Den Moment leben

Liebe Familie, Freunde, Bekannte und sonstige Interessierte!
Inzwischen bleibt mir nur noch eine Woche in Costa Rica, bevor es wieder nach Deutschland geht. Je näher das Abreisedatum rückt desto mehr wird mir bewusst, wie sehr ich das Land und seine Menschen vermissen werde. Ich habe hier viele neue Freunde und auch eine Familie gefunden, von denen sich mein Weg nun erstmal trennen wird. Zum Glück haben mir aber viele versichert, dass sie Deutschland besuchen wollen und wir uns somit wiedersehen werden. Davon abgesehen motiviert mich die kurze Zeit aber auch noch einmal dazu, jeden Moment zu genießen. Viel Spaß mit meinem letzten Blog.

Auch wenn ich in Costa Rica viel gereist bin, habe ich mich doch einer Region über das Jahr hinweg zu wenig gewidmet. Die Rede ist von Guanacaste, der nördlichsten Provinz dieses Landes, die gemeinsam mit Limon den Ruf hat, die schönsten Strände des Landes zu haben. Besonders ein Strand, Playa Conchal, wurde mir dabei immer wieder nahegelegt. Viele Ticos zählen ihn zu ihren Lieblingsstränden, weshalb ich ihn auf jeden Fall sehen musste.

Guanacaste

Nachdem ich den Playa Conchal mit eigenen Augen bestaunen konnte, bin ich selbst zu jemandem geworden, der den Playa Conchal lieben gelernt hat. Dieser Strand besteht nicht aus Sand, sondern aus Muscheln, was nicht nur gut aussieht. Es fühlt sich gut an, über sie zu laufen und sorgt darüber hinaus dafür, dass man weniger dreckig wird. Zusätzlich punktet der Strand mit seinem klaren Wasser und der Tatsache, dass er in einer ansehnlichen Bucht liegt. Das blieb aber nicht unbeachtet. So hat uns ein einheimischer Restaurantbesitzer erzählt, dass die Quadratmeterpreise durch “reiche Ausländer” deutlich über dem Landesdurchschnitt lägen.

Peninsula de Osa

Ein weiteres Highlight stand Ende Juli an.
Wir fuhren auf die Peninsula de Osa, der Insel, die den Nationalpark Corcovado mit der größten Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen bereithält. Die von uns angesteuerte Bahia Drake ist nur per Boot zu erreichen, was uns bereits 40$ für die Hin- und Rückfahrt kostete. Im Vergleich zu meinen sonstigen Wochenendausflügen, für die ich normalerweise samt Unterkunft und Transport circa 50$ ausgebe, war das deutlich teurer. Insgesamt war es den Besuch trotzdem Wert. Bereits auf der Hinfahrt sahen wir Delfine im Wasser schwimmen. Der Höhepunkt war allerdings eine Schnorcheltour zur Isla de Caño. Während des Schnorchelns habe ich neben Fischen, Schildkröten, und Krebsen sogar einen Hai gesehen. Auf dem Rückweg haben wir dann Wale gesehen. Selbst für unsere Guides war das ein besonderer Moment. Sie zückten begeistert ihre Kameras und zeigten mir damit einmal mehr, was für ein Glück ich hatte, das erleben zu dürfen.

AIPED – Asociación de Apoyo Integral para Personas con Discapacidad

In diesem Blog soll es um mein Projekt gehen, in dem ich seit Anfang diesen Jahres dreimal pro Woche arbeite.

Das Projekt heißt „AIPED“ (Asociación de Apoyo Integral para Personas con Discapacidad, Assoziation zur integralen Unterstützung von Personen mit Behinderung).

Die Mission des Projekts ist die Verbesserung der Lebensqualität erwachsener Menschen mit Behinderung durch Förderung und Training ihrer Autonomie und Unabhängigkeit. Täglich kommen zwischen 20 und 30 „Usuarios“ (Benutzer) in die Einrichtung und verbringen ihren Tag dort. Einige von ihnen kommen schon jahrelang dorthin, andere erst seit einigen Wochen oder Monaten. Trotz dessen ist es eine große Familie, zu der alle der Usuarios, unabhängig von ihrem Alter oder dem Grad ihrer Behinderung, gehören. Teil dieser Familie sind außerdem der Projektleiter Roy, die beiden Profesoras (Lehrerinnen) Yetty und Tatti, die Köchin Lali und die zahlreichen Freiwilligen. Die Freiwilligenarbeit spielt nämlich eine sehr große Rolle, da jeden Tag mehrere Freiwillige kommen, um bei der Betreuung der Usuarios Unterstützung zu leisten. Bei vielen der Freiwilligen handelt es sich um die Mütter der Usuarios. Es kommen aber auch externe Freiwillige, die unterstützend mitwirken, so wie ich auch.

Da das Team so groß ist, ist eigentlich immer etwas los und ich treffe auch heute immer noch auf neue Menschen, mit denen ich mich unterhalten und austauschen kann. Die Einrichtung ist sehr modern und offen, aber nicht zu groß, sodass alles sehr persönlich und einladend wirkt. Es gibt einen großen Saal mit angrenzender Küche, in dem die meiste Zeit verbracht wird. Außerdem gibt es einen Garten, ein Gymnasio (Sporthalle), wo Yoga gemacht wird, die Computer stehen und wo die Usuarios ihre freie Zeit verbringen können. Tagsüber werden zusätzlich verschiedene Aktivitäten angeboten, wie beispielsweise Bastel-, Computer-, Gärtner- und Englischklassen.

