fría, Adiós Sodas, Adios Reggeaton, Adiós Playa und noch viele Dinge mehr, von denen man sich verabschieden muss.

Der Abschied von Hogar de Vida (dem zu Hause des Lebens) wird wohl der schwierigste – Der Abschied von 35 Kindern und Babies, die man ins Herz geschlossen hat und für die man fast ein Jahr lang Mamaersatz gespielt hat – Der Abschied von Freunden und Arbeitskolleginnen.

Ich habe in diesem besonderen Ort mit all seinen wunderbaren Menschen ein zweites Zuhause gefunden.

Besonders hart wird der Abschied von den Kindern. Viele der Kinder werde ich wohl nicht wiedersehen. Diese Vorstellung versetzt mir einen Stich ins Herz, aber andererseits freue ich mich auch, da das wohl bedeutet, dass sie eine Herzensfamilie gefunden haben.

Aber so ist das wohl. Ich glaube, dass ich traurig bin, ist auch ein gutes Zeichen und bedeutet, dass dieses Jahr ein voller Erfolg war. Etwas, das uns zum einen zwar schwerfällt, aber zum anderen auch etwas Positives beinhaltet.

Mein soziales Engagement hier, hat mich jeden Tag glücklich gemacht. Es gab Tage, da bin ich schlecht gelaunt zur Arbeit gegangen, aber es gab keinen Tag, an dem ich schlecht gelaunt wieder nach Hause gekommen bin. Ich liebe Costa Rica, seien es die paradiesische Landschaft, die traumhaften Sonnenuntergänge, der Sound der Geckos, wenn es dunkel wird.

Mich fasziniert es, in einer anderen Kultur zu leben. Ich würde mich jederzeit noch einmal in das Flugzeug setzen. Ich habe hier so unfassbar viel gelernt. Dieses Jahr hat mich geprägt und meine Perspektiven verändert, hat mich gelehrt meine Privilegien in Deutschland schätzen zu lernen und mir den hohen Wert einer intakten, liebevollen Familie jeden Tag vor Augen geführt.

Für die letzten Wochen habe ich mir vorgenommen, jeden einzelnen Moment mit den Kindern zu genießen und so viel wie es geht aufzusaugen. Ich möchte Erinnerungen schaffen, an die ich in Deutschland immer wieder gerne zurückdenken kann. Und eins kann ich auch mit absoluter Sicherheit sagen: Costa Rica- nos vemos pronto.

Ganz viel Liebe,

Clarissa M. Rosenbaum

Atenas, 15/07/19

Das ist ein Auszug aus der zweitwichtigsten Hymne meines geliebten Costa Rica, einer Hymne, die beinahe eine zweite Nationalhymne Costa Ricas ist. Sie wird normalerweise an den Unabhängigkeitsfesten und bei Bürgeraktionen gesungen. Costa-Ricanischer Patriotismus eben.

Nun bin ich seit neun Monaten in Europa, konkreter gesagt in Deutschland.

Ich kann sagen, dass ich diesen Kontinent überhaupt nicht beneide, denn Neid beschreibt das Gefühl voller Bitterkeit, Traurigkeit oder Wut darüber, dass jemand einem anderen dessen Besitz oder Erfolg nicht gönnt und selbst haben möchte.

Ich denke, der Liedauszug spiegelt unsere costa-ricanische Kultur voller Liebe, Frieden, reinem Leben und ohne Neid wider. Jetzt kann ich verstehen, was wir von klein auf in Costa Rica gesungen haben.

Das Leben in Deutschland hat mir einen anderen Blickwinkel auf Kultur, Entwicklung und Bildung gegeben. Wenn ich sehe, wie ein Land wie Deutschland in verschiedenen Bereichen so hohe Qualitätsstandards erreicht, bin ich stolz darauf, während meines Freiwilligendienstes mit weltwärts in diesem Land zu leben.

