Bereits seit 4 Jahren wird das Projekt in Limon 2000 von Visoneers unterstützt. Mit dem Bau einer (Berufs-)Schule begann die Arbeit einiger Freiwilligen in einer der ärmsten Regionen Costa Ricas. Der Bau sollte den Grundstein für die Schaffung neuer Perspektiven für die Menschen vor Ort bilden. Seit diesem Jahr ist der Bau einer Kantine für die Schule voll im Gange. Ich bin Philipp, 23 Jahre alt, ursprünglich aus dem Allgäu und habe dieses Jahr meinen Bachelorabschluss in energieeffizientem Planen und Bauen in Augsburg abgeschlossen. Um möglichst viele internationale Erfahrungen im Bauwesen zu sammeln, war es für mich wichtig ein Freiwilligenprojekt diesbezüglich zu absolvieren. Durch Zufall und mit sehr kurzer Vorbereitungszeit bin ich nun in Costa Rica angekommen, um den Bau voranzutreiben und bei der Arbeit zu helfen, um den Bau baldmöglichst abzuschließen.
Startschwierigkeiten
Nach einer einwöchigen Eingewöhungsphase mit den anderen Freiwilligen in San José hieß es für mich ab nach Limon. Ab an die Küste. Ab in die unglaublich heiße und feuchte Karibik. Um ein Saunagefühl zu bekommen fehlte für mich in den ersten Tagen lediglich der Duft nach Latschenkiefer Citro-Orange auf Teebaumölbasis. Nach dem Duschen wusste ich meistens nicht, ob ich noch nass von der Dusche oder schon wieder nass vom Schweiß war. Ich wurde herzlich von Pastor Julio, dem Leiter des Projektes vor Ort, am Busbahnhof begrüßt und wir fuhren gemeinsam zu ihm nach Hause. Dort wurde mir erstmal erklärt, dass die Familie, in der ich eigentlich unterkommen sollte, neben drei pubertierenden Kindern, nicht noch mehr Chaos durch einen deutschen Freiwilligen aufnehmen kann. Also blieb ich erstmal bei Julio und die Suche nach einer neuen Bleibe nahm die nächsten Tage in Anspruch. Mit Pastora Aydita wurden wir fündig und so wohne ich seit nun 6 Wochen in Limon 2000, drei Minuten Fußweg zu Baustelle.
Die ersten beiden Wochen fehlte das Geld aus Deutschland, weshalb der Bau nicht fortgesetzt werden konnte. Mir blieb dabei nichts anderes übrig, als die erste Geduldsprobe auf mich zu nehmen.
Dann ging der Bau aber los und wir, das waren der Maestro de Obra Felipe, Martin, ein weiterer Arbeiter und ich, begannen zu schuften. Da die Grundmauern schon fast komplett standen und das Dach fast geschlossen war begannen wir als erstes mit der Aufschüttung und Angleichung des Bodens mit Erde und Kies um noch mehr Erde und Kies und dann noch viel mehr Erde und Kies in das Gebäude rein zuschütten. Das war die Vorbereitung für das Gießen der Bodenplatte. Da man in Deutschland meistens mit genau diesem Teil eines Gebäudes anfängt, war ich anfangs doch etwas verwundert.
Bauen auf Costa-Ricanisch
Dann wurde der Betonmischer aufgefahren, vier weitere Arbeitskräfte motiviert und inklusive Pastor Julio konnte das muntere Bodenplattengießen beginnen. Drei Eimer Kies, eineinhalb Eimer Wasser. 50 Kg Zement. Drei Eimer Sand. Vier Eimer Kies. Vier Eimer Sand. Zwischendurch immer mal wieder Wasser. Zwei Tage am Stück in der prallen Sonne. Wenn dabei beim ersten Mal Sand einfüllen vier anstatt drei Eimer vermischt wurden, konnte doch etwas Verwirrung bei den Versammelten entstehen. Schubkarren für Schubkarren wurde der Beton ins Gebäude gekarrt und per Hand sauber verteilt. Die zwischenzeitliche neue Zementlieferung wurde natürlich nicht gleich neben dem Betonmischer abgeladen. Lieber zuerst in die Hütte tragen und dann von dort wieder zurück zum Betonmischer. Warum einfach wenn‘s auch kompliziert geht?! Nach 12 m³ Beton (je drei Tonnen Kies, Sand und Zement!!!) war der Boden schließlich fertig gegossen und ein großer Schritt zur Fertigstellung getan.
Weiter ging es mit dem Einbau der Abflussrohre für Küche und Toilette. Da die Küche auf der einen und das Bad auf der andren Gebäudeseite entstehen sollten, mussten anstatt einem, zwei tiefe Gräben ausgehoben werden. Wir gruben uns erst durch Erde und dann durch den festen, schweren Lehmboden. Schaufel für Schaufel. Schubkarren für Schubkarren wurde der Schnodder abtransportiert. Nach viel Schweiß und schwerer Arbeit sind die Rohre verlegt, Überlaufsiphons à la Tico Style integriert und die Gräben wieder gefüllt. Warum der Beton für die Siphons ausgerechnet im Gebäude auf der fertig gegossenen Bodenplatte vermischt werden musste, bleibt für mich dabei jedoch ein Rätsel.
Währenddessen wurden auch die fehlenden Wände mit der ersten Lage Putz verputzt und abgeschliffen. Das Aufbringen der zweiten Lage ist momentan die Aufgabe und sollte in den nächsten Tagen abgeschlossen werden.
Das Arbeiten macht Spaß, ist teilweise doch sehr anstrengend und ein Wechselbad der Gefühle. Freude kommt auf; wenn etwas wie die Bodenplatte, das Dach oder die Abflussrohre fertig gebaut worden sind. Belustigung, wenn Felipe auch beim hundertsten Versuch mich Feliz, anstatt Filip, genannt hat. Aber auch Verzweiflung, wenn man den vorherige Woche geschlossenen und verdichteten Graben wieder aufschaufeln muss, da der Feuchteschutz-Betonstreifen an der Außenwand noch fehlt und drangeschmiert werden musste. Jedoch muss hier eine Tico-Weisheit angebracht werden:
„Hätte man letzte Woche dran gedacht, hättest du heute keine Arbeit!“ – Felipe, Maestro de Obra
In den nächsten Wochen soll der Küchenbereich fertig gestellt und die Fliesen verlegt werden. Dafür müssen diverse Küchenplatten neu gegossen werden. Für das Bad fehlen noch Waschbecken und das WC. Der Wasseranschluss für das Gebäude muss ebenfalls noch vervollständigt werden und die Elektrik und die abgehängte Decke noch integriert werden.
Es bleibt auf jeden Fall spannend und einiges an Arbeit übrig! Bis zum nächsten Beitrag und viele Grüße!
Pura Vida!
– Feliz Philipp
Dieses Projekt war nur möglich Dank der EZ-Kleinförderung der Stiftung Nord-Süd Brücken (finanziert durch das BMZ) und AES.
Kapstadt, Südafrika, Samstag, 05.10.2019
Zweiter Monat hier.
Es ist Samstag Abend, die Sonne ist gerade hinter dem Tafelberg verschwunden. Ich liege auf meinem Bett und beobachte die tausend flackernden Lichter, die vom Fuß des Berges bis zu mir leuchten. Ein paar Sterne sind schon zu sehen, und der Mond, der, von hier aus betrachtet, ganz anders aussieht, als von Deutschland aus. Irgendwie umgedreht.
Seit einem Monat lebe ich nun in Kapstadt, Südafrika. Was sich in den ersten zwei Wochen angefühlt hat wie ein längerer Urlaub, ist nun mein Leben geworden. Es ist unglaublich, wie schnell man sich an etwas gewöhnen kann! Was am Anfang so fremd und ungewohnt war, ist jetzt mein Alltag.
