Teil 1: Manchmal braucht man einfach ein bisschen (oder eine ganze Menge) Glück!

Updated: Feb 1

ESK-Bericht: Meine Bahnfahrt nach Codroipo (Italien)


Noch vor drei Wochen war alles ganz anders: In der gewohnten Umgebung, umgeben von Freunden und Familie und der Wunsch, einfach mal etwas Neues zu erleben.


Am 9. September ging es dann endlich los und zwar 6:45 Uhr. Erstes mal Umsteigen in Fulda, dann in München, anschließend in Villach und auf nach Udine. Also theoretisch, denn ganz so hat das alles nicht geklappt. Das wäre ja viel zu einfach gewesen und so ist bereits die Hinfahrt zu einem Abenteuer geworden (das ich trotzdem angekommen bin, grenzt schon fast an ein kleines Wunder).

Das erste Hindernis war das Umsteigen in Fulda, die Zeit betrug genau eine Minute… und das dann noch mit einem riesigen Koffer und zwei Taschen, denn von Badesachen über Gummistiefel bis hin zur Winterjacke musste alles mit. Geschwitzt habe ich an diesem Punkt bereits, aber das war erst der Anfang. Jetzt lief es jedoch erst einmal relativ entspannt, davon abgesehen, dass es sehr voll war und ein wenig anstrengend sich mit dem ganzen Gepäck durch die engen Gänge zu drücken, immer auf der Suche nach dem letzten freien Platz. Die Zeit wurde mit lesen, aus dem Fenster starren, sich mit anderen Menschen im Zug unterhalten und Spiele spielen, sowie mit einem Film gefüllt.


Im Zug Richtung Villach erklärte dann plötzlich eine Bahnmitarbeiterin in süßen österreichischen Dialekt, dass dieser Zug nur bis Salzburg fahre und das liegt ein ganzes Stück vor Villach. Wie wir weiter kommen könnten wisse sie leider auch nicht, da solle man sich am Bahnhof erkundigen. Hm. So stiegen wir alle in Salzburg aus, am Infoschalter wurde uns dann mitgeteilt, dass der Zug nach Villach leider schon weg sei, der nächste käme erst in zwei Stunden. Jetzt also zwei Stunden unnötig am Bahnhof die Zeit absitzen? Eine andere Frau meinte nun, dass der Zug noch da stehe, aber in einigen Augenblicken losfahren würde. Also musste ich jetzt den nächsten Sprint einlegen, bepackt den Bahnhof überqueren und nichts wie rein in den Zug. Tatsächlich schlossen sich knapp danach auch schon die Türen und die Reise konnte fortgesetzt werden.

Im Zug nach Udine stand die Sonne dann bereits sehr tief, zusammen mit ein paar Bäumen, einem Fluss und einer Schlucht bot sich nun ein spektakulärer Anblick und die ersten Städte im italienisch Flair begrüßten mich in meinem Zielland.

Ein kurzer Blick auf die Anzeigetafel verriet, dass wir in 15 Minuten in Udine ankommen sollten, an der nächsten Haltestelle hieß es dann also wahrscheinlich aussteigen. Oder doch nicht? Denn in dem Moment sprachen an mir vorbei gehende Menschen davon, dass sie jetzt hier in Udine aussteigen würden. Wie jetzt? Ein kurzer Blick aus dem Fenster versetze mich dann in Panik, denn das Schild am Bahnhof zeigte tatsächlich ,,Udine‘‘. Zu dem Zeitpunkt hatte ich meine Schuhe jedoch noch nicht an, mein Zeug auf meinem Platz ausgebreitet und das Gepäck war irgendwo in den Gepäckständer gequetscht. Das hieß jetzt also erneut: Beeilung.


Somit wurde das ganze Gepäck schnell in die Tasche geworfen, die Koffer herausgewühlt und nichts wie raus aus dem Zug. Jetzt war ich also offiziell in Italien, die Wärme umfing mich und von überall begegneten mir, für mich unverständliche, Gesprächsfetzen. Schließlich stand ich vor dem Ticketautomaten und suchte nach meinem letzten Ziel: Codroipo. Hier der nächste Schreck, denn genau diesen Ort gab es nicht. Nach einem kurzen Gedanken an das ,,worst-case-scenario‘‘, in dem ich heute Nacht am Bahnhof übernachten würde, machte ich mich an die Lösung des Problems. Tatsächlich fand ich dann am nächsten Automaten auch einen Zug, die Herausforderung war nun aber, das richtige Gleis zu finden, da dieses nicht auf dem Ticket vermerkt war. Die Anzeigetafel zeigte Gleis 4, die Durchsage korrigierte aber auf Gleis 1, also machte ich mich auf den Weg, um einen Bahnhofsmitarbeiter zu fragen. Dieser bestätigte ebenfalls den Wechsel. Trotzdem war da dieses ungute Gefühl, welches sich kurz darauf auch bestätigte, denn bei erneutem Nachfragen hieß es nun, der Zug stehe auf Gleis 4 und fahre jeden Moment ab. Das sagte die Frau mit solchem Nachdruck, dass in dieser Millisekunde die Entscheidung fiel ihr zu vertrauen. Also ein letzter Sprint über den Bahnhof, vollgepackt und verschwitzt (inklusive Treppensteigen, da der Fahrstuhl nicht funktionierte) und rein in den Zug… tatsächlich nach Codroipo.

Hier wurde ich dann auch gegen 20:30 Uhr mit der bekannten italienischen Herzlichkeit abgeholt und direkt auf ein Getränk eingeladen.

Die Zeit bis jetzt hat auch schon einige Abenteuer gebracht, aber ich fühle mich hier genau richtig. Alle anderen sind super nett und unter den Freiwilligen existiert eine angenehme Atmosphäre, wodurch wir bereits einiges zusammen erlebt haben. Die Umgebung hier ist außerdem wirklich wunderschön. Es gibt ein riesiges Gemeinschaftshaus, weite Wiesen, Wälder, kleine Dörfchen und einen Fluss in unmittelbarer Nähe.


Jetzt bin ich auf jeden Fall gespannt, was in den nächsten Monaten noch so passieren wird. :)


Mehr Infos zum ESK-Freiwilligendienst: https://www.visioneers.berlin/esk





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