Wenn ich es nun wirklich nicht hinbekomme, die germanischen Länder (oder Europa im Allgemeinen) zu beneiden, bleibt mir nur, das Gute dieser alten Kultur voller wunderbarer Geschichten mit erstaunlichen Orten voller Magie zu lernen und nachhaltig zu nutzen.Während meiner Zeit in Berlin hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Arten von Migranten vieler Nationalitäten zu sprechen:

Einige beschweren sich über das deutsche System, andere über die Menge an Dokumenten, die für ein Verfahren beschafft werden müssen. Andere wiederum haben Schwierigkeiten mit der Sprache.

Ich komme aus Costa Rica und weiß, dass die deutschen Formalitäten manchmal sehr stressig sind. Man muss einfach Geduld mitbringen, damit das Ganze vertrauter und auch ein wenig lustig erscheint.

Ich denke immer noch an diese Frage, die mir ein Deutscher gestellt hat: „Eduardo, was ist deiner Meinung nach das Bizarrste an Deutschland?“

Daraufhin konnte ich nur antworten, dass, wenn man sich in einem anderen Land als dem eigenen befindet, alles schrecklich seltsam sein kann.

Doch wenn man eine Kultur mit Millionen von Unterschieden kennt, halte ich es für das Beste, mehr über Kultur zu erfahren, mehr über jedes Detail zu lernen, welches jede Nation so einzigartig macht.

Details, die eine Umgebung bilden und wiederum eine Welt voller Leben und Kultur ergeben.

Deshalb hat mir die bisherige Zeit in Deutschland die Möglichkeit gegeben, darüber nachzudenken, wie wichtig die Geschichte jeder Nation ist.

Wie wichtig es ist, diese Geschichte nicht zu vergessen, sondern jeden Schritt zu gehen und eine neue Geschichte in dieser Welt zu schreiben.

Die unterschiedlichen Beiträge verschiedener Kulturen sind unheimlich wichtig für unseren Planeten, der unsere Heimat ist. Leben in Toleranz und Brüderlichkeit.

Jetzt sehe ich diese Welt als jene Kachelstücke, die solche einzigartigen Farben und Figuren bilden, ohne etwas zu kopieren und jede Form ihre eigene Botschaft zu haben scheint.

Kultur und Geschichte können nur zur Entwicklung einer besseren Welt für alle führen.

Ich danke jedem Leser und auch allen Menschen, die mich in diesen zehn Monaten immer unterstützen.

Pura Vida!

Eduardo Serrano Vega

Seit über einem halben Jahr bin ich nun schon Freiwilliger einer peruanischen NGO in einem Dorf namens Villa Rica, gelegen in den Bergregenwäldern Perus. Nun versuche ich euch einmal näher zu bringen, wie man sich die Arbeit für Atiycuy Perú und das Leben im Projekt vorstellen kann.

Das Projekt selbst werde ich nur noch mal grob erklären, da es ja bereits in der Projektbeschreibung und der Homepage (http://atiycuy-peru.org) vorgestellt wird; diese ist allerdings stark veraltet, letztes Jahr wurde dauernd an einer neuen gearbeitet. Was daraus geworden ist oder ob die neue Homepage noch kommt, keine Ahnung ¯\_(ツ)_/¯.

Das Projekt besteht aus vier Programmen (fünf, wenn man die Freiwilligen mitzählt): ANNA (Acompañamiento de niños, niñas y adolescentes; aka Patenkinderprojekt), CCNN (Comunidades Nativas; Dorfentwicklungsprojekt indigener Gemeinschaften), COBIO (Conservación y Biodiversidad; Naturschutzprogramm welches sich um die 18000 Ha Wald (Concesción) kümmert) und GEA (Gestión y Educación Ambiental; Umweltmanagement und –bildung), welches ich ein wenig genauer erklären kann/werde, da ich zu 90% hierfür arbeite.

Die Arbeit der Freiwilligen ist immer komplett unterschiedlich, je nach dem mit welchem der vier Koordinatoren man halt zusammenarbeitet. Da ich momentan jedoch der einzige Freiwillige bin, helfe ich auch regelmäßig bei den anderen Programmen mit aus. Die Arbeit für CCNN besteht größtenteils aus der Vorbereitung und Durchführung der Versammlungen/Besprechungen in den Comunidades (indigenen Dorfgemeinschaften).