Ich lebe in Tijgerhof, Milnerton, was so ungefähr 20 Minuten Autofahrt vom Kapstadt- Zentrum entfernt liegt. Man kann sich Kapstadt ein bisschen vorstellen wie ein riesiges Hamburg. Naja, nur ein bisschen. Das wäre der einzige Vergleich, den ich bis jetzt ziehen konnte. Kapstadt ist so vielfältig, dass mir keine andere Stadt einfällt, die so atmet wie Kapstadt.
Aufregende Eingewöhnung
Manche Reiseführer sagen, erst hinter dem Tafelberg, erst hinter Kapstadt beginne das „richtige Afrika“. Ich kann sagen, ja Kapstadt ist schon sehr europäisch. Der bekannte Kulturschock am Anfang blieb bei mir erst mal aus. Als ich aus dem Flugzeug stieg, war es regnerisch und kalt, Winter eben. Das war komisch, weil, als ich in Berlin ins Flugzeug einstieg, Sommer war. Somit waren meine ersten Tage hier ziemlich kalt für mich, ich habe nämlich keine Wintersachen eingepackt, weil ich dachte, es wird ja eh bald Sommer. Und so kalt kann der Winter in Südafrika ja nicht sein. Falsch gedacht. Zum Glück habe ich eine sehr liebe Gastfamilie, die mir tatsächlich eine Heizung ins Zimmer gestellt hat!
Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, in dem ich mein neues Zuhause betreten habe und dachte Wow, hier wohne ich jetzt ein halbes Jahr. Das war ein positives Wow, denn mein Zimmer ist wirklich gemütlich. Wie gesagt, man kann den Tafelberg vom Bett aus sehen!
Ich bin sehr dankbar, dass meine Gastmutter Liz mich gleich unter ihre Fittiche genommen hat und mir alles gezeigt hat, was ich brauche! Den Weg zum Meer, die Busroute zum Hafen und wo ich überhaupt risikofrei hingehen kann. Das Wetter ist nämlich nicht das Einzige, was ich unterschätzt habe. Kapstadt zählt zu den gefährlichsten Städten der Welt. Das habe ich mittlerweile auch schon zu sehen bekommen.
Wenn man aus dem familienfreundlichen Schöneberg – Kiez in Berlin kommt, kann man sich das einfach nicht vorstellen. Ich darf hier nachts die Fenster nicht aufmachen, weil jemand von außen an der Fassade hochklettern könnte und durchs Fenster direkt in mein Zimmer gelangen würde. Ist hier alles schon passiert. Und Tijgerhof, Milnerton gehört schon zu den sicheren Gegenden hier! Trotzdem haben alle Zäune Stacheldraht, die Fenster im Erdgeschoss sind vergittert, und die Türen haben ein extra Schiebegitter. Es wird auch rund um die Uhr alles abgeschlossen. Gärten gibt es wenig hier. Das hat mich ziemlich schockiert am Anfang, dass ich jetzt so in meiner Freiheit eingeschränkt bin. Raus gehen wann man will? In Berlin kein Problem. In Kapstadt geht man sobald es dunkel wird niemals allein vor die Tür. Hingehen wo man will? In Berlin möglich, auch wenn man im Grunewald vielleicht mal kritisch gemustert wird oder in Prenzlauer Berg in der Masse verschwindet. In Kapstadt könnte man niemals überall hingehen. Es gibt sogenannte Townships hier, die damals von der Regierung errichtet wurden, um die Bevölkerung zu unterteilen. So gibt es jetzt noch immer „Black“ und „coloured“ Townships. Die Menschen wurden hier in white, coloured und black unterteilt und diese Unterteilung spürt man immer noch.
Ich kriege das beides mit, meine Gastfamilie ist nämlich „coloured„ und spricht neben Englisch auch Afrikaans, was ein bisschen wie eine Mischung aus Niederländisch und Deutsch klingt. Ich arbeite im Township Langa, wo „Black People“ leben, die neben Englisch auch Xhosa sprechen. Das ist eine Art Klick- Sprache, und man muss viel mit der Zunge schnalzen, um das zu sprechen. Ich kann bis jetzt nur ein paar Wörter. Es ist unglaublich schwer, Xhosa zu verstehen, weil man es irgendwie mit keiner anderen Sprache vergleichen kann. Da ist Afrikaans leichter zu verstehen!
Meine Arbeit:
Wie gesagt arbeite ich in Langa, bei der Organisation ,,Just Grace“, die den Schülern in Langa hilft, gute Abschlüsse zu machen und sich zu engagieren. Wir sitzen auf dem Gelände der Langa Highschool, es gibt aber noch andere Schulen in Langa. Alle Schüler die in Langa leben oder dort zur Schule gehen, können sich bei ,,Just Grace“ bewerben und dann das Programm nutzen. Wir arbeiten im Büro und wenn die Schüler Schulschluss haben, kommen sie zu unseren verschiedenen Sessions. Da gibt es den Buchclub, das Computertraining, die Hilfe beim Bewerbungen schreiben und Hilfe beim Lernen und Hausaufgaben machen. Außerdem finden viele verschiedene Workshops und Projekttage statt und zweimal die Woche wird für alle gekocht. Wir haben Schüler von der 9. bis zur 12. Klasse bei uns im Programm. Ich leite momentan den Buchclub und helfe bei verschiedenen Sessions und habe schon einen Kunst-Workshop gegeben! Man kann eigentlich alles anbieten, was einen interessiert oder worin man gut ist, und dann gemeinsam mit den Schülern ausprobieren.
Ich arbeite Montag bis Freitag und habe einen Fahrer, der mich jeden Tag zu ,,Just Grace“ bringt und wieder abholt. Mit dem Bus nach Langa zu fahren wäre für mich leider zu gefährlich.
An den Wochenenden habe ich bis jetzt immer viel mit meiner Gastfamilie unternommen. Ich habe schon viel gesehen aber noch lange nicht alles! Kapstadt ist so vielseitig, die Natur, die Menschen und auch das Wetter. Manchmal sind an einem Tag alle vier Jahreszeiten!
Ich lerne und erlebe jeden Tag etwas Neues und das liebe ich so! Mein zweiter Monat hier hat gerade angefangen und der Frühling ebenfalls! Es wird immer wärmer und bald wird hier alles anfangen zu blühen. Es gibt hier sogar wilde Feigen, die einfach so am Straßenrand wachsen. Und Palmen natürlich auch! Ich bin wirklich gespannt wie es hier weitergeht. Ich möchte unbedingt einen weißen Hai sehen, es gibt hier Gebiete wo das möglich ist. Robben sieht man hier im Atlantik öfter und ich habe tatsächlich auch schon einen Wal gesehen, ganz am Anfang meiner Reise.
Wir werden sehen wie es weitergeht, ich schreibe alles in mein Notizbuch und berichte so oft es geht auf diesem Blog! Ich weiß, das war ein ziemlich langer Eintrag, aber es ist schwer, einen Monat zusammenzufassen. Einen Monat, an dem man jeden Tag, jede Sekunde etwas Neues sieht und erlebt.

Wer auch immer das alles gelesen hat, jetzt hast du einen kleinen Einblick in mein Leben hier und was dieser eine Monat schon mit mir gemacht hat.
Auf bald, und Küsschen aus Kapstadt,
Leonie Rehnus
Über elf Monate in Costa Rica sind vergangen. Ich kann es noch gar nicht glauben. Mir bleiben nur noch drei Wochen und ein ganzes Jahr ist rum.
Ich höre die Uhr schon ticken…Tick Tack..Tick Tack..
Ich glaube, was dieses Jahr alles mit mir gemacht hat, werde ich erst begreifen, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Auch wenn ich versuche im Hier und Jetzt zu sein, bin ich in Gedanken schon oft in Deutschland. Ich glaube, es ist also ein guter Zeitpunkt zurückzublicken, Erlebnisse und Eindrücke Revue passieren zu lassen, zu reflektieren und sich zu fragen, ob Erwartungen erfüllt, übertroffen oder enttäuscht wurden.
