Wir sind von der kleinen Stadt Villa Rica, im Zentralregenwald Perus, in die Hauptstadt gefahren und befinden uns schließlich in Lima. Am nächsten Tag geht unser Rückholflug nach Deutschland. (Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, kannst du hier auf meinem Blog nachlesen).

Wir schauen nochmal in der Uber-App nach, um sicherzugehen, dass wir morgen auch wirklich eine Fahrmöglichkeit von unserer Unterkunft zum Treffpunkt der deutschen Botschaft haben. In der App stand: „Dieses Angebot ist an deinem Standort momentan nicht verfügbar.“. Wir versuchen es mit anderen Taxiapps, doch immer wieder das gleiche. In der Email der deutschen Botschaft stand zwar, dass manche Taxiunternehmen und einige unabhängige Taxis noch arbeiten, aber wir wollten uns nicht auf die Straßentaxis verlassen. Also riefen wir unseren Kollegen Martín an, um ihn zu fragen, ob er uns abholen kann. Selbstverständlich, meinte er.

Treffen mit der deutschen Botschaft

Am Montagmorgen stehen wir früh auf, frühstücken den Rest, den wir noch haben: Joghurt, Müsli mit ein bisschen Wasser gestreckt. Dann machen wir uns und unsere Sachen fertig und gehen nach unten. Wir stehen kaum 3 Minuten am Straßenrand, da kommt Martín auch schon mit dem Auto angefahren. Zusammen mit Martín fahren wir die 20 Minuten zum Treffpunkt. Meine letzte Fahrt durch Lima. Die Straßen sind ruhig, aber es sind schon manche Menschen draußen. Autos sind nur wenige unterwegs. Wir werden ein paar Mal vom Militär kontrolliert, die Sicherheitskräfte winken uns aber schnell durch, sobald sie unseren Passierschein der deutschen Botschaft sichten.

Wir kommen am Treffpunkt an, schleppen unsere Sachen Richtung Eingang und stellen fest, dass die Menschen in einer langen Schlange davor anstehen. Wir gehen also zum Ende der Schlange. Dafür gehen wir bis zum Ende der Straße, biegen rechts ab und laufen nochmal einen halben Block. So lange ist die Schlange – und das meist ohne den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern. Ca. 300 Personen werden heute bei dem Rückholflug mitfliegen.

Martín wartet mit uns. Ich glaube, er war ein bisschen begeistert, das alles mitzuerleben. Er sagt halb im Spaß, dass er schon immer mal mit so vielen Deutschen auf einen Haufen zusammen sein wollte. Später, als wir dann schon bis um die Ecke vorgerückt sind, kommentiert er: „Die Deutschen sind ganz schön ruhig. Ich höre kaum irgendjemanden lachen.“. Das stimmt wirklich. Und ich glaube, es liegt nicht nur an der Situation, wir sind einfach generell etwas ernster als die Peruaner.

Nach und nach kommen mehr und mehr Deutsche an. Es sind aber auch einige Peruaner dabei, die einen dauerhaften Wohnsitz in Deutschland haben. Vor uns ist z.B. eine Peruanerin in den 50ern oder 60ern mit einem großen getigerten Koffer. Sie erklärt uns auf Spanisch, dass sie ihre Eltern hier besuchen wollte und erst seit zwei Wochen hier ist. Jetzt nutzt sie die Gelegenheit, um wieder zurück nach Deutschland zu fliegen – denn wer weiß schon, wann es normal wieder möglich ist? Sie muss ja schließlich auch zurück zu ihrer Arbeit und Wohnung..

Als wir schließlich am Eingang sind, verabschieden wir uns nun endgültig von Martín. Wir müssen die Hände waschen und den Pass vorzeigen. Bei den Mitarbeitern der deutschen Botschaft herrscht soweit recht gute Laune. Einer fragt mich, warum ich denn so ein Gesicht ziehe, ob ich nicht ausreisen will. Ich könnte auch gerne hier bleiben. Er zeigt auf die andere Seite des Tores, wo einige Leute auf dem Gehweg am Boden sitzen. „Sie können gerne einem von denen ihren Sitzplatz überlassen, die haben nämlich noch keinen.“ Ich verneine die Frage und sage ihm, dass ich gerne geblieben wäre. Er legt den Kopf schief und schaut mich abschätzend an. „Lassen Sie mich raten, Sie sind weltwärts-Freiwillige?“ Ich nicke. „Tut mir Leid, dann müssen wir Sie wohl mitnehmen.“, meinte er mit einem Grinsen. Ich grinse halb zurück: „Ich weiß.“

Drinnen treffe ich auf unsere Ansprechpartnerin der deutschen Botschaft. Wir unterhalten uns ein bisschen und sie erzählt mir, dass in unserem Flieger wohl mindestens 30 weltwärts-Freiwillige nach Deutschland zurückkehren werden. Ich frage sie, ob sie denn auch nach Deutschland zurückkehrt und sie verneint die Frage. Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute und verabschieden uns.

Nach ein bisschen Warten steigen wir in den Bus ein. Es dauert ein bisschen, bis sich dieser bewegt. Wir passieren das Tor und sehen Martín, der immer noch draußen wartet. Er winkt und schießt Fotos.

Busfahrt zum Flughafen

Schließlich fahren wir los. Nach einigen hundert Metern sehe ich, wie neben unserem Bus ein graues Auto fährt, der Fahrer hupt. Ich schaue genauer hin: es ist wieder Martín. Er ist doch tatsächlich dem Bus ein Stück hinterhergefahren..

Überall wo das Militär patrouilliert, werden wir ohne jegliche Kontrolle durchgelassen. Wahrscheinlich wurden die Sicherheitskräfte schon im Vorfeld über die deutsche Rückholaktion und die Busse, die zum Flughafen fahren werden, informiert. Langsam verlassen wir die Wohngebiete und biegen ab auf die mehrspurige Straße, die hinunter zum „Circuito de Playas“, der Straße am Meer führt. Normalerweise liebe ich es, an dieser Straße mit dem Meerblick entlangzufahren. Doch heute ist es einfach nur seltsam und traurig. Mein letztes Mal für unbestimmte Zeit. Außerdem ist die Straße außer uns, den zwei oder drei Bussen, die mit Polizeieskorte – Polizeimotorräder vorne, hinten und seitlich – unterwegs sind, komplett leer. Wir verlassen die Straße, fahren durch das Viertel San Miguel und von dort schließlich nach Callao.

Ich schaue aus dem Fenster. Lange Schlangen von Männern (heute ist Montag, Männertag), die alle mit Abstand voneinander vor Banken, Supermärkten oder Apotheken anstehen. Manche bemerken uns gar nicht, schauen auf den Boden oder auf ihr Handy, andere wiederum schauen zu uns hoch. Manchmal trifft sich unser Blick und bleibt kurz aneinander hängen. Wegen der Mund-Nasen-Masken, die wir tragen, sehen wir das Gesicht des anderen nicht, nur die Augen. Was sie wohl denken, wenn sie die Busse voller „Gringos“ in Polizeibegleitung Richtung Flughafen fahren sehen? Dass die Gringos gerne Perú besuchen, um dort zu reisen und die Landschaft zu genießen, aber dann doch lieber in ihr sicheres europäisches Land abhauen, wenns brenzlig wird?

Eigentlich habe ich mich in Perú mittlerweile so eingewöhnt, ja mich schon so weit angepasst oder auch assimiliert, dass ich mich manchmal mehr mit den Peruanern verbunden fühle, als mit meinen Landsleuten. Als ich so die Peruaner draußen anschaue, fühle ich mich ein bisschen wie ein Verräter…

Wir kommen schließlich am Militärflughafen an. Unser Flug geht von dort aus, da der normale Passagierflughafen in Lima ja momentan nicht mehr in Betrieb ist. Wir fahren über das Rollfeld zu einem Platz, an dem provisorisch Zelte und in diesen Plastikstühle aufgestellt sind. Ein Bundeswehrsoldat kommt in den Bus und gibt uns Anweisungen. Er klingt wirklich wie einer, der es gewöhnt ist, Soldaten Anweisungen zu geben: „Sie steigen jetzt da aus, sammeln ihr Gepäck ein und setzten sich dann jeder auf einen Plastikstuhl. JEDER auf EINEN Plastikstuhl. Nicht zwei auf einen.. Verstanden?! Das war wohl vorhin nicht ganz klar..“ Die Leute im Bus schmunzeln kurz. „Noch Fragen?“

Wir begeben uns in die Zelte, wo uns Soldaten des peruanischen Militärs auffordern, unser Gepäck in die Mitte zu stellen. Es werden nochmal die Pässe kontrolliert, unser Gepäck bekommt den Gepäckaufkleber, Drogenhunde gehen durch. Dann wird unser Gepäck mitgenommen und wir werden aufgefordert, wieder in den Bus zu steigen. Dieser fährt dann 100 Meter und bleibt für ein paar Minuten stehen. Dann fährt er wieder aufs Rollfeld und hält in der Nähe eines Lufthansaflugzeugs, unser Flugzeug.