Meine Aufgaben

Mein Tag dort beginnt schon um 7:30 Uhr und endet um 15:30 Uhr. Allerdings bräuchte ich mit dem Bus über eine Stunde zur Arbeit, weshalb ich mit einem „Uber“ fahre. Meine Aufgaben sind sehr breit gefächert und grundsätzlich helfe ich bei allem, was gerade so anfällt. Am Morgen gibt es besipielsweise immer eine „Tanzsession“, um den Tag mit Bewegung zu starten, bei der die meisten Usarios immer begeistert mittanzen. Manche müssen allerdings erst dazu motiviert werden. 😉

Meine Aufgabe besteht aber vor allem darin, die Usuarios zu betreuen, da die meisten aufgrund ihrer Behinderung viel Unterstützung bei alltäglichen Dingen benötigen. Das bedeutet, dass ich ihnen beim Händewaschen und Zähneputzen helfe, ihnen das Essen zum Platz bringe oder beim Basteln neben ihnen sitze und sie anleite. Abgesehen von der Arbeit mit den Usuarios unterstütze ich gelegentlich Roy bei administrativen Aufgaben im Büro oder helfe beim Putzen sowie in der Küche. Eines ist also sicher: Es ist selten langweilig und jeden Tag passieren spannende Sachen!

Meine Erfahrungen und Beobachtungen

Obwohl ich noch nicht sehr lange dort arbeite, habe ich schon unfassbar viel gelernt. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen ist etwas sehr Besonderes und über die Zeit konnte ich schon engere Beziehungen zu ihnen aufbauen. Ich war zuvor noch nie in diesem Bereich tätig, sodass es eine ganz neue Erfahrung für mich ist, was die Arbeit aber noch besonderer für mich macht.

Was mich am meisten beeindruckt ist sowohl der Umgang mit dem Thema Behinderung als auch der Umgang untereinander. Die Stimmung ist immer gut und alle gehen unfassbar herzlich miteinander um. Ich kann spüren, wie viel Liebe die Mitarbeiter:innen für die Usuarios haben, was sie in Form von Umarmungen, gemeinsamem Lachen und verschiedenen Kosenamen und Verniedlichungen zum Ausdruck bringen. Vor allem das gemeinsame Lachen spielt dabei eine große Rolle. Für mich zeigt es die Unbefangenheit dem Thema Behinderung gegenüber. Denn statt die Usuarios zu bemitleiden, werden auch mal Scherze gemacht, auf eine Art und Weise, die erneut die Zuneigung und Wertschätzung zeigt, die untereinander herrscht.

Ich mag meine Arbeit dort sehr und fühle mich mit den Usuarios und dem Team super wohl. Ich habe das Gefühl, dass ich von dem Zusammensein mit Menschen mit Behinderung sehr viel mitnehmen und lernen kann. Das ist für mich eine einzigartige Erfahrung!

Die dunkle Seite von Costa Rica

Als Tourist:in sieht man für gewöhnlich nur die Seite eines Landes, die das Land einen sehen lassen will. Restaurants, deren Zielgruppe Tourist:innen sind, lassen sich schließlich leicht von denen unterscheiden, in die Einheimische einkehren. Genauso verhält es sich auch mit Stadtteilen oder ganzen Regionen. Was passiert aber, wenn man diese Touristenbrille absetzt und über den Tellerrand schaut, was sieht man dann?

Da das Projekt, in dem ich arbeite, in eben jenen Regionen, fernab des Tourismus‘ aktiv ist, habe ich das Glück, einen Einblick zu bekommen.

Mein Projekt

Dazu muss ich sagen, dass ich in Turrialba lebe, sicherlich nicht der ärmste und auch nicht der gefährlichste Ort Costa Ricas. Nichtsdestotrotz gibt es viel (extreme) Armut und es passieren schreckliche Dinge, wie der Tod eines Mannes durch eine Schusswaffe vor einigen Monaten oder Überfälle.

Ich arbeite für den Lions Club international und einen Leo Club. Das sind ehrenamtliche Vereinigungen mit recht großem sozialen Einfluss. Es werden Spenden gesammelt, mit denen dann Lebensmittel, Medikamente, medizinische Artikel wie Rollstühle, Windeln oder medizinische Betten gekauft werden können, die an ausgewählte Familien verschenkt oder verliehen werden, die von extremer Armut betroffen sind. Oft ist der Ursprung der Probleme der Familien die hohe Arbeitslosigkeit und Schwangerschaften Minderjähriger. Nicht selten erhalten z.B. 22-jährige Frauen mit mehreren Kindern diverse Hilfen. Der extremste Fall, den ich bisher mitbekommen habe, ist eine 25-jährige Schwangere, die unter Gebärmutterkrebs leidet und bereits fünf Kinder hat, das älteste ist 8 Jahre alt.

Die Arbeit mit Obdachlosen

Ein Projekt, das der Club Leo von Zeit zu Zeit organisiert, besteht darin, Essen an obdachlose Menschen zu verteilen. Da man dafür in die gefährlicheren Viertel muss, begibt sich die Gruppe aus Sicherheitsgründen in eine Art „Formation“. Dabei tragen die Personen in der Mitte der Gruppe das Essen, meistens sind das die Frauen, während außen ihre männlichen Kollegen laufen. Grundsätzlich gilt, dass man in dem Bereich bleibt, in denen Straßenlaternen den Weg beleuchten.

Größtenteils kommt es aber zu sehr angenehmen Begegnungen. Die Menschen sind oft erst skeptisch, dann ehrlich dankbar und freundlich, und auch wenn man erst in einem rauen Ton angesprochen wurde, endet so eine Begegnung oft damit, dass einem Gottessegen gewünscht wird. Manchmal erfährt man auch, warum die Personen auf der Straße leben, meistens wegen (struktureller) Arbeitslosigkeit oder aus familiären Gründen oder Krankheit.

Doch Menschen sind unberechenbar, deshalb können auf solchen Touren auch gefährliche Situationen entstehen. Einmal begegneten wir zwei Frauen, die beinahe in eine Prügelei verwickelt wurden. Eine stämmige Frau ging gerade auf eine schmächtige los, als wir in die Straße einbogen. Sie wollte offenbar etwas von ihr, wahrscheinlich handelte es sich um Drogen. Wie reagiert man in so einer Situation? Wer mischt sich freiwillig in eine handgreifliche Auseinandersetzung ein? Wohl niemand. Doch wenn eine der betroffenen Personen einen um Hilfe anfleht? Einfach zu gehen, ist keine Option. Wir versuchten also auf verbale Weise zu schlichten, woraufhin die unterlegene Frau zu uns flüchtete, was uns zwischen die Streitenden brachte. Glücklicherweise hatte die Tatsache, dass wir Essen mitgebracht hatten, eine besänftigende Wirkung. Wir verteilten wir also die Portionen und beobachteten anschließend, wie die zwei in unterschiedliche Richtungen davongingen.