Vor meiner Abreise habe ich es mir zum Ziel gemacht, in Costa Rica ein zweites zu Hause zu finden. Einen Ort, an dem mir die Türen offenstehen und an den ich immer wieder zurückkehren kann. Etwas, das ich in diesem Jahr geschafft habe und etwas, das den Abschied besonders schwierig macht.
Ich muss sagen, dass die letzten Tage und Wochen ein Wechselbad der Gefühle für mich waren:
Einerseits freue ich mich so sehr darauf meine Familie und Freunde wieder in die Arme schließen zu können, dass es Momente gibt, in denen ich vor Vorfreude explodieren könnte. Endlich wieder Currywurst Pommes im Bochumer Bermudadreieck essen oder einen der langen Sommerabende bei einem kühlen frisch gezapften Bierchen am See genießen.
Andererseits liegt auch immer ein bisschen Traurigkeit in der Luft. Der Abschied von den anderen Freiwilligen, den Mentoren und eigentlich allen, die einen das Jahr über in Costa Rica begleitet haben wird nicht leicht.
Sich verabschieden von Reis und Bohnen, Kochbananen, tropischen Früchten und den daraus gemachten Batidos… Adiós Tropen, Adiós tropische Regenfälle und Hitze, Adiós Strand, Adiós Pipa Fría, Adiós Sodas, Adios Reggeaton, Adiós Playa und noch viele Dinge mehr, von denen man sich verabschieden muss.
Der Abschied von Hogar de Vida (dem zu Hause des Lebens) wird wohl der schwierigste – Der Abschied von 35 Kindern und Babies, die man ins Herz geschlossen hat und für die man fast ein Jahr lang Mamaersatz gespielt hat – Der Abschied von Freunden und Arbeitskolleginnen.
Ich habe in diesem besonderen Ort mit all seinen wunderbaren Menschen ein zweites Zuhause gefunden.
Besonders hart wird der Abschied von den Kindern. Viele der Kinder werde ich wohl nicht wiedersehen. Diese Vorstellung versetzt mir einen Stich ins Herz, aber andererseits freue ich mich auch, da das wohl bedeutet, dass sie eine Herzensfamilie gefunden haben.
Aber so ist das wohl. Ich glaube, dass ich traurig bin, ist auch ein gutes Zeichen und bedeutet, dass dieses Jahr ein voller Erfolg war. Etwas, das uns zum einen zwar schwerfällt, aber zum anderen auch etwas Positives beinhaltet.
Mein soziales Engagement hier, hat mich jeden Tag glücklich gemacht. Es gab Tage, da bin ich schlecht gelaunt zur Arbeit gegangen, aber es gab keinen Tag, an dem ich schlecht gelaunt wieder nach Hause gekommen bin. Ich liebe Costa Rica, seien es die paradiesische Landschaft, die traumhaften Sonnenuntergänge, der Sound der Geckos, wenn es dunkel wird.
Mich fasziniert es, in einer anderen Kultur zu leben. Ich würde mich jederzeit noch einmal in das Flugzeug setzen. Ich habe hier so unfassbar viel gelernt. Dieses Jahr hat mich geprägt und meine Perspektiven verändert, hat mich gelehrt meine Privilegien in Deutschland schätzen zu lernen und mir den hohen Wert einer intakten, liebevollen Familie jeden Tag vor Augen geführt.
Für die letzten Wochen habe ich mir vorgenommen, jeden einzelnen Moment mit den Kindern zu genießen und so viel wie es geht aufzusaugen. Ich möchte Erinnerungen schaffen, an die ich in Deutschland immer wieder gerne zurückdenken kann. Und eins kann ich auch mit absoluter Sicherheit sagen: Costa Rica- nos vemos pronto.
Ganz viel Liebe,
Clarissa M. Rosenbaum
Atenas, 15/07/19
Genau wie die Frauen im Projekt, mache auch ich einen Wandlungsprozess durch. Die ersten Monate wurde in mich investiert. Ich brauchte Zeit anzukommen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
Doch nun kann ich endlich zurückgeben, Arbeit abnehmen und ein wenig meinen Fingerabdruck hinterlassen. Seit Januar bin ich die offizielle Verantwortliche für die Kinderbetreuung. Und es macht tatsächlich viel Spaß.
Da ich nun selber entscheiden muss, wie wir den Tag gestalten und mit bestimmten Situationen umgehen, bin ich auch mit mehr Herzblut dabei und freue mich zu sehen, wie viel die Kinder lernen und begeistert den Geschichten lauschen, aber auch freudeschreiend im Hof fangen spielen und mich laut „Profe, Profe!“ rufen, wenn es etwas zu bestaunen gibt. (Profe ist eine Abkürzung von Profesora und bedeutet Lehrerin).
Ich hatte anfangs nicht gedacht, dass ich mit Kindern arbeiten würde und hatte mich bewusst auf ein Frauenprojekt beworben. Doch man tut eben was man kann und nun verzaubert mich das Lächeln und die vor Freude strahlenden Augen jeden Tag aufs Neue.
Seit fast zwei Monaten wohne ich nun auch im Projekt. Ich hatte ein wenig Angst, dass ich damit allzu sehr zum Workaholic werden würde, und vermisste die Annehmlichkeiten einer Familie um mich herum.
Aber es lässt sich tatsächlich ganz gut trennen und ich fühle mich sehr wohl, nur bin ich nun eben selbst verantwortlich für meine sozialen Aktivitäten und muss mich selbst aufraffen, jeden Tag einmal das Haus zu verlassen. Doch dank des Unichores, einer Jungen Gemeinde und neuerdings sogar Zumba, klappt das alles ganz gut.
Die neue Wohnsituation bedeutet aber auch eine Art Hausmeistertätigkeit. Und jedes Mal, wenn etwas fehlt oder kaputt ist, ist es an mir zu überlegen, wie wir es am besten wiederbeschaffen, ob wir es selber irgendwie improvisieren können oder doch ein Handwerker kommen muss.
Meine liebste Aufgabe ist allerdings der „Taller“. Die Frauen des Nähkurses stellen nämlich für Transforma Produkte her. So gibt es verschiedene Modelle von Taschen und kleinen Beuteln, aber auch Seifen und Schlüsselanhänger. Bisher lief der Verkauf schleppend. Keiner hat sich groß darum gekümmert und die Produktion war ein riesiges Chaos und so hat meine Chefin mich kurzerhand, gemeinsam mit einer anderen Mitarbeiterin, angestellt das zu ändern.
Nun gibt es ein neues System und wir versuchen alles ein wenig effektiver zu gestalten. Denn sollte es am Ende gut funktionieren, können wir durch den Verkauf von den Produkten viele weitere Frauen in den Kursen aufnehmen.
So ist es an mir den Frauen die neuen Designs und deren Ausführung zu erklären, sie später zu kontrollieren und Verbesserungsvorschläge anzubringen. Endlich arbeite ich so direkt mit den Frauen zusammen und noch dazu kann ich bei zum Thema Nähen tatsächlich viel betragen. Denn schließlich bin ich nicht umsonst Tochter einer Kostümbildnerin.
Trotz des abgeschlossenen Nähkurses der Frauen hier,
geht es nämlich immer noch um einfachste Grundkenntnisse und da kann ich gut mithalten.
Gleichzeitig machen wir aber immer auch Empowerment und versuchen die Frauen darin zu bestärken ein wenig wirtschaftlicher zu denken und ihnen zu helfen, wie sie am besten arbeiten. So nach und nach weiß ich immer besser, wie ich die Dinge erkläre, dass sie mich verstehen und dass am Ende tatsächlich das Produkt so aussieht, wie wir uns das vorgestellt haben. Es fordert mich heraus, von Stoffqualitäten und Nähtechniken in Spanisch zu reden, aber es übt natürlich ungemein. Und es macht Spaß meine Stärken zu nutzen und kreativ Ideen einzubringen.
Die Fotos sind in einem der Armenviertel, während einer Geschenkeaktion zum Kindertag entstanden. Wer mehr erfahren will, schaue gerne bei www.12gradnord.wordpress.com vorbei.
