Curso de idioma en Turrialba- ¿Tuanis o agüevado?

Updated: Jun 1


Vorbei an Bananenstaude, Kaffeeplantagen und kleinen bunten Häuschen ging es durch die Berge, bis wir den Ort Turrialba erreichten. Wir, 15 Freiwillige, wurden gleich von unserer Sprachkurs-Crew mit einer Partie Tischtennis begrüßt. Obwohl ich vor unserer Ausreise noch nicht wirklich Spanisch sprechen konnte, bin ich schließlich mit A2 Niveau im fortgeschrittenen Kurs gelandet. Da war es schon etwas anstrengend für mich, zwei bis drei Zeitformen pro Tag zu lernen und nach einer Woche schon Vergangenheitsformen vom Subjuntivo durchzupauken. Aber besser hätten die zwei Wochen nicht sein können. Die erste Woche erschien mir, wie ein ganzer Monat und das nicht, weil mir langweilig war. Wir haben jede Minute, jede Sekunde des Tages ausgenutzt und so innerhalb von zwei Wochen einen Einblick in die Kultur und das Leben in Costa Rica erhalten. Michael, unser Sprachlehrer, führte uns in die Kultur der Ticos, die Musik und Sprache ein, die Gastfamilie in das Leben hier und im Club Leo bildeten sich die ersten Freundschaften zu Ticos. Michael und Merlyn, unsere Sprachlehrer, gestalteten den Sprachkurs so vielseitig mit Spielchen, Liedern, Interviews, Ausflügen und Tanzen, dass es trotz der vielen Grammatikübungen richtig Spaß gemacht hat. Während der zwei Wochen waren wir jeweils zu zweit in einer Gastfamilie untergebracht. Meine erste Erkenntnis, angekommen bei der Gastfamilie: Die letzte vier Tage beim Seminar lebten wir wirklich in einer touristischen Welt.

Es war uns schon sehr unangenehm, unsere riesigen Koffer durch das schmale Haus zu bougieren. Deswegen, und um Platz zu sparen, versteckten wir sie auch ganz schnell unter unseren Betten, als wir merkten, dass wir in unseren Koffern für das eine Jahr fast doppelt so viel Besitz dabei hatten, als der gesamte Hausbestand unserer Gastfamilie. Unsere Gastmutter und ihr Sohn, als auch ihre Tochter und Enkel, die direkt nebenan wohnten, wurden schnell eine richtige Familie für uns und luden uns auch gleich schon zu Weihnachten ein. Bisher sind mir die meisten Leute hier mit Offenheit und Herzlichkeit begegnet, wie ich sie sonst auf den Straßen in deutschen Städten selten angetroffen habe. So sind wir mit unserer Gastfamilie und den ersten costa-ricanische Freunden innerhalb von zwei Wochen so zusammengewachsen, wie man es vielleicht von einem Jahr erwartet hätte. Dazu haben auch die dünnen rissigen Wände im Haus beigetragen.



Das weltweite Image des Landes trifft in einigen Bereichen weniger zu. Vielleicht ist Costa Rica im Vergleich zu anderen Ländern Süd- und Mittelamerikas fortschrittlicher, aber z.B. in den Bereichen der Bildung, Sozialhilfen und teilweise auch im Umweltschutz gibt es starke Unterschiede und Mängel. Man traut sich hier selten über Themen wie den Klimawandel zu reden, wenn man bemerkt, welchen Problemen sich hier viele täglich stellen müssen. Gerade in dem ärmeren Viertel, in dem wir wohnten, sind Drogen und Kriminalität ein großes Problem, weswegen wir auch immer von unserem Gastbruder begleitet wurden. Ein anderes eindrucksvolles Bild: Ein Mann zieht zwischen Steinen im Flussbett einen Kronleuchter hervor. Vor kurzem gab es eine starke Überschwemmung am Fluss von Turrialba, bei der ganze Häuser mitgerissen wurden. Die Menschen, die am Rande des Flusses wohnten, welche der ärmsten Einwohner Turrialbas, haben nun alles verloren. Sie müssen sich ihren Besitz selbst wieder zusammensuchen und falls sie Glück haben, hat der Fluss noch nicht alles weggeschwemmt. Sie erhalten keine Nothilfen, kein Geld, keine Unterstützung für einen Wiederaufbau. Da wundert es mich nicht, wenn das Wort Vegetarier hier weniger bekannt ist. Die erste Frage, als wir in unserer Gastfamilie sagten, dass wir kein Fleisch essen, lautete: „Auch kein Hühnchen?“ Die Gründe wurden missverstanden und am Ende wird dann herumerzählt, man habe eine Allergie. Natürlich gibt es auch andere Kreise, in denen solche Themen bekannter sind, aber auch hier merkt man die Unterschiede zwischen Stadt und Land, Gehalt und Bildung. Manche von uns waren beispielsweise in Familien, in denen man sogar Klopapier in die Toilette werfen durfte, was hier schon ein richtiges Privileg ist. Sehr verwundert, hat mich auch der ganze Müll, der einerseits allein durch den Verpackungsmüll von unserem Mittagessen und Bechern, die wir nur einmal benutzen durften, produziert wurde und andererseits mitten im Regenwald entsorgt wird. Dabei wurde der Schutz der Biodiversität Costa Ricas vom Staat immerhin sehr weit vorangebracht, Großteile der Bevölkerung und Touristen spielen jedoch scheinbar nicht mit.


Aber es gibt auch so etwa, wie den Club Leo, der in Turrialba hilft, wo er kann. So haben wir beispielsweise mitgeholfen, Berge von Kleiderspenden zu sortieren. Durch die organisierten Treffen mit dem Club Leo konnten wir auch schon unsere ersten Freundschaften mit Ticos und Ticas finden und wurden nach Volleyballspielen, Rollschuhfahren, Salsa tanzen, einer Schlammschlacht und einer Kulturfeier schließlich sogar offiziell als „Alematicos“ in den Club aufgenommen. Das Kulturfest hat uns Freiwilligen auch gezeigt, wie schwierig es ist unsere eigene Kultur darzustellen, ohne sich nicht auch gleichzeitig darüber lustig zu machen, schließlich ist dann doch ein kleiner Sketch entstanden.

An den Wochenenden haben wir ein bisschen die Umgebung erkundet. Bei der einen Tour ging es mit unserem Guide Jorge durch den Regenwald, inklusive Flussdurchquerung, zu einem Wasserfall. Dabei lernten wir einiges über die Pflanzenarten, wie man z.B. seine Kleidung mit Abdrücken eines Farnblatts verzieren kann oder wo man spezielle Vögel und Schmetterlinge entdeckt, so haben wir z.B. einen blauen Morphofalter entdeckt. Am nächsten Wochenende ging es dann 800 Höhenmeter den Berg hoch, bis zu dem noch aktiven Vulkan Turrialba. Dort bekam ich schon fast Heimatsgefühle beim Mittagessen in der Berghütte zwischen den Kuhweiden mit Aussicht auf die weite Berglandschaft. Ein Stückchen höher, auf dem Weg zum Krater schlängelte sich der Weg dann plötzlich wieder durch den Dschungel, vorbei an Kolibris und Kratzspuren eines Pumas. Den Puma selbst haben wir trotz angestrengtem Suchen leider nicht entdeckt. Aber ich habe ja schließlich auch noch ein Jahr lang Zeit. Und was mein Spanisch betrifft, stellt sich die Frage: „ ¿Tuanis o agüevado? “ Hoffentlich: „¡Tuanis!“


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