Auch wenn nichts passiert war, macht einem eine solche Begegnung klar, warum die Menschen so vorsichtig sind und warum sie nicht wollen, dass man nachts allein unterwegs ist. Denn was wäre passiert, wenn man alleine in diese Auseinandersetzung geraten wäre? Oder wenn wir kein Essen dabeigehabt hätten?

Doch es entstehen auch Momente, die fast schon komisch sind. Eine solche Begegnung hatte wir an einem Ort, der dafür bekannt ist, dass dort Prostituierte ihr Geschäft abwickeln. Wir schienen in einem falschen Moment gekommen zu sein, denn wir wurden weggeschickt, aus Angst, wir könnten den Freier in die Flucht treiben. Als wir auf dem Rückweg waren, begegneten wir der Frau erneut. Eine kleine, zierliche Frau, der die Schneidezähne fehlten, die aber ein heiteres Wesen zu haben schien. Als sie uns wiedersah, kam sie mit einer, in dieser Umgebung grotesk wirkenden Fröhlichkeit auf uns zu und sagte:„ahora sí“, also „jetzt schon“ und nahm ihre Portion entgegen. Anschließend wurden ein paar freundliche Sätze gewechselt und sie zog von dannen.

Natürlich gibt es überall auf der Welt Orte, an die man keine Kinder allein gehen lässt oder vor allem Frauen davon abrät, sich dort herumzutreiben. Trotzdem würde ich behaupten, dass solche Warnungen in Ländern wie Costa Rica häufiger ausgesprochen werden und Menschen eher dazu bereit sind, größere Umwege in Kauf zu nehmen als ich das aus Deutschland kenne, vor allem nachts.

Und das zurecht.

Der Weg hinauf – meine Wanderung auf den Chirripó
Um 3 Uhr morgens sind wir zur Spitze des Chirripós aufgebrochen. Wir wurden von der Hostelbesitzerin zum Anfang des Trails gefahren. In der Stockfinsternis haben wir unsere Rucksäcke aufgesetzt, noch die letzten Fotos vor dem Schild zum Eingang vom Nationalpark gemacht und uns einige Minuten nach einem Pärchen und dessen Guide auf den Weg nach oben gemacht. Bald waren wir vier Mädels allein in der Finsternis mit unseren Taschenlampen und einem wunderschönen Blick auf die leuchtende Stadt Perez Zeledon. Langsam wurde es hell und wärmer. Nach einigen Stunden Aufstieg und Bremsenangriffen haben wir es zur ersten Raststätte geschafft. Das kleine Häuschen in den Bergen bietet den Wanderern einen Unterschlupf und die Möglichkeit, Getränke und Nahrung zu kaufen. Hier sind wir auch auf andere Wanderer getroffen. Wir haben unsere Brote ausgepackt und die Möglichkeit genutzt, uns ein bisschen in den Sonnenstrahlen zu wärmen. Während des Aufstiegs haben wir uns gefragt, wie das Essen und die Materialien auf den Berg gebracht werden. Bis wir auf dem schmalen Weg Platz für eine Gruppe Maulesel und deren Begleiter Platz gemacht haben. Die Tiere waren mit gefüllten Säcken beladen und konnten somit unsere Frage beantworten. Durch diese Begegnung hat sich jedoch eine neue Frage formuliert. Wir fragten uns, wie die Mitarbeiter es wohl schafften, den Berg in dieser hohen Geschwindigkeit in Gummistiefeln herunterzulaufen, denn um den Berg zu erklimmen, haben wir fast an jedem Kilometerschild eine kleine Pause eingelegt.

Das Centro MANÁ ist ein Rehabilitationszentrum in San José, in dem Männer mit Suchterkrankungen ein 9-monatiges Rehabilitationsprogramm durchlaufen. In diesem Zeitraum wohnen, leben und arbeiten sie im Centro. Sie erhalten psychologische Betreuung, haben die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen und erlernen in der Werkstatt handwerkliche Fertigkeiten.

Meine Aufgaben im Projekt

Die Koordination und Leitung des Projekts übernimmt die Psychologin Yolanda Barrios Mora, die mich auch in meiner Zeit dort betreut. Schon im Bewerbungsgespräch war Yolanda sehr herzlich und hoffen, hat meine Fragen beantwortet und vor allem auch meine Bedenken sehr ernst genommen.

Auch das restliche Team hat mich direkt sehr herzlich aufgenommen, ich wurde direkt integriert und bekomme auch schon eigenverantwortliche Aufgaben, die ich gemeinsam mit Gabriel (Arbeitskollege/Yolandas Sohn) bearbeite. Ich unterstütze zum Beispiel schon bei der Erstellung von Arbeitsmaterial, Listen oder der Planung eines Freizeitcamps. Zusätzlich arbeite ich gemeinsam mit einem Kollegen an einer Workshop-Reihe zu den Themen Emotionen, Selbstregulation und Empathie. Hier darf ich sehr selbstständig arbeiten, aber werde auch unterstützt, wenn ich Fragen habe. Außerdem bin ich Teil von Teambesprechungen, Gruppentherapien und darf auch bei Therapiegesprächen zuhören. Das hilft mir vor allem dabei, zunächst einmal die Abläufe, Regeln und Therapieansätze kennen zu lernen und mich mit der Arbeitsweise im Zentrum vertraut zu machen.

Bisher komme ich mit meinen Aufgaben gut zurecht, auch wenn es aufgrund der sprachlichen Hindernisse manchmal etwas schwieriger ist und man nicht immer zu 100% alles versteht. Man sollte aber auf jeden Fall Spanischkenntnisse haben und sich einigermaßen verständigen können, da es meines Wissens nach kaum Aufgaben gibt, die man auch mit geringen Spanischkenntnissen bearbeiten kann.