Die kleine Stadt Turrialba liegt in der Provinz Cartago. Es wohnen rund 35.618 Ticos in Turrialba. Zu den Hauptindustrien gehören Textilien, Landwirtschaft und Tourismus.
Bis vor etwa 30 Jahren war Turrialba eine florierende kleine Handelsstadt, denn die Eisenbahnstrecke für die Verschiffung des Kaffees von San José an die Pazifikküste führte hier entlang. Seit aber die Strecke zwecks weniger kurvenreicherer Routen eingestellt wurde, hat die Stadt wohl ziemlich mit Alternativen zu kämpfen und arbeitet am Ausbau des Tourismus.
Mit einem aktiven Vulkan um die Ecke, einer verwunschenen Aztekenstadt, bei den Ticos berühmten Käse und zum Wildwasser-Rafting bestens geeignete Stromschnellen in den Flüssen Reventazón sowie Pacuare, gibt es da gute Voraussetzungen.
Das Angebot an Sportmöglichkeiten ist recht groß und inkludiert mitunter Reiten, Biking um das sogenannte CATIE (Tropical Agricultural Research and Higher Education) sowie Kanufahren und Ziplining zwischen Wasserfall und Hängebrücke.
Auch Kaffeetouren oder ein Besuch des La Marta Wildlife Refuges werden angeboten. Zudem kann man das Nationalmonument Guayabo besichtigen. An sowohl kulturellen als auch aktiven Freizeitmöglichkeiten fehlt es dort also bestimmt nicht. Auch die Einheimischen besuchen tolle Kurse, um diverse Aktivitäten auszuführen. Beispielsweise haben wir nach dem Spanischkurs nachmittags mit unserer Gastfamilie Badminton gespielt oder Wassergymnastik gemacht.
Ein weiterer Pluspunkt Turrialbas ist außerdem die nahgelegene Universität. Somit kann man auch langfristig tolle soziale Kontakte mit Studenten und Gleichaltrigen knüpfen.
Mehr Informationen über Turrialba sowie weitere spannende Blogeinträge findest Du hier, auf dem Blog von meiner lieben Freundin Helena.
Habitat for Humanity hat es 2017 auf Platz #6 der Forbes Liste der größten Hilfsorganisationen in den USA geschafft. Mit Fokus auf Obdach und Wohnen ist die NGO in Sachen Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit in mehr als 70 Läändern aktiv. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe.
Seit nunmehr drei Monaten bin ich als weltwärts Freiwillige in Costa Rica im Regionalbüro tätig. Hier überschauen wir Habitat’s Mission in ganz Lateinamerika und der Karibik. Doch wie ist es so als Freiwillige inmitten der Strukturen einer international agierenden NGO?
Was kann man sich unter Entwicklungszusammenarbeit vorstellen? Und was solltet ihr mitbringen, falls ihr 2019 Freiwillige*r bei Habitat werden wollt? In diesem Blogpost findet ihr die Antworten auf diese Fragen sowie ein paar Eindrücke aus
San José.
Als weltwärts Freiwillige*r in einer internationalen NGO
Zu Beginn ein paar generelle Infos zu meinem aktuellen Arbeitsplatz, denn dieser unterscheidet sich durchaus ein wenig von den anderen Platzierungen, die Visioneers euch anbietet. Anders als bei den eher sozialpraktisch orientierten Projekten halte ich mich vermehrt im Büro auf.
Das liegt vor allem daran, dass das Regionalbüro eine Art Mini-Headquarter für Lateinamerika und die Karibik darstellt und in Costa Rica selbst seit einiger Zeit keine praktischen Projekte (im Sinne von Hausbau, Workshops und Co) durchgeführt werden, bei denen man anderweitig aushelfen kann.
Wenn der Büroalltag überhaupt gar nichts für euch ist, ist dieses vielleicht nicht das perfekte Projekt für euch.
Andererseits bietet dies natürlich auch einige Vorteile: Geregelte Arbeitszeiten, klare Ansprechpartner*innen, kurzer Weg zum Büro, eigener Arbeitsplatz und rundherum eine gut durchorganisierte Arbeitsatmosphäre.
Ich erwähne das an dieser Stelle nur so genau (und als klaren Pluspunkt), weil ihr euch sicher vorstellen könnt, dass die Arbeit in einem internationalen Team manchmal etwas herausfordernd sein kann. Da hilft es, wenn die Gastgeberorganisation selbst international aufgestellt ist und das Team Erfahrungen mit transkultureller Kommunikation hat.
Mit knapp 40 MitarbeiterInnen (überwiegend aus Lateinamerika, ein paar wenige aus den USA) ist das Team familiär und die Aufgabenbereiche sind divers.
Gleich zu Anfang hat man sich mit mir hingesetzt und gemeinsam anhand meines Lebenslaufes und meiner Vorlieben definiert, welchem Team ich zuarbeite – und so helfe ich jetzt, eine Strategie zu definieren, um Projekte in Lateinamerika gezielt auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu zu schneiden. Das ermöglicht mir einen Einblick in viele verschiedene Habitat Initiativen und mit Arbeitskolleg*innen in der ganzen Welt zu kommunizieren/ kollaborieren. Amtssprache ist dabei meistens Spanglish, mein aktueller Schwerpunkt jedoch liegt derzeit auf einem Projekt in Jamaika.
Entwicklungszusammenarbeit à la Habitat?
Habitat for Humanity hat es sich zur Mission gemacht allen Menschen die Möglichkeit auf ein sicheres und bezahlbares Zuhause zu geben. Eine der Leitideen ist, dass ein Zuhause ein wichtiger Schritt aus dem Armutskreislauf heraus ist.
Zu diesem Zwecke werden zum einen Häuser gebaut oder Strukturen verbessert, zum anderen Mikrokredite zur Verfügung gestellt, Workshops und Seminare zu Haushaltsführung und den unterschiedlichsten anderen Skills gegeben, über die Folgen von Naturkatastrophen aufgeklärt sowie bei der Ergreifung von resilienzstärkender Maßnahmen unterstützt.
Dabei wird auf Augenhöhe mit Communities, Partnerorganisationen und Regierungen zusammengearbeitet.
Ein Beispiel: Ich bin gerade sehr in das BRACED (Building Resilience and Capacities Against Emerging Disasters) Projekt in Jamaika eingebunden, welches jährlich von immer stärker werdenden Naturkatastrophen heimgesucht wird.
Am vulnerablesten sind hierbei Menschen und Familien, die zum Bevölkerungsteil der Urban Poor gezählt werden und in informellen Siedlungen wohnen.
Dies bringt einige Probleme hinsichtlich der Landrechte mit sich: Häufig sind diese nicht vorhanden oder nicht aktuell, was nicht nur zu Zwangsenteignungen führen kann, sondern auch verhindert, dass sich die Menschen optimal gegen Naturkatastrophen wappnen können – denn wer investiert in Hausstrukturen, wenn unklar ist wem das Land gehört auf dem man wohnt?
Habitat hat vor Ort und in Zusammenarbeit mit Mitgliedern aus den betroffenen Gegenden, dem Stadtrat und Regierungsvertretern den Landregistrierungsprozess beschleunigt und kosteneffizienter gestaltet, Häuser gestärkt, Workshops inkl. Zertifizierung angeboten, in denen Anwohner praktisch ausgebildet wurden.
Habitat hat bei der Einrichtung von community based Organisationen und deren Plänen für die Nachbarschaftsentwicklung geholfen und einiges an Aufklärungsarbeit betrieben, die sich häufig auch speziell den besonderen Bedürfnissen und Potentialen von Frauen und jungen Menschen gewidmet hat.
Ihr seht, alles sehr komplex und mit großem Bemühen, Probleme holistisch und nachhaltig anzugehen.
Ihr wollt mitmachen?