Für COBIO gilt ähnliches, diesmal jedoch in den Dörfern rund um die Concesción (natürlich sind die Themen der Versammlung ganz andere). In näherer Zukunft wird dann auch mit der Arbeit im Wald selbst begonnen (z.B. Kameras aufstellen). Die Arbeit für ANNA gestaltet sich dagegen etwas unterschiedlicher.

Jeden Mittwoch um 16 Uhr kommen die Kinder und Jugendlichen Villa Ricas zu den Talleres (ins Programm eingeschrieben sind derzeit etwa 120, es kommen jedoch meistens zwischen 30 – 50 Kinder und 20 – 25 Jugendliche).

Diese müssen natürlich vorbereitet und durchgeführt werden, wobei man als Freiwilliger auch gerne seine eigenen Ideen einbringen kann/darf/soll. Hierbei gilt allerdings zu erwähnen, dass man peruanische 12 – 16-Jährige nicht mit deutschen vergleichen kann, eher mit deutschen Kindergartenkindern (kein Witz). Regelmäßig müssen auch die Lebensgeschichten kleiner peruanischer Kinder ins Deutsche übersetzt werden, damit diese deutsche Paten finden. Und hin und wieder auch Grüße der Kinder an ihre Paten in Deutschland. Da ANNA aber auch mit den Kindern einiger Comunidades zusammenarbeitet, geht es im Rahmen dessen auch regelmäßig samstags (die Kinder haben ja auch Schule) in die Comunidades, wo man mit den Kindern und Jugendlichen dort (welche wesentlich reifer sind als ihre Altersgenossen in Villa Rica) dann z.B. Pfeil und Bogen schnitzt oder sich Geschichten seiner Kultur erzählt. Nicht selten geht es dann danach auch mal zum Baden in den Fluss.

Jetzt zu meiner Arbeit (und dem Leben. Da man ja im Projekt auch lebt, vermischt sich das ganze auch zwangsläufig etwas). Arbeitsbeginn ist um 8:30 Uhr (natürlich für alle, außer man fährt in eine der Comunidades oder die Concesción, dann geht es um 5 – 6 Uhr los), davor gibt es Frühstück (meistens Haferschleim oder Quinoa, dazu Obst und Fruchtsaft). Zum Essen allgemein sollte man noch sagen, dass auf persönliche Wünsche eigentlich meistens eingegangen wird (solange man diese denn äußert und auch mal dranbleibt, sollte es vergessen werden). Möglichkeiten selbst zu kochen gibt es auch, ab Samstagabend ist die Köchin nicht da, die Küche ist auch ziemlich gut ausgestattet. Mittag ist von 13 – 14:30, Feierabend ist um 18:30, danach gibt es Abendessen.

Samstags wird normalerweise auch gearbeitet, das wird für die kommenden Freiwilligen aber glaube ich abgeschafft. Da ich hauptsächlich für GEA arbeite, bin ich meistens im Garten oder dem kleinen Waldstückchen neben dem Haus unterwegs. Darin befindet sich ein kleiner Rundweg, den wir zu einer Art Waldlehrpfad machen. Letzte Woche war eine Biologin, spezialisiert auf Dendrologie , zu Besuch und hat die vorhandenen Baumarten des Waldes bestimmt (knapp einhundert).

Arbeit die jetzt noch ansteht ist z.B. das Beschriften der Schildchen an den Bäumen mit den wissenschaftlichen Namen. Ich werde Bilder machen und mithilfe von Carlos (welcher mit mir im Garten arbeitet und auch aus einer Yanesha-Gemeinschaft stammt und daher auch alles über die einheimischen Pflanzen und deren Verwendung weiß) eine Liste der Heilpflanzen erstellen.

