Mobile Lernhilfe im Wohnprojekt Bürgermeister Reuter

Seit Anfang November unterstütze ich an drei Tagen in der Woche von 15 bis 18 Uhr Jugendliche aus dem Wohnprojekt Bürgermeister Reuter in Berlin-Wedding beim Lernen. Danke an die “Deutschen Kinder- und Jugenstiftung” für die Finanzierung dieses Projekts! Es sind zwei syrische Teilnehmer und eine rumänische Teilnehmerin (alle 15 - 17 Jahre alt). Die 2 Jungen lernen Deutsch als Zweitsprache (Level A1 und A2) und brauchen manchmal Hilfe bei den Mathehausaufgaben. Zusammen mit der Teilnehmerin übe ich ausschließlich Mathematik. Übrigens war Mathe früher mein persönliches Angstfach in der Schule, aber als meine Vorgängerin mir eine kleine Einweisung für die Arbeit gab, sagte sie: „Du musst immer nur einen Schritt voraus sein“ und das klappt bisher auch ganz gut.



Alle drei Jugendlichen sind regelmäßig sehr pünktlich, konzentriert und motiviert dabei. Die Lernkurven variieren stark und wir wiederholen bei jedem Termin Inhalte der Vorstunden, um Gelerntes dauerhaft zu sichern. Die Teilnehmerin denkt manchmal sehr lange über einfache Rechnungen nach, was meinerseits viel Geduld erfordert, aber es ist auch ein gutes Gefühl, ohne Leistungsdruck oder Prüfungsangst zusammen lernen zu dürfen. Ich halte es für wichtig, besondere Kompetenzen der Jugendlichen zu würdigen. Weil die Teilnehmerin überdurchschnittlich gut Englisch spricht, haben wir auch schon Mal eine Stunde auf Englisch über ihre Familie, Kochen, Hunde und Berufspläne gesprochen.

Mit dem arabischsprachigen A1-Teilnehmer mache ich regelmäßig Wortschatzarbeit mit Bilderkarten, wobei sich das Training kreativ variieren lässt. Eine große Herausforderung sind – wie so oft – die leidigen Artikel, und auch die Buchstaben unseres Alphabets sehen von ihm noch eher gemalt als geschrieben aus. Seine neuen Lieblingswörter „Motorrad“ und „fahren“ hat er sich sofort gemerkt, aber z.B. „Lkw“ und „Fluss“ brauchen noch ein paar Wiederholungen. Der arabischsprachige A2-Teilnehmer überrascht mich immer wieder positiv damit, dass er über das Wochenende selber kleine Übungen durchführt und dann von mir überprüfen lässt. Als Lerntyp passt er in die Kategorie „langsam aber sicher“. Das Betreuerteam vor Ort ist sehr hilfreich und informiert mich zuverlässig vorher, wenn Termine ausfallen. Das ist wichtig, denn Tür zu Tür vom Büro in Schöneberg bis zur Wohngruppe dauert es manchmal bis zu eine Stunde.



Aus didaktischer Sicht wäre für Sprachanfänger eine Kleingruppe sicher ein effektiveres Format. Um trotzdem die Vorteile eines 1:1 Unterrichts auszunutzen, achte ich insbesondere auf die Verbesserung von Aussprache und Rechtschreibung. Der erste Schritt dafür ist, dass ich selber langsam und deutlich spreche und manchmal die Silben mitklatschen lasse. Die Arbeit mit den Teenies macht mir Spaß und wir machen das Beste aus unserer Zeit zusammen. Eines ist aber klar: Wenn man sich nur 2-3 Stunden pro Woche zum Unterricht trifft, sind es die Phasen zwischen den Treffen, in denen die Jugendlichen den wirklichen Fortschritt machen müssen.

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