Neben den generellen weltwärts Anforderungen sind alles was ihr formell braucht mindestens ein Bachelorabschluss, Grundlagen der spanischen Sprache die ihr bereit seid (schnell) auszubauen und bestenfalls erste relevante Erfahrungen – wobei letzteres absolut kein Muss ist. Grundlegendes Interesse an internationaler Entwicklungszusammenarbeit und keine Scheu vor fordernden Aufgaben sollte aber gegeben sein!
Ich bin überaus glücklich, hier bei Habitat eine vorläufige Heimat gefunden zu haben. Das Team ist klasse, das Leben in der Gastfamilie wundervoll, die Stadt zugegebenermaßen nicht super ansehnlich, dafür gibt es aber viele Events und Veranstaltungen und ihr seid gut angebunden um Costa Rica zu erkunden.
Subjektiv (!) würde ich sagen, dass San José vergleichsweise liberal ist. Auf Grund der vielen Universitäten gibt es hier viele Studierende und Unterhaltung und je nachdem wie erkundungsfreudig ihr seid, findet ihr hier auch kleine private gesellschaftskritische Kunstausstellungen. Wenn ihr offen seid, findet ihr schnell Freunde. Ihr merkt, ich fühle mich pudelwohl und bin mir sicher, dass ihr hier eine gute Zeit haben könnt!
Ich muss ehrlich gestehen, gewusst habe ich das vor Beginn meines Freiwilligendienstes auch nicht. In Deutschland bin ich vorher nie mit dieser „Seite“ des Sozialsystems in Kontakt gekommen und so habe ich das alles auf mich zu kommen lassen.
Von den Menschen vor Ort hörte ich vor Arbeitsbeginn Kommentare wie „Wenn ich dort aushelfe komme ich manchmal weinend nach Hause“ oder „Du darfst auf keinen Fall eine enge Beziehung zu den Kindern aufbauen“. Ich muss gestehen, dass ich an meinen ersten Arbeitstagen dementsprechend ziemliche Angst hatte – denn Arbeit mit Kindern ohne eine Beziehung aufzubauen?! Für mich undenkbar…
Mittlerweile arbeite ich schon etwas mehr als einen Monat in Hogar de Vida und jetzt stellt sich natürlich die Frage: Hatten die Einheimischen mit ihren Ankündigungen recht?Teilweise…Nach und nach bekomme ich immer mehr Details der teilweise schrecklichen Schicksale der Kinder mit. Es zerreißt einen innerlich wirklich, wenn wieder ein 10 Tage altes Baby als jüngster Bewohner des Heims hinzukommt oder wenn ein drei Jahre altes Kind sich so innig um seinen einjährigen Bruder kümmert, sodass er eigentlich die Elternrolle übernimmt. Der größte Traum eines jeden Kindes hier ist eine Familie und vor allem liebende Eltern zu haben.Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich deswegen noch keine Tränen vergossen hätte. Einerseits waren und sind es Tränen der Traurigkeit, weil einfach jedes dieser Kinder es verdient hätte mit liebenden Eltern aufzuwachsen. Weiterhin sind es aber auch Freudentränen oder Tränen der Bewunderung für die Kinder, die trotz ihrer Erlebnisse den Glauben an das Gute in Menschen und die Hoffnung auf Eltern nicht aufgeben haben. Andererseits sind es aber auch Tränen der Dankbarkeit für meine eigene glückliche und sorglose Kindheit, sowie meine liebende Familie.
Wie ich es schon vermutet hatte, wäre es für mich persönlich unmöglich dort zu arbeiten, ohne irgendeine Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Ich war unglaublich froh als ich mitbekommen habe, dass es in meiner Arbeitsstelle selbstverständlich ist, den Kindern zu zeigen, dass es in Form der Mitarbeiter Menschen gibt, die sie lieben und für sie da sind!Allerdings wird hier auch deutlich kommuniziert, dass Hogar de Vida nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrer „Herzensfamilie“ ist. Umso mehr freut man sich deshalb als Mitarbeiter, wenn ein Kind solch eine Familie gefunden hat. Es bleibt natürlich trotzdem ein Platz der Leere, wenn ein Kind dann verabschiedet wird und nicht mehr da ist…Nichtsdestotrotz ist das Lachen und der freudige Ausdruck in den Augen der Kinder jeden Tag wieder ein Zeichen dafür, dass sie sich in unserer Obhut geborgen fühlen und wir unseren Job gut machen. Und an dieser Stelle darf gesagt werden, – wenn man auch besonders auf die kleinen Momente achtet, eine Umarmung, ein Lächeln… – dass es eindeutig mehr positive als negative Momente gibt.
Die Arbeit in einem Kinderheim ist hart und teilweise auch emotional belastend.Man soll die Rolle und die Aufgaben der Mutter übernehmen, darf aber nicht die Mama ersetzen.
Trotzdem ist die Arbeit hier unglaublich erfüllend, weil man dazu beitragen darf, den Kindern eine möglichst sorglose Kindheit zu schenken. Erste Worte, erste Schritte, Geburtstage etc. sind Momente, an denen ich teilhaben darf und ich bin mir sicher, dass ich daran noch häufig zurückdenken werde.
Warum Fundraising?
Du überlegst einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen oder bald geht es vielleicht auch schon bei dir los? Im Rahmen deines Projektes hast du dich dazu bereit erklärt, deine Entsendeorganisation durch das Sammeln von Spenden zu unterstützen. In ein paar Sätzen erklären wir dir zunächst einmal kurz, warum das Engagement der Freiwilligen so wichtig ist.
Allgemeine Tipps zum Thema Fundraising
Bevor du dich ins Abenteuer Fundraising stürzt, empfiehlt es sich, zuallererst einen groben Plan zu erstellen. Dieser sollte dir eine Übersicht über die Fundraising-Aktionen geben, die du durchführen willst. Zudem sollte der Plan die Zielgruppen festhalten, die du mit den verschiedenen Aktionen erreichen möchtest. Danach kannst du deine Aktionen je nach Standort und Zielgruppe individuell gestalten. Generell gilt beim Fundraising: Je früher du anfängst, desto besser. Denn bereits zu Beginn deiner Fundraising-Kampagne werden dir wahrscheinlich Punkte auffallen, die du noch optimieren könntest.
Aktionsideen
Vielleicht ist das Thema Fundraising Neuland für dich und du hast auf Anhieb noch keine konkrete Idee, wie du dich dem Thema nähern sollst. In diesem Dokument haben wir deshalb ein paar Aktionsideen für dich zusammengestellt, die einfach umzusetzen sind und von denen du dich inspirieren lassen kannst.
Fundraising im Verwandten- und Bekanntenkreis: Du könntest in deinem Verwandten- und Bekanntenkreis anfragen, wer dich bei deinem Projekt durch eine Spende unterstützen möchte. Wichtig ist, dass du dich gut über dein Projekt informierst, um deine potenziellen UnterstützerInnen für dein Vorhaben zu begeistern. Anmerkung: Bei Spendenanfragen innerhalb des Bekanntenkreises sollte der/die potenzielle SpenderIn immer direkt und individuell angesprochen werden. Ein Spendenaufruf gerichtet an alle deine FreundInnen in einer deiner WhatsApp-Gruppen geht in der Regel sehr schnell unter.
Spendenbox: Eine der einfachsten Arten, Spenden zu generieren, ist durch eine Spendenbox oder ein Spendenglas. Die kannst du zum Beispiel ganzjährig in deiner Stammkneipe, im Clubheim deines Sportvereins oder in deinem Lieblingscafé aufstellen. Damit die Leute wissen, wofür sie spenden, solltest du ein kleines Plakat oder Infoblatt erstellen. Unser Freiwilliger Henrik hat Spendengläser in den Kneipen seiner Eltern aufgestellt und war mit dieser Aktion sehr erfolgreich. Um seinen UnterstützerInnen etwas zurückzugeben und sie für weitere Spenden zu motivieren, hat er einmal im Monat einen kleinen Bericht über seine Erlebnisse geschrieben, der mitsamt Fotos neben das Spendenglas gehängt wurde.