Weitere Arbeit ist z.B. das Bauen von Nistkästen, Vogelfutterstellen, Blumen pflanzen, Hunde füttern und rauslassen (ja, es gibt auch zwei Hunde, Orran (Yanesha für Bär) und Mayar (Tiger)), Hochbeete oder Kräuterspiralen bauen, Pflanzen gießen etc. Hier kann man natürlich auch gerne seine eigenen Ideen einbringen, was man denn so machen will. Das alles hat zum Ziel, den Kindern (nicht nur, aber vor allem) die Vielfalt und Schönheit der Natur ihrer Heimat zu zeigen, damit sie lernen diese zu schätzen und zu bewahren, denn der gemeine Peruaner geht mit seiner Umwelt in der Regel absolut respektlos um.

Soviel zur Arbeit, jetzt noch kurz zum Leben im Hause Atiycuy:

Fast alle Mitarbeiter leben gemeinsam hier im Projekt. Einige fahren an den Wochenenden nach Hause zu ihren Familien, manche öfter manche seltener. Es gibt insgesamt zwei Häuser, Block A (in dem sich fast alles befindet, also Esszimmer, Büros, Auditorium und einige Schlafzimmer) und Block B (frisch fertiggestellt, hier gibt es Schlafzimmer und einen Aufenthaltsraum, wie genau der jetzt allerdings gestaltet wird ist noch fragwürdig, da sich Pläne hier alle zehn Minuten ändern). In den Schlafzimmern sind zwei bis drei Betten, in Block A hat jeder sein eigenes Bad, Block B hat nur ein Bad. Jedoch wird auch immer gebaut und etwas geändert, deswegen kann ich nicht sagen, wie es in Zukunft aussieht.

Privatsphäre (ist hier in Peru aber auch eher ein Fremdwort) gibt es nur im eigenen Zimmer, zum Ausruhen gibt es ein Sofa und einen Sitzsack im Esszimmer, ich hab mir noch eine Hängematte für den Garten gemacht (die nehme ich aber mit, ihr müsst euch schon eure eigene machen – wie das geht, zeigt euch Carlos).

Die Mitarbeiter bleiben eigentlich bis sie ins Bett gehen im Büro. Wlan gibt es auch, mal schneller, mal gar nicht.

Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen, eigentlich sind alle im Projekt sehr entspannt und freundlich. Villa Rica an sich ist ein recht kleines Dorf, es gibt ein paar (Karaoke-)Bars und Discos, einen Mirador (Aussichtspunkt), zwei Wasserfälle in der Nähe und einen recht großen See. Zur Freizeitgestaltung kann man an den Wochenenden auch die Städte in der Nähe besuchen oder mal nach Lima fahren (10 Stunden Bus über Nacht). Oder ihr fragt einfach eure Mitarbeiter, die kennen in jedem Teil Perus irgendwen, der euch etwas zeigen kann.

Genau wie die Frauen im Projekt, mache auch ich einen Wandlungsprozess durch. Die ersten Monate wurde in mich investiert. Ich brauchte Zeit anzukommen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.

Doch nun kann ich endlich zurückgeben, Arbeit abnehmen und ein wenig meinen Fingerabdruck hinterlassen. Seit Januar bin ich die offizielle Verantwortliche für die Kinderbetreuung. Und es macht tatsächlich viel Spaß.

Da ich nun selber entscheiden muss, wie wir den Tag gestalten und mit bestimmten Situationen umgehen, bin ich auch mit mehr Herzblut dabei und freue mich zu sehen, wie viel die Kinder lernen und begeistert den Geschichten lauschen, aber auch freudeschreiend im Hof fangen spielen und mich laut „Profe, Profe!“ rufen, wenn es etwas zu bestaunen gibt. (Profe ist eine Abkürzung von Profesora und bedeutet Lehrerin).

Ich hatte anfangs nicht gedacht, dass ich mit Kindern arbeiten würde und hatte mich bewusst auf ein Frauenprojekt beworben. Doch man tut eben was man kann und nun verzaubert mich das Lächeln und die vor Freude strahlenden Augen jeden Tag aufs Neue.

Seit fast zwei Monaten wohne ich nun auch im Projekt. Ich hatte ein wenig Angst, dass ich damit allzu sehr zum Workaholic werden würde, und vermisste die Annehmlichkeiten einer Familie um mich herum.