Insgesamt wurden meine Erwartungen an die Arbeit erfüllt und ich werde dort sehr gut betreut.

In meinem Projekt „Asocuna“ arbeite ich in einem Kinderheim in San José, der Hauptstadt Costa Ricas.  Jeden Morgen laufe ich eine halbe Stunde zu meiner Arbeit, die um   8.00 Uhr beginnt. Dort werde ich immer freundlich von den „Tías“ (Erzieherinnen, wörtlich übersetzt: „Tanten“) und den 18 Kindern, die alle zwischen null und sechs Jahre alt sind und in dem Heim leben, begrüßt.
Nachdem wir den Kindern nach ihrem Frühstück ihre Zähne geputzt haben, werden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Die älteren Kinder gehen mit der „Maestra“ (Lehrerin) in den Klassenraum und lernen dort die Zahlen und Farben oder spielen bildungsfördernde Spiele. Die kleineren Kinder, zu denen die unter zweijährigen Babys gehören, bringen wir in den Stimulationsraum. Dort singen wir vier „Guten Morgen“-Lieder und spielen mit ihnen.

Meistens helfe ich der Maestra im Klassenraum. Bis 9:30 Uhr singen wir mit den Kindern Lieder und basteln etwas. Danach wird die erste „Merienda“ (Snack) serviert. Diese besteht meistens aus einer Frucht wie einer Banane, etwas Papaya oder Erdbeeren.
Um 10:30 Uhr gehen alle Kinder und Babys in die Pause. Wenn gutes Wetter ist, was meistens der Fall ist, gehen wir in den Außenbereich des Hauses, wo es viele Spiel- und Fahrzeuge gibt. Dort passen die Tías und ich auf, dass sich die Kinder nicht schubsen, hinfallen oder das Spielzeug eines anderen Kindes klauen.

Vor dem Mittagessen „klatschen“ wir immer ein Gebet und danach werden die Kinder um 11:00 Uhr gefüttert. Anschließend putzen wir ihnen wieder ihre Zähne und dann beginnt auch schon die „Siesta“, der Mittagsschlaf. Dieser geht unter der Woche bis 14:00 Uhr.
Währenddessen bekommen ab 11:30 Uhr, die älteren Kinder ihr Mittagessen. Diese sind alt genug, um selbstständig zu essen, sodass man nur darauf achten muss, dass sie alles aufessen. Wenn ein Kind aufisst, bekommt es ein „Fresco“ (Erfrischungsgetränk).
Nachdem wir auch deren Zähne geputzt haben und sie schlafen, essen ich und meine Arbeitskolleginnen gemeinsam zu Mittag.
Oftmals helfe ich in der Pause meiner Chefin dabei, Spenden zu sortieren oder andere Sachen für die Kinder vorzubereiten. Manchmal kann ich mich aber auch in einem Nebenraum bis 14 Uhr ausruhen.

Nach der Siesta ziehen wir die Kinder um. Sie bekommen eine weitere Merienda und dürfen dann in ihrer Freizeit spielen, was sie meistens draußen tun. Falls es regnet, spielen die Kinder im Spielbereich des Hauses. Um 16 Uhr habe ich Feierabend und verabschiede mich von den Kindern und den Tías.

“Wenn man schätzt, was man hat, merkt man, dass man viele Schätze hat.“

-Ernst Ferstl

Für mich begann das bewusste Wertschätzen, vor allem auch von kleinen Dingen, hier in Costa Rica. Denn erst hier habe ich realisiert, was mir auf einmal fehlt, beispielsweise meine Familie. Wie selbstverständlich ist es meistens gewesen, nach Hause zu kommen und meine Familie vorzufinden. Hier komme ich nach Hause und finde nicht mehr meine Familie, sondern meine drei Mitbewohnerinnen vor.

Wieso beginnen wir also erst Dinge wertzuschätzen, wenn wir sie nicht mehr haben oder sie nicht mehr greifbar sind?

Umgekehrt weiß ich schon jetzt, dass ich Manches von dem, was ich hier lieben lerne, nach diesem Jahr und wieder zurück in Deutschland vermissen werde.

Und damit ich nicht erst dann realisiere, was mir alles fehlt und was ich mehr wertschätzen hätte sollen, beginne ich gleich hier bewusst damit. Ich nehme mir vor, pro Tag nur eine Sache oder eine Person auszusuchen, für die ich dankbar bin. Ich bin mir sicher, dass es mir damit viel besser gelingen könnte, im Moment zu leben und den Augenblick zu genießen.

Eine der Sachen, die ich sehr wertschätze, ist die Großzügigkeit und Offenheit der Costa-Ricaner, mit der sie mir täglich begegnen. Es gibt bereits unzählige Beispiele, bei denen mein Herz aufgegangen ist, einige werde ich nennen: kürzlich haben Milena, meine Projektpartnerin und ich nach einem langen Arbeitstag beschlossen, bei der Bäckerei in unserer Straße eine Kleinigkeit zu kaufen. Als wir die Bäckerin nach ihrem Lieblingsgebäck gefragt haben, deutete sie auf Cookies, die wie Brownies aussahen. Wir entschieden uns für diese, wollten jedoch erstmal nur eins kaufen, um es probieren zu können. Doch sie gab uns noch ein zweites mit in die Tüte, mit dem Satz: Willkommen in der Nachbarschaft! Ein weiteres Beispiel ist mir passiert, als ich auf der Heimfahrt von Jaco war und mit Milena im Bus nach San Jose stand. Ja richtig, wir mussten stehen, da wir vergessen hatten, uns ein Ticket zu kaufen und einen Sitzplatz zu reservieren. Doch schon bald kam ein Mann in den Bus und hat gesehen, dass wir uns gerne hinsetzen würden, woraufhin er seinen Platz aufgegeben hat, sich neben eine andere Reisende gesetzt und uns seinen Doppelplatz überlassen hat.