Wir müssen nochmal ca. eine halbe Stunde warten, bis wir einsteigen können. Drinnen warten wir nochmal ungefähr die selbe Zeit. In der Zeit telefoniere ich nochmal mit Eli und der Abel-Familie, der Familie, meiner Kollegen Carlos, Cely und Lizz. Sie wünschen mir einen guten Flug und sagen, dass sie mich jetzt schon vermissen.

Rückflug von Peru nach Deutschland

Ich sitze in der Mitte, in unserer Viererreihe bin ich die einzige Deutsche, neben mir sitzen lauter Peruaner. Irgendwie tröstet mich das ein bisschen. Schließlich geht es los: der Pilot macht eine Ansage, entschuldigt sich dafür, dass sie heute nicht den gleichen Service wie sonst anbieten können, es gibt kein warmes Essen, da die Lebensmittel aufgrund von Corona sowohl in Perú als auch in Deutschland nicht geliefert werden konnten. Dafür hat jeder einen Karton auf dem Sitz mit Nudelsalat, Croissant und einer Menge deutscher Snacks und Süßigkeiten. Und das Multimediaprogramm funktioniert auch.

Außerdem erwähnt er, dass die gesamte Crew uns trotz der Situation gerne nach Hause fliegt – und dass die Welt zuhause ein bisschen anders aussehen wird, wie als wir sie verlassen haben.

Seit jetzt fast zwei Wochen bin auch ich wieder in Deutschland und arbeite nun von hier aus weiter für Atiycuy, meiner Organisation in Peru. Auch meine Pläne wurden durch Corona ziemlich „über den Haufen geworfen“, doch wer hätte zu Beginn dieses Jahres schon damit gerechnet, wie schnell die Welt, wie wir sie kennen, aus den Fugen geraten kann?

Peru in der Krise

Covid-19, ein Virus, der wohl gerade mehr als alles andere all unsere Pläne durchkreuzt, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, mit noch immer steigenden Fallzahlen. So auch in Peru. Bereits nach den ersten Fällen in Lima hielt der peruanische Präsident eine Ansprache an das Volk, rief innerhalb kürzester Zeit den nationalen Notstand aus, schloss die Grenzen und verhängte eine landesweite Quarantäne. Seit Mitte März steht der Alltag still. Lediglich für die nötigsten Einkäufe darf zwischen 7 und 12 Uhr das Haus verlassen werden. Wer nach 6 Uhr abends das Haus verlässt, läuft Gefahr vom Militär verhaftet zu werden. Seit wenigen Wochen dürfen Peruaner und Peruanerinnen nur noch nach Wochentagen getrennt auf die Straße, es herrscht Mundschutzpflicht und wer von einer Stadt in die Nächste fahren will, kommt ohne einen Passierschein und gelegentliche komplett-Desinfektion des Fahrzeugs nicht weit. Auf den ersten Blick wirken diese Maßnahmen extrem, doch Peru steht mit momentan fast 13.500 bestätigten Fällen (RKI, Stand 18.04.2020) noch am Anfang. Diese strikten Maßnahmen gelten nicht ohne Grund, denn ein Virus, das bereits europäische Gesundheitssysteme an seine Grenzen bringt, ist für die Gesundheitsversorgung Perus, vor allem in ländlichen Regionen schwer zu tragen.

Was ich damit meine ist nicht, dass das europäische Gesundheitssystem perfekt ist, auch hier gibt es Schwierigkeiten, Schwachstellen, die uns diese Pandemie gerade aufzeigt. Auch hier werden Fachkräfte nicht angemessen bezahlt, ja zum Teil nicht einmal ausreichend geschützt, doch zumindest hat so gut wie jeder hier die Möglichkeit eine ärztliche Behandlung zu erhalten. In vielen Teilen der Welt ist diese Möglichkeit nicht gegeben. In Villa Rica kämpfen ein paar wenige Ärzte mit kaum ausreichenden Mitteln gegen die Pandemie. Die mehrere Stunden vom Krankenhaus entfernt liegenden indigenen Gemeinschaften haben praktisch keinen Zugang zu einer zeitnahen ärztlichen Versorgung. Was passiert, wenn sich Krankheitsfälle in dieser Region häufen? Gerade in den Provinzen sind Länder wie Peru nicht auf diese Fälle vorbereitet. Der Staat kümmert sich kaum um die so weit abgelegenen Dorfgemeinschaften, die ohne engagierte Ärzte, wie einer der Ärzte in Villa Rica, so gut wie auf sich allein gestellt wären.

Pandemie verschärft die Armut in den Dörfern

Doch was mindestens genauso kritisch ist, wie das Virus selbst, sind die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der, nun bereits über einen Monat andauernden, nationalen Quarantäne.Ich erinnere mich noch, wie bereits am ersten Tag der Quarantäne ein Bekannter mit Tränen in den Augen fragte, wie er denn jetzt Geld verdienen solle, wo es doch offiziell verboten ist zur Arbeit zu gehen. Sowohl in Villa Rica, in den Dörfern um das Naturschutzgebiet, als auch in den lokalen Gemeinschaften leben viele Familien von den paar Soles, die sie sich als Tagelöhner auf den Kaffeefeldern verdienen. Wie sollen sie ihre Familien über Wasser halten, wenn diese Arbeit verboten wird? Bereits jetzt machen sich die Auswirkungen der Quarantäne bemerkbar. Wie lange kann die Bevölkerung noch durchhalten, ohne sich und ihre Familien in Gefahr zu bringen?

Vor zwei Wochen kam der Chef von Machca Bocaz, einer der indigenen Gemeinschaften, mit der wir erst seit kurzem zusammenarbeiten, der „Mashin Wilmer“ zu Eli. Sein Gesicht zierten tiefe Sorgenfalten, obwohl er noch ein junger Mann ist, der erst vor kurzem zum Chef gewählt wurde. Er erzählte ihr, wie schwierig die Situation in den Hochlandgemeinschaften jetzt ist: Die Flüsse sind immer noch überlaufen, durch die starken Regenfälle der letzten Monate, und es gibt keinen Fisch. Die intensiven Regenfälle verhindern die Jagd, die sie genauso wie den Fisch brauchen, um ihre Familien ernähren zu können. Doch nicht nur das, durch die Ausgangssperre kann außerdem niemand in der Vorerntezeit des Kaffees arbeiten, weshalb selbst die paar Soles, die sie auf den Kaffeefeldern verdienen, ausbleiben.

Vor ein paar Tagen habe ich mit Eli gesprochen. Ich habe sie oft gestresst erlebt, doch die Tränen in ihren Augen, als sie von den Familien sprach, die noch nicht in das Patenprogramm aufgenommen werden konnten, die sie kaum mit den Mitteln Atiycuys versorgen kann, berührten auch mich sehr, denn auch mir sind diese Familien ans Herz gewachsen. Umso wichtiger ist es, dass Atiycuy trotz allem nicht aufgibt und bereits Grundnahrungsmittel besorgt, um diese so bald wie möglich an die Familien zu verteilen. Das ANNA-Programm (das Kinderpatenprogramm) ist dafür unerlässlich, denn durch das Programm zeigen wir, dass unsere Brüder nicht allein sind, dass es eine Perspektive und Hoffnung gibt, dass wir die notwendigen Informationen, Nahrungsmittel und Hygieneprodukte bereitstellen können, damit sie in den Gemeinden und Dörfern nicht leiden. Leider gibt es vor allem in Pichanaz, Gerónimo und in den Dörfern San Juan de Miraflores, Alto Gran Playa und Pampa de Oso eine Gruppe von Familien, die nicht über den Schutzschild des Kinderpatenprogrammes verfügen, die durch die Krise mehr denn je vor tiefgreifende finanzielle, existenzielle Probleme gestellt werden.

