• Lucy

Projekt "Jugendwerkstatt Technik"

Ein gutes halbes Jahr lief unser Projekt „Jugendwerkstatt Technik“, das Jugendliche in unterschiedlichen technischen Bereichen fördern sollte. Ein Schwerpunkt lag auf der Einführung in digitale Medien wie WhatsApp oder YouTube, wofür wir eng mit der Sophie-Scholl-Schule zusammen gearbeitet haben.

Wir wollten den Schüler*innen die Funktionsweisen sozialer Medien und Plattformen erklären und sie an einen sicheren Umgang heranführen. Dabei ging es keineswegs um eine Verteufelung des Internets, sondern um die Vermittlung eines informierten und verantwortungsbewussten Handelns im Internet.

Das Thema Datenschutz ist so aktuell wie nie zuvor, Cyber Mobbing ist weit verbreitet, Fake News findet man sogar in renommierten Zeitungen. Das sind Probleme einer jungen Generation, deren Eltern sie oftmals nur unzureichend darüber aufklären können. Dabei handelt es sich genau um die Generation, die schon in jungem Alter Videos von sich und Freund*innen auf sozialen Medien hochlädt, ohne an mögliche Folgen zu denken. Die gleichen Jugendlichen, die einerseits täglich mehrere Stunden auf WhatsApp, Facebook oder Instagram verbringen, wissen andererseits nichts von Spam-E-Mails oder provokativer und manipulativer Videobearbeitung und sind daher oft ein gefundenes Fressen für Phishing-Angriffe. Sie sind besonders anfällig für Betrugsversuche und stellen auch die Zielgruppe für die Rekrutierung von Terrororganisationen dar. Prävention in diesem Bereich war ein weiteres Ziel der Jugendwerkstatt.

Von genau diesen Schüler*innen, die noch nie eine E-Mail geschrieben haben, erwartet man dann, dass sie sich eigenständig um Praktikumsplätze kümmern oder eine Bewerbung schreiben. Daher haben wir auch den Umgang mit Programmen wie MS Word und PowerPoint mit den Schüler*innen trainiert. Die meisten hatten noch nie zuvor damit gearbeitet und waren auch mit der PC-Tastatur unvertraut. In unserer Zeit wird vorausgesetzt, dass junge Menschen grundlegende EDV-Kenntnisse besitzen, dass sie sich online bewerben können, dass sie Hausaufgaben oder Projekte schriftlich am PC verfassen können. Die meisten Schüler*innen lernen das während der Mittelstufe in IT-Kursen. Geflüchtete Jugendliche fallen oftmals durch das Raster, da sie die ersten 2 Jahre zumeist in Willkommensklassen verbringen, wo sie hauptsächlich Deutsch lernen, anstatt wie andere Klassen den Umgang mit dem PC. Kommen sie danach in Regelklassen, fehlt ihnen dieses Wissen und es wird auch nicht nachgeholt, da das Thema schließlich schon in den Stufen darunter behandelt wurde. Doch ohne diese Kenntnisse hängen diese Jugendlichen hinter den Schüler*innen aus Regelklassen zurück, haben schlechtere Chancen bei Praktika und Ausbildungen und haben es damit auch schwerer bei der Integration. Dieses Ungleichgewicht versuchen wir durch unsere technische Jugendwerkstatt aufzuheben.

Ein weiterer wichtiger Teil unserer Jugendwerkstatt war der Besuch verschiedener Museen, unter anderem des Technik-Museums oder des Spionage-Museums. Dort konnten die Teilnehmer*innen viel über alte und moderne technische Prozesse und Fortschritte lernen. Egal ob Züge, Schiffe oder Satellitentechnik, solange es Geräte zum Ausprobieren und Experimentieren gab, war das Interesse geweckt. Besonders schön zu sehen war, wie die Jugendlichen aufblühten und die Museen gemeinsam erkunden wollten, um nichts zu verpassen. Diese Ausflüge wurden immer mit einem gemeinsamen Abendessen beendet, um sich auszutauschen und Freundschaften zu bilden.

Weniger theoretisch waren unsere Treffen zum gemeinsamen Werkeln, bei denen wir unter anderem mit einem Team aus Doha (Katar) unsere Räumlichkeiten renoviert haben oder als Corporate-Volunteering-Event mit Mitarbeiter*innen von Bayer aus alten Paletten Möbel gebaut haben. Mit viel Spaß an der Sache konnten sich nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Erwachsenen handwerklich ausprobieren, Fähigkeiten verbessern und eine Menge neue Dinge auch über sich selbst lernen. Gemeinsam wurden Wände gestrichen, Regale mal mit und mal ohne Anleitung zusammengebaut, gebohrt, gesägt und vieles mehr. Das waren einzigartige Tage für die Jugendlichen, bei denen sie schon erste Einblicke in verschiedene Berufsbilder bekommen konnten.

Ein Cajon-Workshop war ebenfalls Teil des Werkelns und definitiv ein erinnerungswürdiges Event. In Kooperation mit KulturLeben Berlin konnte jede*r Teilnehmer*in sich ein eigenes Cajon zusammenschrauben, leimen und hämmern – eine ideale Gelegenheit für die Jugendlichen, um sich auszuprobieren und Neues zu lernen.

Ein weiteres Highlight war auf jeden Fall auch die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin, bei der sich die Jugendlichen viele wissenschaftliche und technische Prozesse und Vorgänge anschauen und selbst ausprobieren konnten. So konnte man sich mit Roboterbau beschäftigen, eine eigene Schaltplatine zusammenlöten oder die eigene Blutgruppe testen. Die meisten der Jugendlichen sind unglaublich interessiert und motiviert, Neues zu lernen, und brauchen nur Menschen, die ihnen die Chance dazu geben und in ihre Zukunft investieren.

Im Verlauf der Monate konnten wir den Jugendlichen Einblicke in verschiedenste technische Bereiche geben und einen Grundstein für ihre zukünftige Entwicklung legen.

Wir bedanken uns vielmals bei der Hans-Sauer-Stiftung, die dieses Projekt ermöglicht hat!

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