Ich schätze auch meine Nachbarn wahnsinnig wert, da sie für mich wie eine zweite Familie geworden sind! Die Familie besteht aus den Eltern und einer 16-jährigen Tochter, namens Maria. Wir sehen sie nahezu täglich und sie sind uns bei allem eine Hilfe! So kann es passieren, dass wir auf der Suche nach etwas sind und es nur am Rande erwähnen und Marcia, die Mutter uns am nächsten Morgen eine Menge Screenshots schickt von guten Angeboten, die sie herausgesucht hat. Sie sind für mich also ein großer Bestandteil meines Lebens und ich bin unglaublich dankbar dafür, dass wir durch sie die costa-ricanische Kultur hautnah miterleben dürfen.

Zudem bin ich dankbar für die Arbeit in meinem Projekt. Ich fühle mich täglich wirklich gebraucht, sowohl für die organisatorischen Aufgaben als auch für die Arbeit mit den Kindern. Dies erfüllt mich deshalb so sehr, da ich ja auch tatsächlich erfahren möchte, wie der Alltag in einer Kindereinrichtung, wie El Refugio sein kann. Den ganzen Tag nur Löcher in Luft starren und mich ungebraucht fühlen zu müssen, wäre schrecklich für mich. Ich wertschätze, dass ich bei dieser Arbeit lernen muss, viel Geduld zu haben. Und zwar bei allem. Damit meine ich beispielsweise die Ruhe zu bewahren, wenn ein Kind mal keine Lust hat am Englisch-Unterricht teilzunehmen und stattdessen lieber mit Knete spielen möchte. Oder man nach einer zweistündigen Entrega de comida” immer noch auf einige Familien warten muss, die dann in letzter Minute zu sechst reinschneien, um sich ihr Essen abzuholen.

Ich lerne durch die Arbeit, wie ich mit Kindern umgehen kann, die sich anfangs teilweise nicht einmal trauen, die Hand ihrer Mama loszulassen, aber dann beim gemeinsamen Spielen schnell aufblühen und uns Vertrauen schenken.

Ohnehin sind die Kinder im Projekt ein großer Schatz, für den ich dankbar bin. Sie zaubern mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Zum Beispiel indem sie freudestrahlend auf mich zugelaufen kommen, meinen Namen ganz laut rufen und mich dann umarmen. Diese Zuneigung bedeutet mir deshalb so viel, weil ich dadurch die Bestätigung bekomme, mich richtig gegenüber ihnen zu verhalten und eine Freude machen zu können.

Ebenfalls bin ich für die Köchinnen in meinem Projekt sehr dankbar, die uns jeden Dienstag und Freitag ein typisch costa-ricanisches Essen zaubern und dafür sorgen, dass wir auch wirklich satt werden! Sie zeigen jedes Mal so viel Interesse an unserem Leben und freuen sich riesig eines Tages meine Familie kennenzulernen, für die sie auch kochen und zu sich einladen wollen.

Dankbar bin ich auch, dass ich einen neuen Lebensstil erleben darf. Damit meine ich beispielsweise den Weg in die Arbeit, bei dem wir jeden Morgen ca. 20 Minuten zur Bushaltestelle laufen müssen und dann nochmal ca. 25 Minuten mit dem Bus zu unserer Arbeit fahren. Zuhause hätte mich vermutlich das Mama-Taxi bemüht, doch diesen Luxus kann ich hier nicht mehr genießen. Aber das ist auch in Ordnung, denn nur so haben wir jetzt einen neuen Freund, nämlich unseren Busfahrer, der uns morgens sowie nachmittags freundlich begrüßt und sogar auf uns wartet, wenn wir mal etwas verspätet zur Bushaltestelle rennen. Auch war es für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, mir ein Zimmer zu teilen, da das bedeutet hat, dass ich jetzt weniger Privatsphäre habe. Jedoch gewöhne ich mich daran immer mehr und finde, dass es auch gut so ist, dass ich mal aus meiner Komfortzone treten muss.

Eine weitere Sache, für die ich extrem dankbar bin, ist der Blick von unserem Haus sowohl auf eine Bergkette, als auch auf die Stadt San José, die vor allem bei Nacht, wie ein wunderschönes Lichtermeer aussieht. Jedes Mal, wenn ich nach Sonnenuntergang nach draußen gehe, muss ich staunen und weiß bereits jetzt, wie sehr ich diese Sicht vermissen werde.

Letztlich schätze ich das Wetter hier sehr wert! Anfangs wurde mir von vielen gesagt, dass es in Heredia kalt sei, woraufhin ich natürlich einige dicke Pullis und Jacken mitgenommen habe. Doch davon habe ich noch keine einzige benötigt! Jeden Morgen laufe ich mit T-Shirt aus dem Haus und genieße die Sonnenstrahlen, herrlich! Genauso habe ich es mir gewünscht: Eine angenehme Wärme, bei der man keine Jacke braucht, aber auch nicht auf der Suche nach Schatten ist. Noch viel mehr schätze ich dieses Wetter wert, wenn mir meine Familie oder Freunde aus Deutschland Bilder schicken, wie sie mit langen Mänteln aus dem Haus gehen müssen.

Wie bereits aufgezählt, gibt es so viele Dinge und Personen, für dich ich dankbar bin und die ich liebe und respektiere. Würde ich noch mehr Sachen aufgreifen und noch mehr ins Detail gehen, würde dieser Artikel zu lang werden.

Für dieses Mal war es mir wichtig zu zeigen, wie viele einzelne Dinge es gibt, die Schätze sind, aber nicht immer automatisch als solche erscheinen. Und zu guter Letzt hat es mir sehr viel Freude gemacht, diesen Blogartikel zu schreiben oft mit einem Lächeln im Gesicht, glücklich, entspannt, positiv – das Wunder der Wertschätzung.