Bevölkerung vor Ort ist auf Hilfe angewiesen

„Jetzt tun wir alles, was wir können, aber wir verfügen nicht über die notwendigen Mittel! Es ist unverzichtbar, dass auch (die restlichen Familien) in das Patenprogramm aufgenommen werden, da uns ansonsten die Hände gebunden sind“, so meine Chefin Eli in einer Email, in der sie uns um Hilfe bat. Wir wissen nicht, wie lange die Krise andauern wird, doch es ist klar, dass sie besonders die treffen wird, die schon zuvor unter den folgen Jahrzehnte langer systematischer Diskriminierung und zum Teil daraus resultierender Armut litten. Wir wissen nicht, was kommen wird, nirgendwo auf der Welt. Doch gerade jetzt dürfen wir nicht aufgeben für das Gute zu kämpfen. Für mehr Gerechtigkeit, mehr Würde, gerade jetzt müssen wir, so schwer es manchmal fällt, auch über unseren eigenen Tellerrand blicken, unsere Welt als eine Welt erkennen. Denn am Ende sind wir alle Menschen, alle gleichwertig, alle Brüder und Schwestern.

„Die Menschen müssen wissen und sehen, dass sie nicht allein sind. Sie brauchen eine Perspektive für ihr Leben, über die Pandemie hinaus. Wir wissen zwar, dass wir nicht jedem in unserer Region helfen können, aber wie die deutsche Regierung wollen wir einen Schutzschirm zumindest auf alle gefährdeten Bevölkerungsgruppen ausdehnen, mit denen wir zusammenarbeiten Sie brauchen jetzt Lebensmittel, um ihre Familien zu versorgen, sie brauchen uns! Und sie brauchen uns jetzt mehr denn je.“ Eli über die momentane Lage in Peru


Du möchtest Atiycuy und die Menschen vor Ort mit einer Spende unterstützen?

Bitte überweise deine Spende auf dieses Konto:

VISIONEERS e. V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE11 1005 0000 0190 4435 45

BIC: BELADEBEXXX

Wir sind dankbar für jede Hilfe, um die Situation für die Menschen in Peru zu verbessern!

Wenn ich gewusst hätte, dass es so gut wird, dann hätte ich es schon ein bisschen früher versucht.“ So ist es. Und obwohl es nicht leicht ist, so weit weg von meiner Familie und meiner Komfortzone zu sein, und auch wenn es manchmal deprimierend ist, weil man sich allein und nicht verstanden fühlt, ist es das wert. Ja, es hat sich gelohnt, es hat sich gelohnt für die Menschen, die Momente, das Lachen und die Orte. Natürlich gehört es dazu, auch mal emotional zu sein. Manchmal fühle ich auch alle Emotionen auf einmal, was es dann ein bisschen schwieriger macht. Aber trotz allem ist es schön zu wissen, dass all dies auch anderen so geht und es gehört auch zum Freiwilligendienst in einem komplett anderem Land dazu.

Als Nord-Süd-Freiwillige in Deutschland

Aber wenn ich doch dieses große Abenteuer vorher gemacht hätte…

Aber nichts kommt zu früh oder zu spät, sondern es passiert alles zur richtigen Zeit. Ich werde in diesem Blogartikel ein bisschen offener mit euch sein.

Natürlich gibt es immer das Risiko, als Ausländerin von anderen gemobbt zu werden. Sei es wegen der Sprache oder der Kultur oder wegen mir nicht erklärbaren Gründen. Manchmal ist es sehr hart, damit zurechtzukommen. Es ist das Beste, sich davon nicht beeinflussen zu lassen, auch wenn es manchmal fast unmöglich scheint. Fünf meiner Freunde unterstützen mich sehr und das ist wirklich unglaublich. Ich schreibe euch dies, weil ich ehrlich mit euch sein möchte und euch keine falsche Vorstellung geben möchte. Ja, diese Dinge passieren und sie werden immer passieren, aber es kommt auf unsere Person an, ob es uns schwächt oder wir diese Art von Situationen ignorieren können und uns dadurch stärken. Ich muss außerdem verstehen, dass viele dieser Menschen keinen wirklichen interkulturellen Austausch hatten und wenn doch, dann hatte es wohl keine große Auswirkung für sie, denn für mich sollte eine Person, die diese Art von Freiwilligendienst oder „sozialer Hilfe“ leistet und andere Länder bereist, ein bescheidenes und bewusstes Herz haben. Aber manchmal ist es leider nicht so.

Wahre Freundschaft

Ich hatte euch erzählt, dass ich im Januar auf einem Seminar war, in dem ich eine Gruppe von Latinos aus Bolivien kennengelernt habe. Ich habe mich dort auch mit ihnen angefreundet, sodass ich ein paar von ihnen in Hamburg besuchen konnte, weil sie dort ihr freiwilliges Jahr machen. Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit ihnen und ich habe mich in die Stadt Hamburg verliebt. Es ist ein wunderbarer Ort! Die Leute dort sind total nett und offen, es gibt kaum Stress und das Einzige, was ich fühlen konnte, war Ruhe und Frieden, immateriell und unvergleichlich. Es ist ohne Zweifel ein Ort, an dem man vor Chaos und Stress flüchten kann. Außerdem kam ein Freund aus Bolivien zu Besuch. Er wohnt auch in Berlin und wir haben zusammen mit meiner Gastfamilie ein nettes Gespräch gehabt und leckeren Kaffee getrunken. Ich glaube, ich versuche mich durch genau solche Momente gegenüber Personen zu öffnen und weiß, dass wir uns gegenseitig haben und unterstützen können.

Verbesserung der Deutschkenntnisse

Ich bin jetzt gerade in einer Phase, in der ich mich wie ein Fisch außerhalb des Aquariums fühle. Ich habe alle möglichen Aufgaben vom Putzen bis hin zur Übersetzung von Dokumenten gemacht. Ich habe bei der Buchhaltung mitgeholfen und war sogar in einer Schule, um dort das weltwärts-Projekt vorzustellen. Dort habe ich vor 13 Jugendlichen und zwei deutschen Lehrern gesprochen und ich habe mich sehr gefreut, zeigen zu können, dass ich in der Lage dazu bin. Ich merke, wie ich jeden Tag mehr und mehr Deutsch lerne und übe, wie ich Freude und Glück an mein Umfeld weitergeben und verbreiten kann. Am Schönsten ist es, zu sehen, dass selbst etwas ganz Simples, wie jemandem einen guten Tag zu wünschen, den Gesichtsausdruck der Menschen verändert. Ich habe zum Beispiel eine Nachbarin, die immer mit ihrem Hund spazieren geht und immer sehr ernst dreinschauend ihren Weg geht. Vor ein paar Tagen habe ich mir dann gedacht: „Warum wünsche ich ihr nicht einfach mal einen schönen Tag?“ Ich schwöre, ihr Lächeln danach hat bedeutet, dass es sie sehr glücklich gemacht hat. Seitdem lächelt sie mir immer zu und wünscht mir einen schönen Tag, wenn wir uns sehen.

Hiermit komme ich dann wieder zu dem Satz vom Anfang: „Wenn ich gewusst hätte, dass es so gut wird, dann hätte ich es schon ein bisschen früher versucht.“ Es ist jetzt schon lange her, dass ich die Ängste und Sorgen hinter mir gelassen habe und ich kann jetzt endlich Ich sein oder sogar schon ein besseres, verändertes Ich.Und natürlich weiß ich, dass nicht alles, was ich gebe, auf Gegenseitigkeit beruht. Es fühlt sich aber gut an Gutes zu tun und zu wissen, dass alles, was gemacht wird, mit dem Herzen aufgenommen wird, selbst an unvorstellbaren Orten und Personen.

Winter und Frühling in Deutschland

Im Februar fiel ein bisschen Schnee und ich schwöre, ich war noch nie so glücklich ihn zu sehen. Vor allem, weil es das erste Mal in meinem Leben war. Es war fantastisch! Und so ziehen die Tage vorbei, ich bin schon kurz davor, wieder Wärme zu spüren, was natürlich nur passend und wichtig ist. Es ist wunderschön zu sehen wie die Blätter anfangen zu wachsen, alles wieder grün wird, die Blumen anfangen zu blühen und auch die Menschen wieder munterer werden. Es besteht kein Zweifel, dass sich die Jahreszeit verändert; es wird Frühling.Auch meine Zeit hier in Berlin wird immer kürzer und ist bald vorbei, in ein paar Monaten werde ich „Auf Wiedersehen“ zu diesem großen Abenteuer sagen müssen, welches mir eine Menge an Erfahrungen geschenkt hat.

