„Ich beneide die Freuden Europas nicht, die Größe, die darin eingeschlossen ist (…)“

Das ist ein Auszug aus der zweitwichtigsten Hymne meines geliebten Costa Rica, einer Hymne, die beinahe eine zweite Nationalhymne Costa Ricas ist. Sie wird normalerweise an den Unabhängigkeitsfesten und bei Bürgeraktionen gesungen. Costa-Ricanischer Patriotismus eben.

Nun bin ich seit neun Monaten in Europa, konkreter gesagt in Deutschland.

Ich kann sagen, dass ich diesen Kontinent überhaupt nicht beneide, denn Neid beschreibt das Gefühl voller Bitterkeit, Traurigkeit oder Wut darüber, dass jemand einem anderen dessen Besitz oder Erfolg nicht gönnt und selbst haben möchte.

Ich denke, der Liedauszug spiegelt unsere costa-ricanische Kultur voller Liebe, Frieden, reinem Leben und ohne Neid wider. Jetzt kann ich verstehen, was wir von klein auf in Costa Rica gesungen haben.

Das Leben in Deutschland hat mir einen anderen Blickwinkel auf Kultur, Entwicklung und Bildung gegeben. Wenn ich sehe, wie ein Land wie Deutschland in verschiedenen Bereichen so hohe Qualitätsstandards erreicht, bin ich stolz darauf, während meines Freiwilligendienstes mit weltwärts in diesem Land zu leben.

Wenn ich es nun wirklich nicht hinbekomme, die germanischen Länder (oder Europa im Allgemeinen) zu beneiden, bleibt mir nur, das Gute dieser alten Kultur voller wunderbarer Geschichten mit erstaunlichen Orten voller Magie zu lernen und nachhaltig zu nutzen. Während meiner Zeit in Berlin hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Arten von Migranten vieler Nationalitäten zu sprechen:

Einige beschweren sich über das deutsche System, andere über die Menge an Dokumenten, die für ein Verfahren beschafft werden müssen. Andere wiederum haben Schwierigkeiten mit der Sprache.

Ich komme aus Costa Rica und weiß, dass die deutschen Formalitäten manchmal sehr stressig sind. Man muss einfach Geduld mitbringen, damit das Ganze vertrauter und auch ein wenig lustig erscheint.

Ich denke immer noch an diese Frage, die mir ein Deutscher gestellt hat: „Eduardo, was ist deiner Meinung nach das Bizarrste an Deutschland?“

Daraufhin konnte ich nur antworten, dass, wenn man sich in einem anderen Land als dem eigenen befindet, alles schrecklich seltsam sein kann.

Doch wenn man eine Kultur mit Millionen von Unterschieden kennt, halte ich es für das Beste, mehr über Kultur zu erfahren, mehr über jedes Detail zu lernen, welches jede Nation so einzigartig macht.

Details, die eine Umgebung bilden und wiederum eine Welt voller Leben und Kultur ergeben.

Deshalb hat mir die bisherige Zeit in Deutschland die Möglichkeit gegeben, darüber nachzudenken, wie wichtig die Geschichte jeder Nation ist.

Wie wichtig es ist, diese Geschichte nicht zu vergessen, sondern jeden Schritt zu gehen und eine neue Geschichte in dieser Welt zu schreiben.

Die unterschiedlichen Beiträge verschiedener Kulturen sind unheimlich wichtig für unseren Planeten, der unsere Heimat ist. Leben in Toleranz und Brüderlichkeit.

Jetzt sehe ich diese Welt als jene Kachelstücke, die solche einzigartigen Farben und Figuren bilden, ohne etwas zu kopieren und jede Form ihre eigene Botschaft zu haben scheint.

Kultur und Geschichte können nur zur Entwicklung einer besseren Welt für alle führen.

Ich danke jedem Leser und auch allen Menschen, die mich in diesen zehn Monaten immer unterstützen.

Pura Vida!

Eduardo Serrano Vega

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