__________________________________________________________________________________________

„weltwärts“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt das Interesse von Jugendlichen an freiwilligem Engagement in Entwicklungsländern. Der Großteil der Kosten für das Freiwilligenjahr wird durch den Zuschuss vom BMZ übernommen. Es bleibt jedoch ein Viertel der Gesamtkosten übrig: 3.000 € müssen über VISIONEERS und jedem Freiwilligen selbst gesammelt werden. VISIONEERS ist als unabhängige und gemeinnützige GmbH auf private Spenden angewiesen, um ein umfangreiches und zukunftsfähiges weltwärts-Programm zu ermöglichen.

Helft mir und VISIONEERS, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bitte unterstützt uns mit einer monatlichen oder einmaligen Spende.

VISIONEERS gGmbH

Berliner Sparkasse

IBAN: DE29 1005 0000 0190 6097 70

BIC: BELADEBEXXX

Betreff: Name + Adresse des Spenders + Freiwilligen

Wir freuen uns jederzeit über Spenden.

Nach der Schule begann für mich eine neue Lebensphase. Ich begann mir Fragen bezüglich meiner Zukunft zu stellen. Was habe ich mit meinem Leben vor? Was möchte ich erreichen und wie komme ich dort hin, wo ich hin möchte? Was könnten wichtige Zwischenstationen sein?

Schlussendlich habe ich mich für ein freiwilliges soziales Jahr entschieden. Ich wollte gerne für und mit Menschen arbeiten und das Leben aus einer anderen Perspektive sehen. Es bestand der Wunsch nach einem interkulturellen Austausch, neue Leute, deren Gewohnheiten und Sprache kennenzulernen. Bis jetzt durfte ich viel diesbezüglich erleben und lernen.

Für Lateinamerika habe ich mich aufgrund der spanischen Sprache entschieden. Einer meiner Wünsche ist es am Ende des Jahres fließend Spanisch sprechen zu können.

Costa Rica habe ich aufgrund seiner besseren Situation bezüglich der Corona Lage, als auch der höheren Sicherheit vergleichsweise zu anderen lateinamerikanischen Ländern gewählt. Zudem haben eine Vielzahl von Erzählungen von meinem Vater, als auch seinen Freunden, dazu beigetragen, dieses Land zu wählen. Ebenso gab es seitens der FSJ Organisationen Versprechen, ein für mich passendes Projekt dort vor Ort zu finden. Alle Personen mit denen ich darüber sprach, haben positiv von diesem Land, der Natur und den Leuten geredet.

Bis jetzt kann ich, bezüglich Land und Leuten nur schwärmen. Die Natur ist ebenso vielfältig wie die Artenvielfalt. Es gibt so viel zu sehen. Seien es Berge, Vulkane oder das Meer, die Natur, Flora und Fauna in nicht gekannter Vielfalt.Ich genieße all die Tage und Momente wenn ich frei habe, die ich draußen in der Natur verbringen durfte und darf.

Ganz besonders mag ich den Lebensstil hier, den „Pura Vida“. Viele Menschen scheinen wirklich mehr im Moment zu leben und entspannt zu sein. Ein Kontrast gegenüber dem Großstadtstress den ich ab und zu in Berlin erlebt habe. Die Menschen öffnen nicht nur ihre Arme zum Umarmen, wobei dies auch begrenzt durch Corona ist, sondern auch ihre Türen. Es herrscht eine beeindruckende und unglaubliche Gastfreundschaft. In so vielen Situationen stehen einem die Menschen zur Seite, sei es bei einer Wegbeschreibung, einem Problem mit der Waschmaschine und noch vielem mehr.

Mein Dorf ist klein, jeder kennt eigentlich jeden. Es ist eine vertraute und sichere Umgebung. Man lernt schnell viele Nachbarn kennen und die Anonymität, wie es sie in Berlin gibt, existiert hier nicht wirklich. Die vorhandene Nähe, räumlich und sozial, macht aus meinem Dorf eine Gemeinschaft.

Im Allgemeinen bin ich sehr dankbar und froh die Entscheidung getroffen zu haben mein FSJ in Costa Rica zu machen. Ich liebe das Land und seine Vielfältigkeit bezogen auf Natur und Tiere, als auch die Menschen, die in diesem schönen Land leben. Seien es Freunde, Nachbarn oder mein herzliches Arbeitsteam.

Auch wenn nicht alle Dinge so sind, wie ich es mir vorgestellt habe, oder mir seitens der Organisation oder des Projektes angekündigt wurde bin ich doch dankbar eine solche Erfahrung zu machen.

Das FSJ hat mir durch neue Begegnungen eine Tür in eine andere Welt geöffnet

___________________________________________________________________________________________

„weltwärts“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt das Interesse von Jugendlichen an freiwilligem Engagement in Entwicklungsländern. Der Großteil der Kosten für das Freiwilligenjahr wird durch den Zuschuss vom BMZ übernommen. Es bleibt jedoch ein Viertel der Gesamtkosten übrig: 3.000 € müssen über VISIONEERS und jedem Freiwilligen selbst gesammelt werden. VISIONEERS ist als unabhängige und gemeinnützige GmbH auf private Spenden angewiesen, um ein umfangreiches und zukunftsfähiges weltwärts-Programm zu ermöglichen.

Helft mir und VISIONEERS, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bitte unterstützt uns mit einer monatlichen oder einmaligen Spende.

VISIONEERS gGmbH

Berliner Sparkasse

IBAN: DE29 1005 0000 0190 6097 70

BIC: BELADEBEXXX

Betreff: Name + Adresse des Spenders + Freiwilligen

Wir freuen uns jederzeit über Spenden.

Das Gott in Costa Rica viel präsenter im alltäglichen Leben ist als in Deutschland wusste ich zwar vor meiner Ausreise, aber trotzdem bin ich nach 6 Wochen immer noch überrascht, wie tief der Glauben hier verankert ist. Besonders in meinem Projekt dreht sich sehr viel um Gott, den Glauben und die Beziehung der Kinder und Tías (die Mitarbeiter, die sich um die Kinder kümmern) zu Gott.