Für alle, die sich das fragen (manchmal tue ich das auch), möchte ich an dieser Stelle ein wenig berichten.

Grundschule in Kapstadt

Ich sitze gerade in im Büro im Trinity Children’s Centre (TCC), es handelt sich dabei um eine Grundschule. Es ist 14 Uhr und die Kinder haben Schulschluss. Vor wenigen Minuten habe ich meine letzte Lesehilfe-Session beendet. Das mache ich mit einem Programm am Computer in Einzel-Sessions. Sieben Kinder kommen im Laufe des Tages ins Büro um zu lesen. Jeden Dienstag und Donnerstag. Mehr habe ich mit der Bildung der Kinder tatsächlich auch nicht am Hut. Sollte man nicht meinen, weil ich immerhin in einer Grundschule arbeite, ist aber so.

Aufgaben im Projekt

Meine Aufgaben haben sich während der letzten Monate nach und nach herauskristallisiert. Was ich mache, sind Admin-Tätigkeiten. Klingt irgendwie langweilig, finde ich zumindest. Dachte ich zunächst auch. Nach dem BWL-Studium war das das letzte, was ich in Bezug auf den Freiwilligendienst im Sinn hatte. Zu meiner großen Überraschung und Erleichterung habe ich jedoch ziemlich Freude daran. Ich trage dazu bei, dass das TCC läuft. Mit Unterricht allein ist es nicht getan. In der Schule wird gelehrt, gelernt, geschrieben, gemalt, gebastelt, gespielt, gekocht, gelebt. Ich kenne den Lagerraum der Schule in- und auswendig, verteile benötigte Materialien an die Klassen und sortiere neue Einkäufe ein. Ich bin verantwortlich dafür, zum Gate zu gehen, wenn jemand klingelt, meistens, um Fragen zu beantworten, Leute rein- und rauszulassen oder Lieferungen entgegen zu nehmen. Ich halte Ordnung in den Akten der Schüler, erstelle Excel-Listen von Bewerbern, aktualisiere Kontaktdaten der Eltern.

test alt text

Gestern verbrachte ich den halben Tag damit, Dokumente zu prüfen und nicht benötigte zu schreddern. An einem anderen Tag habe ich alle Erste-Hilfe Kästen geprüft und aufgestockt. Letztes Jahr habe ich eine Woche lang den Lagerraum reorganisiert, die Kisten mit Labels versehen und in dem Zuge gleich Inventur gemacht. Und manchmal kommt es vor, dass plötzlich ein ein riesiger Haufen altes Holz im Schulhof abgeladen wird (eine sogenannte „Woodonation“) und wir zwei Tage lang damit beschäftigt sind, das Chaos zu beseitigen. Gut, das ist nun vielleicht nicht ganz so alltäglich.

Kollegen und Mitarbeiter

Klingt es noch immer langweilig? Vielleicht ein bisschen. Was mir an der Arbeit hier so viel Freude bereitet, sind nicht primär meine Aufgaben. Es sind die Menschen. Natürlich die Kinder, die einem den schlimmsten Tag versüßen können, aber auch die Mitarbeiter, die mich sofort als Teil des Teams aufgenommen und integriert haben, die mir das Gefühl geben, hilfreich zu sein, die ihren Job nicht immer lieben, sich aber immer aufopferungsvoll hingeben, um den Kindern eine bestmögliche Zukunft zu ermöglichen.

Ich steige aus dem Bus aus, welcher mich von Turrialba – einem Städtchen im wunderschönen Costa Rica – in ein kleines Nachbardorf gebracht hat. Ich biege in einen Kiesweg ein, welcher einen kleinen Hügel hinauf zu einem Haus führt. Einem Haus, in welchem viel Leben steckt. Das Waisenhaus „Hogar Infantil Turrialba“. Schon von weitem hat mich ein Kind entdeckt, schreit ganz laut: „Vanee“, und noch bevor ich das kaputte Tor geöffnet habe, kommen einige Kinder mit strahlenden Gesichtern angestürmt. Nach vielen Umarmungen, Küsschen und High Fives schaffe ich es dann auch meinen Weg fortzusetzen, durch die Küche, in welcher ich die Tias (so heißen die Mitarbeiter hier) begrüße, bis zu einem kleinen Nebenraum um meinen Rucksack abzustellen.

So beginnen die meisten meiner Arbeitstage hier im Waisenhaus „Hogar Infantil Turrialba“, in welchem zurzeit 15 Kinder von 0-12 Jahren wohnen. Kinder, welche entweder keine Eltern mehr haben, oder -und das kommt viel häufiger vor- misshandelt wurden. Zum Schutz der Kinder werden keine Informationen über ihre Vergangenheit weitergegeben und so wird auch mir, obwohl es mich sehr interessieren würde, wo manche Gewohnheiten der Kinder herkommen, wenig erzählt.

Der Alltag im Waisenhaus

Einige der Kinder gehen entweder in die Schule oder den Kindergarten. Am Nachmittag haben sie dann viel Zeit um zu spielen und sich auszutoben, ja, wie alle Kinder haben auch diese unglaublich viel Energie. Meine Zeit dort fängt meistens mit Haushaltsarbeiten an: Wäsche aufhängen, Fegen, Putzen und was eben sonst noch so alles anfällt. Damit bin ich dann oft auch den ganzen Vormittag beschäftigt. Nach dem Mittagessen, bei welchem manche der Kinder noch gefüttert werden müssen, bleibt mir aber noch sehr viel Zeit um mit den Kindern zu spielen, zu reden oder auch Hausaufgaben mit ihnen zu machen. Dadurch, dass im Waisenhaus relativ wenige Kinder leben, ist es leicht zu jedem eine gute Beziehung aufzubauen und ich habe alle schon sehr ins Herz geschlossen. Noch ein Vorteil ist, dass durch die geringe Anzahl alle (sehr gequetscht) in einen Kleinbus passen und Ausflüge gemacht werden können. Etwa alle zwei bis drei Wochen ist die Freude dann immer groß, wenn Kinder, Tias und Mittagessen in den Kleinbus gepackt werden und einen Ausflug ansteht.

Wenn die leiblichen Eltern der Kinder sich nicht bessern und keine pflegefähigen Verwandten gefunden werden, wird eine Pflegefamilie für die Kinder gesucht. Auch ich habe schon miterlebt, dass Kinder gegangen sind, da eine Familie für sie gefunden wurde. Das ist zwar einerseits traurig, da man nie weiß, ob man die Kinder wiedersehen wird, aber natürlich überwiegt die Freude. Zu sehen, dass die Kinder an liebevolle Eltern übergeben werden, ist einfach überwältigend schön. Auch wenn die Arbeit mit den Kindern sehr anstrengend sein kann, habe ich schon sehr viel gelernt und es gibt sowieso nichts, was eine Umarmung und ein „Du bist toll“ der Kinder nicht wieder gut machen kann.

Eure

Vanessa Einsiedler

Diesen Monat ist es so weit, die Hälfte meines Jahres in Costa Rica ist schon um. Wie schnell vergingen diese 6 Monate…

Was am Anfang noch ungewohnt für mich war, ist nun zum Alltag geworden. Ich habe viel erlebt in den letzten Monaten und viele neue Dinge gelernt. Wenn mir jemand am Anfang des Jahres gesagt hätte, dass ich diese Kinder so sehr lieben werde, hätte ich ihn vermutlich erst mal komisch angeschaut. Mittlerweile schmiede ich allerdings Pläne, wie ich meine Kids, meine Frauen und tonnenweise Pinto mit nach Deutschland schmuggeln kann. Diese Menschen werden mir sehr fehlen! Gerade nach der kurzen Ruhepause, die sich Transforma zu Beginn des Jahres gegönnt hat, sind die Beziehungen zu vielen costa-ricanischen Freiwilligen im Projekt noch enger geworden.

Nähkurse

Jeder von uns hat seine Aufgaben, und durch meine kann ich glücklicherweise sehr eng mit den Schülerinnen des Nähkurses zusammenarbeiten. Was man da alles so an Klatsch und Tratsch mitbekommt, selbst wenn man im Raum nebenan ist, ist echt erstaunlich! Ich bin nun bestens über die Geschehnisse im Barrio informiert und weiß wie es den Mamas, Kindern, Enkeln, Cousins und eigentlich der ganzen Bevölkerung Costa Ricas geht.