Aber es lässt sich tatsächlich ganz gut trennen und ich fühle mich sehr wohl, nur bin ich nun eben selbst verantwortlich für meine sozialen Aktivitäten und muss mich selbst aufraffen, jeden Tag einmal das Haus zu verlassen. Doch dank des Unichores, einer Jungen Gemeinde und neuerdings sogar Zumba, klappt das alles ganz gut.

Die neue Wohnsituation bedeutet aber auch eine Art Hausmeistertätigkeit. Und jedes Mal, wenn etwas fehlt oder kaputt ist, ist es an mir zu überlegen, wie wir es am besten wiederbeschaffen, ob wir es selber irgendwie improvisieren können oder doch ein Handwerker kommen muss.

Meine liebste Aufgabe ist allerdings der „Taller“. Die Frauen des Nähkurses stellen nämlich für Transforma Produkte her. So gibt es verschiedene Modelle von Taschen und kleinen Beuteln, aber auch Seifen und Schlüsselanhänger. Bisher lief der Verkauf schleppend. Keiner hat sich groß darum gekümmert und die Produktion war ein riesiges Chaos und so hat meine Chefin mich kurzerhand, gemeinsam mit einer anderen Mitarbeiterin, angestellt das zu ändern.

Nun gibt es ein neues System und wir versuchen alles ein wenig effektiver zu gestalten. Denn sollte es am Ende gut funktionieren, können wir durch den Verkauf von den Produkten viele weitere Frauen in den Kursen aufnehmen.

So ist es an mir den Frauen die neuen Designs und deren Ausführung zu erklären, sie später zu kontrollieren und Verbesserungsvorschläge anzubringen. Endlich arbeite ich so direkt mit den Frauen zusammen und noch dazu kann ich bei zum Thema Nähen tatsächlich viel betragen. Denn schließlich bin ich nicht umsonst Tochter einer Kostümbildnerin.

Trotz des abgeschlossenen Nähkurses der Frauen hier,

geht es nämlich immer noch um einfachste Grundkenntnisse und da kann ich gut mithalten.

Gleichzeitig machen wir aber immer auch Empowerment und versuchen die Frauen darin zu bestärken ein wenig wirtschaftlicher zu denken und ihnen zu helfen, wie sie am besten arbeiten. So nach und nach weiß ich immer besser, wie ich die Dinge erkläre, dass sie mich verstehen und dass am Ende tatsächlich das Produkt so aussieht, wie wir uns das vorgestellt haben. Es fordert mich heraus, von Stoffqualitäten und Nähtechniken in Spanisch zu reden, aber es übt natürlich ungemein. Und es macht Spaß meine Stärken zu nutzen und kreativ Ideen einzubringen.

Die Fotos sind in einem der Armenviertel, während einer Geschenkeaktion zum Kindertag entstanden. Wer mehr erfahren will, schaue gerne bei www.12gradnord.wordpress.com vorbei.

Die kleine Stadt Turrialba liegt in der Provinz Cartago. Es wohnen rund 35.618 Ticos in Turrialba. Zu den Hauptindustrien gehören Textilien, Landwirtschaft und Tourismus.

Bis vor etwa 30 Jahren war Turrialba eine florierende kleine Handelsstadt, denn die Eisenbahnstrecke für die Verschiffung des Kaffees von San José an die Pazifikküste führte hier entlang. Seit aber die Strecke zwecks weniger kurvenreicherer Routen eingestellt wurde, hat die Stadt wohl ziemlich mit Alternativen zu kämpfen und arbeitet am Ausbau des Tourismus.

Mit einem aktiven Vulkan um die Ecke, einer verwunschenen Aztekenstadt, bei den Ticos berühmten Käse und zum Wildwasser-Rafting bestens geeignete Stromschnellen in den Flüssen Reventazón sowie Pacuare, gibt es da gute Voraussetzungen.