Das fängt schon dabei an, dass auf die Frage „Cómo estás?“ (Wie geht es dir?) mit „Bien, Gracias a Dios“ (Gut, dank Gott) geantwortet wird. Auch wird in meinem Projekt vor jeder Mahlzeit gebetet, mal leiten die Tías das Gebet, aber auch oft die Kinder. Dabei wird klassischer Weise für das Essen und den Tag gedankt, aber wenn die Kinder an der Reihe sind, wird auch mal dafür gebetet nicht ins Bett zu pinkeln. Zudem gibt es jeden Tag eine Art Gebetskreis in dem zentralen Gebäude des Projekts, bei dem jedes Haus abwechselnd (vor Corona immer gemeinsam, jetzt wird aber versucht die Häuser nicht zu vermischen) dran ist. Dabei werden immer zu einem monatlichen Thema kinderrecht, z.B. durch Singen oder auch Malen, Inhalte über Gott und christliche Werte vermittelt.

Am Anfang war es für mich schon etwas befremdlich zu sehen, mit welcher Überzeugung der Glauben besonders in meinem Projekt gelebt wird, doch mit der Zeit ist mir immer deutlicher geworden, wie wichtig Gott für die Kinder ist. Alle Kinder, die hier vorrübergehend oder auch länger leben, haben in irgendeiner Form Gewalt erfahren: physisch, psychisch oder sexuell und wurden vernachlässigt. In Hogar de Vida wird ihnen beigebracht, dass Gott immer für sie da ist, dass er sie immer liebt und dass er für jede einzelne Person und jedes Lebewesen einen Plan hat. Mit Gott kann man immer reden und ihm alles anvertrauen. Dieses Wissen, dass es immer jemanden gibt, der über einen wacht und liebt, gibt den Kindern die Stabilität, die ihnen in ihrem bisherigen Leben so oft gefehlt hat.

Gott spielt auch eine wichtige Rolle, wenn den Kindern erklärt wird, wann sie zu ihrer Familie zurückkönnen. Dafür wird in Hogar de Vida die Metapher einer Brücke verwendet. Die Kinder mit den Tías stehen auf der einen Seite und die Familie, sei es die biologische oder Adoptivfamilie, auf der anderen. Doch auf der Brücke liegen ganz viele Steine und Stöcke, die durch Arbeit von beiden Seiten entfernt werden müssen, bevor die Kinder die Brücke überqueren können. Wenn die Kinder also fragen, wann sie wieder zu ihrer Familie können, antworten die Tías: „Wenn alle Steine und Stöcke aus dem Weg geräumt sind“. Doch wann die Brücke frei von Hindernissen ist und der Weg endlich frei ist, weiß nur Gott. Für diese Metapher bin ich extrem dankbar, denn ich wüsste nicht wie ich sonst erklären sollte, wann ein Kind wieder zurück zu den Eltern darf.

Abschließend kann ich sagen, dass durch die Arbeit in meinem Projekt mein Horizont definitiv erweitert wird und mir auch Seiten von Religion gezeigt werden, die ich davor noch gar nicht kannte. Es ist zwar oft sehr anstrengend und besonders in der Anfangszeit auch schwierig, aber ich lerne jeden Tag dazu und genieße die Zeit im Projekt und mit meinen wundervollen Mitbewohnerinnen aus vollen Zügen!

__________________________________________________________________________________________

„weltwärts“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt das Interesse von Jugendlichen an freiwilligem Engagement in Entwicklungsländern. Der Großteil der Kosten für das Freiwilligenjahr wird durch den Zuschuss vom BMZ übernommen. Es bleibt jedoch ein Viertel der Gesamtkosten übrig: 3.000 € müssen über VISIONEERS und jedem Freiwilligen selbst gesammelt werden. VISIONEERS ist als unabhängige und gemeinnützige GmbH auf private Spenden angewiesen, um ein umfangreiches und zukunftsfähiges weltwärts-Programm zu ermöglichen.

Helft mir und VISIONEERS, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bitte unterstützt uns mit einer monatlichen oder einmaligen Spende.

VISIONEERS gGmbH

Berliner Sparkasse

IBAN: DE29 1005 0000 0190 6097 70

BIC: BELADEBEXXX

Betreff: Name + Adresse des Spenders + Freiwilligen

Wir freuen uns jederzeit über Spenden.

Durch die zentrale Lage in Mittelamerika war Costa Rica schon immer von Migration geprägt. So kamen bereits früh Menschen mit Fluchterfahrungen aus dem Norden Mittelamerikas in den Süden, vor allem aus Nicaragua. Auch in den letzten Jahren war der Anteil von Menschen mit Fluchtgeschichte aus diesem Land sehr hoch, da es im Jahr 2018 in Nicaragua zu landesweiten Protesten kam, weshalb viele Menschen nach Costa Rica geflüchtet sind. Allein im Jahr 2020 betrug die Anzahl der Menschen aus Nicaragua 9.416 von insgesamt 12.654 Menschen mit Fluchterfahrungen, die nach Costa Rica kamen.

In dem Stadtteil von Heredia, La Milpa, in dem sich mein Projekt befindet, kann man diesen hohen Anteil von Menschen mit Fluchthistorie hautnah miterleben. Um das genauer aufzuzeigen, möchte ich die Geschichte von einer meiner Kolleginnen erzählen. Klarissa (Name verändert) und ihre Familie kamen vor vielen Jahren, als sie selbst noch ganz klein war, aus Nicaragua nach Costa Rica. Ihre Mutter hatte keine Arbeit mehr gefunden und sie konnten ihr Leben in ihrem Herkunftsland nicht mehr finanzieren. In Costa Rica angekommen, musste die Familie sich illegal eine Blechhütte in La Milpa erbauen, in der sie zu Siebt in einer „Drei-Zimmer-Wohnung“ leben. Allerdings besitzen sie nicht mal Stühle, einen Tisch oder ein Sofa. Lediglich ein paar Betten und einen Kleiderschrank. Viele Familien sind illegal in Costa Rica, da es sehr schwer und sehr teuer ist, die Staatsbürgerschaft zu bekommen.