Wir haben nun auch viele neue Produkte, die in den nächsten Monaten fleißig verkauft werden können. Ich musste deshalb auch lernen, wie man Naturseifen behandelt, bevor man sie verkaufen kann. Und obwohl ich die Mädels immer streng zum Nähte auftrennen verdonnere, weil wieder irgendetwas falsch zusammengenäht wurde, nehmen die Frauen mich liebevoll in ihre Gruppe auf.

Neues Semester, neue Kurse und neue Frauen und Kinder

Bald startet das neue Semester im Projekt und alle sind schon sehr gespannt. Die neuen Frauen und Kinder werden zwar einiges an Arbeit bedeuten, aber ich freue mich schon sehr. Zwei Kurzzeitkurse haben schon vor Beginn des Semesters gestartet, es wurde aber trotzdem fast ein bisschen langweilig ohne Kindergeschrei im Haus, laut lachende Frauen in der Küche und hektisches Gewusel der Freiwilligen. Die wochenlange Büroarbeit zur Vorbereitung auf die Kurse musste zwar sein, aber trotzdem ist das ganze Team froh, wenn es bald wieder losgeht. Ich bin schon gespannt, welche Frauen vom letzten Semester zurückkommen werden. Am liebsten hätte ich sie alle wieder im Haus.

Mein Highlight des Monats? Definitiv Zabeti. Diese Frau ist mir die letzten Monate sehr wichtig geworden und ans Herz gewachsen. Als sie letzte Woche in einer kleinen Feedbackrunde mit der Projektleiterin auch noch erzählt hat, dass sie Pauline und mich ins Herz geschlossen hat und bei uns spürt, dass sie uns wichtig ist, sind mir fast die Tränen gekommen. Sie erzählte, wir behandeln sie nicht von oben herab, wie das bei einer älteren Dame, die keine Mittel zur Verfügung hat, häufig passiert.

Wie käme jemand bloß auf die Idee, sich über Andere zu stellen, noch dazu aus so banalen Gründen? Mir fällt immer wieder auf, wie wichtig es für diese Frauen und Kinder ist, an einem Ort zu sein, an dem sie geschätzt und gehört werden, an dem sie wichtig sind. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, zu sehen, wie diese Frauen einen Prozess durchlaufen und man zusehen kann, wie sie aktiv ihr Leben verändern und verbessern.

Wenn man hier im Dorf ein bisschen herumläuft, grüßt man JEDEN, auch wenn es nur ein kurzes Hallo oder Tschüss ist und wenn man es dann mal nicht macht, hinterlässt es direkt ein etwas komisches Gefühl. Selbst ich find es schon ein bisschen unhöflich, wenn mich mal jemand nicht grüßt.

Wie es in einem so kleinen Dorf typisch ist, kennt hier jeder jeden. (Wie auch in Deutschland auf dem Land).

Kirchengemeinschaft

Außerdem ist die Gemeinschaft der evangelischen Kirche hier sehr wichtig und der Großteil der Leute hier ist Teil davon. Der Gottesdienst findet in der Turnhalle der Schule statt und besteht zum Großteil aus Singen. Zum Glück wird der Text an die Wand gestrahlt, dann kann man auch gut mitsingen.

Außerdem gibt es hier eine Organisation „TheWay“, die ich persönlich echt klasse finde, da die immer mal Veranstaltungen für Jungendliche/ junge Erwachsene machen. Am Dienstag zum Beispiel gabs Lagerfeuer, die Woche davor eine Gesprächsrunde, die dann aber zur Spielrunde überging, da die Themen leider zu tiefgründig waren. Das Ganze gehört auch zu der „Pura Vida Church“, wie die Kirche hier heißt.

Es gibt auch einige Sportangebote, wie zum Beispiel Boxen, Zumba oder Joggen. Fußball gibts auch, letztens gab es sogar ein recht „großes“ Fußballturnier. Auch Volleyball gibt es manchmal, wo ich aber bis jetzt leider noch nicht war.

„Die Deutschen“

Carlotta und ich versuchen immer sehr viel mit zu machen, damit wir uns irgendwie integrieren können. Aber es ist sehr schwer. Weil kleines Dorf heißt auch sehr fester Kreis und enge Gemeinschaft. Und das heißt nicht, dass sie nicht höflich und nett zu uns sind. Das hat uns einer der Ticos dann mal erklärt, nachdem wir meinten, er solle doch bitte Spanisch mit uns sprechen. Er meinte, wenn ein Tico Gringas oder Europäer sieht, spricht er immer auf Englisch mit ihnen um freundlich zu sein oder einen gewissen Respekt zu zeigen. Vielleicht. Ich kann es nicht genau sagen. Dass wir aber hier sind, um Spanisch zu lernen, mussten wir deutlich erklären.

Da unser beider Spanisch noch nicht ausreicht, um tiefgründige Gespräche zu führen, ist es sehr schwer, neue Freundschaften zu knüpfen. Manchmal frag ich mich aber auch, worüber die Leute hier überhaupt reden. Ich glaube, dass fast nur der Glaube hier Gesprächsthema ist und es für uns beide oft sehr schwierig ist, an diesen Gesprächen teilzuhaben. Wenn wir jemand Neuen kennenlernen, ist die Religion immer eine der ersten Fragen an uns.

Was die Ticos aber auch gut können, ist über ihr Land schwärmen. Das hör ich mir dann aber auch immer sehr gerne an, um vielleicht ein paar gute Ausflugsorte dabei mitzunehmen.

Und das frühe Aufstehen natürlich. Ich wache hier immer spätestens gegen 7 Uhr auf, auch am Wochenende, da man erst von den Hähnen und dann von dem Schreien auf dem Hof geweckt wird. Mich würd wirklich gerne mal interessieren, worüber die da so streiten. Vielleicht sollte ich mal noch früher aufstehen und zuhören?

Esterillos Oeste

Da Esterillos Oeste ja an einem traumhaften Strand liegt, zieht es auch einige Amerikaner an. Hier leben nämlich ziemlich viele Gringos und deswegen wird die Predigt im Gottesdienst z.B. auch immer auf Englisch übersetzt.

Kommen wir mal zu der Sache mit der Pünktlichkeit. Das find ich hier nämlich gar nicht so schlimm, weil an sich sind die Leute hier sogar ziemlich pünktlich. Bei Terminen, die eine feste Uhrzeit haben, ist man hier schon auch zu der Uhrzeit da. Nur wen man sich locker verabredet, ja dann kann es auch mal zwei Stunden später werden.

Nur der Bus, der kommt immer nur dann, wann er will. Pura Vida.

Pura Vida als Lebensmotto

Pura Vida ist ja in ganz Costa Rica das Lebensmotto und man merkt es den Menschen wirklich an.

Bei manchen ist es einfach die ruhige, entspannte und positive Aura, die von Ihnen ausgeht, bei anderen merkt man einfach, wie sie den ganzen Tag eigentlich nur auf der Terasse sitzen und dabei essen.

Aber wenn ich mir das so überlege, mache ich irgendwie nicht viel mehr hier. Nur, dass ich hier natürlich zur Arbeit muss. Aber hätte ich die nicht…

Zusammenfassend gesagt sind Pura Vida und Gott eigentlich hier die Antwort auf alles. Bus verpasst? Pura Vida

Job verloren? Gott wollte es so und hat was besseres für mich geplant. Achso und natürlich auch Pura Vida.

Aber das ist schön und die Leute sind hier glücklich. Ma merkt das auch sehr. Nur wir Deutschen müssen erstmal mit dieser Art von Glücklichsein klarkommen. Denn es ist anders. Um hier glücklich zu sein, braucht es nicht viel, die Menschen haben keine großen Ansprüche

Es sind schon 8 Monate vergangen, seitdem ich angekommen bin und inzwischen hat sich alles so sehr verändert und ist viel einfacher und angenehmer geworden.

Meine Fortschritte in der deutschen Sprache haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass ich mich jetzt hier in Deutschland besser wohlfühlen kann. Die Kommunikation ist jetzt um einiges leichter. Ich kann an einfachen und etwas komplexeren Konversationen teilhaben und auch das Zuhören und Verstehen ist viel besser geworden.