Das Angebot an Sportmöglichkeiten ist recht groß und inkludiert mitunter Reiten, Biking um das sogenannte CATIE (Tropical Agricultural Research and Higher Education) sowie Kanufahren und Ziplining zwischen Wasserfall und Hängebrücke.

Auch Kaffeetouren oder ein Besuch des La Marta Wildlife Refuges werden angeboten. Zudem kann man das Nationalmonument Guayabo besichtigen. An sowohl kulturellen als auch aktiven Freizeitmöglichkeiten fehlt es dort also bestimmt nicht. Auch die Einheimischen besuchen tolle Kurse, um diverse Aktivitäten auszuführen. Beispielsweise haben wir nach dem Spanischkurs nachmittags mit unserer Gastfamilie Badminton gespielt oder Wassergymnastik gemacht.

Ein weiterer Pluspunkt Turrialbas ist außerdem die nahgelegene Universität. Somit kann man auch langfristig tolle soziale Kontakte mit Studenten und Gleichaltrigen knüpfen.

Mehr Informationen über Turrialba sowie weitere spannende Blogeinträge findest Du hier, auf dem Blog von meiner lieben Freundin Helena.

Habitat for Humanity hat es 2017 auf Platz #6 der Forbes Liste der größten Hilfsorganisationen in den USA geschafft. Mit Fokus auf Obdach und Wohnen ist die NGO in Sachen Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit in mehr als 70 Läändern aktiv. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe.

Seit nunmehr drei Monaten bin ich als weltwärts Freiwillige in Costa Rica im Regionalbüro tätig. Hier überschauen wir Habitat’s Mission in ganz Lateinamerika und der Karibik. Doch wie ist es so als Freiwillige inmitten der Strukturen einer international agierenden NGO?

Was kann man sich unter Entwicklungszusammenarbeit vorstellen? Und was solltet ihr mitbringen, falls ihr 2019 Freiwillige*r bei Habitat werden wollt? In diesem Blogpost findet ihr die Antworten auf diese Fragen sowie ein paar Eindrücke aus

San José.

Als weltwärts Freiwillige*r in einer internationalen NGO

Zu Beginn ein paar generelle Infos zu meinem aktuellen Arbeitsplatz, denn dieser unterscheidet sich durchaus ein wenig von den anderen Platzierungen, die Visioneers euch anbietet. Anders als bei den eher sozialpraktisch orientierten Projekten halte ich mich vermehrt im Büro auf.

Das liegt vor allem daran, dass das Regionalbüro eine Art Mini-Headquarter für Lateinamerika und die Karibik darstellt und in Costa Rica selbst seit einiger Zeit keine praktischen Projekte (im Sinne von Hausbau, Workshops und Co) durchgeführt werden, bei denen man anderweitig aushelfen kann.

Wenn der Büroalltag überhaupt gar nichts für euch ist, ist dieses vielleicht nicht das perfekte Projekt für euch.

Andererseits bietet dies natürlich auch einige Vorteile: Geregelte Arbeitszeiten, klare Ansprechpartner*innen, kurzer Weg zum Büro, eigener Arbeitsplatz und rundherum eine gut durchorganisierte Arbeitsatmosphäre.

Ich erwähne das an dieser Stelle nur so genau (und als klaren Pluspunkt), weil ihr euch sicher vorstellen könnt, dass die Arbeit in einem internationalen Team manchmal etwas herausfordernd sein kann. Da hilft es, wenn die Gastgeberorganisation selbst international aufgestellt ist und das Team Erfahrungen mit transkultureller Kommunikation hat.

Mit knapp 40 MitarbeiterInnen (überwiegend aus Lateinamerika, ein paar wenige aus den USA) ist das Team familiär und die Aufgabenbereiche sind divers.

Gleich zu Anfang hat man sich mit mir hingesetzt und gemeinsam anhand meines Lebenslaufes und meiner Vorlieben definiert, welchem Team ich zuarbeite – und so helfe ich jetzt, eine Strategie zu definieren, um Projekte in Lateinamerika gezielt auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu zu schneiden. Das ermöglicht mir einen Einblick in viele verschiedene Habitat Initiativen und mit Arbeitskolleg*innen in der ganzen Welt zu kommunizieren/ kollaborieren. Amtssprache ist dabei meistens Spanglish, mein aktueller Schwerpunkt jedoch liegt derzeit auf einem Projekt in Jamaika.