Aus diesem Grund finden viele Menschen mit Fluchterfahrungen keinen richtigen Job. Die einzigen Möglichkeiten, die sie haben, sind unter der Hand angestellt zu werden, viel zu arbeiten für wenig Lohn, Korruption in Kauf zu nehmen, oder selbstständig zu werden. Viele verkaufen Lebensmittel oder handgemachte Artikel an den Häusern. Eine weitere Option ist es, in den Drogenhandel einzusteigen. Vor allem in La Milpa haben diesen Weg viele gewählt. Dies ist ein riesiges Problem und auch der Grund, warum sich Klarissa nie, nicht mal in ihrem eigenen zu Hause, sicher fühlen kann. Das Problem, das durch den Drogenhandel entsteht ist, dass nicht nur viele von außerhalb nach La Milpa kommen um sich Drogen zu besorgen, sondern auch Rivalitäten zwischen den Dealern entstehen, da sie so nah aufeinander wohnen. Somit gibt es viel Unterdrückung, Ausnutzung und Bedrohungen.

Eine weitere sehr traurige Folge ist, dass es in vielen Familien Angehörige gibt, die von Drogen abhängig sind. Dadurch, dass die Familien aus armen Verhältnissen stammen und kaum irgendeine Art von Bildung haben, entsteht ein Kreislauf oder auch Teufelskreis. Die Drogenabhängigkeit wird so zu sagen von Generation zu Generation vererbt und es kommt nicht selten vor, dass selbst die Großeltern süchtig sind.

Klarissa und ihre kleinen Geschwister haben den Vorteil, dass sie durch das Projekt „El Refugio“ dazu motiviert worden sind in die Schule zu gehen. Es gibt jedoch viele Kinder, die dieses Privileg nicht haben. Die Kinder, die illegal in Costa Rica leben, haben die Erlaubnis und sogar die Pflicht in die Schule zu gehen. Viele Kinder leben allerdings in diesem Land, ohne dass der Staat es weiß, weshalb keiner darauf achtet, ob die Kinder tatsächlich in die Schule gehen oder nicht. Viele der Eltern sind durch ihre Abhängigkeit nicht in der Lage, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Die Kinder verbringen den ganzen Tag auf der Straße. Die Kinder fangen an zu stehlen und geraten auch selber schnell in Drogengeschäfte oder andere kriminelle Aktivitäten. Bereits in jungem Alter müssen sie lernen sich durchzusetzen und auf der Straße zu überleben. Es geht um „survival of the fittest“.

Dadurch sind die Kinder schon früh Gefahren wie Kidnapping, Misshandlung oder Überfällen ausgesetzt. Allerdings sind die Kinder leider oft freiwillig den ganzen Tag auf der Straße unterwegs, da sie zu Hause nicht glücklich sind, misshandelt werden und sich niemand um sie kümmert.

Wenn die Kinder Gegenstände (Bücher, Kleidungsstücke oder anderes) besitzen, müssen sie diese Dinge oftmals selbst in ihrer eigenen Familie verstecken, da sie ihnen sonst weggenommen, verkauft oder zerstört werden. Die Kinder sind oft nicht mal in ihrem eigenen Haus sicher. Zu der fehlenden Bildung kommt, dass die Kinder und ihre Familien, die in La Milpa leben, keine Perspektive haben. Viele von ihnen verlassen das Stadtviertel oder die Stadt niemals in ihrem Leben. Sie kennen sich nicht in Costa Ria aus, geschweige denn in der Welt. Deutschland ist für sie gefühlt wie ein anderer Planet. Für mich ist es immer sehr schockierend zu sehen, dass Kinder mit 14 Jahren noch nicht einmal richtig schreiben können, gerade einmal addieren lernen und nicht wissen, wo sich Europa befindet.

Da die Menschen mit Fluchgeschichte keine Staatsbürgerschaft besitzen, haben sie auch nicht das Recht zu studieren. Klarissa zum Beispiel würde gerne Grundschullehrerin werden, da sie aber noch keine Staatsbürgerschaft besitzt, kann sie weder studieren noch arbeiten.

Hinzu kommt, dass die Familien oftmals so arm sind, dass ihnen sogar das Geld für den Bus fehlt. Hierbei muss man wissen, dass öffentliche Verkehrsmittel und vor allem Busse hier in ganz Costa Rica extrem günstig sind. Mit ca. 5 Euro kommt man beispielsweise von der Hauptstadt bis an die Küste. Ich habe eine Familie kennengelernt, die so wenig Geld besitzt, dass der Vater abwägen muss, ob er den Bus hin zur Arbeit nimmt oder den, der zurückfährt. Somit muss er immer einen Weg der ca 15 Kilometer langen Strecke zu Fuß gehen.

Ich finde es eine sehr überwältigende und prägende Erfahrung, diese absolute Armut und diese Lebensweise zu sehen und kennen zu lernen. In einem Industrieland wie Deutschland vergessen wir viel zu oft, in welchen Umständen andere Menschen leben. Die Armut und die Zustände, die ich hier sehe, hätte ich mir nie so vorstellen können. Es ist für mich eine einmalige Erfahrung und zeigt mir jeden Tag aufs Neue, in welchem Luxus ich aufgewachsen bin.

__________________________________________________________________________________________

„weltwärts“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt das Interesse von Jugendlichen an freiwilligem Engagement in Entwicklungsländern. Der Großteil der Kosten für das Freiwilligenjahr wird durch den Zuschuss vom BMZ übernommen. Es bleibt jedoch ein Viertel der Gesamtkosten übrig: 3.000 € müssen über VISIONEERS und jedem Freiwilligen selbst gesammelt werden. VISIONEERS ist als unabhängige und gemeinnützige GmbH auf private Spenden angewiesen, um ein umfangreiches und zukunftsfähiges weltwärts-Programm zu ermöglichen.

Helft mir und VISIONEERS, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bitte unterstützt uns mit einer monatlichen oder einmaligen Spende.

VISIONEERS gGmbH

Berliner Sparkasse

IBAN: DE29 1005 0000 0190 6097 70

BIC: BELADEBEXXX

Betreff: Name + Adresse des Spenders + Freiwilligen

Wir freuen uns jederzeit über Spenden.