Anmerkung: Von Vorteil ist es, wenn du in Deutschland jemanden vor Ort hast, der/die ein Auge auf die Spenden hat und das Geld monatlich auf das Projektkonto überweist.
Online-Fundraising: Per Online-Fundraising kannst du ohne
großen Aufwand eine Vielzahl von Leuten erreichen. Es gibt verschiedene Plattformen, bei denen du ein Spendenprofil anlegen kannst. Durch Plattformen wie Betterplace kannst du deine UnterstützerInnen während deines Auslandsaufenthaltes sehr einfach mit Informationen und Neuigkeiten zu deinem Projekt versorgen. Auch Blogs, soziale Netzwerke oder E-Mails können für Spendenaufrufe genutzt werden.
Anmerkung: Einige Spenden-Plattformen, wie zum Beispiel Betterplace, nehmen Gebühren.
Essensverkauf: Eine weitere Möglichkeit, Spenden zu generieren, ist der Verkauf von Kuchen, Waffeln, Hotdogs oder ähnlichem. Feste (z. B. von der Kirchengemeinde, der Stadt oder deiner Straße) oder Sportveranstaltungen bieten für eine solche Aktion immer einen guten Rahmen. Henrik hat in seinem Projektbüro etwa deutsche Kuchen verkauft, Francie und Laura haben beim örtlichen Surfwettbewerb einen kleinen Verkaufsstand aufgestellt. Auf feste Preise haben die Freiwilligen verzichtet; jeder konnte so viel bezahlen, wie er/sie wollte. Da solche Aktionen einem guten Zweck dienen, sind die Leute häufig etwas großzügiger und zahlen in der Regel sogar mehr als du wahrscheinlich als Festpreis angeben würdest. Wichtig ist, dass die potenziellen Kunden auf das Projekt hingewiesen werden, für das die Spenden gesammelt werden. Hier bieten sich Plakate, Infoblätter und das Tragen von Projekt-T-Shirts an.
Anmerkung: Nicht überall kann man mit Essensverkäufen erfolgreich Spenden generieren. Hierbei handelt es sich um eine Aktion, die sich leichter in Deutschland (also vor der Abreise ins Projektland) durchführen lässt. In ärmeren Gebieten innerhalb des Einsatzlandes wird die Kaufkraft erheblich geringer sein.
Flohmarkt: Wenn du einen Schrank voller Klamotten hast, der mal wieder ausgemistet werden müsste, könntest du mit einem Stand auf dem Flohmarkt Spendengelder generieren. Wer zeitlich zu sehr eingespannt ist, kann Kleidung auch online über eine Verkaufsplattform anbieten. Neben Kleidung kannst du natürlich auch andere Dinge für den guten Zweck verkaufen, für die du keine Verwendung mehr hast. Werbung für das Projekt durch Plakate oder Infoblätter kann das Kaufinteresse der potenziellen KundInnen zusätzlich erhöhen.
Nachbarschaftshilfe: Du kannst dir Spendenbeiträge durch kleinere Dienste für deine NachbarInnen oder Bekannten verdienen. Gegen eine kleine Spende könntest du zum Beispiel Brötchen holen, den Hund ausführen, im Garten helfen oder auf Kinder aufpassen.
Spendentour mit dem Fahrrad: Eine besonders coole Idee hatte unser Freiwilliger Patrick. Er ist vor seiner Abreise nach Costa Rica durch Norddeutschland geradelt und hat dabei Spenden gesammelt. Bei einer Spendentour ist es möglich, einen direkten Kontakt zu potenziellen UnterstützerInnen herzustellen. Mit ein bisschen Redegeschick (und der nötigen Fitness) lassen sich so, wie in Patricks Fall, sehr gute Resultate erzielen. Wenn man den SpenderInnen die Möglichkeit gibt, sich auf einem Blog oder ähnlichem weiter über dein Freiwilligenjahr zu informieren, kann man EinmalspenderInnen eventuell sogar dazu motivieren, zu WiederholungspenderInnen zu werden. Wichtig ist, dass du schon im Voraus gut über dein Projekt informiert bist, um die Leute auf der Straße von deinem Vorhaben zu überzeugen. Auch hier ist das Gestalten von Infoblättern und Plakaten zu empfehlen.
Anmerkung: Du solltest die Tour rechtzeitig planen und dir vorher eine Genehmigung ausstellen lassen.
Spenden- bzw. Projektvorträge: Um so viele Personen wie möglich auf dein Projekt aufmerksam zu machen, eignen sich auch Vorträge. Diese könnest du an deiner Uni, deiner alten Schule oder in deinem Sportverein halten. Sowohl Institutionen oder Vereine als auch einzelne Mitglieder können so als SpenderInnen gewonnen werden. Patrick war mit einem Vortrag an seiner ehemaligen Schule sehr erfolgreich, die ihn anschließend mit einem Geldbeitrag unterstützt hat.
Artikel in Schülerzeitungen, Vereinsblättern, lokalen Zeitungen: Weitere Aufmerksamkeit für dein Projekt könntest du durch Artikel in der lokalen Zeitung oder mit anderen Veröffentlichungen gewinnen. Du könntest regelmäßig von deinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten und am Ende dezent auf deine Spendenaktion hinweisen.
Veröffentlichung eines Magazins: Wer gerne schreibt und ein paar schöne Fotos von seiner Arbeit und dem Einsatz hat, kann mit einem Magazin zu seinem Freiwilligendienst einen bestehenden Spenderkreis dazu anregen, Wiederholungsspenden zu tätigen. Zusätzlich kann ein Magazin als Aushängeschild dienen, um kleine Familienunternehmen aus dem persönlichen Umfeld oder als SpenderInnen infrage kommende Institutionen anzusprechen und deren Interesse zu wecken.
Anmerkung: Bei einem professionell gestalteten Magazin ist der Arbeitsaufwand entsprechend hoch.
Fundraising-Party: Deine Party muss nicht gleich den Namen „Fundraising-Party“ tragen. Es reicht, wenn du im Rahmen deiner Geburtstags- oder Abschiedsparty auf deine Spendenkampagne hinweist und eine kleine Spendenbox aufstellst. Als Alternative zu Geschenken könntest du um Spenden für dein Projekt bitten.
Sponsorenlauf: Vielleicht schaffst du es, deine alte Schule oder deinen Sportverein für einen Sponsorenlauf zu begeistern, bei dem die UnterstützerInnen für jeden gelaufenen, gefahrenen oder geschwommenen Kilometer einen kleinen Beitrag spenden.
Anfragen bei Unternehmen und Institutionen: Meistens lohnen sich Spendenanfragen bei kleinen bis mittelständischen Unternehmen. Gerade Unternehmen, die eine Tochterfirma in deinem Einsatzland haben oder sogar aus diesem stammen, können als potenzielle SpenderInnen gewonnen werden. Ortsansässige Sparkassen und Volksbanken sind ebenso lokal engagiert und fördern Projekte in ihrer Region. Wenn du Verwandte oder Bekannte hast, die Mitglied im Lions Club oder bei den RotarierInnen sind, kann sich auch hier eine Anfrage lohnen.
Anmerkung: Wichtig ist, Unternehmen und Institutionen stets daran zu erinnern, dass die Spenden steuerlich absetzbar sind.
Tombola: Im Rahmen eines Straßen-, Kirchen- oder Schulfestes könntest du eine Tombola veranstalten. Um Verlosungspreise könnte man im Bekanntenkreis, bei lokalen Firmen oder Geschäften bitten. Losblöcke kann man günstig im Schreibwarenhandel erwerben.
Anmerkung: Die Organisation einer Tombola ist sehr arbeits- und zeitaufwendig. Neben den Preisen müsstest du dich auch um eine Genehmigung beim Ordnungsamt kümmern. Eventuell musst du deine Tombola auch beim Finanzamt anmelden.