Entwicklungszusammenarbeit à la Habitat?

Habitat for Humanity hat es sich zur Mission gemacht allen Menschen die Möglichkeit auf ein sicheres und bezahlbares Zuhause zu geben. Eine der Leitideen ist, dass ein Zuhause ein wichtiger Schritt aus dem Armutskreislauf heraus ist.

Zu diesem Zwecke werden zum einen Häuser gebaut oder Strukturen verbessert, zum anderen Mikrokredite zur Verfügung gestellt, Workshops und Seminare zu Haushaltsführung und den unterschiedlichsten anderen Skills gegeben, über die Folgen von Naturkatastrophen aufgeklärt sowie bei der Ergreifung von resilienzstärkender Maßnahmen unterstützt.

Dabei wird auf Augenhöhe mit Communities, Partnerorganisationen und Regierungen zusammengearbeitet.

Ein Beispiel: Ich bin gerade sehr in das BRACED (Building Resilience and Capacities Against Emerging Disasters) Projekt in Jamaika eingebunden, welches jährlich von immer stärker werdenden Naturkatastrophen heimgesucht wird.

Am vulnerablesten sind hierbei Menschen und Familien, die zum Bevölkerungsteil der Urban Poor gezählt werden und in informellen Siedlungen wohnen.

Dies bringt einige Probleme hinsichtlich der Landrechte mit sich: Häufig sind diese nicht vorhanden oder nicht aktuell, was nicht nur zu Zwangsenteignungen führen kann, sondern auch verhindert, dass sich die Menschen optimal gegen Naturkatastrophen wappnen können – denn wer investiert in Hausstrukturen, wenn unklar ist wem das Land gehört auf dem man wohnt?

Habitat hat vor Ort und in Zusammenarbeit mit Mitgliedern aus den betroffenen Gegenden, dem Stadtrat und Regierungsvertretern den Landregistrierungsprozess beschleunigt und kosteneffizienter gestaltet, Häuser gestärkt, Workshops inkl. Zertifizierung angeboten, in denen Anwohner praktisch ausgebildet wurden.

Habitat hat bei der Einrichtung von community based Organisationen und deren Plänen für die Nachbarschaftsentwicklung geholfen und einiges an Aufklärungsarbeit betrieben, die sich häufig auch speziell den besonderen Bedürfnissen und Potentialen von Frauen und jungen Menschen gewidmet hat.

Ihr seht, alles sehr komplex und mit großem Bemühen, Probleme holistisch und nachhaltig anzugehen.

Ihr wollt mitmachen?

Neben den generellen weltwärts Anforderungen sind alles was ihr formell braucht mindestens ein Bachelorabschluss, Grundlagen der spanischen Sprache die ihr bereit seid (schnell) auszubauen und bestenfalls erste relevante Erfahrungen – wobei letzteres absolut kein Muss ist. Grundlegendes Interesse an internationaler Entwicklungszusammenarbeit und keine Scheu vor fordernden Aufgaben sollte aber gegeben sein!

Ich bin überaus glücklich, hier bei Habitat eine vorläufige Heimat gefunden zu haben. Das Team ist klasse, das Leben in der Gastfamilie wundervoll, die Stadt zugegebenermaßen nicht super ansehnlich, dafür gibt es aber viele Events und Veranstaltungen und ihr seid gut angebunden um Costa Rica zu erkunden.

Subjektiv (!) würde ich sagen, dass San José vergleichsweise liberal ist. Auf Grund der vielen Universitäten gibt es hier viele Studierende und Unterhaltung und je nachdem wie erkundungsfreudig ihr seid, findet ihr hier auch kleine private gesellschaftskritische Kunstausstellungen. Wenn ihr offen seid, findet ihr schnell Freunde. Ihr merkt, ich fühle mich pudelwohl und bin mir sicher, dass ihr hier eine gute Zeit haben könnt!