Sprachlicher Lernprozes

Nach vier Monaten habe ich mich mehr aufgemuntert, deutsch zu sprechen. Zuerst nur mit meiner Gastfamilie, die ein sehr wichtiger Teil dieses Prozesses war, und danach Schritt für Schritt auch bei der Arbeit. Manchmal aber ist Druck nicht gut und geht nicht Hand in Hand mit der Lernpädagogik. Das verstehe ich auch sehr gut und deswegen habe ich jetzt aufgehört, mir Sorgen darum zu machen, den Erwartungen anderer nicht gerecht zu werden; Auch, damit ich meine eigenen Erwartungen besser erfüllen kann. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt, die ich Schritt für Schritt erfüllen kann. Manchmal sorgt das stille Arbeiten für mehr Lärm. Das bedeutet, wenn ich etwas im Stillen erlerne und niemandem davon erzähle, dass die Reaktionen anderer viel besser und beeindruckender sind. Kommentare wie: ,,Seit wann lernst du das?“ und ,,Du sprichst schon viel besser!“ höre ich immer wieder in dieser Zeit. Aber nur mit Durchhaltevermögen und Ausdauer kann man diese Ergebnisse bekommen. Ich bin natürlich immer noch im Lernprozess und mache Fehler, durch die ich mich aber nur verbessern kann, aber ich bin glücklich meine eigenen Fortschritte zu sehen, dich bis jetzt gemacht habe.

Zwei Leben in Costa Rica und Deutschland

Klar, es ist auch schwierig ein deutsches Leben und gleichzeitig auch ein costa-ricanisches Leben zu haben, auch weil in den zurückliegenden Monaten einiges in Costa Rica passiert ist, was mich sehr getroffen hat. Zum Beispiel ist meine Urgroßmutter mütterlicherseits im Dezember erkrankt und gestorben. Das war sehr schwer für mich wahrzuhaben. Außerdem war es sehr hart in dieser Zeit der Trauer, nicht bei meiner Familie sein zu können. Natürlich war die Unterstützung meiner Gastfamilie und Freunde hier trotzdem sehr wichtig und hat mir geholfen, alles gut zu überstehen.

Während das alles in Costa Rica passiert ist, war meine Zeit in Deutschland vom Gegenteil geprägt. Alles lief gut und ich hatte eine gute Zeit auf der Arbeit, mit der Familie und mit Freunden. Es war ehrlich gesagt eine sehr komische zeit, aber ich sollte an dieser Stelle meiner deutschen Mutter danken. Dafür, dass sie immer in allen Momenten für mich da war und mich unterstützt hat. Sie ist für mich zu einem Engel auf meinem Weg geworden, sie ist immer liebenswürdig und hat mir die besten Ratschläge gegeben.

Das Wetter in Deutschland

Wie jeder, werde auch ich über das kalte Klima reden, welches schon zu einem Klischee geworden ist. Ich glaube, wenn man es nicht tun würde, würde man nicht alles über Deutschland erzählen. Ich muss aber sagen, dass meine Erwartungen in Bezug auf die Kälte viel schlimmer waren, auch wenn man bedenkt, dass sich das Klima hier ändert. Aber auch wenn es nicht allzu kalt ist, ist es trotzdem nicht so, dass ich den ganzen Tag draußen sein will. In dieser Jahreszeit ist warme Kleidung sehr wichtig, auch weil man sich so vor Krankheiten schützen muss. Trotzdem ist das Tragen von Mütze und Schal nicht mein Wille, sondern ein Muss.

Was ich außerdem noch erzählen will, ist, dass im Winter hier die Weihnachtszeit war. Ich war auf den typischen Weihnachtsmärkten, habe Glühwein getrunken, bin durch die beleuchteten Straßen gelaufen und habe viele Menschen gesehen, wie sie Freude und Glück verbreitet haben. Das hat mich gerührt.

Nachhaltigkeitskonferenz in Köln

Ich habe außerdem an einer Konferenz in Köln teilgenommen, welche sehr angenehm war. Wir konnten über Themen wie Recycling, Nachhaltigkeit und nachhaltiges Essen diskutieren. Es gab die Möglichkeit die Agenda 2030/60 mit Fokus auf Afrika kennenzulernen. Das war sehr interessant und ich glaube, dass man einen ähnlichen Plan auch für Amerika bzw. speziell Lateinamerika machen könnte, da es in letzter Zeit ziemlich betroffen von Katastrophen war. Zumindest hatten wir das in einer kleinen Gruppe überlegt, mit uns Latinos, die wir da vor Ort waren. Dieser kulturelle Austausch, der dort stattgefunden hat, war erstaunlich! Wir waren viele Menschen und jeden Tag hat man neue Menschen kennengelernt, Freundschafts-beziehungen wurden stärker und dabei war die Kultur, Sprache oder Nation nicht wichtig, wir haben uns alle gut verstanden und uns gegenseitig respektiert.

Weihnachtstraditionen

Ich nahm an verschiedenen Weihnachtstraditionen teil wie z.B. die Adventssonntage. Davon gibt es 4 und jedes Mal wird sonntags eine Kerze angezündet. Am 6. Dezember wird Nikolaus gefeiert und die Kinder bekommen Schokolade und Geschenke. Ich fühlte mich erneut wie ein kleines Mädchen, weil meine Gasteltern mir am Nikolaus ein Geschenk gegeben hatten, was sehr aufmerksam und liebevoll war. Außerdem schenkte mir meine Freundin Karla meinen ersten Adventskalender, der für 24 Tage je ein kleines Türchen hatte. Jeden Tag im Dezember durfte ich ein Türchen öffnen, um ein leckeres Schokoladenstückchen zu essen. Dies ist eine sehr deutsche Tradition.

Weihnachten an der Seite meiner deutschen Familie in Berlin war sehr angenehm und unterhaltsam. Wir hatten ein kleines Abendessen und öffneten gemeinsam Geschenke. Es war eine schöne Erfahrung, diese Zeit in mit lieb gewonnenen Personen zu teilen. Am 25. Dezember hatten wir ein sehr elegantes Abendessen. Nach dem Essen hatten wir viel Spaß beim gemeinsamen Spiele spielen und Tanzen – einer der besten Tage, die ich in Deutschland erlebt habe. Das neue Jahr rückte immer näher. Ich machte mich auf die Reise nach Dresden, um Zeit mit meinen costa-ricanischen Freunden zu verbringen. Könnt ihr es glauben – ich habe Tamales gegessen (ein typisches costa-ricanisches Gericht) mit Kaffee! Ich setzte mich zufrieden zu Hause hin; die Zeit mit meinen Freunden in Dresden hatte mich sehr glücklich gemacht. Die Wahrheit ist, dass mir diese Zeit half, mich weniger weit weg meines geliebten Costa Ricas zu fühlen. Durch die Videonachrichten und Fotos meiner Familie hatte ich das Gefühl, als wäre ich dort bei ihnen. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass ich viel weinen werde und ich mich schlecht und traurig fühlen würde. Aber ich habe verstanden, dass jeder dort ist wo er sein muss und sein will. Was mich betrifft, ich will hier in Deutschland sein und möchte jede Sekunde genießen.

So beendete ich das Jahr mit meiner Familie hinter dem Bildschirm und mit einer Familie, die mich aufgenommen als wäre ich Teil der Familie. Ich fühlte mich glücklich und glaube, dass ich mich nicht besser hätte fühlen können in diesem Zeitraum. Und hier sind wir, neues Jahr, neue Ziele, neue Herausforderungen, aber immer standhaft und positiv.

Lust auf eine Fahrt mit der Achterbahn?