Mitbringsel aus dem Einsatzland: Zum Ende des Freiwilligenjahres könntest du Produkte und Souvenirs aus dem Einsatzland mitbringen. Der Verkaufspreis könnte sich zum Beispiel zu 50 % aus der Spende und zu 50 % aus der Kostendeckung zusammensetzen. Je nachdem, wie groß der Spenderkreis ist und wie abwechslungsreich und interessant man die Produkte anbietet, kann man mittlere bis hohe Einnahmen erzielen.
Anmerkung: Bei der Einführung von Produkten aus deinem Projektland nach Deutschland solltest du unbedingt auf die Aus- und Einfuhrbeschränkungen der Reiseländer achten. Außerdem solltest du dir im Vorhinein sicher sein, dass du wirklich genügend Platz in deinem Koffer hast und die von der Airline vorgeschriebene Gepäck-Gewichtsgrenze nicht überschreitest.
Natürlich kostet es am Anfang ein bisschen Mut und Überwindung, aktiv auf die Menschen zuzugehen und sie für Spenden zu motivieren. Hast du aber die ersten Schritte für deine Spenden-Kampagne eingeleitet, wirst du schnell merken, dass Fundraising gar nicht so schwer ist und durch die vielen interessanten Gespräche mit deinen UnterstützerInnen sogar Spaß machen kann. Im folgenden Text berichtet unser Freiwilliger Patrick von den ersten Schritten seiner Fundraising-Kampagne.
Wie sammle ich Spenden für meinen Freiwilligendienst und warum mache ich das?
Ein Bericht von Patrick Brennecke
Mein Name ist Patrick, ich bin 20 Jahre alt und nehme an dem weltwärts-Angebot des VISIONEERS e. V. teil. Im März 2017 bin ich für ein Jahr in die Region Limón nach Costa Rica gereist, um an dem Schulbauprojekt in Limón2000 teilzunehmen.
Für das Zustandekommen meines Projektes ist es wichtig, dass ich bereits vor der Abreise Engagement zeige, denn für einen Teil der Finanzierung muss ich selbst die Verantwortung übernehmen. Dafür sammle ich Spenden. Ich habe die ersten Schwierigkeiten überwunden und dabei schnell erkannt, dass es wichtig ist, sich einen skizzenhaften Plan zu erstellen. Diesen Plan stelle ich euch als einen Ablauf von vier Schritten vor:
Im ersten Schritt machte ich mein Vorhaben einem Kreis an möglichen UnterstützerInnen in meiner unmittelbaren privaten Umgebung bekannt.
Die Zusage für meine Teilnahme an diesem Projekt fiel bei mir in die Vorweihnachtszeit. Die Festlichkeiten boten mir die Möglichkeit, mit der Familie über das Projekt zu reden, und ich beschloss, mir Spenden als Weihnachtsgeschenke zu wünschen. So war ein einfacher Anfang gemacht. Ähnlich bin ich mit meinem Freundeskreis am Silvesterabend verfahren. Hier ging es mir nicht um Spenden als Geschenke, aber darum, mein Vorhaben bekannt zu machen.
Das geweckte Interesse bündelte ich im zweiten Schritt an einem Ort, an dem ich alle Interessierten auf einmal erreichen kann.
Im neuen Jahr habe ich auf der Website betterplace.org eine Online-Kampagne gestartet, die ich den bereits informierten FreundInnen und Familienmitgliedern gezeigt habe. Auf betterplace.org ist es möglich, übersichtlich Neuigkeiten unter allen Interessierten zu verteilen. Ebenso haben diese dort die Möglichkeit, direkt zu spenden.
Im dritten Schritt suchte ich mir eine Partnerinstitution, die mir die Möglichkeit gibt, auch über meine unmittelbare Umgebung hinaus Interesse zu wecken.
Dies ist der Schritt, bei dem ich die meisten Hürden zu überwinden hatte. Meine ersten Versuche richteten sich an größere Unternehmen, die einen Bezug zu Costa Rica haben. Bei jenen prallte ich aber leider ab. Erfolg hatte ich dann, als ich das Interesse mehr auf meine Person lenkte als auf das Land Costa Rica und auf Vereine oder Einrichtungen zuging, die einen persönlichen Bezug zu mir haben.
Ich wendete mich an meine ehemalige Schule und gewann diese als Partnerin. Ich werde dort Informationsveranstaltungen organisieren, und während meines Aufenthaltes in Costa Rica schreibe ich für die SchülerInnen einen Blog. Auf diese Weise kann ich meine SponsorInnen und UnterstützerInnen erwähnen sowie Interesse bei weiteren möglichen UnterstützerInnen wecken. Auch verschaffte mir die Schule den Kontakt zu einem örtlichen Verein, der mein Projekt ebenfalls unterstützen möchte. Schulen, Universitäten, Lions Clubs oder andere Initiativen können vielversprechende PartnerInnen sein und Kontakte vermitteln. Zeitungen geben außerdem die Möglichkeit, über das Vorhaben und dessen SponsorInnen zu berichten.
Nun bemühe ich mich, das Interesse mithilfe der Plattformen und individuellen Maßnahmen stets aufrecht zu erhalten.
Privatpersonen und einige Unternehmen, die mich nun neu unterstützen, informiere ich über meine Kampagne bei Betterplace. Dort mache ich Neuigkeiten bekannt, damit ein Prozess für die UnterstützerInnen zu erkennen ist und mein Projekt lebendig vermittelt wird. Für die Schule verfasse ich zurzeit einen ersten Blogeintrag und organisiere eine Informationsveranstaltung.
Seit zwei Jahren unterstützt der VISIONEERS e. V. bereits den Schulbau in Limón 2000. Uns ist dieses Projekt sehr ans Herz gewachsen und wir freuen uns, sagen zu können: Es geht auf die Zielgerade! Die Konstruktion des Hauptgebäudes befindet sich in der letzten Phase. Wir brauchten Geduld und Optimismus, wenn es Baustopps gab. Doch ebenso gab es Zeiten großen Fortschrittes und unzählige UnterstützerInnen. Wie du hier sowie hier lesen kannst, konnten wir auch dieses Jahr wieder das Projekt vor Ort besuchen und mit zahlreichen Händen helfen. VISIONEERS, unsere Partnerorganisation Comunidad Misionera Familar und Limón 2000 sind dankbar. Stolz möchten wir über die Fortschritte dieses Jahres informieren.
Wir fiebern dem Abschluss der Baustelle entgegen und machen uns bereits Gedanken um den Schulbetrieb. Doch unterschätzen wir nicht die anstehende Bauphase: Mit den letzten Schritten wird das Gebäude finalisiert – und je gründlicher wir jetzt arbeiten, desto wohler werden sich die SchülerInnen später in dem Gebäude fühlen. Es gibt noch ungedeckten Bedarf für den Abschluss. Unsere Partnerorganisation hat uns um Unterstützung gebeten: Lasst uns diesen letzten Schritt gemeinsam gehen. Schau dir den Bedarf auch auf der Betterplace-Seite des Projektes an. Auf dieser Seite ermöglichen wir dir, an dem Projekt teilzuhaben und dein Engagement zu zeigen.
Für die Inbetriebnahme der Bildungsstätte musste eine sanitäre Grundversorgung gewährleistet werden. Aus diesem Grund trafen sich im August 2017 zehn deutsche Freiwillige in Costa Rica, um gemeinsam mit den lokalen Arbeitskräften am Innenausbau der sanitären Einrichtungen zu arbeiten.
Während des Einsatzes wurden die Ab- und Zuwasserrohre für die Toiletten, Duschen und Waschbecken verlegt. Um diese mit dem örtlichen Wassersystem zu verbinden, wurde zunächst ein 1,5 Meter tiefer Graben quer über das Grundstück zur Straße ausgehoben. Um das Verlegen der Ab- und Zuwasserrohre zu ermöglichen, blieb der Boden des zukünftigen Bades zunächst offen. Nach Fertigstellung des Wassersystems wurde anschließend eine Schalung aus Wellblech und Drahtgitter gebaut. Zur Begradigung des Bodens wurde dieser mit Kies aufgeschüttet und gefestigt. Anschließend wurde Beton angemischt und eine ca. 10 Zentimeter dicke Bodenplatte in den beiden zukünftigen Bädern gegossen. Mit der Fertigstellung der Bodenplatte endete für die deutschen Freiwilligen der Einsatz auf der Baustelle. Die Bäder waren jedoch noch lange nicht fertig. Die einheimischen Arbeitskräfte sowie freiwillige Helferinnen und Helfer aus der Gemeinde betonierten im nächsten Schritt die Waschtische und die Duschbecken. Auch wurden nun die Wände verputzt, die eben sein mussten für die geplanten Wandfliesen.