Das Erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an all diese Monate in Berlin denke, ist das Wort Dankbarkeit. Dankbar in erster Linie für die Menschen, für die neuen Freunde und die alten, die für mich da waren, für meine Familie, für jede Erfahrung die mich wachsen ließ, für all die Möglichkeiten und für die neuen Wege, die sich dank meiner Zeit hier auftun werden.Ich hatte nie geplant ein ganzes Jahr so weit weg von zu Hause zu verbringen, aber dennoch: ich habe immer geglaubt, dass Gott uns an bestimmte Orte führt, um Seinem Zweck zu dienen. Letztendlich ging es nicht um mich, sondern um Ihn.Ich werde euch hier in Stichpunkten einiges über dieses Jahr in Deutschland erzählen, und wenn ihr jemanden kennt, der/die an einem Freiwilligendienst interessiert ist, könnt ihr gerne diesen Artikel mit ihnen teilen.

Wie und wo habe ich gelebt?

Dieses Jahr hatte ich die Möglichkeit in Schöneberg, Berlin, zu leben, bei einer sehr netten und hilfsbereiten deutschen Familie. In ihrem Heim zu leben bedeutete auch, mich an ihre Lebensweise anzupassen, und die kleinsten Dinge im Haushalt zu lernen, zum Beispiel das Geschirr in die Spülmaschine einzuräumen, die Heizung richtig zu benutzen (in Costa Rica brauchen wir keine), den Müll kleinlich zu trennen und so weiter. Natürlich gab es auch Momente des Kulturschocks, aber das ist nun mal Bestandteil davon, mit Personen mit einer anderen Lebensweise zusammenzuwohnen.

Was war das Beste an dieser Erfahrung?

Eine der besten Erfahrungen während dieser Zeit es, Personen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören und zu erfahren, was sie dazu gebracht hat, in dieser großartigen Stadt zu leben. Neue Freundschaften zu schließen und Verbindungen zu knüpfen.Ich hatte die Chance, unglaubliche Personen kennenzulernen, großherzig und bescheiden, solche Menschen, die dich umarmen sogar ohne dich zu berühren, ich habe auch Personen kennengelernt, die mir beigebracht haben, geduldig zu sein und zu verstehen, dass unsere Unterschiede uns wertvoll machen.Ich danke ihnen, denn sie waren eine große Unterstützung, haben mir zugehört und mich motiviert.In diesem Jahr bekam ich eine neue Perspektive darauf, wie in einer Organisation gearbeitet wird, die ihren Schwerpunkt auf die Personen und ihr persönliches Wachstum legt.Diese Zeit hat auch meine Leidenschaft und das, worin ich die nächsten Jahre arbeiten möchte, bestätigt.Alle Lektionen des Lebens, die am Anfang hart waren, die mich am Ende dieser Reise aber zu einem besseren Menschen gemacht haben.

Andere Dinge wie…Die Sicherheit auf der Straße, tagsüber, nachts und sogar im Morgengrauen.Ich habe es bereits in einem anderen Artikel erwähnt, der öffentliche Nahverkehr ist schnell, pünktlich und du kannst ohne Probleme zu jedem Ort in der Stadt gelangen.Das asiatische Essen, wenn es schon hier so gut ist, kann ich mir gar nicht vorstellen, wie die Originalgerichte in jedem Land wohl sind.

Was wirst du vermissen?

Was ich definitiv am meisten vermissen werde sind meine Freunde, sie haben sich zu einem Schatz für mich entwickelt, ich werde ihr Gelächter vermissen, unsere Lieblingsspiele wie Kicker oder UNO, die Gespräche, und natürlich die Scherze und gemeinsamen Mahlzeiten.Ich hätte mir nie träumen lassen, was ich alles während dieser Zeit erleben würde, aber es ist nun letztendlich eine Phase, die zu Ende geht. Es ist Zeit, nach Hause zurückzukehren und mir bleibt nur zu sagen: DANKE!