Ja. Das habe ich!! Jeden Tag. Manchmal mehr – manchmal weniger. Doch jeden Tag stelle ich mich freiwillig in die Schlange und freue mich darauf, in die Achterbahn einzusteigen. In der Schlange stehend und mit Blick auf die Achterbahn, weiß ich, dass ich mich auf ganz Unterschiedliches einlasse. Nervenkitzel. Adrenalin. Großer Respekt und kurze Momente, in denen man denkt: Was mache ich hier?? In der Achterbahn, die ich täglich hier fahre, begegnen mir Höhen und Tiefen. Phasen, in denen die Gefühle in Sekundenschnelle ein paar Meter hinunterstürzen und im nächsten Moment eine Strecke, auf der man wieder etwas Stabilität und Ruhe gewinnt. Plötzlich geht es dann wieder ganz hoch hinaus, bin beschwingt von der Fahrt, genieße den Ausblick, die Achterbahn und denke: hier will ich bleiben. Zeit bleibe stehen. – Doch im Hinterkopf weiß man, dass die Höhen nicht existieren können, wenn es keine Tiefen gibt. Wenn es keine Steigung, kein Gefälle, keinen Tiefpunkt und vielleicht auch keine Stagnation gibt. Das Schönste dabei ist, dass ich jeden Tag in eine neue Achterbahn steige. Unwissend, was mich heute erwartet. Nichtsahnend, wie die Fahrt verlaufen wird. Trotz der kurzen Panikattacken, wenn man das Gefühl hat, dass man gerade irgendwie doch nicht hier in dieser Achterbahn sitzen möchte, da es einfach nur 180 Grad abwärts geht. Oder wenn man gerade den schnellen Wechsel der Höhen satt hat und man sich einfach nur nach Boden unter den Füßen – einer Ruheoase – sehnt. Oder wenn man merkt – sich im Looping befindend- wie spannend ist, die Welt auch mal aus einem anderen Winkel zu sehen. Oder dann auch, wenn man sich wünscht, dass sich diese eine Kurve noch einmal wiederholt oder wenn man darum betet, dass der Wagen etwas langsamer fährt, damit ja dieser Moment nicht vorüber geht oder auch, damit einem ja nicht zu schwindelig von allem wird. Wenn ich dann aufgewühlt, total begeistert oder auch erschöpft aus der Achterbahn steige, bin ich jedes Mal sehr froh, die Fahrt mit allen Facetten erlebt zu haben. Den Mut gehabt zu haben, da einzusteigen. Und die Herausforderung angenommen zu haben.– Gemerkt habe ich, dass es das Beste ist, wenn ich mich offen für Überraschungen und Neues und ohne hohe Erwartungen in die Achterbahn hineinbegebe.

„Wie geht es dir?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Darauf antworte ich manchmal mit dieser metaphorischen Beschreibung meiner Achterbahnfahrten hier in Costa Rica oder dann auch, wie es mir genau in diesem Moment geht.

Ein neuer Alltag in Costa Rica

Nun nach fast vier Monaten voller neuer Eindrücken und Erfahrungen, kann ich auf alle Fälle sagen, dass ich ein Leben hier – mit Gewohnheiten, Hobbys, neuen Freunden und Bekannten, und einem Arbeitsplan – aufgebaut habe. Dieses Leben habe ich inzwischen wirklich als meine Realität angenommen (Momente des Staunens und des Gefühls der Surrealität erlebe ich natürlich weiterhin)- kurz gesagt: ein Alltag hat sich für mich etabliert.

Bevor ich Euch einen Einblick in mein Leben und das meiner Mitmenschen hier gebe und auf die Weihnachtszeit in Costa Rica eingehe, möchte ich kurze meine Einsatzstelle erläutern – Inzwischen habe ich (unter anderem mithilfe eines Fragebogens) einen guten Überblick über meine Einsatzstelle – Denn es nicht leicht, zu überblicken, was das Centro Cívico por la Paz alles bietet.

Einsatzstelle ,,Centro Cívico por la Paz“

Im Centro Cívico por la Paz in Guarari/Heredia arbeiten verschiedene Organisationen und Ministerien. Jede hat ihren eigenen Raum, aber sie arbeiten auch an gemeinsamen Projekten. Hinzu kommt, dass das Centro Cívico por la Paz Raum für Veranstaltungen anderer Organisationen bietet.Alles in allem haben alle beteiligten Organisationen das Ziel, die Menschen aus dem Viertel zu fördern, ihre Talente und Interessen zu stärken und einen Raum für Gemeinschaft und Begegnung zu schaffen. So sind Bildung, Pädagogik und Beratung bei Konflikten Grundbausteine des Zentrums.Letztendlich möchte man so die Leute von der Straße, Kriminalität, Drogen, Diskriminierung und Gewalt wegführen.

Es gibt ein breites Angebot: Kunstunterricht, Musikunterricht (Gitarren- und Klavierunterricht, Chor), PANI (eine Organisation, welche Kindern bis etwa 10 Jahren unterstützt und Bildung und Freizeitangebote im Bereich Spiel und Spaß (Kunst, Sport,..) bietet), Sportkurse wie Fitness/Ausdauer und Zumba, LigaFEM (Fußball für Mädchen und Frauen), einen für die Öffentlichkeit ständig zugänglicher Skaterpark und zwei Fußballplätze, Tischkicker, Tanzunterricht, Spielplatz, Theaterunterricht, eine Bibliothek mit der „club de la lectura“ (Lektüreverein zu deutsch), rechtliche Beratung für Geflüchtete und vieles mehr. Ein wichtiger Teil des Zentrums ist „la casa de la justicia“ (Haus der Gerechtigkeit). welches den Menschen aus dem Viertel Beratung bei Konflikten anbietet. Das bedeutet, dass beispielsweise im Falle eines Streites zwischen Nachbarn oder in der Ehe, die Beteiligten in einem Dialog mit professioneller Beratung versuchen, friedlich den Konflikt zu lösen. Andere Events wie den Friedensmarsch und die Eröffnung der Ausstellung in einem Kulturzentrum in Heredia Centro „¿Quién soy Guarari?“ (Wer bin ich Guararí? – Guararí ist das Viertel, in dem ich wohne und arbeite) habe ich bereits miterlebt – und auch vorbereitet: indem ich unter anderem bestimmt etwa hundert Plakate gemalt habe oder auch beim Aufbau der Ausstellung (mit Kunstprojekten der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen des Zentrums) und bei der Eröffnung mitgeholfen habe. Auch gibt es einmal pro Monat eine Veranstaltung für Jugendliche und junge Erwachsene, welche sich „Juventud hablan“ (Jugend spricht) nennt. In diesem Rahmen findet monatlich eine Veranstaltung zu einem Thema mit Bezug auf Menschenrechte und anderen sozialen und gesellschaftlichen Themen, statt. Zum Beispiel habe ich die Veranstaltung erlebt, bei der die Jugendlichen untereinander und mit Begleitung einer Frau des Kulturministeriums über das Thema Suizid gesprochen haben.

Als Freiwillige bin ich in vielen verschiedenen Bereichen tätig. Ich gebe Nachhilfe, gebe Bastelworkshops, unterstütze den Kunst – und Sportunterricht und bei Events. Auch helfe ich wöchentlich einmal einer Arbeitskollegin im Büro bei anstehenden Projekten. Ich freue mich bereits im nächsten Jahr auch einen Tanz- und Gymnastikkurs anzubieten.

Da sich das Centro Cívico por la Paz in einem Viertel befindet, wo Gewalt, Diskriminierung, Drogen und Kriminalität sehr präsent sind, ist das Centro Cívico por la Paz von Security bewacht und von einem hohen Zaun umrandet…

Mein Arbeitstag

20 Meter von meinem costa ricanischen Zuhause entfernt, trete ich durch das hohe Tor meiner Einsatzstelle hindurch. Werfe ein kurzes „buenos días“ oder „buenos tardes“ den Wärtern zu, einigen bekannten Gesichtern ein „hola“, begrüße die Putzfrauen mit einem „Cómo está?“, die dabei sind, die zu Gänge putzen und hole meine Sachen aus dem Schrank. Schlüssel bei den Wärtern abgeholt, begebe ich mich in das Zimmer, in dem ich normalerweise sechsmal pro Woche Nachhilfe gebe.

Heute sitze ich aber nicht vor einem Tisch mit Arbeitsblättern, von mir vorbereiteten Spielen und hinter der mit einem „Willkommen“ beschrifteten Tafel – sondern breite Bastelsachen auf den Tischen aus. Seit letzter Woche haben die Ticos, so nennen sich die Einheimischen, Sommerferien. – Nicht durcheinander kommen – hier heißen die Weihnachtsferien aufgrund der heißeren Trockenzeit Sommerferien, welche auch das Ende des Schuljahres markieren. Für die Ticos bedeuten Ferien: Ausschlafen – Entspannen – Faul sein.– Für mich und das Projekt bedeutet es: weniger Besucher und Schüler, die den Unterricht und die Angebote des Projektes wahrnehmen. Heute habe ich aber Glück. Nach nur ein paar Minuten trudeln einige Kinder ein. Diese „paar“ Minuten dehnen sich des Öfteren hier auf eine halbe Stunde aus – Pünktlichkeit nehmen die Ticos nicht so ernst – ganz nach dem Lebensmotto „pura vida“ der Ticos. In den nächsten drei Stunden werden Bäume mit Papierkugeln geschmückt. Ein Seufzer ausgestoßen, wenn der Kleber auf der falschen Seite der Zacke des Papiersternes gelandet ist und mit der Zunge zwischen den Zähnen konzentriert ein Weihnachtsgruß an Mamá und Papá geschrieben. Schließlich verabschiede ich die Kinder, welche glücklich und bepackt mit ihren 3D-Papiersternen, ihren buntbemalten Weihnachtsbäumen und ihren Weihnachtskarten den Raum verlassen. Hier und da habe ich auch eine Umarmung von den Kleinen bekommen. Ein wohliges Gefühl breitet sich bei mir aus, wenn ich gedrückt werde und beobachte wie die Kinder stolz ihren Eltern ihre Basteleien zeigen.