Währenddessen wurde auch fleißig im Hauptgebäude gewerkelt. Alle Räume wurden verkabelt, die Wände verschlossen und verputzt und das erste Mal erstrahlte Licht in der Schule. Weiterhin wurde soweit möglich die Zwischendecke aus PVC-Platten verbaut. Das Büro und ein Teil des Versammlungsraums stehen noch aus, doch der Bereich der späteren Klassenräume zeigt, welche Veränderung die Zwischendecke ausmacht.Als all dies geschafft war, kauften wir die Keramikfliesen für den Boden der gesamten Konstruktion. Dann ging es wieder ans Zementmischen, denn auch hier gilt: Ohne ebene Bodenplatte gibt es keinen anständigen Fliesenboden. Zuerst wurden die späteren Klassenzimmer in Angriff genommen, danach der Flur – und nach drei Tagen erstrahlte bereits die Hälfte der Schule in neuem Glanz. In demselben Tempo ging es dann weiter und die Wände wurden gestrichen. Mit viel Hilfe der Gemeindemitglieder waren Flur und der große Raum schnell fertig.
Aber nicht nur in diesen Räumen ging es schnell voran, auch das erste Bad nahm Gestalt an. Dort fanden die ersten Wandfliesen ihren Platz und die Waschtische warteten auf die Waschbecken. Mit allen Fliesen an den Wänden ging es an den Boden und die Toilettenkabinen. Schließlich wurden die Toiletten in die einzelnen Kabinen eingebaut und die Waschbecken erreichten endlich ihren rechtmäßigen Platz.
Wir sind sehr auf das Resultat am Ende dieses Jahres gespannt und bereiten uns nun auf ein gemütliches Weihnachtsfest in den schönen neuen Räumen der Schule vor. Ob wir die Bäder und die letzten Platten der Zwischendecke bis Weinachten fertiggestellt haben werden, wissen wir nicht genau, denn wir sind auf Unterstützung angewiesen. Aber in einem sind wir uns sicher: Im ersten Quartal des nächsten Jahres möchten wir das Hauptgebäude dieser Schule einweihen. Wir fiebern auf den Abschluss der Baustelle hin und machen uns bereits Gedanken um den Schulbetrieb. Doch unterschätzen wir nicht die letzte Bauphase: In den letzten Schritten wird das Gebäude finalisiert und je gründlicher wir jetzt arbeiten, desto wohler werden sich die Schülerinnen und Schüler später in dem Gebäude fühlen. Es gibt noch ungedeckten Bedarf für den Abschluss. Unsere Partnerorganisation hat uns um Unterstützung gebeten – lasst uns auch diesen letzten Schritt gemeinsam gehen!Das ganze Team vor Ort ist stolz auf die Fortschritte und die Gemeinde ist voller Vorfreude. Wir bedanken uns herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern für dieses erfolgreiche Jahr!
Liebe Grüße von euren VISIONEERS-Freiwilligen in Limón 2000Isabel und Patrick
Ein Artikel aus dem von Patrick Brennecke verfassten Journal „Pura Vida oder Pura Paja“ über den einjährigen Einsatz als Freiwilliger in Costa Rica. Du möchtest mehr von Patricks Welt in Costa Rica erfahren? Du fragst du, was er als Freiwilliger in Costa Rica macht und welche Rolle VISIONEERS e. V. dabei spielt? Dann schau in das Journal! Du findest es hier.
Die Ticos saßen auf den Terrassen ihrer Häuser und alle grüßten lächelnd. Auf der linken Seite kam das Ackerfeld und der darauf arbeitende Señor schaute schwitzend von seinen Bohnenpflanzen auf und winkte. Ich merkte die Sonne auf meine Arme brennen. Wenn ich vom Fahrrad absteige, werde ich anfangen zu schwitzen, aber noch hielt mich der Fahrtwind davon ab. Die bunten Holz- und Betonhäuser zogen an mir vorbei. Der Stromzaun über der Mauer des großen Hauses aus Backsteinen knisterte wie immer und auch der Müllhaufen befand sich an gewohnter Stelle. Die Geier flohen in den nächsten Baum, als ich herankam. In der Kirche besangen ein paar Menschen die Gnade Gottes und nebenan lagen die Männer der Autowerkstatt in ihren Hängematten. Sie hatten keine Kundschaft. Die Pulpería lag auf der rechten Seite der Schotterstraße.
Der Eingang war jedoch an der Hauptstraße und ich musste das Gebäude umrunden. Beim Abbiegen erkannte ich ein paar Schüler aus dem Colegío, der weiterführenden Schule, an ihren beigen Uniformen. Im Colegío unterrichtete ich als Freiwilliger. Vor dem Eingang der Pulpería lag die Kreuzung und auf der anderen Straßenseite die Grundschule. Anfangs unterrichtete ich auch hier, mittlerweile lag mein Fokus auf dem Colegío. Hier an der Kreuzung startete die Straße von Río Blanco, eine meiner Lieblingsrouten mit dem Fahrrad. Oft folgte ich der Straße bis hoch in die Berge. Auch mein Mentor wohnte in dieser Straße. Alles war nah dran, alles konnte ich gut mit dem Fahrrad erreichen. Ich stieg ab und betrat den kleinen Laden mit seinen drei Regalen. Auf kleinstem Raum fand ich hier stets mehr Lebensmittel als in jedem deutschen Supermarkt. „Pura Vida, Mae“, begrüßte mich der Besitzer mit der Faust. Ich schlug ein. Wir kannten uns gut, ich kam oft. Schnell hatte ich in meinen Händen alles, was meine Gastmutter mir zu kaufen aufgetragen hatte und ich stellte mich an die Kasse. „¡Patrick! ¿Cómo estás?“, fragte mich jemand, wie es mir gehe. Ich erkannte Carlos und lächelte. Carlos war einer der Männer, die in Limón2000 an der Schule bauten. Von meinem Haus aus lag Limón2000 in der entgegengesetzten Richtung als die Pulpería. Diese Gemeinde war eine Welt für sich.
Hier lebten die Ärmsten der Armen; hier sah man das Elend in den Straßen und direkt daneben die Kinder mit Murmeln spielen. Als Lehrer zeigte Limón2000 mir stets seine Schokoladenseite. Zu mir waren die Menschen allzeit nett. In diesen Straßen lebte durchaus eine fröhliche Gemeinde – aber auch die Verzweiflung. Meine Gastfamilie hatte Angst vor dem Ort. Sie betraten ihn nie. Ich betrat ihn jeden Abend. In meiner Einsatzstelle gab ich Englischkurse. Menschen lachten nirgendwo anders so viel beim Lernen einer Sprache wie hier. Nach den Kursen war stets bereits Nacht. Dann sah auch ich schon mal Menschen mit Waffen herumschießen. –
„Mir geht es gut“, antwortete ich ehrlich auf Carlos‘ Frage. Wir fingen an über seine Familie zu sprechen und er interessierte sich für die Meinung meiner Eltern zu meinem Leben in Costa Rica. Als wir uns verabschiedeten, beschlossen wir, in der nächsten Woche einen Tag mit seiner Familie und mit Isabel, meiner Mitfreiwilligen, am Strand zu verbringen. Ich schwang mich wieder auf mein Fahrrad und radelte langsam zurück über die bekannte Schotterstraße. Ich passierte die bunten Häuser und die lächelnden Gesichter von Freunden. Zuhause angekommen, erwartete mich meine Gastmutter bereits.