Neben den Bastelstunden mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, ist die Weihnachtszeit hier geprägt von blickenden Lichterketten, die die Häuser schmücken und von lauter Weihnachtsmusik, die aus den Läden schallt. Anstatt dem Geruch von frisch gebackenen Keksen, erschnuppert man den Geruch von Tamales, wenn man die Häuser betritt. Tamales sind – mit einer Masse aus Fleisch, Reis, Kartoffeln, Getreidemischung und Gewürzen – gefüllte Bananenblätter. Von Haus zu Haus, von Land zu Land (in Guatemala, woher meine Gastmama kommt, gehören Tamales auch zu den Weihnachtstraditionen) variieren die Zutaten. Überall werden sie verkauft, hergestellt und verspeist.

Weihnachten in Costa Rica

Heiligabend werde ich mit meiner Gastfamilie verbringen. Gemeinsam mit meinen vier bereits erwachsenen Gastgeschwistern, werden wir eine costa ricanische Weihnachtstradition zelebrieren: „amigos secretos“ – letztendlich vergleichbar mit dem in Deutschland bekannten Wichteln.

Was mir sicherlich ein wenig fehlen wird, ist der weihnachtliche Gottesdienst an Heilig Abend. Dieser findet nicht am 24. statt, sondern in der Kirche (in welcher meine Gasteltern Pastoren sind) bereits am Sonntag vor Heilig Abend. Das liegt daran, dass der Großteil der Kirchenmitglieder aus Nicaragua stammen, und so über Weihnachten ihr Familie in ihrem Heimatland besuchen. Am letzten Sonntag wurde ein Fest für die Kinder der Kirche und anderen aus dem Viertel veranstaltet. Dabei wurden neben Essen auch Geschenke und Süßigkeiten an die Kinder verteilt, welche davor gesammelt wurden. An die Kinder wird in der Kirche jeden Sonntag Mittagsessen ausgegeben, da sich die Familien dieses oft nicht leisten können.

Geschweige von Weihnachtsgeschenken, weshalb sich die Kinder sehr über die Geschenke gefreut haben. Diese Realitäten der Menschen hier in dem Viertel von Heredia, bringt einen sehr zum Nachdenken über das Konsumverhalten vieler Menschen, den Wert von materiellen Dingen, über Wertschätzung, Dankbarkeit und viele andere Themen.Im Gegensatz zu dem „Weihnachtsdekorationswahnsinns“ vieler Ticos, der bereits ab Ende Oktober beginnt, hat meine Gastmama erst am 3. Advent, begonnen das Haus zu schmücken – ohne Weihnachtsbaum.

Weihnachtsbäume und Schneeflocken

Grundsätzlich gibt es in vielen costa ricanischen Haushalten Weihnachtsbäume in der Weihnachtszeit. Neben aus Kanada importierten echten Tannen werden hier des Öfteren Weihnachtsbäume aus Plastik aufgestellt.Und übrigens: Schnee gibt es auch!! – Überall sieht man Schneeflocken glitzern: schneebedeckte Tannebäume, Schneeflockengirlanden in den Häusern, Weihnachtskarten mit eingeschneiten Dörfern – anscheinend wurde der Schnee aus anderen kälteren Ländern importiert…

Letztendlich würde auch ein Weihnachtsbaum nicht unbedingt ein weihnachtliches Gefühl bei mir hervorrufen – was mir hier bei kurzen Hosen, exotischen Früchten, Sommertemperaturen und ohne traditionellen Weihnachtsmarktbesuch mit heißem Glühwein und dampfenden Maronen, sehr schwerfällt.

Auch wenn mir in der Weihnachtszeit die Nähe meiner Familie und meiner Verwandten fehlt, kann ich letztendlich auf die Frage: … „Und jetzt? Wie geht es dir?“ antworten: – Jetzt geht es mir in diesem Moment wirklich sehr gut. – Sicher ist, dass ich hier erstmal noch länger bleiben und noch viele weitere Achterbahnfahrten erleben möchte! Lust habe ich immer auf die Achterbahnfahrt.

Und die Lust wird mir erstmal auch nicht vergehen.

Liebe Grüße aus dem weihnachtlichwarmen Costa Rica!

Eure Sophia

Mach’s gut, 2019, du warst gut zu uns…

Das Jahr neigt sich dem Ende und dankbar blicken wir uns nochmal um, damit wir uns erinnern können, was eigentlich alles genau bei Visioneers passiert ist. Wir haben so viele tolle Menschen kennengelernt und unglaublich viele Dinge erlebt – wir sind überwältigt von 2019! Anfang des Jahres sind wir direkt eingestiegen mit unseren ersten Religionsworkshops, die sich über das gesamte Jahr erstreckten. In 2019 haben wir das erste Mal eine Berliner Ferienschule angeboten und uns an das Thema Illusionen für 14 Tage gewagt.

Zwischen Deutschunterricht, Hausaufgabenhilfe und Ausflügen, wurden neue Freundschaften geknüpft, alte vertieft und vor allen Dingen viel gelacht. Die Ferienschule hat allen so viel Spaß gemacht, dass wir uns Ende des Jahres schon als „Ferienschul-Veteranen“ bezeichnen können, denn wir haben sowohl im Sommer, als auch im Herbst eine weitere angeboten, die stets gut besucht wurden. Wir haben neue Kooperationen und Partnerschaften zu Schulen und Vereinen geknüpft. Hier seien besonders die „Schildkröte“ und „Life e.V.“ zu erwähnen mit denen wir in 2020 auf jeden Fall ein Stück des Weges zusammen gehen wollen – stay tuned! Im Mai kam Anja mit an Board, die die Geschäftsleitung übernahm und seither unser Team tatkräftig unterstützt und managed.

Englisch CampAbsolutes Jahreshighlight war unser Englisch Camp. Dazu sind wir bis nach Fleth in Mecklenburg-Vorpommern gefahren, wo wir in einem Haus am See total intensive, schöne und spannende Tage miteinander verbracht haben. Unterstützt wurden wir hierbei von einem Team aus den USA, die dort den Englisch Unterricht für unsere 23 Jugendlichen gerockt haben. Es gab Kanutouren, Filmabende, Ping – Pong Turniere, Geländespiele und Party auf nahöstlich… Die Abende verbrachten wir am Lagerfeuer, wo wir uns intensiv über verschiedenste Religionen und das Leben austauschten – die Gespräche dauerten oft bis tief in die Nacht. Jetzt schon werden wir dauernd auf das nächste Camp im Sommer 2020 angesprochen. Pünktlich zum Camp kam unsere „weltwärts“-Süd-Nord Freiwillige Cristel aus Costa Rica, um unser Team zu erweitern. Leider gehörten auch Abschiede zu unserem Jahr und wir mussten Ester wieder nach Costa Rica gehen lassen, nachdem sie uns ein Jahr lang vor allem im Jugendbereich unterstützt hat. Wir blicken zurück auf einen Sommer voller Erinnerungen. Während der Ferienschule übernachteten wir einmal im Abenteuerzentrum Grunewald, lernten Bogenschießen und genossen den Sommer in vollen Zügen.

weltwärts Freiwillige

Aber wir empfingen auch unseren „weltwärts“ Jahrgang 2018/19 zurück und entsendeten unseren neuen Jahrgang mit 25 Freiwilligen aus ganz Deutschland nach Costa Rica, Peru und erstmalig Südafrika. Die Vorbereitungsseminare fanden alle bei uns in Berlin statt.

Der Herbst war geprägt von unserer dritten Ferienschule, die ganz unter dem Motto „Berliner Großstadtdschungel“ stand und auch hier lernten wir viele neue Leute kennen, die seitdem unseren Verein bereichern. Im Winter packten wir Päckchen für „Weihnachten im Schuhkarton“, bastelten einen Adventskalender und feierten die Feste, wie sie fielen.

Wir sind so dankbar für unsere Partnerschaften, die all das möglich gemacht haben. Vielen Dank für euer Vertrauen und eure Unterstützung. Wir sehen uns in 2020 – es wird NOCH besser!